14 Januar 2016

14. Januar, 2016


von TIM SEITTER @Timuslav

Die San Antonio Spurs spielen eine furiose reguläre Saison. Kein Team dominiert seine Gegner deutlicher als die Texaner. 14,1 Punkte beträgt die Differenz im Durchschnitt nach 48 Minuten - Bestwert in der Liga. 

Die 34 Siege und nur sechs Niederlagen bedeuten Platz zwei, nur drei Partien hinter den als unschlagbar geltenden Golden State Warriors. Die Gründe für den Erfolg der Spurs sind vielschichtig. Viele Spieler tragen ihren Teil zum Teamerfolg bei. Der Neuzugang LaMarcus Aldridge hat sicher einen großen Part. 

LaMarcus Aldridge
Die Integration von LaMarcus Aldridge in das Spiel der Spurs gelingt mit fortschreitender Saisondauer immer besser. Besonders defensiv ist LMA ein wichtiger Faktor und trägt einen großen Teil dazu bei, dass die Texaner die beste Defensive der Liga stellen. 89,7 gegnerische Punkte pro Spiel bedeuten Platz 1. Da Aldridge offensiv weniger Last tragen muss, als noch in Portland, kann er defensiv mehr Energie aufwenden.

Auch offensiv hat sich der Big Man im Vergleich zum Saisonstart verbessert. Zwar legt er mit 15,8 Punkten pro Spiel deutlich weniger auf als noch in Portland (23,4 in der letzten Saison), allerdings steht Aldridge im Schnitt auch knapp sechs Minuten weniger auf dem Parkett als noch letzte Saison. Auf 36 Minuten hochgerechnet beträgt die Punktedifferenz im Vergleich zur Vorsaison nur 4,7 Punkte pro Spiel. Wird bedacht, dass in Portland nahezu die komplette Offensive auf ihn zugeschnitten war, ist das ein sehr guter Wert.


Im Vergleich zum Beginn der Saison fällt zudem auf, dass Aldridge seltener im Post isoliert wird. Der Ball gerät nicht mehr so häufig ins Stocken, wenn LMA ihn in die Hände bekommt. Dies liegt in erster Linie daran, dass der Big Man immer öfter seine Mitspieler findet, da diese sich mittlerweile besser bewegen und Aldridge nicht nur bei der Arbeit „zuschauen“. Seine Entscheidungen innerhalb des Systems fallen schneller und sind meist genau richtig 

Tony Parker
Vor der Saison stand vor der Leistungsfähigkeit Parkers noch ein dickes Fragezeichen. Eine durchwachsene Saison 2014/15, eine enttäuschende EuroBasket und die vielen Spiele, die der Franzose schon auf dem Buckel hat, ließen wenig Raum für Optimismus. Doch Parker ließ sich davon nicht beirren und liefert bisher eine gute Saison.


Nicht mehr ganz so stark wie noch vor Jahren, profitiert Parker aber immer noch von seiner wahnwitzigen Geschwindigkeit. Seine Penetration ist auch in dieser Saison eine Waffe, auch wenn er sie nicht mehr so häufig einsetzt. Wenn er zum Korb zieht, schließt Parker hochprozentig ab. 61,7 % seiner Versuche unter dem Korb finden den Weg durch den Ring. 

Am beeindrucktesten sind jedoch die Wurfquoten des Point Guards. Parker galt seit jeher als Spieler, der einen wackeligen Jumper besitzt und der in erster Linie von seiner Geschwindigkeit und seinen Drives lebt. Doch der Wurf des Franzosen fällt diese Saison hochprozentig. 52,6 % aus dem Feld  bedeuten Ligabestwert für einen Point Guard. Mit 43,3 % von jenseits der Dreipunktelinie stellt Parker in der laufenden Saison zudem einen persönlichen Karriererekord auf.

Kawhi Leonard
NBA Champion, Finals MVP und DPOY ist Leonard bereits. Dieses Jahr wird verdienterweise die erste All-Star Nominierung folgen. Leonard spielt eine überragende Saison. Der defensive Anker des Teams ist spätestens seit dieser Saison auch der offensive Mittelpunkt im Spiel der Spurs. Mit 20,7 PPG führt Leonard die teaminterne Punkteskala deutlich an.

Leonard gilt als Gym-Rat und hat im Sommer akribisch an seinem Wurf gearbeitet, der als seine größte Schwäche galt. Nicht mehr, denn die Arbeit trägt Früchte. 51,6% aus dem Feld stehen für den athletischen Forward zu Buche. Von hinter der Dreipunktelinie trifft „The Claw“ nahezu jeden zweiten Wurf. Seine 49,3% Dreierquote sind Ligabestwert.  


Noch beeindruckender ist diese Zahl, wenn sich die Entwicklung des amtierenden DPOY vors Auge geführt wird. Leonard galt nie als sicherer Distanzschütze. Sein Jumper galt lange als inkonstant. Noch letzte Saison traf er "nur" 34,9 % seiner Dreipunktwürfe - kein schwacher Wert, aber kaum mehr als Durchschnitt. 

Durch die Reichweite, die sich Kawhi erarbeitet hat, schafft er sich und seinen Mitspielern immer wieder Platz auf dem Feld, der oft effektiv genutzt wird. Zudem bleibt Leonard in diesem Jahr über längere Strecken verletzungsfrei. Kleinere Verletzungen begleiteten den Spur in den vergangen Jahren, so konnte er kaum einen Rhythmus finden. In dieser Saison ist er sogar ein legitimer MVP-Kandidat.

Energizer von der Bank
Galt die Bank der Spurs vor der Saison noch als potenzielles Sorgenkind, ist sie mittlerweile wieder das Prunkstück der Texaner. David West, der bei vielen NBA Teams sicher zur Starting Unit gehören würde, glänzt hier in einer neuen Rolle und ist ein wichtiger Teil der Second Unit. 

Auch in diesem Jahr fällt sein Midrange Jumper sicher wie eh und je. 55,2% FG bedeuten für West einen persönlichen Karrierebestwert. Zwischen 10 und 16 Fuß vom Korb entfernt trifft West fantastische 57,1 % seiner Versuche. Zudem beweist West eine gute Spielübersicht.

Als wahrer Energizer von der Bank, der den Namen absolut verdient, beweist sich Jonathon Simmons, den niemand auf dem Zettel hatte. Der 26 Jahre alte Rookie, der die Verantwortlichen in San Antonio durch eine starke Summer League von sich überzeugen konnte, fällt durch seine überragende Athletik auf. Mehrfach verzückte er das Publikum im AT&T Center bereits mit krachenden Dunks. 

Aber Simmons hat mehr drauf. 42,9 seiner Dreipunktwürfe finden den Weg durch die Reuse. Vom Coaching Staff der Spurs hat er die Anweisung, offene Distanzwürfe zu nehmen oder bei guter Deckung die Zone zu attackieren. Dabei trifft Simmons oft gute Entscheidungen, schließt entweder selbst ab oder passt den Spalding zu einem freien Mitspieler.

Mit Boban Marjanovic haben die Spurs in der Offseason ihren neuen Publikumsliebling verpflichtet. Jede Aktion des 2,22 Meter, 145 Kilogramm schweren Serben wird von den eigenen Fans frenetisch bejubelt. Fünf Punkte und drei Rebounds stehen für den 27-Jährigen in 7,3 Minuten pro Spiel in den Büchern - solide Werte, aber viel wichtiger ist er in seiner Rolle als Spieler, der Mannschaftskollegen entlasten und eine ganze Halle wachrütteln und elektrisieren kann.

Ausblick
Die San Antonio Spurs sind gut in die Saison gestartet und konnten den Trend im Laufe der Saison bestätigen. Hinter den Warriors sind sie aktuell das Team, das es in der NBA zu schlagen gilt. 

Die NBA-Spielplaner haben ein Treffen der beiden Powerhouses San Antonio und Golden State bisher verhindert. Am 25. Januar steigt endlich das langerwartete Gipfeltreffen. Fans dürfen gespannt sein, ob die Spurs mit ihrem großen Lineup dem Small Ball der Warriors wehtun können.

Doch zuvor steht das Duell gegen den letztjährigen Verlierer der NBA-Finals an: Cleveland. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag kommt es im AT&T Center zum ersten Aufeinandertreffen der Saison mit der uneingeschränkten Nummer eins im Osten. 

Die Spurs wollen ihren 22-0 Rekord in eigener Halle ausbauen, die Cavaliers wollen ein Ausrufezeichen in Richtung ihrer größten Konkurrenten San Antonio und Golden State setzten. Cleveland ist endlich fit und seit acht Partien ungeschlagen. Die Spurs haben seit neun Partien nicht mehr verloren.

Unvergessen ist das letzte Aufeinandertreffen der beiden Mannschaften, bei der sich die Cavs in San Antonio nach Overtime mit 128-125 durchsetzen konnten. Kyrie Irving steuerte damals 57 Punkte bei.