30 Januar 2016

30. Januar, 2016


Für alle College-Nerds ist es bald wieder soweit: mit der March Madness steigt die schönste Zeit des Jahres. Schon Wochen vor dem K.O-Turnier hat für die sogenannten "Bubble-Teams" der große Ernst begonnen. Um am Selection Sunday (13. März) fürs Endturnier ausgewählt zu werden, müssen sie bis dahin positiv auf sich aufmerksam machen und so viele Partien wie möglich gewinnen. Unsere NCAA-Gurus Axel Babst und Torben Adelhardt haben zehn Wackelkandidaten und deren Situation genau untersucht.

von AXEL BABST @CoachBabst & TORBEN ADELHARDT @Torben41

Florida
Bilanz: 13-7 (5-3 in der Conference)
Quality Wins: LSU, St. Joseph’s
Bad Losses: Tennessee
Strength of Schedule (nach KenPom): 10.

Probleme
Babst: Im ersten Jahr unter dem neuen Trainer Mike White läuft vieles bereits besser als es sich die meisten Fans der Gators vor der Saison erhofft hatten. Besonders defensiv gibt es an den erbrachten Leistungen wenig auszusetzen (Top5 Defense nach der Metrik von KenPom). Allerdings ist die Offensive noch eine Baustelle. Oft gibt es minutenlange Phasen, in denen die Gators sichtlich Schwierigkeiten haben, überhaupt einen guten Wurf zu erspielen, geschweige denn zu scoren. Da die Gators schlecht aus der Distanz werfen (als Team knapp über 30 Prozent, nah am 300. Platz), ist das Spacing oft verschroben und Drives zum Korb werden von mehreren gegnerischen Verteidigern unterbunden. Vor allem bei Matches gegen bessere Gegner haben die Gators Schwierigkeiten, die 60-Punkte-Marke zu knacken.

Adelhardt: Die Offensive. Ein Blick auf die Effizienzwerte der Gators-Offense offenbart ein verheerendes Bild: auf 100 Angriffe gerechnet, erzielen die Spieler von Neu-Head Coach Mike White lediglich 105.3 Punkte – Platz 142 in der gesamten NCAA-Division I. Die qualitative Disparität zwischen der Verteidigungsarbeit und dem Angriffsspiel sollte für die ein oder andere Sorgenfalte auf der Stirn von White sorgen. Während die Gators in der Defensive mit physischer Entschlossenheit und taktischer Vielfalt – es wird zwischen einer Mann-gegen-Mann-Ganzfeldpresse und Zonenverteidigung im Halbfeld immer wieder gewechselt – zu Werke gehen, haben sie im Angriff Probleme sich effiziente Abschlussoptionen zu erspielen. Die Trefferquoten aus dem Zwei-Punkteland (48%) und Dreierdistanz (31.7%) sprechen hier eine deutliche Sprache. Dabei mangelt es der Mannschaft nicht einmal an individueller Klasse. Egal ob Ballhandler Kasey Hill, der athletische Devin Robinson, Senior Dorian Finney-Smith oder Freshman KeVaughn Allen - sie  genügen allesamt den höchsten Ansprüchen. Jedoch wollen die einzelnen Puzzleteile in der Offensive nicht wirklich zusammenpassen und die Idee des schnellen Transition-Spiels, das White vor der Saison den Gators-Anhängern versprochen hat, lässt sich nur bedingt auf dem Spielfeld erkennen.

Lösungen
Babst: Im Idealfall gelingt es den Gators, mehr leichte Punkte im Fastbreak zu erzielen und weniger hart im Halbfeld für ihre Zähler arbeiten zu müssen. Gerade aus der Zonenpresse heraus sollte Florida schneller nach Ballgewinnen umschalten und Schnellangriffe konsequenter zu Ende spielen. Im Halbfeld sollte das Pick & Roll mit KeyVaughn Allen als Ballhandler öfter gesucht werden. Er ist der talentierteste Offensivspieler des Teams und wird noch zu oft von seinen Mitspielern vergessen.

Adelhardt: Vor allem müssen die Gators eine gewisse Konstanz in ihre Leistungen bringen. In den ersten zwei Wochen des Conference-Schedules wechselten sich „W“ und „L“ bei der Mannschaft aus dem Süden munter ab. Kommunikation, Rebounding, Aggressivität bei der on-Ball-Defense – an der Verteidigungsarbeit kann nicht viel ausgesetzt werden. Der Schuh drückt ganz klar im Angriff, wo vor allem Kasey Hill auch in seiner dritten Saison den Erwartungen nicht gerecht wird. Der ehemalige McDonald's All-American nimmt zu oft überhastete Sprungwürfe und kann der Halbfeld-Offensive nicht die notwendige Struktur verleihen. Ähnlich verhält es sich bei Sophomore Devin Robinson, der in den letzten Wochen eine unglückliche Figur abgab. Dabei spielen die Gators überhaupt gar keine schlechte Offensive. Side-Pick-and-Rolls, schnelle Swing-Pässe, Hand-offs, - die Handschrift von Ex-Trainer Billy Donovan ist weiterhin erkennbar. Einzig und allein die „Execution“ bleibt problembehaftet. Dass die designierten Perimeter-Shooter Hill, Robinson, Chris Chiozza und Allen nur zwischen 26.7 und 34.3 Prozent ihrer Dreier treffen, erschwert das Angriffsspiel zusätzlich. Hier müssen dringend effizientere Wurfquoten her. 

Prognose
Babst: Die letzte Februarwoche sollten sich Gatorsfans im Kalender markieren, da diese über den Einzug ins Tournament entscheiden kann. Innerhalb von sieben Tagen trifft Florida auf Vanderbilt, LSU und Kentucky. Gewinnt Florida zwei der drei Spiele, stehen die Chancen auf einen Tanz im März nicht schlecht. Allerdings dürfen sich die Gators vorher keine Ausrutscher erlauben. Da ein klarer Aufwärtstrend zu erkennen ist und White sein Team im Griff hat, dürfen die Gators auf das Tournament schielen.

Adelhardt: Mit der Auswärtspartie in Lexington bei den schwächelnden Kentucky Wildcats und den Spielen in South Carolina und Louisiana State bekommen die Gators gleich drei Chancen ihr Resume nachhaltig aufzuwerten. In erster Linie müssen jedoch die „Pflichtsiege“ im heimischen O'Connell Center eingefahren werden: Arkansas, Ole Miss und Alabama müssen in Gainesville geschlagen werden. Bis dato haben die Gators neun ihrer zehn Heimspiele gewonnen und sollten dort auch gegen Arkansas und Co. keine Feder lassen. In der letzten Februarwoche stehen dann die Partien gegen LSU, Vanderbilt und Kentucky auf dem Programm. Angesichts der fehlenden Konstanz und den Problemen auf der Spielmacherposition, erscheint es momentan unwahrscheinlich, dass die Gators am Ende der Saison alle drei entscheidenden Partien für sich entscheiden können.


Florida State 
Bilanz:13-7 (3-5 in der Conference)
Quality Wins: VCU, Florida, Virginia
Bad Losses: Hofstra
Strenght of Schedule: 18.

Probleme
Babst: Nach einem starken Non-Conference-Part der Saison (den Blackout gegen Hofstra ausgenommen), traf der ACC Start das junge Team mit der vollen Breitseite. Gegen die starken Teams der Liga konnte das Team bisher zwar fast immer lange mithalten, aber  am Ende fehlte die Routine. Gerade der Faktor Erfahrung hindert die Seminoles daran, bessere Resultate zu erzielen. Gleichzeitig sind sie zu sehr vom Erfolg in der Transition abhängig. Das Setplay sieht noch unstimmig aus. Das Timing fehlt, das Spacing ist schlecht. Das führt dazu, dass nur die simpelsten Plays wirklich gut und regelmäßig funktionieren.

Adelhardt: Verderben zu viele Köche wirklich den Brei? Falls dies generell der Fall ist, dann haben die Seminoles ein Problem, da ihre Küche von kompetenten Köchen überbevölkert ist. Malik Beasley, Dwayne Bacon, Xavier Rathan-Mayes und Devon Bookert – die Liste an herausragenden Scoring-Guards im Kader von Florida State ist besorgniserregend lang. Es gibt kaum eine andere College-Mannschaft, die mit einer solchen Armada an gefährlichen Backcourt-Spielern aufwarten kann. Dass aber auch im Bundesstaat Florida nur mit einem Ball gespielt werden darf, erschwert die Arbeit von Coach Leonard Hamilton sichtlich. Dass eine Mannschaft mit so vielen talentierten Offensivspielern nicht zu der Top-70 hinsichtlich der Offensiveffizienz gehört, sollte jeden Seminoles-Anhänger beunruhigen.

Lösungen
Babst: Neben den beiden Freshmen Dwayne Bacon und Malik Beasley müssen die erfahreneren Akteure endlich Verantwortung übernehmen. Besonders Xavier Rathan-Mayes, Boris Bojanovsky und Devon Bookert sind hier gefordert. Rathan-Mayes wurde zuletzt sogar von Coach Leonard Hamilton in Louisville gar nicht eingesetzt, obwohl er fit auf der Bank saß. Wollen die Seminoles erfolgreich sein, muss der kanadische Guard zum dritten konstanten Anführer des Teams aufsteigen. 
In der Offense sollte Hamilton in Erwägung ziehen, die Plays zu entwirren und auf Basics zu reduzieren. Einfache Pick & Rolls mit Bacon oder Beasley reichen oft, um Verteidigungen zum Kollabieren zu bringen und offene Würfe zu ermöglichen.

Adelhardt: Multiple Ballhandler zeitgleich auf der Platte stehen zu haben ist, in den richtigen offensiven Schemata eingebettet, ein Luxus. Von diesem Luxus profitiert Florida State zuletzt aber viel zu selten. Hamilton probiert seine Guards mit schnellen Hand-offs am Perimeter und Screens von den Big-Men Boris Bojanovsky und Jarquez Smith in aussichtsreiche Positionen zu bringen. Die häufigsten Folgen: Midrange-Jumper oder Drives in eine zugestellte Zone. Die Seminoles wären gut beraten, wenn sie die Verteidigung durch viele Pick-and-Rolls und Drives mit anschließenden Kick-Out-Pässen erst durcheinander wirbeln würden, bevor sie den Wurfabschluss explizit suchen. Denn momentan wirkt die Offensive noch zu überhastet und es wird zu selten der Extrapass gesucht.

Prognose
Babst: In der ACC ist jedes Spiel hart umkämpft. Mit Ausnahme des Boston College kann jedes Team jedes andere Team schlagen. Wichtig für FSU ist daher, die Heimspiele zu gewinnen. Auch einige Auswärtssiege bei direkten Konkurrenten oder vermeintlich schwächeren Teams wären wichtig. Zumal mit Duke und Miami nur zwei Gegner verbleiben, die das Resümee im Falle eines Sieges schlagartig aufpolieren und ärgerliche Niederlagen kompensieren könnten. Angesichts der Jugend des Teams und der Berechenbarkeit in der Offense, stehe ich einer Tournament Teilnahme skeptisch gegenüber.

Adelhardt: Die Seminoles haben das „Glück“, dass sie in der ACC spielen. In dieser Conference bekommt jede Mannschaft oft genug die Möglichkeit gegen ein hochklassiges Team einen wichtigen Sieg einzufahren. Doch einen Großteil ihrer Chancen haben die Seminoles bereits verbraten und lediglich der Sieg gegen die Virginia Cavaliers könnte im März noch sehr viel wert sein. Die Partien gegen Duke und Notre Dame werden zu einem offensiven Kräftemessen auf Augenhöhe ausarten. Wenn es Florida State schafft durch ihre Zonenverteidigung die gegnerische Offensive aus dem Konzept zu bringen und die Guards im Angriff heißlaufen, dann stehen die Chancen auf eine Teilnahme am NCAA-Turnier gut. Aber Achtung – das „Wenn“ ist ein ziemlich großes „Wenn“!


Indiana
Bilanz: 17-4 (7-1 in der Conference)
Quality Wins: Notre Dame
Bad Losses: UNLV
Strength of Schedule: 172.

Probleme
Babst: Defense. Mitte Dezember wurden die Hoosiers von den Duke Blue Devils vorgeführt. Die Defense war blamabel und nicht als Verteidigung zu bezeichnen. Es folgten zwölf Siege in Serie, ehe Wisconsin diesen Lauf unter der Woche stoppte und wieder allzu deutlich aufzeigte, wie schwach die Defense der Hoosiers immer noch ist, wenn der Gegner nur konsequent attackiert. Sowohl individuell als auch als Kollektiv gerät Tom Creans Team sehr schnell ins Schwimmen und gibt daher viele leichte Punkte ab.

Adelhardt: Zumindest nichts, das ihren Angriff anbelangt. Hier gehören die Hoosiers zu den Topadressen der Nation. Das Backcourt-Duo Yogi Ferrell und James Blackmon Jr. legt im Durchschnitt 33.5 PPG auf und zählt zu den wurfgewaltigsten Tandem in der heutigen NCAA. Anders sieht die Sache in der Verteidigung aus. So brutal gut Ferrell und „JBJ“ in der Offensive sind, so handzahm sind sie in der Defensive. Beide Spieler sind gute Stopper am Perimeter, weshalb die Hoosiers-Gegner immer wieder in die Mitte der Zone vordringen können. Darüber hinaus haben sich die Hoosiers das Leben im Non-Conference-Schedule recht einfach gemacht und konnten daher keine bahnbrechenden Siege einfahren. Ihre Bilanz sieht attraktiver aus, als sie es eigentlich ist.

Lösungen
Babst: Da nicht davon auszugehen ist, dass Thomas Bryant im Laufe der nächsten fünf bis sechs Wochen schnellere Fußarbeit entwickelt, Troy Williams die Prinzipien einer gesunden Teamverteidigung verinnerlicht und Yogi Ferrell seine undisziplinierten Stealversuche unterlässt, muss Crean die Teamverteidigung in Angriff nehmen und die Schnelligkeit sowie die Präzision bei Rotationen erhöhen. Ansonsten können die Hoosiers oft nur hoffen, dass ihre Offense reicht, um das Spiel zu gewinnen und Bryants Gegenspieler nicht zu viele Blöcke im High Pick & Roll stellt.

Adelhardt: In den nächsten fünf Wochen bekommen es die Jungs aus dem Hoosiers-State gleich mit vier Mannschaften zu tun, die aktuell zu den Top-15 zählen. Genug Bewährungschancen, um dem Komitee zu beweisen, dass sie sich ihre Teilnahme am NCAA-Turnier mehr als verdient haben.
Und was die Defensive betrifft – hoffen und beten. Aus Ferrell und Blackmon Jr. werden keine brauchbaren Perimeter-Verteidiger mehr, sodass Troy Williams und Thomas Bryant ihr Bestes geben müssen, um die Lücken innerhalb ihrer Defensive zu schließen. 

Prognose
Babst: Das Gute an Indianas Restprogramm ist, dass nur noch vier Spiele gegen vermeintlich schwächere Gegner warten und damit das Risiko auf einen kostspieligen Ausrutscher gering ist. Dennoch werden die Hoosiers von den anderen acht Partien ebenfalls noch einige für sich entscheiden müssen, vor allem auswärts. Denn richtige Quality Wins fehlen noch. Gegen Iowa spielen die Hoosiers noch zwei Mal, was ihr Glück sein könnte, da ihnen der Spielstil der Hawkeyes liegt und sie durchaus zumindest eine Partie gewinnen könnten. Gelingt dies (möglichst zeitnah), wäre das Tournament in greifbarer Nähe.

Adelhardt: Sind die Hoosiers aktuell nur eine Mogelpackung? Ihr bisheriger Siegeslauf durch die Big-Ten in allen Ehren, aber die richtigen Aufgaben kommen erst jetzt auf Coach Tom Crean zu. Gegen die Duke Blue Devils war Anfang Dezember schon zu beobachten gewesen, wie es ausschaut, wenn Indiana gegen eine potente Offensive unter Beschuss gerät und ihre Defensive in alle Einzelteile zerfällt (74:94). Die Hoosiers sind im Angriff einfach zu variabel und gefährlich aufgestellt, um gegen die Top-Teams jedes einzelne Spiel abzugeben. Aber dass sie weiter von der Spitze der NCAA entfernt sind, als es aktuell den Anschein macht, wird in den Spielen gegen Maryland und Co. auch zu sehen sein. 


LSU 
Bilanz: 13-7 (6-2 in der Conference)
Quality Wins: Vanderbilt, Kentucky
Bad Losses: NC State, Charleston, Houston
Strength of Schedule: 86.

Probleme
Babst: Das Setplay der Tigers ist nach wie vor eine Wundertüte. An guten Tagen sehen die Angriffsbemühungen nach Basketball und vorsätzlich geplantem Handeln aus, an schlechten Tagen fehlen eine Handschrift und die Struktur. Auch die Rotation der Tigers steht noch nicht fest, was einige Spieler aufgrund ihrer wechselnden Rollen gerne mal in Panik oder Lustlosigkeit versetzt. Gerade diejenigen, die nur als Rotationsspieler dienen sollten, versuchen daher in der Kürze der Zeit auf dem Parkett das Optimum herauszuholen, was jedoch in blindem Aktionismus und vielen Ballverlusten oder schlechten Würfen resultiert.

Adelhardt: Bei den LSU Tigers muss der geneigte Beobachter bei seiner momentanen Einschätzung vorsichtig sein. Denn die aktuelle Saison der Tigers sollte in zwei Phasen unterschieden werden. In der ersten Phase musste Head Coach Johnny Jones auf Arizona-Transfer Craig Victor und Keith Hornsby, dem letztjährigen Top-Scorer unter den aktuellen LSU-Rückkehrern, verzichten. Die Probleme „Low-Post-Scoring“ und „Perimeter-Shooting“ wurden durch Victor und Hornsby schon einmal sichtlich behoben. In der zweiten Phase – der Hornsby/Victor-Ära – präsentieren sich die Tigers wesentlich variabler in ihrem Angriffsspiel und es kann ein besseres Ballmovement beoachtet werden. Nichtsdestotrotz werden in dem schnellen Spielstil der Tigers (14. höchste Pace) zuweilen in der Offense noch zu wenig off-Ball-Aktionen eingebunden. In der Defensive bekommt LSU Probleme, wenn die erste Linie ihrer temporären Ganzfeldpresse schnell überspielt wird und der Gegner im Halbfeld auf eine unsortierte Tigers-Verteidigung trifft.

Lösungen
Babst: Coach Johnny Jones muss endlich den Halbfeldangriff um Ben Simmons aufbauen und seine Sweet Spots entdecken. Jeder Angriff sollte über den künftigen NBA Hoffnungsträger laufen. Gleichzeitig sollte Jones den Guards eine klare Ansage bezüglich ihres Entscheidungsverhaltens machen und lieber auf Spot-up-Shooter und gute Verteidiger, statt auf dritte oder vierte Ballhandler und Gambler in der Defense setzen.

Adelhardt: Durch die Addition von Hornsby und Victor wurden bereits eklatnte Schwachstellen, die LSU im ersten Saisonmonat offenbarte, geschlossen. Dass Freshman Antonio Blakeney aus der Starting-Five herausgenommen wurde, war ein guter Schachzug von Head Coach Jones. Die designierten Dreierspezialisten Blakeney, Brandon Sampson und Jalyn Patterson müssen langsam anfangen ihre – oftmals sehr freien – Distanzwürfe zu treffen und das gegnerische Doppeln von Ben Simmons effektiv bestrafen. 

Prognose
Babst: Immerhin gelten die Tigers wieder als Tournament Kandidat durch den guten SEC Auftakt. Leider ist die SEC so schwach dieses Jahr, dass den Tigers nur noch wenige Gelegenheiten auf einen Quality Win übrigbleiben. Gerade ein Upset gegen Oklahoma würde enorm helfen. Mindestens genauso wichtig ist jedoch, dass sich die Tigers keine weitere Niederlage gegen die schwächere SEC Konkurrenz erlauben. Das wird alles andere als einfach, denn bisher spielten die Tigers regelmäßig mit dem Feuer und gewannen solche Spiele mit mehr Glück als Verstand.

Adelhardt: Die Formkurve der Tigers zeigt eindeutig nach oben. In den nächsten drei Wochen stehen drei Heim- (Mississippi State, Alabama und Texas A&M) und zwei Auswärtspartien (South Carolina, Auburn) an, in denen LSU drei bis vier Spiele für sich entscheiden sollte. Mit einem Ben Simmons und Tim Quarterman in Bestform, können die Tigers in den nächsten Tagen sich eine hervorragende Ausgangsbilanz erarbeiten, ehe es zum Schluss noch gegen Florida und Kentucky zum Showdown um eine Direktfahrkarte in das NCAA-Turnier kommt.


Notre Dame
Bilanz: 14-6 (5-3 in der Conference)
Quality Wins: Iowa, Duke
Bad Losses: Alabama, Monmouth
Strength of Schedule: 60.

Probleme
Babst: Keines der hier diskutierten Teams weist eine solche Diskrepanz zwischen Offense und Defense auf, wie die Fighting Irish. Einige Spieler erwecken den Eindruck als hätten sie keine Lust zu verteidigen, andere scheinen einfach nicht in der Lage zu sein, ihren Gegenspieler vor sich zu halten. Besonders im Frontcourt lassen sich die Ursachen für die Wehrlosigkeit identifizieren. Die Kombination aus mangelnder Größe, Toughness und Intensität wirken sich oft negativ auf das Scoreboard aus. Da die Guards wegen der kleinen Rotation und der daraus folgenden Müdigkeit gegen Ende des Spiels dann meist auch noch geschlagen werden und von den Bigs selten Hilfe zu erwarten ist, wollen die Irish enge Schlussphasen lieber vermeiden. 

Adelhardt: DEFENSIVE. In Großbuchstaben. Schriftgröße 96 und gefettet. Wenn es etwas gibt, dass die Fighting Irish in diesem Jahr von höheren Ansprüchen fernhält, dann ist es ihre Leistung am defensiven Ende des Basketballparketts. Zur Illustration: Notre Dame stellt die effizienteste Offensive der gesamten Nation und belegt bei der angepassten Defensiveffizienz lediglich Rang 249. Dass Head Coach Mike Brey sein Trainer-Hauptaugenmerk auf eine florierende Offensive legt, ist kein Geheimnis. Steve Vasturia, Bonzie Colson, V.J. Beachem – allesamt extrem wichtige Offensivspieler, die jedoch in der Verteidigung Probleme haben ihre direkten Kontrahenten am scoren zu hindern. 

Lösungen
Babst: Mike Brey muss einen Weg finden, dem Frontcourt die Ernsthaftigkeit von Defense zu vermitteln. Gelingt dies nicht, wird Notre Dame sein Glück mit mehr Zonenverteidigung suchen müssen. Zumindest dafür eignet sich die Länge des Frontcourts einigermaßen gut.

Adelhardt: Schwierig. Die Probleme in der Verteidigung sind weniger struktureller Natur, als vielmehr der fehlenden individuellen Qualität geschuldet. Notre Dame spielt einen außerordentlich ruhigen, abgeklärten Offensivball, um leichte Transition-Punkte gegen sich zu vermeiden. So weit, so gut. Doch in der Halbfeld-Defensive verstehen es die kämpfenden Iren nicht das Pick-and-Roll effektiv zu unterbinden und bei off-ball-Screens schnell genug zu rotieren. Darüber hinaus lassen die Notre Dame-Spieler in der Defensive Attribute wie Konzentration, Kampfgeist, Härte und Entschlossenheit vermissen, was in Kombination mit der fehlenden defensiven Qualität eine gefährliche Mischung ergibt. 

Prognose
Babst: Dass sich ausgerechnet Demetrius Jackson verletzte, ist das schlimmste Szenario, das passieren konnte. Wie lange Jackson ausfällt und wie sehr ihn die Verletzung beeinträchtigt, könnte über den Ausgang der kompletten Saison entscheiden. Ohne den Motor stockt auch die Offense der Irish bedenklich. Umso wichtiger ist es daher, dass die Irish ihre Heimspiele und die Spiele gegen direkte Konkurrenten wie Florida State gewinnen. Sollte Jackson schnell wieder fit werden, wird die Offense reichen, um den Mindestanforderungen an ein NCAA Tournament Team zu entsprechen.

Adelhardt: Von allen Bubble-Teams sieht es für die Fighting Irish mit am düstersten aus. Star-Ballhandler Demetrius Jackson fällt vorerst verletzt aus und die Konkurrenz in der ACC ist brutaler als jeder Snuff-Film. Notre Dame kann an guten Tagen jeden Gegner aus der Halle schießen, aber unglücklicherweise auch von jedem Gegner aus der Halle geschossen werden. In den nächsten drei Wochen spielt der letztjährige Elite Eight-Teilnehmer in Miami, Zuhause gegen UNC, in Clemson und Zuhause gegen Louisville. Siege gegen Miami, UNC oder Louisville wären klare „quality wins“, die am Ende den Ausschlag pro Notre Dame geben könnten. Doch dass die Fighting Irish diese Partien wirklich gewinnen – vor allem für den Fall, dass Jackson ausfällt, ist keine abgemachte Sache. Am Ende könnte es dann auf die bisherigen Siege gegen Duke und Iowa ankommen.


Oregon State
Bilanz: 12-7 (3-5 in der Conference)
Quality Wins: Oregon, California, USC
Bad Losses: Valparaiso, Stanford
Strength of Schedule: 30.

Probleme
Babst: So diszipliniert und variantenreich die Beavers in der Verteidigung auch auftreten, am Ende geht es darum, den Ball erfolgreich durch den Korb zu bugsieren und daran scheitern sie leider noch zu oft. Das Team hat immer wieder gute Phasen und solange die Schützen ihre Würfe treffen, läuft die Offense flüssig, doch die Konstanz fehlt leider. Zu häufig muss Gary Payton II den Angriff schultern, was angesichts seines immer noch limitierten Skillsets einfach auf Dauer nicht ausreichend ist. 

Adelhardt: Die haben Beavers stehen in einer großen Abhängigkeit zu ihrem Top-Star Gary Payton II. Der Sprössling des bekanntesten Handschuhs der NBA-Historie, legt eine absolut atemberaubende Saison auf das Parkett und ist der einzige Grund, warum Oregon State an dieser Stelle überhaupt zur Debatte steht. Hinter Payton mangelt es der Mannschaft an talentierten Playmaker, die für sich und ihre Mitspieler kreieren können. Wenn es bei dem Senior Point Guard offensiv nicht läuft, wie es zuletzt gegen Arizona State der Fall war, dann bekommen die Bieber arge Probleme sich sowohl in der Transition, als auch im Halbfeld effiziente Würfe zu erspielen. Dass Oregon State in der Offensiv- und Defensiveffizienz außerhalb der Top-90 rangiert, illustriert die Problematik der Mannschaft von Head Coach Wayne Tinkle.

Lösungen
Babst: Mit jedem Spiel gewinnen die jungen Biber an Erfahrung dazu und zeigen sich im bisherigen Verlauf der Spielzeit auch sehr lernwillig. Da Coach Wayne Tinkle ein Taktikfuchs ist, wird sich auch die Offense und die Ausführung der Sets weiterhin verbessern. Bis sich Oregon State jedoch halbwegs sicher im Halbfeld bewegt, werden sie versuchen müssen, weiter viele leichte Zähler in Transition Situationen zu erzielen.

Adelhardt: Mit Gary Payton II. steht einer der ganz heißen Kandidaten auf die Auszeichnung zum „PAC-12-Spieler-des-Jahres“ in den Reihen von Oregon State. Aus diesem Grund dürfen die Beavers auch noch nicht abgeschrieben werden. Payton ist ein absoluter „Two-Way-Guard“, der seine Mitspieler mit seiner aggressiven Verteidigung mitreißen kann und im Angriff dank seines Ballhandling und Athletik für jeden Kontrahenten schwer zu verteidigen ist. Trainer Tinkle sollte den Ball noch häufiger in die Hände seines Starspielers im Angriff legen, da er mit den Dreierschützen Olaf Schaftenaar, Stephen Thompson Jr. und Tres Tinkle genügend Spot-up-Shooter um sich herum weiß und durch seine Drives die gegnerischen Verteidigungen effektiv attackieren kann.

Prognose
Babst: Die PAC12 ist ausgeglichen wie selten zuvor und da die meisten Teams qualitativ hochwertige Gegner darstellen, besteht kaum das Risiko, dass sich die Beavers noch ärgerliche und schädigende Niederlagen einhandeln. Gewinnen sie ihre Heimspiele und stehlen noch den einen oder anderen Sieg in fremder Halle, sollten die Beavers sich auf gutem Kurs bewegen. Mit Gary Payton II haben sie zudem einen Anführer, der das Team auf Kurs hält.

Adelhardt: Die Beavers haben Ergebnisproblem. Siege gegen California, Oregon und USC sind zwar nett, aber werden nicht alle dafür sorgen, dass die Jungs von Oregon State im März tanzen gehen dürfen. Gute Gelegenheiten wurden ausgelassen (Kansas), sodass bei den kommenden Spielen gegen Utah, Oregon und Colorado (alle unter der Top-50 bei kenpom) für Oregon State mindestens zwei Siege herausspringen müssen, damit sie in anderthalb Monaten auf der sicheren Seite stehen. Adjektiv: unwahrscheinlich.


Texas
Bilanz: 13-7 (5-3 in der Conference)
Quality Wins: Washington, North Carolina, Iowa State, West Virginia
Bad Losses: TCU
Strength of Schedule: 4.

Probleme
Babst: Ähnlich wie Florida befindet sich Texas ein wenig im Umbruch im ersten Jahr unter Shaka Smart, der sich an das Team erst gewöhnen musste, da es im starken Kontrast zu seinen bisherigen Mannschaften steht. Die Texaner pressen weniger und spielen mehr Zonenverteidigung als Smart es gern hätte, doch die Intensität stimmt. Nun müssen die Longhorns noch lernen, ohne Fouls zu verteidigen. Gerade beim Thema Handchecking schneiden die Longhorns schlecht ab. Offensiv müssen die Longhorns den Ball noch schneller bewegen. Momentan hängt zu viel an der Penetration der Guards.

Adelhardt: Cameron Ridley ist verletzt. Klingt simpel – ist es auch. Der Junior-Big Man verletzte sich nach elf Partien am Fuß und kann seitdem nur von der Seitenlinie aus moralische Unterstützung liefern. Dabei startete Ridley furios in die Saison (12.7 PPG, 10.0 RPG, 3.4 BPG) und führte seine Longhorns zu einer Bilanz von 8-3. Der neue Head Coach Shaka Smart ließ viele Sets über seinen Big Man im Low-Post aufziehen und schien mit Ballhandler Isaiah Taylor und Ridley über ein gut funktionierendes Guard/Big Man-Duo zu verfügen. Nach der Verletzung von Ridley, der auf unbestimmte Zeit ausfällt, musste sich Smart stärker auf seine Guards Taylor, Javan Felix und Kerwin Roach Jr. verlassen. Aufgrund der fehlenden offensiven Skills von Prince Ibeh – seine 17 Punkten gegen Texas Christian in Ehren – wiegt der Ausfall von Ridley in der Offensive schwer. Es hat sich eine Imbalance bezüglich des Inside-Out-Spiels von Texas entwickelt.

Lösungen
Babst: Wie bereits skizziert spielen die Longhorns für ein von Smart gecoachtes Team viel Zone und sollten dieser Verteidigungsform vielleicht sogar noch mehr Beachtung schenken, wenn Smarts Schmerzgrenze dabei nicht zu sehr strapaziert wird. Die Länge und Größe der Longhorns lädt dazu ein und würde viele unnötige Fouls verhindern. Im Angriff muss vor allem Kerwin Roach Jr. noch lernen, sich im Pick & Roll schneller vom Ball zu trennen. 

Adelhardt: Hoffen das der Fuß von Ridley schnell verheilt? Die Longhorns spielen in der ersten Saison von Smart als Texas-Übungsleiter sowohl defensiv als auch offensiv einen soliden Ball. In der Verteidigung wird eine „Havoc-lose“ Ganzfeld-Presse und Zonenverteidigung gespielt. Im Angriff werden ansehnliche Sets gelaufen, die alle fünf Spieler involvieren und die Longhorns-Offense zu den 50 effizientesten Offensiven des Landes macht. Es gibt nicht viel auszusetzen und Texas dürften von allen Bubble-Teams noch die sicherste Wahl sein.

Prognose
Babst: Texas hat mittlerweile die Verletzung von Cameron Ridley, dem Starting Center, gut verkraftet und befindet sich deutlich im Aufwind. Mit jedem Monat scheint das Team die neue Spielphilosophie besser umsetzen zu können und tankt aus dieser Erkenntnis sichtlich Selbstbewusstsein. Da Smart jetzt schon das Vertrauen seiner Spieler genießt und der restliche Spielplan fast ausschließlich Duelle gegen Top25 Gegner beinhaltet, sind die Longhorns mittlerweile in einer guten Ausgangsposition, um das Tournament zu erreichen.

Adelhardt: Die Texas Longhorns haben mit ihren Siegen über West Virginia, Iowa State und vor allem UNC bereits drei „quality wins“ unter ihrem Gürtel. Sollten sie die restliche Big-12-Saison ohne große Blessuren überstehen, dann wird es für das Komitee schwierig den Longhorns ihr Ticket für das NCAA-Turnier zu verwehren.


UCLA
Bilanz: 12-9 (3-5 in der Conference)
Quality Wins: Kentucky, Gonzaga, Arizona, Oregon State
Bad Losses: Monmouth, Washington State
Strength of Schedule: 6.

Probleme
Babst: Wie in den vergangenen Jahren unter Steve Alford auch fehlt einfach die Konstanz bei den Bruins. Siege gegen Kentucky und Arizona auf der einen Seite, Niederlagen gegen Monmouth und Washington State auf der anderen Seite. Erneut ist dieser wechselhafte Output vor allem der schwachen Defense geschuldet. Bis auf Aaron Holiday darf sich kein Spieler des Teams als guter Verteidiger bezeichnen und selbst den Status als durchschnittlichen Verteidiger erreichen maximal die Hälfte der Bruins. 

Adelhardt: Konstanz und Defense. Die Bruins haben in dieser Saison etwas was Dr. Jekeyll und Mr. Hyde. Der geneigte Beobachter weiß nie welche Bruins-Mannschaft ihn an einem Tag erwartet. In der Offensive besticht die Mannschaft von Coach Alford durch eine Vielzahl an Scorern – fünf Spieler legen im Durchschnitt mindestens 11 PPG auf – und kann mit dem physischen Big Man-Duo Tony Parker/Thomas Welsh zwei wahre Brecher aufbieten. Dazu gesellt sich noch Spielersohn Byrce Alford, der zu jedem Zeitpunkt von jenseits der Dreierlinie Amok laufen und ein Spiel entscheiden kann. Die Problematik ist, dass die Bruins durch ihre schwankenden Leistungen in der Defensive sich oftmals frühzeitig in einer Partie ein tiefes Loch graben, welches sie durch ihre offensive Feuerkraft ausgleichen müssen. In den letzten zwei Wochen des Conference-Spielplans funktionierte dies nur bedingt (1-3).

Lösungen
Babst: Zwar versucht Alford schon sein bestes, die chronische Defensivschwäche seiner Spieler mit kuriosen Zonenvarianten zu kaschieren. Doch mittlerweile haben sich fast alle PAC12 Teams auf die 3-2-Zone eingestellt, sodass die Bruins defensiv auf Wurfpech beim Gegner hoffen müssen und stattdessen versuchen, Spiele in der Offense zu gewinnen. Solange Bryce Alford seine Baselinescreens erhält und seine Zirkuswürfe trifft, läuft die Offense auch wie eine geölte Maschine.

Adelhardt: Head Coach Steve Alford muss seine Schützlinge daran erinnern, dass Spiele auch am hinteren Ende des Courts entschieden werden können. Immer wieder leisten sich die Bruins in der Defensive minutenlange Blackouts – es wird nicht kommuniziert, zur falschen Zeit ausgeholfen und die Weakside komplett außer Acht gelassen. Sicherlich können die Bruins auch jeden Gegner mit ihren offensiven Fertigkeiten unter Druck setzen, aber sich Woche für Woche auf einen Shootout einzulassen, erscheint in dieser ausgeglichenen Pac-12-Conference nicht sonderlich ratsam.

Prognose
Babst: Es wird ähnlich eng für die Bruins wie im Vorjahr. Um auf der sicheren Seite zu sein, sollten sie so viele Spiele wie möglich gewinnen und vor allem Niederlagen gegen Washington State und Oregon State vermeiden. Siege über Arizona und/oder Oregon wären ebenfalls immens wichtig.

Adelhardt: Es wird eng für die Alma Mater von Lew Alcindor. Natürlich stehen auch Siege wie gegen Kentucky (damals #1) oder Arizona (#7) zu Buche, aber sollten die Bruins es tatsächlich weiterhin nicht schaffen den Gegner effektiv am scoren zu hindern, dann droht UCLA in der eigenen Conference den Anschluss zu verlieren. Sie müssen noch auswärts bei den Utes, in Oregon und Oregon State ran, was durchaus Chancen auf veritable Siege eröffnet, aber auch das Abrutschen in der PAC-12 ermöglicht.


UConn
Bilanz: 14-6 (4-3 in der Conference)
Quality Wins: Michigan, Texas, Georgetown
Bad Losses: Temple, Tulsa
Strength of Schedule: 156.

Probleme
Babst: Im ersten Jahr gänzlich ohne Kemba Walker, Shabazz Napier und Ryan Boatright krankt die Offense der Huskies an Ideenlosigkeit und Berechenbarkeit. Da viele Sets auf Pick & Roll Situationen am Ende der Shotclock hinauslaufen und hier der entsprechende Ballhandler fehlt, ergeben sich Notwürfe, die die diesjährigen Spieler bei weitem nicht so häufig treffen wie die drei genannten Guards. Fallen zudem die Distanzwürfe nicht, wird es für UConn schwer, Spiele zu gewinnen. Des Weiteren muss Rodney Purvis dringend seine Leistungen verbessern. Dass ein kräftiger Guard wie er so schwach am Korb finisht und so viele Dreier (über fünf Versuche pro Spiel) nimmt, ist katastrophal.

Adelhardt: Die Huskies haben auf dem Papier in diesem Jahr eine talentierte und äußerst erfahrene Truppe beisammen, die die blamable Vorsaison wieder vergessen machen könnte. Doch so wirklich ins Rollen gekommen ist der NCAA-Champion von 2014 noch nicht. Dies hängt einerseits mit dem verletzungsbedingten Ausfall von Big Man Amida Brimah, und anderseits mit ihrem offensiven Output, zusammen. Die Huskies verschleppen konstant das Spieltempo, was ihnen zwar in der Defensive und ihrer Zonenverteidigung die Arbeit erleichtert, jedoch auch des Öfteren den eigenen offensiven Spielfluss stört.

Lösungen
Babst: Besonders unter den Brettern sind die Huskies ihren Gegnern aufgrund ihrer Größe, Athletik und der Vielzahl an Optionen meist überlegen. Eine Möglichkeit wäre es daher, Shonn Miller gezielter zu suchen. Der Cornell Transfer ist ein mobiler Power Forward mit einem vielseitigen Offensivpaket und kann sich durchaus gute Würfe selbst erarbeiten. Ansonsten sollte Ollie auch häufiger über Daniel Hamilton als Ballhandler im Pick & Roll nachdenken und Sterling Gibbs abseits des Balls postieren, um dessen Qualitäten als Spot-up-Shooter besser einzusetzen.

Adelhardt: Die zeitnahe Rückkehr von Brimah wird den Huskies einen der effektivsten Ringbeschützer der NCAA zurückbringen. Doch Coach Kevin Ollie wäre gut beraten, wenn er Brimah fortan auch stärker in seine Offensive einbindet. Der Pivot bewieß zu Saisonbeginn, dass er eine effiziente Abschlussoption in der gegnerischen Zone sein kann und sollte öfters als abrollender Mann nach einem Pick-and-Roll von den Guards Sterling Gibbs und Daniel Hamilton gefunden werden. Generell sollten die Ballhandler der Huskies versuchen die Sets in der Offensive schneller zu initiieren und mehr Zielstrebigkeit in ihre Aktion bringen. Denn an Scoringpotenz (Hamilton, Gibbs, Rodney Purvis, Shonn Miller) mangelt es UConn eigentlich nicht.

Prognose
Babst: Die Teams der AAC bieten nicht wirklich die Gelegenheit, die eigene Reputation durch triumphale Siege nachhaltig zu stärken, aber immerhin treffen die Huskies noch zwei Mal auf SMU, das zuletzt als letztes NCAA Team der laufenden Saison die erste Saisonniederlage in Kauf nehmen musste. Wirklich wichtig werden die Spiele gegen die direkte Konkurrenz aus Cincinnati, sowie die Spiele gegen Tulsa und in Philadelphia an der Temple University. Alle drei Hinspiele verloren die Huskies und gefährdeten damit bereits ihre Tournament Teilnahme. Sollten diese Spiele erneut verloren werden, muss UConn schon den Conference Titel holen, um doch noch im März vertreten zu sein.

Adelhardt: Kevin Ollie musste nicht nur den Abgang von Ryan Boatright kompensieren, sondern mit Sterling Gibbs und Shonn Miller auch zwei Graduate-Transfers in sein Offensiv- und Defensivkonzept integrieren. Dass die Huskies Zeit benötigen werden, um als Einheit aufzutreten, war vor der Saison abzusehen. Alsbald sollten sich die Huskies aber als zweite Kraft in der AAC hinter SMU etablieren und ihr NCAA-Ticket lösen.


Vanderbilt
Bilanz: 12-8 (4-4 in der Conference)
Quality Wins: Florida
Bad Losses: Arkansas
Strength of Schedule: 19.

Probleme
Babst: Die Verletzung von Luke Kornet kam den Commodores ungelegen und raubte ihnen ein wenig den Rhythmus, keine Frage. Allerdings gibt es auch noch andere Details, an denen Kevin Stallings feilen kann. Offensiv ist hier vor allem die Systemstarre anzukreiden, bei der einige Spieler gerne mal entgegen ihrer Stärken zum Einsatz kommen. Wenn beispielsweise Riley LaChance das Ballhandling im Pick & Roll übernimmt und Wade Baldwin in der Ecke auf den Kickout wartet, wird das Offensivpotential beider Spieler sicher nicht optimal ausgenutzt. Defensiv fehlt allzu oft der letzte Biss am Perimeter, weshalb sich die Bigs Kornet und Damian Jones zu oft mit Foulproblemen auf der Bank wiederfinden.

Adelhardt: Die Commodores haben einen klassischen Fehlstart hingelegt und sind in die neue SEC-Saison mit drei Pleiten gestartet. Bei den Niederlagen gegen Purdue und LSU zeigte Vanderbilt ungewohnte Schwächen in der Defensive, was auch mit der Verletzungspause von Luke Kornet zusammenhing. Der mobile Sevenfooter ist nicht nur der effektivste Shotblocker der NCAA (3,3 BPG), sondern mit seinem soften Handgelenk auch in der Offensive von unschätzbaren Wert für das Spacing in der Vanderbilt-Offensive. Obwohl „Vandy“ mit Wade Baldwin und Damian Jones über zwei NBA-Prospects verfügt, funktioniert ihre Spread-Offense über teamdienliches Ballmovement und viel Bewegung abseits des Balles. Problematisch wird es, wenn der Gegner durch eine aggressive Manndeckung den Schützen auf den Füßen stehen und die Commodores dazu verleitet werden, dass sie in der Mitteldistanz und in Eins-gegen-Eins-Situationen operieren müssen. Nur die wenigsten Offensivakteure von Vanderbilt sind dazu in der Lage sich ihren eigenen Wurf zu kreieren.

Lösungen
Babst: Ob Stallings von seinen Setplays abrückt ist fraglich. In der Regel sind seine Plays und die entsprechenden Calls zum richtigen Zeitpunkt auch clever gestrickt und schwer zu verteidigen. Allerdings sollte er sich dieses Jahr dem Potential seiner Mannschaft anpassen. Drei potentielle NBA Spieler stehen in Reihen der Commodores und erhalten nicht immer die Aufmerksamkeit, die ihnen gebührt. Sollte sich das in der Offense ändern, wird Vandy deutlich erfolgreicher als zuletzt sein.

Adelhardt: Nachdem der Rekonvaleszente Kornet wieder auf der Platte steht, müssen wir uns über die Defensive keine Gedanken machen. Jones und Kornet sind ein formidables Ringbeschützer-Duo in der NCAA und Guard Baldwin mit seinen langen Armen und der Kettenhund-Mentalität für jeden gegnerischen Aufbauspieler ein Ärgernis. An guten Tagen gibt es auch an ihrer Offensive nicht viel auszusetzen. Es war bislang vielmehr der Mangel an „Clutchness“, weshalb die Commodores in knappen Spielen häufig als Verlierer vom Platz getrottet sind. Dass NBA-Talent Jones in dieser Saison bislang weniger Würfe pro Spiel nimmt, als es noch in der letzten Saison der Fall gewesen ist, kann auf das Offensivkonzept der Commodores zurückgeführt werden. In bestimmten Match-ups wäre es aber ratsam, dass Coach Kevin Stallings seinen Big im Low-Post häufiger isoliert und im Eins-gegen-eins den Ring attackieren lässt.

Prognose 
Babst: Vanderbilt fehlt noch ein Quality Win. Das namhafteste Opfer war bisher Wake Forest, das allerdings in der ACC nun bedenklich schwächelt, womit der Sieg immer mehr an Wert verliert. Daher wären ein oder idealerweise mehrere Siege gegen Kentucky, Florida und Texas A&M (zwei Spiele) Pflicht, um die Bilanz aufzupolieren. Gleichzeitig dürfen die Commodores sich keine unnötige Niederlage mehr erlauben. Zumindest letzteres sollte in voller Kaderstärke kein Problem darstellen.

Adelhardt: Die Commodores haben es bislang versäumt gegen ein Top-Team einen „Big Win“ zu landen und mussten sich gegen Kansas, Baylor und Co. stets geschlagen geben. Das nächste Heimspiel gegen #5 Texas A&M ist aus diesem Grund schon fast ein „Must-win“, da der Truppe von Stallings sonst die Möglichkeiten ausgehen am Ende der Saison auf ein vielversprechendes Resumé zu bauen. Aufgrund ihrer guten Defensive und dem veritablen Angriffsspiel ist es den Commodores zuzutrauen, dass sie ein Topspiel für sich entscheiden. Ob diese ein, zwei „quality wins“ dann auch wirklich reichen, darf zumindest momentan hinterfragt werden.