11 Dezember 2015

11. Dezember, 2015


Die Saison ist noch jung, aber die Gerüchteküche brodelt längst. Der Trade von Mario Chalmers zu den Memphis Grizzlies dürfte der Startschuss einer wilden Tauschperiode gewesen sein. In der Theorie gibt es immer viele spannende Szenarien. Aber der Leitgedanke „Wen könnte Team x holen und wen dafür an Team y“ abgeben“ ist trügerisch, schließlich spielen sehr viele Faktoren eine Rolle. Wir haben uns einige potentielle Kandidaten genauer angeschaut.

von STEFAN DUPICK @hoopsgamede

In der heutigen Betrachtung sind drei Spieler im Fokus. Zu allen drei Akteuren gibt es seit geraumer Zeit immer wieder Trade-Gerüchte, die Gründe sind jedoch komplett unterschiedlich. Alle drei werden mit hoher Wahrscheinlichkeit über die komplette Saison in Trade-Gerüchten auftauchen. Wie realistisch es ist, dass sie ihren Arbeitgeber tatsächlich wechseln, haben wir im Folgenden analysiert.

Joe Johnson (Brooklyn Nets)
Ausgangssituation
Der Small Forward ist inzwischen 34 Jahre alt und befindet sich in der letzten Saison seines “Mega-Vertrags”. Johnson verdient in der laufenden Saison unglaubliche 24,9 Millionen Dollar! Nach Kobe ist er somit der Bestverdiener der NBA. Es muss nicht lange gerätselt werden, warum die Nets Johnson gerne abgeben würden. Wenn die Nets Johnson via Trade verschiffen könnten, wäre zunächst der dicke Vertrag aus den Büchern. Zudem ist sichergestellt, dass der Small Forward nicht ohne Gegenwert in der Free Agency abwandert. Je nach Trade-Szenario bekommen die Nets sogar noch etwas Qualität oder Potenzial zurück, auch wenn sie nicht zu viel erwarten sollten. Obwohl der Vertrag des Routiniers extrem teuer ist, so gibt es doch ein paar Interessenten, die sich von Johnsons Erfahrung und seinem soliden Spiel eine Qualitätssteigerung in den Playoffs versprechen.   

Interessenten
Ganz oben auf der Liste stehen Gerüchten zufolge die Chicago Bulls, aber auch die Memphis Grizzlies, die Los Angeles Clippers und die Cleveland Cavaliers könnten interessiert sein. Ein Trade für Johnson ist schwierig strukturiert, da das Trade-Paket so geschnürt sein muss, dass Johnsons Salary gematched wird.

Ein mögliches Szenario könnte so aussehen: Bei den Bulls konnten weder Snell noch McDermott überzeugen, die Genesung von Dunleavy lässt weiterhin auf sich warten. Johnson würde die Rotation auf dem Flügel somit perfekt ergänzen. Ein Trade müsste jedoch Bobby Portis und/oder Tony Snell beinhalten, zudem müssten mindestens Derrick Rose oder Joakim Noah involviert sein, um den Trade unter dem Salary Cap möglich zu machen. Johnson könnte also für Portis + Noah + Gibson wechseln. Es ist sogar realistisch, dass die Bulls einen der Big Men abgeben würden. Ein Trade von zwei Big Men hingegen ist eher unwahrscheinlich.


Trade-Wahrscheinlichkeit
30% - Johnson ist ein sehr interessanter Spieler für viele Teams, die auf dem Flügel Verstärkung benötigen. Wenn sein Dreier fällt, dann kann er jeden Contender stärker machen. Allerdings wird es sehr schwierig, ein Trade-Szenario zu erstellen, das beide Seiten glücklich macht, daher die geringe Wahrscheinlichkeit zu diesem frühen Zeitpunkt in der Saison.

DeMarcus Cousins (Sacramento Kings)
Ausgangssituation
Cousins und Sacramento, da will einfach keine richtige Liebesgeschichte entstehen. Cousins bringt sehr gute Leistungen und hat sich inzwischen sogar einen passablen Distanzwurf angeeignet. Er ist der Leader der Kings, einer der besten Big Men der Liga, dennoch kriselt es immer wieder um den Superstar. Cousins scheint in Sacramento nicht glücklich zu sein, zudem gibt es immer wieder Probleme mit Coach Karl, so dass es in den Medien folglich zu endlosen Gerüchten um seine Person kommt.

Interessenten
Die Interessenten für Cousins stehen Schlange, das ist auch verständlich, wenn ein Spieler seiner Klasse auf dem Markt ist - oder zumindest zu sein scheint. Um Cousins kann eine Franchise aufgebaut werden (Celtics, Lakers), ebenso kann Cousins die Verpflichtung sein, die ein Team zum absoluten Contender macht (Clippers? Wizards?). Allerdings verlangen die Kings sehr viel für Ihren Center - falls sie ihn jemals abgeben würden.

Die Celtics verfügen über zahlreiche Targets von Interesse. Sollte Boston bereit sein, den Kings den Draft Pick der Nets (unprotected) anzubieten und eines oder mehrere ihrer jungen Talente obendrein, dann wären die Kings vermutlich bereit, auch den Vertrag von David Lee zu übernehmen. Aktuell ist jedoch unklar, wie weit die Celtics gehen würden, um Cousins zu bekommen.


Ein Trade zu einem Contender ist derzeit eher unrealistisch. Die Clippers könnten mit Cousins und Griffin unter den Brettern sogar den Warriors gefährlich werden. Allerdings ist ein Trade von DeAndre Jordan derzeit nicht möglich, zudem ist fraglich ob die Kings mit einem Jordan für Cousins Deal zufrieden wären. Die Wizards setzen alles auf die Karte Durant und sind somit aus dem Rennen, auch wenn Wall, Beal und Cousins im Osten für Unruhe sorgen könnten. 

Trade-Wahrscheinlichkeit
25% - Nahezu jedes Team der Liga wird sich mit Cousins befassen, wenn er wirklich auf dem Markt sein sollte. Aktuell sieht es jedoch nicht nach einem Wechsel aus, dafür sind die gehandelten Gerüchte noch nicht konkret genug.

Harrison Barnes (Golden State Warriors)
Ausgangssituation
Harrison Barnes spielte bis zu seiner Verletzung eine ordentliche Saison und zeigt in seinem „Contract-Year“, dass er einiges auf dem Kasten hat. Eigentlich ist die Situation sehr einfach, denn Barnes will in Golden State bleiben, die Warriors wollen Barnes halten. So weit so gut, wenn da nur das liebe Geld nicht wäre. Barnes will sehr viel Geld, er sieht sich als „Max Player“ und hätte gerne mindestens 20 Mio. $ pro Jahr. Es ist fraglich, ob die Warriors (trotz der guten Leistungen) gewillt sind, seinen Forderungen nachzukommen. Sollten sich die Warriors dagegen entscheiden, dann wäre ein Trade folgerichtig, da Barnes ansonsten im Sommer den Klub ohne Gegenwert verlassen würde.

Interessenten
Harrison Barnes ist ein Spieler, an dem sich die Geister scheiden. Der Small Forward ist ohne Zweifel ein guter Spieler, aber er ist aktuell kein „Max Player“. Dennoch würde Barnes in der Free Agency mehr als nur ein Team finden, welches ihn üppig bezahlt. Potentielle Kandidaten könnten auch hier die Lakers oder Celtics sein, da beide Teams in der kommenden Saison über sehr viel Geld verfügen. Auch ein Wechsel zu Charlotte (für Batum) oder eine Einbindung in einen möglichen „Sign and Trade“ Deal für Kevin Durant sollen im Raum stehen. Beide Szenarien sind jedoch höchst unwahrscheinlich. Die Lakers könnten in einem Trade-Szenario Jordan Clarkson plus Ryan Kelly in den Norden Kaliforniens schicken. Fraglich jedoch, ob die Warriors Interesse an einem solchen Deal hätten. Vermutlich nicht. 

Trade-Wahrscheinlichkeit
5% - Aktuell ist ein Trade von Barnes sehr unwahrscheinlich. Er gehört zum Gerüst des Teams und hat eine wichtige Rolle inne. Sollte Barnes nach seiner Genesung an die letzten Leistungen anknüpfen können, dann ist eine Verlängerung bei den Warriors der nächste Schritt - egal zu welchem Preis.