12 Dezember 2015

12. Dezember, 2015


Die Saison ist noch jung, aber die Gerüchteküche brodelt längst. Der Trade von Mario Chalmers zu den Memphis Grizzlies dürfte der Startschuss einer wilden Tauschperiode gewesen sein. In der Theorie gibt es immer viele spannende Szenarien. Aber der Leitgedanke „Wen könnte Team x holen und wen dafür an Team y“ abgeben“ ist trügerisch, schließlich spielen sehr viele Faktoren eine Rolle. Wir haben uns einige potentielle Kandidaten genauer angeschaut.

von STEFAN DUPICK @hoopsgamede

Die Saison schreitet voran, potenzielle Trades werden zum immer wahrscheinlicher, außerdem kristallisiert sich immer mehr heraus, welche Teams aktiv werden könnten, sollten oder müssen. Heute werden die Chicago Bulls und die Minnesota Timberwolves betrachtet. Beide Teams haben sowohl Bedarf, sich zu verstärken bzw. den Kader zu verändern, als auch eine Vielzahl interessanter Trade-Objekte zur Hand. Mindestens ein Geschäft scheint hier also vorprogrammiert zu sein. Die Ausgangssituationen sind jedoch grundverschieden.

Chicago Bulls
Ausgangssituation
Die Chicago Bulls sehen sich in der aktuellen NBA-Saison als Contender, nicht nur im Osten, sondern als Mitfavoriten auf den NBA-Titel. Der Kader ist sehr tief und qualitativ hochwertig besetzt, dennoch gibt es einige Probleme. Das Team ist verhältnismäßig alt, (ehemalige) Leistungsträger wie Pau Gasol und Joakim Noah sind bereits über den Zenit, zudem ist die Gesundheit des ehemaligen MVP Derrick Rose immer wieder ein Thema. Folglich gibt es für die Bulls zwei Ansatzpunkte.

Eins: Die Bulls sind durch die Altersstruktur zum Siegen verdammt und setzen alles auf eine Karte. Das bedeutet, dass die Big Men Rotation aufgebrochen wird und Joakim Noah (Vertrag läuft aus), Taj Gibson, Bobby Portis oder Nikola Mirotic getradet werden. Im Gegenzug müssten jedoch Spieler verpflichtet werden, die sofort helfen und das Team an die Spitze der Estern Conference katapultieren können. Das Ziel bliebe der Titel 2016!


Szenario zwei: Die Bulls wagen den Umbruch, setzen für die Zukunft auf Jimmy Butler als Franchise Player und machen Derrick Rose verfügbar. Rose könnte dem Team in einem Trade Talente und Picks einbringen. Wie viel davon, das wäre eine andere Frage. Dieser Schritt wäre eine drastische Maßnahme, da Rose seit Jahren das Gesicht des Teams ist. Ein zusätzlicher Trade, z.B. von Noah, wäre in diesem Szenario nicht ausgeschlossen.

Interessenten
In beiden (theoretischen) Fällen gäbe es eine Reihe von Interessenten. Noah findet immer mehr zurück zu seinem Spiel, ist aber noch weit vom ehemaligen „Defensive Player oft he Year“ entfernt. Dennoch könnte er durch seine Erfahrung und seine Präsenz in der Defensive vielen Teams helfen. Die Mavericks oder die Celtics werden gehandelt. Auch Gibson dürfte aus Bulls-Sicht ein Trade-Objekt sein. Bei den viel jüngeren Portis und Mirotic ist dies eher unwahrscheinlich, bzw. die Angebote müssten überragend sein.


Ein mögliches Szenario wäre ein Trade von Noah zu den Celtics. Der Franzose könnte Boston in der Defensive sofort helfen, im Tausch wäre ein Guard oder Small Forward für die Bulls von Interesse. Da Marcus Smart verletzt ist, und Jae Crowder vermutlich unentbehrlich geworden ist, könnte ein drittes Team involviert werden, um den Deal für die Bulls interessant zu machen. Die Nets könnten in Joe Johnson ein sehr interessantes, aber teures Objekt der Bulls-Begierde beisteuern.

Derrick Rose ist ein Risiko, die letzten zwei Jahre seines Vertrags kosten 41 Millionen Dollar. Wenn er fit ist, dann ist er einer der besten Guards der Liga. Richtig fit war er leider lange nicht mehr. Dennoch würden viele Teams einiges opfern, um Rose zu bekommen. So wäre ein Deal zu den Lakers, Knicks, Pelicans oder Nets denkbar. Viele potenzielle Ziele scheiden jedoch aus, weil die Bulls im Gegenzug viel verlangen würden. Welches Team kann das bieten?

Ein mögliches Szenario wäre ein Deal zu den Lakers. Derrick Rose für Jordan Clarkson, Nick Young und Roy Hibbert, um den Deal funktionieren zu lassen, geht zumindest in der Theorie. Die Lakers könnten bereit sein dieses Risiko einzugehen, während die Bulls mit Clarkson ein vielversprechendes Talent an Land ziehen könnten. Zudem wäre Young eine solide Ergänzung auf dem Flügel.

Trade-Wahrscheinlichkeit
85% - Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Bulls auf dem Markt aktiv werden. Allerdings ist derzeit fraglich, welchen Weg die Bulls einschlagen. Ein Trade von Noah scheint in den Medien als der realistischste zu gelten, während ein Wechsel von Rose eher unwahrscheinlich ist, da er nach wie vor das Gesicht der Franchise ist - so ein bisschen zumindest.

Minnesota Timberwolves 
Ausgangssituation
Die Timberwolves stehen aktuell bei einer Bilanz von 9-13 Siegen, logischerweise außerhalb der Playoffs, aber vermutlich in einer besseren Position als viele dachten. Das Team macht Spaß und das enorme Potenzial ist bereits zu erkennen. Das Team ist zukunftsorientiert und wird kontinuierlich aufgebaut. Daher geht es in einem potenziellen Trade-Szenario nicht darum, den schnellen Erfolg zu finden, sondern ein weiteres Puzzleteil hinzuzufügen.


Nikola Pekovic, Kevin Martin und vielleicht, aber nur vielleicht Ricky Rubio stehen ganz oben auf der Liste der möglichen Trade-Objekte. Ein Trade von Pekovic wird erst im späteren Verlauf der Saison interessant, da der Montenegriner immer noch verletzt ist. Bei Martin sieht es anders aus: der Shooting Guard scheint kein Teil des Rebuilds zu sein, somit ist ein Trade realistisch. Rubio ist ein Pass-first-Point-Guard, der die jungen Wilden Towns und Wiggins gut in Szene setzen kann. Das Shooting bleibt aber sein Problem, auch in dieser Saison schießt der Spanier unterirdisch. Rubio ist immer noch erst 25 Jahre jung und lernt nach wie vor. Sollten die Timberwolves jedoch ein lukratives Angebot bekommen, dann ist ein Deal möglich - auch wenn Zach LaVine keine ordentliche Point Guard Alternative darstellt.


Interessenten
Der einzige tatsächlich realistische Kandidat für einen Teamwechsel ist Kevin Martin. Rubio ist, auch aus Mangel an Alternativen, auf der Point Guard Position weiterhin gesetzt und Teil der künftigen Wolves. Pekovic wird zu dem Gehalt und nach seiner überwältigenden Krankheitsgeschichte niemand ertraden wollen. Martin hingegen ist ein umgänglicher Veteran, dessen Scoring-Gefahr zu jedem Playoff-Team passt, das nach zusätzlicher Feuerkraft für seine Ersatzbank sucht.

Trade-Wahrscheinlichkeit
50% - die Wahrscheinlichkeit, dass einer der genannten Spieler die Wolves verlässt ist hoch. Wenngleich Rubio aufgrund seines Alters, seiner Defense und seines Spielverständnisses bei einigen GMs gefragt ist und einen guten Gegenwert einbringen würde, sitzt er in Minnesota als Anführer dieses Teams fest im Sattel. Der Mann, der wohl oder übel bald in einem anderen Trikot spielen wird, ist mit ziemlicher Sicherheit Kevin Martin.