12 Januar 2016

12. Januar, 2016


von STEFAN DUPICK @hoopsgamede

Die Oklahoma City Thunder scheinen sich gefunden zu haben. Westbrook und Durant legen wieder Fabel-Stats aufs Parkett, das Team aus Oklahoma hat sich zur Saison-Halbzeit hinter den Golden State Warriors und San Antonio Spurs auf dem dritten Platz in der Western Conference festgesetzt.

Dennoch wirkt es so, als würde den Thunder an vielen Abenden das gewisse Etwas fehlen, das sie zu einem absoluten Meisterschaftsanwärter katapultiert. Kann ein Trade vor der Deadline in knapp vier Wochen das letzte Puzzlestück zum Titel bringen?

Es läuft das Contract Year von Kevin Durant. Oklahoma City wird alles daran setzen, den Superstar zu halten. Das beste Mittel, um dem Forward eine Verlängerung schmackhaft zu machen, ist Erfolg. Um in der aktuellen Saison eine realistische Rolle im Kampf um den Titel spielen zu können, sind die Thunder noch nicht optimal aufgestellt.

Eigentlich läuft die Maschinerie in OKC. Neben den beiden Superstars Durant und Westbrook sorgen Power Forward Serge Ibaka und Center Steven Adams für den nötigen defensiven Rückhalt unter dem Korb.

Dazu bringt Enes Kanter von der Bank kommend offensive Impulse und führt die zweite Garde der Thunder an. Auch Rookie-Point Guard Cameron Payne weiß zu gefallen und konnte bereits einige Akzente setzen. Das große Problem der Thunder ist jedoch die Position des Shooting Guards.

Dion Waiters kam in der vergangenen Saison aus Cleveland und sollte die Zukunft auf der Zwei werden. Viele dachten, Waiters würde als ehemaliger Lottery Pick sehr viel Potenzial besitzen. Das konnte er bisher jedoch weder in Cleveland noch in Oklahoma konstant aufs Parkett bringen. Die Shooting Guard Alternativen heißen Anthony Morrow und Andre Roberson. Keiner von beiden konnte in der aktuellen Saison vollends überzeugen.


Was brauchen die Thunder?
Den Thunder fehlt ein „3 and D“ Spezialist auf der Zwei, ein Shooting Guard der seine Stärken in der Defensive hat und wie ein Terrier arbeitet, um Russell Westbrook defensiv zu entlasten. Zudem sollte dieser Spieler hochprozentig den Dreier treffen, offensiv jedoch nicht zu hohe Ansprüche hinsichtlich eigenem Ballbesitz stellen. Es wird ein Arbeiter benötigt, der ein Upgrade zu den drei vorhandenen Shooting Guards darstellt und genügsam seine Rolle im Team erfüllt.

Kyle Korver aus Atlanta oder Danny Green von den Spurs wären natürlich die Optimal-Besetzungen für diese Rolle. Ähnlich gut wäre J.J. Redick von den L.A. Clippers geeignet. Keiner der drei wird für die Thunder verfügbar sein, denn die Thunder könnten weder den aufgerufenen Preis zahlen, noch würden besagte Teams diese Spieler ziehen lassen. Alle drei sind essentielle Bausteine dreier Championship-Anwärter. Die ganze Liga weiß um ihre Qualitäten, San Antonio, Atlanta und Los Angeles werden sie um keinen Preis ziehen lassen.

Victor Oladipo ist ein interessanter Kandidat. Der 23-Jährige ist bereits jetzt ein guter Verteidiger und ein sehr guter Team-Spieler. Mit seiner Situation in Orlando ist Oladipo derzeit nicht zufrieden, da er für die Magic (vor der Verletzung von Elfrid Payton) von der Bank kam und seine Leistungen stagnieren. Es dürfte für die Thunder jedoch nahezu unmöglich sein, ein interessantes Paket zu schnüren, welches die Magic dazu verleiten würde, Oladipo nach Oklahoma zu verschiffen.

Was können die Thunder bieten?
Bevor der Blick auf die realistischen Kandidaten für einen Trade gerichtet wird, muss die Trademasse der Thunder betrachtet und bewertet werden. Während Durant, Westbrook, Ibaka und Adams für einen Trade nicht zur Verfügung stehen, Kanter noch nicht getradet werden darf und zudem zu teuer ist, kommen Spieler wie Waiters, Singler, Morrow, Roberson, Collison, McGary und Rookie Payne in Frage. Keiner der genannten Spieler ist in der Liga jedoch sonderlich gefragt, auch wenn z.B. Payne, Waiters und McGary durchaus über noch ungenutztes Potenzial verfügen. 

Die Kandidaten
Die Liste der potenziellen Kandidaten ist kurz, schließlich kommt nur eine gewissen Art von Spieler in Frage. Zudem sind viele Spieler mit dem geforderten Profil, wie eben gesehen, nicht auf dem Markt. Die realistisch erhältlichen Wunschspieler der Thunder könnten also Typen wie Courtney Lee oder Avery Bradley sein.

Courtney Lee von den Memphis Grizzlies wäre ein geeigneter Kandidat. Der Shooting Guard hat viel Erfahrung in der Liga und ist in seiner derzeitigen Back-up-Rolle unzufrieden. Lee ist ein solider Verteidiger und trifft den Dreier. In seiner Karriere trifft der Guard fast 39% von Downtown, seine aktuellen 32% sollten daher nicht allzu besorgniserregend sein. Ein Deal mit den Grizzlies ist zudem als realistisch einzustufen, da Lee keine bedeutende Rolle bei den Grizzlies einnimmt.

Avery Bradley aus Boston ist ein Elite-Verteidiger, der sich im Laufe der Zeit einen mehr als soliden Dreier zugelegt hat. Bradley trifft in der aktuellen Saison gute 37,6% von Downtown. Der Shooting Guard der Celtics wäre ein mehr als geeigneter Kandidat für OKC, qualitativ auch besser als Lee. Ein Deal ist jedoch unwahrscheinlich, da die Celtics nicht nur im Umbruch sind, die Thunder mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Spieler anbieten können, die den Vorstellungen der Celtics entsprechen - sondern weil Boston obendrein um die Playoffs kämpft und Bradley einer von Coach Brad Stevens' wichtigsten Männer ist. 


Neben Lee und Bradley sind weitere Szenarien möglich. Kevin Martin aus Minnesota könnte ein Kandidat sein und zum Team zurück kehren, für das er einst nach dem berüchtigten James Harden ein Jahr lang auflief. Martin trifft den Dreier ordentlich, hat Erfahrung in der NBA und in OKC und wäre in der Offensive ein geeigneter Kandidat, um Druck von Westbrook und Durant zu nehmen.

Defensiv wäre der Shooting Guard jedoch nicht ideal. Auch wenn Kevin Martins Defensivqualitäten in der Vergangenheit immer etwas unterbewertet waren, so trägt sein zunehmendes Alter nicht dazu bei, dass der Veteran schneller auf den Beinen wird. Martin wäre somit eher zweite Wahl, könnte aber eine interessante Option sein, um Dion Waiters loszuwerden.