10 Dezember 2015

10. Dezember, 2015


Die Saison ist noch jung, aber die Gerüchteküche brodelt längst. Der Trade von Mario Chalmers zu den Memphis Grizzlies dürfte der Startschuss einer wilden Tauschperiode gewesen sein. In der Theorie gibt es immer viele spannende Szenarien. Aber der Leitgedanke „Wen könnte Team x holen und wen dafür an Team y“ abgeben“ ist trügerisch, schließlich spielen sehr viele Faktoren eine Rolle. Wir haben uns einige potentielle Kandidaten genauer angeschaut.

von STEFAN DUPICK @hoopsgamede

Zunächst einmal müssen sich zwei oder auch drei Teams finden, die frischen Wind benötigen und einen Deal eintüten wollen. Dann müssen diese Teams sich über Umfang und Spieler einigen. Letztlich muss der angedachte Deal auch noch im Sinne des Salary Caps passen, es müssen also Gehälter gegengerechnet, Trade-Exceptions berücksichtigt und unter Umständen auch Draft Picks eingebracht werden. Hier einige Szenarien, beleuchtet und bewertet, die in naher Zukunft realisiert werden könnten.

Brandon Jennings (Detroit Pistons)
Ausgangssituation
Der 26 jährige Point Guard wird zeitnah wieder auf dem Platz stehen, nachdem er sich im Januar die linke Achillessehne gerissen hatte und seit knapp 10 Monaten nicht auf dem Court stand. Jennings zählt(e) zu den besseren Point Guards der Liga und sollte eigentlich eines der Gesichter der Pistons werden. Mit der Verpflichtung von Stan van Gundy gab es im Kader zahlreiche Veränderungen, mit Reggie Jackson (25 Jahre) wurde ein neuer Point Guard verpflichtet, der sich bisher sehr gut in Detroit eingefunden hat.

Sobald Jennings wieder fit ist, wird van Gundy experimentieren und Jennings an der Seite von Jackson auflaufen lassen oder Jennings als sechsten Mann von der Bank bringen. Da sich beide Guards in der Spielweise jedoch zu ähnlich sind, liegt ein Scheitern dieses Plans nahe. Somit könnte Jennings zu einem interessanten Trade-Objekt werden.


Interessenten
Jedes Team mit einem dünn besetzten Back-Court und Problemen auf Point Guard dürfte an Jennings interessiert sein. Jennings ist mit einem jährlichen Salär von 8 Mio. $ relativ günstig, erst recht für einen Point Guard seiner Klasse. Die Knicks, 76ers,  Bucks, Grizzlies, Pelicans oder Jazz könnten Interesse an einer Verpflichtung von Jennings haben. Die Pelicans könnten Interesse an Jennings haben.

Da Jrue Holiday die Erwartungen in New Orleans nie erfüllen könnte, wäre ein Wechsel auf der Eins eine Option. Im Gegenzug wäre Ryan Anderson aus Stan van Gundys Sicht das perfekte Tauschobjekt. Allerdings dürften die Pelicans den Stretch Vierer nicht so einfach ziehen lassen. Auch die Knicks könnten Interesse an Jennings haben, schließlich sind sie stetig auf der Suche nach ihrem Point Guard der Zukunft. Auch wenn Calderon aktuell eine solide Leistung bringt, so gibt es in den Medien immer wieder Diskussionen. Ein fitter Jennings wäre definitiv ein Upgrade gegenüber dem in die Jahre gekommenen Spanier.

Trade-Wahrscheinlichkeit
60% - Die Wahrscheinlichkeit eines Wechsels von Jennings ist ziemlich hoch. Gesetz dem Fall, dass eine Co-Existenz von Jennings und Jackson nicht möglich ist und Jennings relativ schnell zu alter Leistungsstärke zurück findet, könnte ein Wechsel in den nächsten Wochen über die Bühne gehen.

Markieff Morris (Phoenix Suns)
Ausgangssituation
Mit dem Trade von Marcus Morris nach Detroit haben sich die Suns den Unmut des Zwillingsbruders zugezogen. Markieff will an der Seite seines Bruders spielen, zumindest aber will er am liebsten nicht mehr für die Suns spielen. Morris hat sich zu einem soliden Forward entwickelt, ist mit 8 Mio. $ im Jahr bezahlbar und dürfte für zahlreiche Teams von Interesse sein, auch wenn sein bevorzugter Landing Spot Detroit heißt.

Interessenten
Markieff Morris ist für jedes Team interessant, dass unter dem Korb noch einen soliden Power Forward benötigt. Mit bisher 12,4 Punkten und 5,3 Rebounds pro Spiel bringt er in 25,9 Minuten sehr solide Leistungen und kann einigen Teams helfen. Konkrete Interessenten könnten die Pistons, Pelicans, Wizards oder auch die Rockets sein. Die Pistons sind das Team welches am naheliegendsten ist, da sie bereits Marcus Morris verpflichtet haben und die Brüder bekanntlich am liebsten zusammen spielen möchten. Morris könnte dem Team mit seiner Präsenz helfen. Da er jedoch kein klassischer Stretch Four ist (nur 24% Dreier-Quote), passt er nicht so ganz ins System von van Gundy. 


Trade-Wahrscheinlichkeit
90% - Die Wahrscheinlichkeit eines Wechsels ist spätestens seit Morris' DNPs enorm hoch. Da er sich weiterhin wie ein kleines Kind benimmt und seinem Bruder nachtrauert, ist ein Wechsel nur noch eine Frage der Zeit. Obwohl es so aussah, als würde sich Markieff in den Dienst der Mannschaft stellen, haben seine Eskapaden seine Zeit in Arizona wohl oder übel beendet.

Mike Conley (Memphis Grizzlies)
Ausgangssituation
Mike Conley hat sich zu einem guten Point Guard entwickelt und wird in Memphis geschätzt und von den Fans geliebt. In der aktuellen Saison liegt Conley bei 15 Punkten und 6,6 Assists pro Spiel. Sein Vertrag läuft am Ende der Saison aus (unrestricted) und Conley will ordentlich bezahlt werden.
Der Preis könnte so hoch liegen, dass die Grizzlies ihn nicht bezahlen wollen, ebenso könnte Conley einen Wechsel forcieren um die Chance auf eine Meisterschaft zu erhöhen bzw. um in einem „Big Market“ zu spielen.

Interessenten
Auch für Conley dürfte es zahlreiche Interessenten geben. Mindestens die Knicks, 76ers,  Bucks, Pelicans und Jazz würden sich in der Free Agency bei Conley melden und ihm einen dicken Vertrag anbieten. Sollten die Grizzlies merken, dass sie Conley nicht halten können und gewillt sein, zuzuhören, werden im Laufe dieser Saison interessante Angebote herein prasseln - schließlich will man ihn in Memphis nicht ohne Gegenwert ziehen lassen. Die Knicks dürften in einem Trade-Szenario mit Sicherheit das größte Interesse haben und in einem Trade unter anderem Jose Calderon nach Memphis schicken wollen. Marc Gasol dürfte über einen weiteren Spanier in Tennessee erfreut sein.

Trade-Wahrscheinlichkeit
1% - Zunächst einmal möchte Memphis mit Conley verlängern. Auch er hat immer betont, ein Grizzly bleiben zu wollen. Es müssten also schon einige Faktoren zusammenkommen, um einen Trade über die Bühne zu bringen. Sollten die Grizzlies jedoch gemerkt haben, dass Conley nach acht Jahren eine Veränderung wünscht, könnte alles ganz schnell gehen. Die Wahrscheinlichkeit für einen Trade ist aber gering.

Erik Gordon & Jrue Holiday (New Orleans Pelicans)
Ausgangssituation 
In New Orleans läuft aktuell wenig zusammen, und es könnte Zeit werden für einen Umbruch. Anthony Davis ist als Franchise Player langfristig gebunden. Die Hoffnungen liegen zudem auf Tyreke Evans, der nach seiner Verletzung wieder auf dem Feld steht. Daneben gibt es jedoch noch die dicken Verträge von Jrue Holiday und Eric Gordon. Beide konnten den hohen Erwartungen nie gerecht werden - aus verschiedenen Gründen. Während Gordons Vertrag zum Ende dieser Saison ausläuft, steht Holiday noch ein weiteres Jahr unter Vertrag. Es ist durchaus denkbar, dass die Pelicans den Kader zeitnah umbauen werden und somit Gordon und/oder Holiday als Trademasse sehen.


Interessenten
Eric Gordon könnte für Teams interessant sein, die einen langfristigen Vertrag loswerden wollen und auf dem Flügel nach Scoring suchen. Bei Holiday dürfte es schwieriger werden, einen Abnehmer zu finden. Die Suns wären ein möglicher Landing Spot für Gordon. Der Shooting Guard wäre um ein Jahr in Phoenix gelandet, das Interesse beruht immer noch auf Gegenseitigkeit. Im Gegenzug könnte New Orleans Markieff Morris verpflichten (s. oben) - eine Win/Win Situation.

Trade-Wahrscheinlichkeit
20% - Die Pelicans werden bemüht sein, sich von ihren Altlasten zu befreien, wollen jedoch zeitgleich auch Qualität zurück erhalten. Dieses Szenario dürfte bei diesen beiden Spielern schwierig bis unmöglich umzusetzen sein. Speziell für einen Holiday-Trade wären wohl mindestens drei Teams notwendig, um ein gescheites Paket zu schnüren.