07 Januar 2016

7. Januar, 2016


Die Erwartungen an das Match zwischen den Kansas Jayhawks und den Oklahoma Sooners waren gigantisch. Das 40. Aufeinandertreffen zwischen den an erster und zweiter Stelle geführten Teams in der Geschichte der Rankings versprach im Vorhinein eines der engsten Duelle dieser Art zu werden. Was das Spiel letztendlich zu bieten hatte, übertraf die kühnsten Hoffnungen, wird als eine der epischsten Partien in die Geschichte eingehen und war pure Werbung für den Sport.

von AXEL BABST @CoachBabst

Drei Verlängerungen, Big Shot folgt auf Big Shot, ein dem Herzinfarkt naher Dick Vitale und Standing Ovations der Jayhawks Fans für Oklahomas Buddy Hield können nur anreißen, aber nicht ansatzweise in Worte fassen, was für ein Spektakel die Topteams der NCAA in Lawrence veranstalteten.

Einen klaren Favoriten gab es vor dem Spiel nicht. Selten waren die Vertreter der Presse und die Coaches bei ihrer Stimmabgabe so unschlüssig, wie nun die korrekte Reihenfolge lauten müsse. Entsprechend fiel das mediale Echo dahingehend aus, dass die beiden Teams als gleichberechtigte 1 Seeds angesehen wurden.

Die Jayhawks schienen leicht favorisiert ins Spiel zu gehen. Immerhin war dies ein Conference Spiel der Big12, die die Jayhawks seit nunmehr elf Jahren mit eben so vielen Regular Season Titeln dominieren. Noch beeindruckender ist vielleicht die Tatsache, dass Coach Bill Self in seiner Kansas Ära bislang weniger Heimspiele verlor (neun) als er Conference Titel gewann.

Das Team ist zudem sehr eingespielt. Aus dem letztjährigen Team verabschiedeten sich lediglich die damaligen Freshmen Kelly Oubre und Cliff Alexander, die beide nicht wirklich zum Teamerfolg beitragen konnten und daher kaum vermisst werden. Dafür blieb das Triumvirat in der Schaltzentrale erhalten. Perry Ellis, Frank Mason und Wayne Selden sind allesamt seit Jahren dabei und konnten sich von Jahr zu Jahr steigern. Besonders Selden ist in dieser Saison endlich der Anführer, den sich viele von ihm in der letzten Saison bereits erhofft hatten. 


Neben diesen drei Säulen befinden sich jede Menge interessante Bauteile im Team. Gerade was die großen Positionen anbelangt, hat Self die Qual der Wahl und kann eine ganze Armada ins Rennen schicken. Da die richtige Mischung und die besten Lineups herauszufinden, ist in der Regel extrem schwer und führte im Saisonverlauf bereits zu Komplikationen. Gegen Oregon State entschied sich Self beispielsweise für den sehr radikalen Schritt, nach einer verkorksten ersten Halbzeit im zweiten Durchgang nur noch sechs Spieler einzusetzen, wodurch die Jayhawks das Spiel drehen konnten.

Die Sooners gingen als eine von noch drei ungeschlagenen Mannschaften in die Partie und fegten unter anderem schon Topteams wie Villanova vom Parkett und rangen am vergangenen Samstag vor heimischer Kulisse Iowa State nieder.

Das Rückgrat der Sooners bilden die drei Guards Buddy Hield, Isaiah Cousins und Jordan Woodard, die allesamt an guten Tagen 20 Punkte oder mehr in kürzester Zeit und mit wenigen Würfen auflegen können. Speziell Hield ist in dieser Saison der wahrscheinlich beste Scorer der NCAA und ein legitimer Anwärter auf die Auszeichnung zum Spieler des Jahres. Dazu konnte Big Man Ryan Spangler sein Spiel weiter verbessern und ist der perfekte Big Man für die drei Guards. 

Coach Lon Kruger lässt seinem Team viele Freiheiten, was zu viel Tempo und hohem Selbstvertrauen im Spiel der Sooners führt. Gerade in Transition Situationen sind die Sooners extrem unangenehm für jeden Gegner und können ein Spiel dadurch binnen weniger Angriffe entscheiden.

Dies bekamen selbst die Jayhawks, das momentan vielleicht beste Team der NCAA, zu spüren und schienen in dieser Phase ziemlich wehrlos zu sein. In solchen Momenten scheint die Meisterschaft nur über Oklahoma zu führen.

Knapp drei Minuten vor der Halbzeit versenkt „Svi“ Mykhailiuk seinen Dreier zum 37:26 und Kansas scheint die Partie bis dahin im Griff zu haben. Bis dahin hatten die Jayhawks sechs von neun Dreiern getroffen, während Oklahoma lediglich drei aus elf Versuchen verwandeln konnte. Doch scheinbar aus dem Nichts zünden Buddy Hield und Jordan Woodard, die beiden überragenden Akteure an diesem Abend, ihren Turbo an und sind hauptverantwortlich für den 18:3-Lauf bis zur Halbzeit.

Diese Sequenz ist beispielhaft für das Spiel der Sooners und die permanente Gefahr für jeden Gegner, in kürzester Zeit überrollt zu werden. Nachdem Frank Mason (Nr.0) scheinbar mit einem Dreier den Zwischenspurt der Sooners stoppt, schnappt sich Buddy Hield (Nr.24) den Ball und treibt das Leder nach vorne. An der Dreierlinie stoppt er blitzartig ab, nutzt den kurzen Moment Freiraum, drückt in seiner typischen Manier ab und liefert die prompte Antwort auf Masons Dreier. 


Im folgenden Angriff laufen die Jayhawks ihr Guard-Center Pick & Roll, bei dem Perry Ellis (Nr.34) sich vom Zonenrand an die Dreierlinie schleicht. Normalerweise ist sein Gegenspieler zu sehr mit dem Pick & Roll beschäftigt, wodurch Ellis beim Ballerhalt entweder den offenen Dreier nimmt oder ein überstürztes Closeout attackieren kann.

 Die Sooners sind aber gut gecoacht und darauf vorbereitet, weshalb Kadeem Lattin (Nr.12) vorbildlich verteidigt und Ellis zu einem schlechten Wurf zwingt. Nach dem eingesammelten Fehlversuche drückt Hield wieder auf das Gaspedal und zieht damit die ganze Aufmerksamkeit der Verteidigung auf sich. Da die anderen Außenspieler der Sooners gezielt zu bestimmten Spots an der Dreierlinie sprinten, hat Hield freie Bahn und kann in die Zone ziehen.

Das Spacing im Fastbreak ist so gut, dass Hield drei Pässe zu offenen Würfen spielen kann, während vier Jayhawks nutzlos in der Zone herumstehen. Jordan Woodard (Nr.10) ist am Ende der Nutznießer und verkürzt auf zwei Zähler Rückstand.

Auf der anderen Seite läuft Mason wieder das Pick & Roll mit Hunter Mickelson (Nr.42). Der Guard entscheidet sich dieses Mal gegen den Screen und geht selber zum Korb. Erneut befindet sich Lattin in hervorragender Position. Er nutzt seine Länge und Athletik hervorragend aus und forciert einen schwierigen Korbleger mit viel Kontakt. Er schließt seine gute Defense mit einem wichtigen Rebound ab und der nächste Schnellangriff rollt.

Woodard attackiert die Zone und bringt damit die Kansas Bigs in eine schwierige Lage. Denn Mickelson ist der nächste Spieler zum Ball und muss daher Woodard stoppen. Allerdings wäre dies ein Missmatch, weswegen Mickelson zögert. Immerhin unterbindet er den direkten Drive in die Zone und zwingt Woodard mit seiner Präsenz zum Abbruch. Woodard sprintet nach seinem Pass jedoch gedankenschnell an die Dreierlinie. Die Sekunde, die Mickelson jetzt zögert, ist zu viel des Guten und Woodard bedankt sich mit seinem zweiten Dreier binnen 20 Sekunden.

Dieser 9-0 Lauf unterstreicht eindrucksvoll, dass das wichtigste beim Fastbreak nicht zwangsläufig hohes Tempo ist, sondern Spacing eine mindestens ebenbürtige Rolle spielt. Denn eigentlich ist es in allen drei Angriffen nur der Ballinhaber, der die Geschwindigkeit erhöht und damit die Aufmerksamkeit der Defense auf sich zieht. Die Außenspieler können es sich teilweise sogar leisten, zu joggen, da sie genau wissen, welche Spots sie besetzen müssen, um die unorganisierte Defense zu bestrafen. Gutes Spacing in Transition und die Fähigkeit, Dreier in solchen Situationen traumwandlerisch sicher zu treffen, sind daher die größten Waffen der Sooners und zeugen von Krugers gutem Coaching.

Zudem zeigt sich an dieser Stelle wieder einmal, wie wichtig ein gutes Finish in der ersten Halbzeit ist. Denn statt eine verdiente zweistellige Führung im Rücken zu haben, liefen die Jayhawks in der zweiten Halbzeit über weite Strecke einem knappen Rückstand hinterher. 

In der zweiten Halbzeit spielte dann das Matchup zwischen Mason und Hield mehrfach eine entscheidende Rolle. Mason kümmerte sich in der zweiten Halbzeit höchstpersönlich um den nicht zu kontrollierenden Hield. Obwohl er 15 Zentimeter kleiner als Hield ist, sorgte Mason mit seiner Defense dafür, dass Hield für jeden einzelnen Punkt hart arbeiten musste und er in vielen Halbfeld Angriffen der Sooners überhaupt nicht involviert war.

Besonders am ersten Run in der zweiten Halbzeit war Mason maßgeblich beteiligt, da er Hield mehrfach hauteng verteidigen konnte. Die folgende Sequenz ist dafür ein gutes Beispiel. Mason spielt 15 Sekunden lang optimale Eins-gegen-Eins-Verteidigung, klaut fast den Ball und lässt Hield trotz seiner hohen Aggressivität nicht zum Korb durchkommen. Dass Hield letztlich den schwierigen Stepback Dreier trifft, ist individuelle Klasse und nicht zu verhindern.


Einen Angriff später erhöht Mason nochmal sein Intensitätslevel und verhindert, dass Hield überhaupt an den Ball kommt. Gleich zwei Mal versucht Isaiah Cousins (Nr.11) seinen Backcourt Partner in Szene zu setzen, doch in beiden Situationen muss Cousins stattdessen den Notpass zu einem anderen Mitspieler verwenden. Das Resultat ist ein gut verteidigter langer Zweier nach fünf Dribblings von Dinjiyl Walker (Nr.2), der von allen Guards der Sooners der mit Abstand limitierteste ist.

In den letzten Minuten ist das Spiel dann sehr ausgeglichen und die Coaches rücken mit ihren Play Calls in den Vordergrund.

Die Sooners spielen weiter ihre hervorragende Organisation in der Transition aus. Nach dem sauberen Block von Lattin, sichert sich Cousins den Rebound. Sofort sprinten Hield, Spangler und Woodard nach vorne. Woodard sieht, dass er auf der gleichen Seite wie Hield nach vorne sprintet und zeigt seine Cleverness, indem er auf die andere Seite läuft. Dort befindet sich noch kein einziger Spieler. Cousins findet Woodard und dieser ist trotz seiner Richungswechsel direkt bereit zum Wurf und drückt mit viel Selbstvertrauen ab. Sein erfolgreicher Distanzwurf beschert den Sooners die erneute Führung.


Bill Self setzt seinerseits auf die altbewährte Stärke am Brett und vertraut Perry Ellis die wichtigen Angriffe gegen Ende der regulären Spielzeit an. Zwei Mal hintereinander lässt er dasselbe Play laufen und hat damit Erfolg. Zunächst kann Ellis ausgleichen, einen Angriff später sogar die Führung erzielen.

Devonte´ Graham (Nr.4) übernimmt den Spielaufbau und erhält als Einstieg einen Screen von Landen Lucas (Nr.33). Während Graham bei der normalen Ausführung nun den Block nutzen würde und Ellis im Rücken wieder zur Dreierlinie cutten würde, wandelt Self das Play dieses Mal entscheidend ab. Graham nutzt den Screen nicht und stattdessen pinnt Ellis seinen Gegenspieler in der Zone.

Da Lucas auf der Weakside einen Downscreen für Wayne Selden (Nr.1) stellt, kann von dort keine Hilfe kommen. Ellis kann sich somit zur Mitte drehen und einen halbwegs guten Wurf auf die Reise Richtung Korb schicken. Dieser ist zwar nicht drin, aber Ellis hat die beste Position beim Rebound und bereinigt seinen Fehlversuch per Putback.

Auch im folgenden Angriff geht der Ball dank desselben Plays zu Ellis, der dieses Mal mit einem Jumphook zur Baseline direkt erfolgreich ist und für eine Zwei-Punkte-Führung sorgt. Auch Kruger geht auf der Gegenseite zu seinem besten Spieler und kreiert für ihn eine Eins-gegen-Eins-Situation.

Allerdings verteidigt Mason so gut, dass Hield nicht auf Höhe der verlängerten Freiwurflinie den Ball erhält und dort noch mit Fakes arbeiten kann, sondern erst an der Mittellinie das Leder fängt. Damit ist das Timing dahin. Dennoch kann Hield den Foulpfiff schinden und mit zwei sicher verwandelten Freiwürfen für den Ausgleich sorgen. Erneut verdient Mason jedoch ein Lob für seine starke Verteidigung gegen den deutlich größeren Hield.

Dennoch hat Kansas nun die Chance auf den letzten Wurf. Self entscheidet sich gegen die Auszeit und will damit verhindern, dass Krugers gute Scouting Abteilung wieder eine gute Wurfmöglichkeit annihiliert.

Interessant ist allerdings, dass nun Mason, der bis dahin offensiv kaum in Erscheinung treten konnte, die Verantwortung übertragen bekommt. Ein erneutes Play für Ellis, der in den vorherigen Angriffen so erfolgreich gewesen war, wäre sicher nicht verkehrt gewesen.

Doch Self entscheidet sich anders und lässt eine Isolation für Mason laufen. Dieser forciert einen schwierigen Wurf und zu allem Überfluss geht Lucas beim Rebound auch noch so ungestüm zu Werke, dass er sich ein Foul einhandelt und nun auf einmal Lattin die Chance hat, mit einem Freiwurf zwei Sekunden vor dem Ende die Führung für die Sooners zurück zu erobern.


Lattin bleibt jedoch seiner Freiwurfschwäche treu und vergibt den Freiwurf. Da Oklahoma erst im Bonus-Bereich war, gibt es keinen zweiten Versuch und beide Teams können sich auf die Verlängerung vorbereiten.

Dort scheint zunächst Oklahoma, besonders Hield, noch einen Gang höher zu schalten. Mit einem Dreier erhöht er kurzzeitig auf 86:81 für die Sooners. Doch Kansas zieht nach und beim Stand von 86:86 geht es in die letzte Minute. Nach jeweils einem sorglosen Ballverlust auf jeder Seite hat Oklahoma die Chance, erneut in Führung zu gehen.

Hier überrascht Kruger nun mit seiner Wahl. Denn statt auf einen seiner beiden Guards Hield oder Woodard zu setzen, die beide bereits mehrere schwierige Würfe versenken konnten und in der Crunchtime ihre Nervenstärke bewiesen, will Kruger nun Ryan Spangler (Nr.00) in Szene setzen.

Allerdings gibt es keine Aktion, um Spangler überhaupt in eine aussichtsreiche Position zu versetzen. Spangler versucht verzweifelt und sichtlich am Ende seiner Kräfte angelangt, Ellis auf dem Rücken zu halten und den Ball von Cousins zu bekommen. Doch das misslingt. Cousins passt den Ball zu Lattin, der nur sehr flüchtig ein High-Low-Anspiel in Betracht zieht und lieber den Ball schnell wieder zurück zu Cousins passt.

Einen Plan B scheint es nicht zu geben. Also versucht es der eher glücklose Cousins auf eigene Faust und setzt zu einer 10-Dribbling-Isolation an, bei der er fast den Ball verliert und letztendlich den schlechtesten Wurf im Basketball nimmt: Einen gut verteidigten langen Zweier aus dem Dribbling. Erneut verdient Mason Anerkennung für seine disziplinierte Verteidigung gegen Hield, der nicht einmal den Ball berührt.


Der vermeintlich letzte Angriff gehört somit Kansas. Hier kehrt Self zunächst zu Ellis zurück. Ellis erhält einen Downscreen von Mason und bekommt den Einwurfpass. Ellis entscheidet sich zum Drive über die linke Hand. Allerdings stehen Lucas und Graham auf der Seite, weshalb Ellis zu einem Jumpshot hochgeht. An dieser Stelle wäre ein Kickout zu Wayne Selden keine schlechte Idee gewesen, da Hield sehr weit absinkt und Selden den offenen Dreier sehr sicher trifft. Ellis wählt hingegen den eigenen Abschluss und verfehlt sein Ziel deutlich. Immerhin bleibt der Ball bei den Jayhawks.


Da die Referees per Video sicherstellen wollen, dass der Pfiff korrekt ist, erhalten beide Teams eine Auszeit. Hier zeigt sich Selfs wahre Stärke. Kaum ein Coach in der NCAA hat bessere Baseline Einwurfspiele zur Hand als der Coach der Jayhawks.

Extra für den Einwurf wird Brannen Greene (Nr.14), der beste Schütze des Teams, eingewechselt und direkt in der Weakside Corner platziert, um dort den Verteidiger zu binden. Gleichzeitig stellen sich die Bigs Ellis und Jamari Traylor (Nr.31) hintereinander auf, während Selden in der Strongside Corner startet.

Die Aufstellung lässt zunächst ein Lobplay erahnen, von denen Kansas viele im Petto hat,. Auch der Einstieg verläuft entsprechend. Selden cuttet um die beiden Bigs herum. Doch gerade, als er an Ellis abstreift, dreht sich Selden auf dem Absatz um. Die beiden Bigs stellen sofort Elevator Screens. Selden drückt seinen Verteidiger Hield sehr geschickt in den Block von Ellis, weshalb Hield unter dem Block hergehen will. In diesem Moment stellt sich jedoch Taylor in den Weg, wodurch Selden nun komplett offen an der Dreierlinie steht. Lattin reagiert zu spät auf den Pass und Selden hat seinen einfachsten Dreier der Partie, kann ihn jedoch nicht versenken. Zweite Verlängerung.

In der zweiten Verlängerung machen sich die schwindenden Kräfte auf beiden Seiten bemerkbar. Beim Stand von 94:94 geht es in die letzten 30 Sekunden der zweiten Verlängerung. Beide Coaches haben jeweils noch eine Auszeit zur Verfügung entscheiden sich jedoch, sie nicht zu nehmen. Vermutlich ist bei beiden Trainern der Gedanke dahinter, dass sie den müden Verteidigern keine Verschnaufpause geben wollen und den individuellen Möglichkeiten ihrer Spieler vertrauen.

Bei Oklahoma übernimmt Cousins das Zepter. Allerdings stehen sich beim Drive Spangler und Lattin auf den Füßen, weshalb Lucas problemlos aushelfen kann, ohne einen Durchstecker abgeben zu müssen. Cousins verfehlt und Spangler kann den Tip nicht richtig kontrollieren. Erneut verpassen es die Sooners, ihren Topscorer Hield in Szene zu setzen.

Vor dem letzten Angriff der Jayhawks lässt Mason einige Sekunden von der Uhr laufen. Die Erschöpfung der Spieler ist nun deutlich zu erkennen, da sich gleich drei Spieler (Ellis, Lucas und Selden) auf den Knien abstützen, was ein deutliches Anzeichen für die Müdigkeit ist. Auch Masons Floater im Eins-gegen-Eins ist dementsprechend deutlich zu kurz und es geht in die dritte Verlängerung.


Gegen Ende der dritten und letzten Verlängerung steigt das Niveau wieder deutlich. Kansas geht zunächst nach einer Auszeit durch Selden in Führung. Selden übergibt den Ball per Handoff an Graham, der sofort einen Ballscreen von Lucas erhält. Die eigentliche Aktion findet jedoch im Anschluss statt. Lucas rollt sich nach seinem Block gar nicht erst ab, sondern sprintet direkt weiter, um Selden einen Block abseits des Balls zu stellen. Selden curlt um den Block herum und wird hervorragend von Graham in Szene gesetzt. Anschließend finisht er stark in der Zone.


Auf der anderen Seite wandert der Ball wieder zu Hield auf der linken Seite. Dieser soll im Eins-gegen-Eins eine Wurfgelegenheit kreieren. Hield zieht über die Baseline Richtung Korb. Im Rücken der Verteidigung schleicht sich unterdessen Woodard geschickt auf die Ballside. Graham verliert Woodard nur für einen Moment aus den Augen, doch das reicht bereits, um den Sooners einen viel zu offenen Wurf zu gestatten. Die Sooners führen wieder mit zwei Zählern.


30 Sekunden vor dem Ende führen die Sooners immer noch mit einem Punkt und haben den Ball. Eigentlich brauchen die Gäste nun nur einen guten Angriff, bei dem sie sich einerseits einen halbwegs ordentlichen Wurf erspielen und andererseits einen Fastbreak der Jayhawks unterbinden. 

Hield soll wieder eine Isolation bekommen. Mason zwingt Hield jedoch zu einem Catch, der erheblich weiter vom Korb entfernt ist, als Hield es gerne hätte. Anschließend bleibt Mason vor Hield und zwingt ihn zu einem entscheidenden Ballverlust. Graham sichert sich den Ball, attackiert im Gegenzug, zieht das fünfte Foul von Woodard und versenkt eiskalt beide Freiwürfe.

Den Sooners bleibt allerdings noch mehr als genug Zeit für einen letzten Angriff. Kruger nimmt seine letzte Auszeit. Hield übernimmt den Einwurf. Allerdings hat er Schwierigkeiten den Ball ins Spiel zu bringen, da Mason ihn erheblich stört. Mason forciert tatsächlich den Turnover und muss gefoult werden.

Über diese Szene lässt sich streiten, denn regelkonform war Masons Verteidigungsaktion sicher nicht. Er berührt nicht nur die Linie, als er den Ball abfälscht, sondern scheint auch Hield selber zu streifen. Somit hätte Oklahoma einen erneuten Einwurfversuch bekommen müssen, bei dem Mason sicherlich zu mehr Abstand verdonnert worden wäre.


Doch selbst nach den beiden Treffern von Mason erhält Oklahoma noch eine letzte Chance auf eine vierte Verlängerung. Hields Versuch ist jedoch äußerst schwierig und gut verteidigt. So setzen sich am Ende die Jayhawks knapp durch.

Insgesamt war es eines der besten Collegespiele, das ich jemals gesehen habe. Die ausgewählten Szenen können nicht wirklich illustrieren, wie spannend diese Partie war. Doch nicht alleine die Spannung hob dieses Spiel von allen anderen College Spielen ab. Besonders das spielerische Niveau war extrem hoch und die Mannschaften lieferten jeweils Antworten auf die Aktionen des Kontrahenten. Das Spiel in kompletter Länge zu sehen, ist eigentlich ein Muss für jeden Basketballfan.

Für die Jayhawks war dieser Sieg ungemein wichtig, um die Titelverteidigung in der Big12 zu gewährleisten. In der hart umkämpften Conference ist jeder knappe Sieg ein großer Bonus und die Wahrung des Heimvorteils umso entscheidender.

Frank Mason war nicht nur wegen des Spiels gegen Ende der Partie der Matchwinner für die Jayhawks. Mit seiner Defense gegen Buddy Hield sorgte Mason überhaupt dafür, dass KU wieder in die Partie zurückkehren konnte und viele der entscheidenden Ballbesitze für die Sooners wenig erfolgsversprechend verliefen.

Auch Perry Ellis, Wayne Selden und Devonte´ Graham zeigten wieder sehr ordentliche Leistungen. Besonders die beiden Erstgenannten reifen endlich zu den Anführern, die die Fans in Kansas seit Jahren in ihnen sehen.

Allerdings müssen die Jayhawks auch Lehren aus dieser Partie ziehen. Denn sie hätten das Spiel viel früher zu ihren Gunsten entscheiden können - vielleicht sogar müssen. Jeweils am Ende der regulären Spielzeit und der beiden ersten Verlängerungen gehörte der letzte Ballbesitz den Jayhawks, doch sie ließen die Chance auf den Sieg aus. Zwei dieser Angriffe liefen äußerst suboptimal und die Erfolgswahrscheinlichkeit der Würfe war gering.

Im NCAA Tournament können solche Spiele, gerade zu Beginn der March Madness, einen tiefen Run gefährden. Hier sind die Spieler gefragt, bessere Entscheidungen zu treffen. Auch die Hierarchie innerhalb des Teams ist da noch nicht eindeutig, denn die Würfe wurden zwischen Ellis, Mason und Selden aufgeteilt. Ein glasklarer Anführer in der Crunchtime war noch nicht zu erkennen.

Auch die Sooners werden eine Menge aus dieser Partie mitnehmen. Isaiah Cousins hatte erneut einen gebrauchten Tag und dennoch hatten die Sooners die Jayhawks mehrfach am Rande eine Niederlage und waren zwischenzeitlich einen Freiwurf vom Sieg entfernt.

Buddy Hield lieferte eine überragende Partie ab und sollte spätestens jetzt im engsten Kreis der Player-of-the-Year-Kandidaten gehandelt werden. Mittlerweile ist er einfach nicht mehr zu verteidigen auf dem College Level. Sein Ballhandling hat sich derart verbessert, dass er sich nun sowohl im Eins-gegen-Eins als auch im Pick & Roll problemlos einen Wurf kreieren kann. Seine irrwitzigen Dreier sind da nur die Kirsche auf der Torte.

Auch Jordan Woodard sollte lobend erwähnt werden. Vom absoluten Non-Shooter, der sich lieber seinen Weg in die Zone bahnt und an der Freiwurflinie lebt, ist nicht mehr viel übrig geblieben. Sein Dreier ist nun mindestens so respektabel wie der seiner Nebenleute.

Für den weiteren Verlauf der Sooners werden nun weitere kleinere Fortschritte in verschiedenen Bereichen wichtig sein, um das Final Four zu erreichen. Zunächst gilt es, einen zuverlässigen fünften Spieler neben den etablierten Guards und Spangler zu finden. Kadeem Lattin ist im Moment der aussichtsreichste Kandidat, da er defensiv eine gute Präsenz darstellt. Allerdings muss er offensiv noch weiter reifen.

Zudem müssen die Sooners noch lernen, in der Crunchtime die Geschwindigkeit etwas zu drosseln und sich gute Wurfmöglichkeiten zu erspielen. Lon Kruger verlässt sich hier noch etwas zu sehr auf die individuelle Überlegenheit seiner Spieler im Vergleich zu deren Verteidigern. Für den Lernprozess der Akteure sind solche Momente sicher nicht schlecht, doch wenn es im März um Siege geht, sollten die Sooners andere Optionen in der Hinterhand haben.