11 Januar 2016

11. Januar, 2016


Eine 40-0 Bilanz ist der Traum eines jeden Collegetrainers und wäre gleichbedeutend mit dem Erklimmen des Olymps. Doch bis jetzt konnte diese magische Grenze von noch keinem Team erreicht werden. Die Kentucky Wildcats kamen diesem Ziel in der vergangenen Saison schon sehr nah, als sie mit einer 38-0 Bilanz ins Halbfinale gingen und sich dort Wisconsin geschlagen geben mussten. Vor dieser Saison rechnete niemand damit, dass ein Team diese Marke erreichen würde.

von AXEL BABST @CoachBabst

Nach knapp zwei Monaten sind auch nur noch die Westen zweier Teams unbefleckt. Die SMU Mustangs, die allerdings nicht an der Postseason teilnehmen dürfen, und die South Carolina Gamecocks mussten bislang noch nicht eine Niederlage hinnehmen. Letztere bewiesen am Wochenende mit einem Sieg über Vanderbilt, dass der starke Saisonstart nicht nur auf schwache Gegner zurück zu führen ist, sondern die Gamecocks auch ein gefährliches Team im März ergeben können.

South Carolina wird gecoacht von Frank Martin, einem grimmig dreinschauenden Trainer, der scheinbar immer etwas an seinem Team oder den Schiedsrichtern auszusetzen hat. Allerdings trifft er mit seinen Kritikpunkten meist den Nagel auf den Kopf. Entsprechend diszipliniert agieren die Gamecocks an beiden Enden des Feldes und können sich verschiedenen Spielstilen und Atmosphären anpassen. So gewannen sie gegen Gegner unterschiedlichster Art und konnte zuletzt auch in einer wahren Freiwurfschlacht (insgesamt 99 Freiwürfe auf beiden Seiten) gegen Memphis die Nerven bewahren.

Das Team ergänzt sich ebenfalls hervorragend und besticht mit einer guten Mischung aus erfahrenen Kämpfern und talentierten Youngstern. Die Verantwortung in der Offense ist auf mehrere Schultern verteilt und scheinbar sind mehrere Spieler in der Lage, einer Partie die entscheidende Note zu verpassen.


Auf der anderen Seite galten die Vanderbilt Commodores vor der Saison als allgemein bekannter Geheimkandidat für einen tiefen Run im NCAA Tournament. Nach vielversprechendem Start setzte es in einem guten Match gegen Kansas eine knappe Niederlage beim Finale des Maui Invitational Turniers. 

Allerdings verliefen die folgenden Wochen mehr als holprig. Gegen Baylor verloren die Kommodore äußerst unglücklich und verloren dadurch spürbar ihr Selbstvertrauen, was für ein Team, das so abhängig von seinen Dreiern und Sprungwürfen wie Vanderbilt ist, denkbar ungünstige Folgen nach sich zieht. Zumal sich auch noch Stretch Vierer Luke Kornet das Innenband im Knie riss und damit sechs Spiele fehlte. Erst gegen Arkansas unter der Woche feierte der Big Man sein Comeback, konnte aber die fünfte Niederlage im siebten Spiel nicht verhindern. Angesichts der 8:6-Bilanz und nach etlichen Pleiten gegen andere Bubble Teams, nichts anderes sind die Commodores momentan, schien die Aussicht auf einen „Quality Win“ in South Carolina genau die richtige Gelegenheit zu sein, um die Trendwende einzuleiten.

Neben Kornet befinden sich weitere hochprozentige Schützen im Kader, die in Zusammenhang mit den NBA Talenten Damian Jones unter dem Korb und Wade Baldwin als Ballhandler, sowie den cleveren Sets von Coach Kevin Stallings eine scheinbar unaufhaltsame Offensivmaschine bilden. 

Besonders zu Beginn der Partie machte sich die Rückkehr Luke Kornets positiv bemerkbar. Neben seinen Wurfqualitäten, kann der Sophomore mit seiner Länge viele Würfe verändern und der Defensive Stabilität verleihen. 

Direkt der erste Angriff läuft über den 2,16m-Forward. In diesen Angriff sind alle Spieler involviert und er steht sinnbildlich für den Basketball, den Stallings gerne praktizieren lässt. Das Play ist eigentlich darauf ausgelegt, Lowpost-Scorer Damian Jones (Nr.30) den Ball im Eins-gegen-Eins zu überlassen. Allerdings wird er geschickt von Laimonas Chatkevicius (Nr.14) verteidigt. 

Also bewegen die Commodores den Ball und initiieren ein Pick & Pop mit Jeff Roberson (Nr.11) und Luke Kornet (Nr.3). Kornet nutzt den offenen Wurf, um direkt seinen Rhythmus zu finden. Wichtig festzuhalten ist außerdem, dass sich auf der Weakside Riley LaChance (Nr.13) und Matthew Fisher-Davis (Nr.5) bewegen und die Defense beschäftigen. Was normalerweise selbstverständlich für die Offense Vanderbilts ist, wird in der zweiten Halbzeit verschwinden.


Auch der zweite Angriff der Gäste endet mit einem Kornet Dreier. Dieses Mal leitet Kornet das Ballmovement sogar eigenständig ein. Auf dem linken Flügel erhält Kornet den Ball von Guard LaChance und zieht mit der linken Hand zum Korb. Damit zwingt er die Defense zur Rotation, die auch prompt folgt. Allerdings ist Fisher-Davis nicht in der Ecke, wo er eigentlich auf den Kickout lauern sollte, sondern verliert die Orientierung und steht innerhalb der Dreier.

Da auch Kornets Pass nicht optimal ist, verlieren die Commodores fast den Ball. Shooter Fisher-Davis kann die Situation gerade noch retten. Nach dem Pass bleibt Kornet nicht stehen, sondern bewegt sich wieder aus der Dreierlinie heraus und sorgt damit wieder für gutes Spacing. Roberson belohnt diese Aktion mit einem zielgerichteten Pass auf Kornet, der seinen zweiten Dreier versenkt.


Im dritten Angriff wird auch direkt deutlich, wie sehr Kornet seinem Frontcourt Partner Jones hilft. Erneut laufen die Commodores ein Pick & Pop mit Roberson und Kornet. Letzterer nimmt nach seinen zwei vorangegangenen Treffern selbstbewusst den dritten Jumper. Der ist dieses Mal zwar nicht drin, aber Jones hat die ganze Zone für sich alleine und alles konzentriert sich auf Kornet. Dadurch kann Jones seine exzellente Boxout-Technik im Duell gegen Chatkevicius anwenden. Dem Litauer lässt er keine Chance und sichert sich den Putback.

Im Gegenzug zeigt sich, wie wertvoll die Präsenz zweier Sevenfooter sein kann. P.J. Dozier (Nr.15) und Chatkevicius laufen ein High Pick & Roll. Währenddessen liftet Mindaugas Kacinas (Nr.25) im Rücken der Verteidigung zur Dreierlinie. Jones ist in dieser Situation extrem schlecht positioniert, sodass Dozier mit dem Ball in der Hand sogar den Closeout Weg für den Big Man abschneidet.

Kacinas verweigert jedoch den offenen Wurf und attackiert lieber das unkontrollierte Herausstürmen von Jones. In der Zone wird er jedoch von den beiden Big Men der Commodores in die Zange genommen und kann keinen guten Abschluss im Korb unterbringen.

Einen Angriff später erhöht Mason nochmal sein Intensitätslevel und verhindert, dass Hield überhaupt an den Ball kommt. Gleich zwei Mal versucht Isaiah Cousins (Nr.11) seinen Backcourt Partner in Szene zu setzen, doch in beiden Situationen muss Cousins stattdessen den Notpass zu einem anderen Mitspieler verwenden. Das Resultat ist ein gut verteidigter langer Zweier nach fünf Dribblings von Dinjiyl Walker (Nr.2), der von allen Guards der Sooners der mit Abstand limitierteste ist.


Nach diesem Blitzstart der Gäste fing sich South Carolina jedoch und steigerte kontinuierlich die Schlagzahl in der Defense. Dadurch waren besonders die Guards der Commodores zu Einzelaktionen gezwungen. Beispielhaft ist der Drive von Wade Baldwin (Nr.4), der an der Mittellinie unter Druck gesetzt wird und diesen konsequent attackiert. Da die Helpside der Gamecocks, namentlich Kacinas, eine Sekunde pennt, kann Baldwin sogar bis zum Brett vorstoßen. Trotzdem wird die Intensität und der Wille der Gamecocks deutlich, da gleich drei Spieler an Baldwin drankleben und ihn am Korb hindern wollen.



Auf der anderen Seite zeigten die Gastgeber jedoch auch, wie strukturiert sie im Setplay agieren und wie unberechenbar sie dort ihre Punkte erzielen. Meist starten die Gamecocks aus einer Horns Aufstellung heraus und können anschließend auf eine Vielzahl von Varianten zurückgreifen.

Das ist für den Gegner immer schwer zu verteidigen, weil sich oft nur Kleinigkeiten zwischen den einzelnen Plays unterscheiden, aber der Defense oft keine Zeit zur Reaktion bleibt und South Carolina dadurch meistens einen guten Wurf erhält. Folgendes Play laufen die Gamecocks besonders gern: 

Ende der ersten Halbzeit lässt Martin dieses Play zwei Mal in Folge mit unterschiedlichen Ausstiegen laufen. Zunächst wird Michael Carrera (Nr.24) im Lowpost gesucht. Da Carrera oft als nomineller Small Forward aufläuft und für diese Position sehr kräftig gebaut ist, hat Carrera daher oft körperliche Vorteile und kann seine Gegenspieler schlagen.

Sindarius Thornwell (Nr.0) übernimmt den Spielaufbau. Nach dem Iverson Cut von Duane Notice (Nr.10) spielt Thornwell den Ball zu Kacinas. Anschließend erhält der Guard von Chris Silva (Nr.30) einen Flarescreen und daraufhin das Leder von Kacinas zurück. Währenddessen stellt Notice einen Crossscreen an der Baseline für Carrera. Carrera wird von Thornwell in Szene gesetzt und hat eine gute Ausgangsposition im Lowpost.

Nolan Cressler (Nr.24), Carreras Verteidiger, begeht allerdings auch den Fehler, über den Block zu gehen und Carrera nicht direkt zu folgen. Anschließend gibt er Carrera auch noch die Mitte und zwingt somit Kornet zur Hilfe. Der Venezolaner findet Litauer Kacinas für den offenen Dreier, den dieser jedoch nicht versenken kann.


Im folgenden Angriff wählt South Carolina eine andere Option. Erneut läuft Notice per Iverson Cut entlang der Freiwurflinie. Auch der Pass von Thornwell auf Kacinas mit folgendem Flarescreen von Silva bleibt gleich.

Allerdings täuscht Notice dieses Mal den Block für Carrera nur an. Carrera bleibt auch in seiner Ecke stehen, um die Zone frei zu lassen. Notice erhält nun Elevator Screens von Silva und Kacinas. Kacinas slippt den Screen und ist sogar einen Moment frei, wird jedoch von Thornwell nicht beachtet.

Notice erhält stattdessen oben den Ball. Nach dem Pass cuttet nun Thornwell seinerseits entlang der Freiwurflinie und erhält zwei Blöcke. Auf dem rechten Flügel angekommen, hält Thornwell den Ball wieder in den Händen. Silva täuscht den Block an und rollt hart zum Korb. Anschließend laufen Thornwell und Kacinas ein Pick & Pop, aus dem der Litauer den Korb attackieren kann.


Die vielen Blöcke stiften eine Menge Verwirrung bei den Commodores und zwingen sie dazu, schnelle Entscheidungen zu treffen. In der Hektik gehen sie dazu über, alle Blöcke zu switchen. Allerdings tauschen die Gäste so oft ihre Gegenspieler, dass sie am Ende beim letzten Pick & Pop die Konzentration verlieren, was dazu führt, dass Baldwin sich zu langsam zu Kacinas orientiert. Kacinas kann diesen Fehler per Drive geschickt bestrafen.

Durch die Mischung aus geduldiger Halbfeldoffense und intensiver Verteidigung konnte South Carolina bis zur Pause verkürzen und die Partie wieder offen gestalten. Dass die Gamecocks nicht selber in Führung lagen, hatte mit den starken Einzelaktionen von Riley LaChance zu tun, der in der ersten Halbzeit mit seinen 13 Punkten der einzige verlässliche Spieler seines Teams war. Besonders die frühen Foulprobleme der Bigs taten den Commodores weh.

Auch nach der Pause ging es zunächst ähnlich weiter. South Carolina blieb dran, Vanderbilt konnte durch Einzelaktionen aber stets den Abstand wahren. Gleichzeitig gelang es den Gastgebern durch ihre gute Offense, die Bigs der Commodores in Isolations zu verwickeln und so sammelte Damian Jones auch sehr früh in der zweiten Halbzeit sein drittes persönliches Foul ein. Kacinas erhält den Ball auf seiner Lieblingsposition am rechten Flügel. Da Marcus Stroman (Nr.1) vorher zum Korb gezogen ist, befindet sich Jones beim Pass auf der Helpside und muss wieder einen relativ langen Closeout laufen.

Kacinas nutzt seine Beidhändigkeit, um seinerseits in die Zone zu penetrieren. Jones schafft es nicht, die Mitte zu schließen und lässt Kacinas mitten ins Herz der Zone ziehen. Kacinas finisht und Jones erhält als zusätzliche Bestrafung auch noch sein drittes Foul.


Roberson hätte in dieser Situation Jones helfen müssen. Allerdings will er seinem Gegenspieler Thornwell (knapp 30 Prozent Dreierquote im Laufe seiner drei Jahre) keinen offenen Distanzwurf erlauben. Daher muss Jones nach gerade mal zwei Minuten wieder auf die Bank, womit den Commodores ihre verlässlichste Punktequelle abhanden kommt.

Die folgende Sequenz zeigt gut den Kontrast zwischen dem Intensitätslevel der Commodores und dem der Gamecocks. Wenige Minuten nach seinem dritten Foul steht Jones wieder auf dem Parkett und sein Team versucht ihn ins Spiel zu bringen.

Chatkevicius verhindert aber wieder geschickt den direkten Pass auf Jones. Jones hält seine Stellung und Vandy versucht erneut, Jones zu belohnen. Allerdings schafft es auch Baldwin nicht, einen guten Passwinkel zu finden. Da die Wurfuhr abzulaufen droht, müssen die Commodores nun tätig werden. 

Jones stellt daher einen Block für Baldwin zur Baseline. Allerdings nutzt Baldwin den Pick schlecht. Er hat kaum Kontakt mit Jones und lässt sich relativ ungezwungen weit nach außen abdrängen. Chatkevicius verteidigt wieder hervorragend und demonstriert seine ausgezeichnete Fußarbeit. Auch Dozier ist mittlerweile am Block vorbeigekommen und eilt nun zum Doppeln in der Ecke. Baldwin hat Glück, dass er nicht den Ball verliert, allerdings bleibt für den Einwurf nur eine Sekunde übrig und ein schlechter Wurf ist das Resultat.

Wenige Minuten später macht sich allerdings die Müdigkeit bei Vanderbilt bemerkbar und die harte Defense der Gamecocks trägt Früchte. Aus ihrer Defense heraus können sie nun einige Schnellangriffe starten und das Tempo merklich anziehen. Eine spielentscheidende Phase bahnt sich an, in deren Verlauf die Gamecocks zunächst erstmals ausgleichen und schließlich sogar in Führung gehen können.

Die Sequenz startet zwar mit einem Putback-Versuch von Roberson, doch es bleibt die einzige Loseball Situation, die die Gäste für sich entscheiden können. Roberson ist umringt von vier Gegnern und wird zu einem schwierigen, aber durchaus machbaren Layup gezwungen. In der folgenden Reboundsituation geht South Carolina jedoch deutlich entschlossener zu Werke und sichert sich daher auch den Ballbesitz.

Mit zwei schnellen Pässen überwindet South Carolina fast das ganze Spielfeld innerhalb von zwei Sekunden. Notice macht das Richtige und zieht zum Korb. Zwar kann er nicht vollstrecken, aber sein Drive sorgt für zusätzliche Verwirrung bei der unorganisierten Verteidigung, sodass Chatkevicius als Nutznießer den Offensivrebound fangen und den Putback finishen kann. Es ist der erste Ausgleich der Partie.

Ein Zeichen guten Coachings ist, dass eine Mannschaft nach einer wilden Phase das Tempo drosseln kann und präzise die eigene Offense im Setplay läuft. Das demonstrieren die Gamecocks im nächsten Angriff eindrucksvoll. Die Gamecocks laufen das folgende Play, das auch nochmal in der Crunchtime relevant wird.

Thornwell cuttet um beiden Blocksteller der Horns-Aufstellung herum und sorgt damit dafür, dass Kacinas frei ist. Dozier täuscht geschickt den Pass zur anderen Seite an und stellt damit sicher, dass sein Anspiel ankommt. Anschließend erhält er einen Backscreen von Chatkevicius. Diese Option ist zwar nicht möglich, aber ohne große Unterbrechung läuft Dozier weiter auf die Ballseite, wodurch sich die Gamecocks direkt in der klassischen Flex Situation befinden.

Dozier stellt einen Block für Thornwell, um dann selber einen Downscreen von Kacinas zu erhalten. Chatkevicius übergibt den Ball per Handoff zu Dozier und der Guard hat freie Bahn.


Ansonsten bleiben die folgenden Situationen wild. Nach mehreren Ballverlusten und vergebenen Korblegern erhält Baldwin den Ball. Erfahrene Aufbauspieler hätten an dieser Stelle vermutlich das Bremspedal durchgedrückt und die Hektik aus der Partie genommen. Baldwin will allerdings weiter Dampf machen, was auch eher seinem persönlichen Naturell entspricht. Allerdings verliert er nach wenigen Sekunden den Ball.

Freshman Dozier schnappt sich das Leder und zeigt sein großes Potential. Gegen Shotblocker Jones setzt er geschickt seinen Körper ein und behält trotz seiner verdrehten Haltung die Ruhe beim Abschluss. Die Vier-Punkte-Führung ist bis dahin die höchste für die Gastgeber.

Kevin Stallings gelingt es jedoch, die Blutung zu stoppen, indem er die folgenden Angriffe gezielt über Jones laufen lässt. Mit vier schnellen Punkten in Folge kann er den Lauf der Gamecocks ins Stocken bringen.

Coach Martin weiß natürlich, wie bedeutsam Jones für Vanderbilt ist und attackiert ihn folglich - ähnlich zum Beginn der Halbzeit. Der Ball wandert von Stroman über Kacinas, Jones’ Gegenspieler, zu Thornwell. Die beiden Erstgenannten positionieren sich anschließend zu versetzten Blöcken für Dozier, der aus der rechten Ecke startet.

Allerdings ist die Aktion eher dekorativ und zur Ablenkung gedacht. Dozier nutzt den Block des Litauers nicht, sondern cuttet hart zum Korb, womit er die Aufmerksamkeit der Defense auf sich zieht. Jones ist dadurch einen Moment abgelenkt und bemerkt nicht rechtzeitig, dass für Kacinas ein Flarescreen gestellt wird.

Der Closeout ist daher erneut relativ lang und wieder kann Kacinas von seinem Lieblingsspot aus über die Mitte zum Korb ziehen. Kacinas wird für seinen mutigen Drive gegen zwei großgewachsene Innenspieler mit dem vierten Foul für Jones belohnt. Wie viel Kontakt wirklich vorhanden war, lässt sich aus dieser Perspektive allerdings nicht wirklich feststellen.

Jones muss wieder auf der Bank Platz nehmen und prompt sieht die Offense Vanderbilts wieder konfuser aus. Auch Stallings sieht das und aus Furcht, das Spiel könnte ihm entgleiten, wechselt er Jones sehr schnell wieder ein. Dass er wenige Angriffe nach seiner Einwechslung durch ein solches Offensivfoul, sein fünftes kassiert und damit endgültig ausscheidet, belegt den gebrauchten Tag, den Jones insgesamt hatte.

Jones muss in dieser Situation allerdings auch cleverer agieren. Unmittelbar vor den Augen des Schiedsrichters umklammert er Silva, obwohl dieser kaum eine Chance gehabt hätte, LaChance noch entscheidend am Layup zu hindern.

Nach der letzten Werbeauszeit ist allerdings noch alles offen. Bei knapp dreieinhalb Minuten auf der Uhr und zwei Punkten Differenz kann Vanderbilt durch den eigenen ersten Angriff ausgleichen oder sogar in Führung gehen.

Allerdings wirkt der Angriff wieder erschreckend ideenlos und vom Ballmovement, das man normalerweise bei den Commodores bewundern kann, ist wenig zu sehen. Mit einigen Pässen bereiten die Commodores ein High Pick & Roll zwischen den beiden besten Schützen des Teams vor. Kornet stellt den Block für LaChance und rollt sich anschließend ab. Im Rücken liftet Roberson LaChance entgegen und erhält den Ball. Kornet hat gute Position, Roberson traut sich aber offensichtlich nicht, einen relativ riskanten Pass zu versuchen.

Nach dem die eigentliche Aktion nicht geklappt hat, müssen die Commodores nun improvisieren und laufen erneut ein Pick & Roll mit LaChance und Kornet. LaChance versucht es dieses Mal auf eigene Faust, hat jedoch der Größe der Gamecocks wenig entgegen zu setzen. Gleich vier Verteidiger, allesamt 1,96m oder größer, machen die Zone dicht.

Hier kann man hinterfragen, weshalb LaChance und nicht Baldwin als Ballhandler eingesetzt wurde. Immerhin ist Baldwin deutlich besser darin, zum Korb zu penetrieren und Lücken zu reißen. Zumal LaChance wegen seines tödlichen Catch-and-Shoot-Jumpers keine Hilfe seines Gegenspielers erlaubt hätte.

Auf der anderen Seite stellt Martin mal wieder ein Horns Set auf. Der Ball wandert dabei von Seite zu Seite und vier Spieler berühren den Ball, bevor die erste Aktion Richtung Korb startet. Durch die Bewegung aller fünf Spieler, ist die Defense bereits leicht außer Position.

Chatkevicius täuscht einen Block für Dozier an. Diese Aktion gilt jedoch wieder nur der Ablenkung. Sofort erhält der litauische Center zwei Rubscreens und bezieht gute Position am linken Zonenrand. Die Defense ist davon so eingenommen, dass Joe Toye (Nr.2) Thornwell aus den Augen verliert. Ein Pindown von Kacinas gibt Thornwell noch etwas mehr Zeit, um seinen Mitteldistanzwurf im Korb zu versenken. Besser kann der Ball und die Defense innerhalb von 15 Sekunden kaum bewegt werden.


Auch der nächste Angriff wird wieder exzellent ausgeführt. Es handelt sich dabei wieder um das Horns Play, das in Flex übergeht und mit dem die Gamecocks ihre erste Führung erobern konnten. 

Diesmal cuttet Dozier an den beiden Bigs vorbei und Thornwell übernimmt den Aufbau. Nach seinem Pass auf Kacinas erhält er einen Backscreen von Chatkevicius und cuttet auf die Ballside. 

Nach den Flexscreens und dem Handoff entscheidet sich Thornwell zunächst gegen den Wurf, nimmt ihn nach einem weiteren Ballscreen von Chatkevicius letztendlich doch noch und trifft ihn sicher.


Bei weniger als zwei verbleibenden Spielminuten und fünf Punkten Rückstand muss Vanderbilt nun ein Erfolgserlebnis verzeichnen, um noch eine realistische Chance auf den Sieg zu haben.

Doch wieder fehlt die gewohnte Bewegung im Offensivspiel. Einzig Kornet rennt hin und her und stellt insgesamt drei Blöcke am Ball für drei verschiedene Ballhandler. Doch Chatkevicius verteidigt jedes Mal sehr geschickt und verhindert den Drive. Nach 25 wirkungslosen Sekunden drückt LaChane aus sieben Metern ab und verfehlt deutlich. South Carolina trifft seine Freiwürfe und gewinnt das Spiel.

Wer nach diesem Spiel die Bilanz der Kampfhähne immer noch auf schwache Gegner und einen einfachen Spielplan schiebt, sollte sich dringend mal ein komplettes Spiel South Carolinas ansehen. Dass sie ungeschlagen durch die Saison marschieren werden, ist natürlich höchst unwahrscheinlich. Dennoch hat dieses Team großes Potential und kann sogar unter den richtigen Bedingungen einen tiefen Run im Tournament hinlegen.

Die Gamecocks haben alles, was ein Team im März stark macht. Sie sind groß, ausgeglichen, können ein Spiel auf unterschiedliche Arten gewinnen, haben einen guten Teamgeist und sind taktisch gut präpariert. Besonders Letzteres ist ein Verdienst von Coach Martin, der immer sehr penibel darauf achtet, dass seine Vorgaben eingehalten werden. Entsprechend steckt in jeder einzelnen Offensivaktion Feuer und jeder Cut wird ernstgenommen.

Die vielen Horns Sets, deren Einstiege sich stark ähneln, machen es den Gegnern nicht leicht, sich darauf einzustellen. Da die Plays aber auch viele Ausstiegsmöglichkeiten enthalten und die Gamecocks über mehrere Spieler mit Missmatch-Potential verfügen, wird selbst gutes Scouting nicht ausreichend sein, um die Offense der Gamecocks aus dem Tritt zu bringen.

Entscheidend wird jedoch sein, wie das Team die erste Niederlage verkraften wird. Nach so vielen Siegen in Folge ist es oft nicht einfach, sich mit einer solchen Situation zu arrangieren.

Vanderbilt muss hingegen dringend Siege einfahren, wollen die Commodores am NCAA Tournament teilnehmen. Die 8:7-Bilanz liest sich zwar schlimmer als die Saison bisher verlaufen ist, allerdings haben auch andere Mannschaften mit Verletzungen und engen Niederlagen zu kämpfen. In einem Jahr, in dem alleine schon die Qualifikation zur March Madness schwierig zu erreichen ist, zählt jeder Sieg, den die Commodores einfahren können.

Besonders offensiv muss Kevin Stallings wieder mehr Konsequenz in die Aktionen bringen. Das Ballmovement der ersten Saisonwochen ist nicht mehr zu sehen und auch Jones wird mittlerweile wesentlich besser verteidigt. Gerät er dann noch in Foulprobleme, haben die Commodores Probleme. Denn ohne ihn auf dem Feld, sind sie ein ganz anderes Team.