14 Dezember 2015

14. Dezember, 2015


In der Trilogie zur Eröffnung der Trade Season wurden die offensichtlichsten Kandidaten beleuchtet. Der vergangene Februar hat jedoch die Unberechenbarkeit dieser Jahreszeit offenbart, so dass sich auch diesmal ein Blick tiefer unter die Oberfläche lohnt, um herauszufinden, welche Spieler heimlich auf dem Trade Block landen könnten.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick

Geheimkandidaten

Zach Randolph (Memphis Grizzlies)
Z-Bo und seinen kongenialen Kumpel Marc Gasol trennen? Undenkbar! Oder etwa doch... ? Eine neue Saison läuft und wieder einmal liegen die Grizzlies bei den Distanzwürfen am Bodensatz der Liga. Alle spärlichen Versuche der letzten Jahre, dieses Manko zu beheben, sind gescheitert und bekanntlich muss man Geld ausgeben, um Geld zu verdienen.

Heißt: Das Management muss um mehr Gefahr vom Perimeter zu erzeugen einen größeren Brocken in die Waagschale werfen – und auf wen passt 'größerer Brocken' besser als auf Randolph? Um den inzwischen 34-Jährigen existieren schon seit Jahren Tradegerüchte, die die Grizzlies im Sommer 2014 müde lächelnd mit einem neuen Dreijahresvertrag beantworteten.

Dieser ist nun zur Hälfte abgelaufen und die Situation am Mississippi River hat sich nicht nennenswert verbessert. Besteht in dieser Konstellation überhaupt eine reelle Chance in Richtung Championship? Und muss GM Chris Wallace nicht bereits jetzt in Richtung Sommer vorausdenken, wenn Mike Conley – der wichtigste Mann im FedEx Forum nach besagtem Gasol – Free Agent werden wird und das in einem Jahrgang, der keine nennenswerte Alternative mit sich bringt? Könnte nicht sogar der athletischere Jeff Green die Langzeitlösung auf der Position neben Gasol sein?

Womöglich hat das Grindhouse den richtigen Zeitpunkt für einen Trade verpasst, denn mit steigendem Alter sinkt bekanntlich der Marktwert. Das ändert aber nichts daran, dass so manchem Team Randolphs Kompromisslosigkeit auf dem Parkett gut zu Gesicht stünde. Vielleicht heißt es deshalb jetzt, besser spät als nie.

Mögliche Interessenten: Kings, Rockets, Wizards

Tyson Chandler (Phoenix Suns)
Der Champion von 2011 war das As tief aus dem Ärmel von GM Ryan McDonough, um im Sommer LaMarcus Aldridge in den Wüstenstaat zu holen. Funktioniert hat dies bekanntermaßen nicht und übrig bleibt letztlich ein kleiner Scherbenhaufen. Das Big Man Duo Chandler/Aldridge hätte Phoenix im Rennen um den Westen zumindest relevant gemacht, so stehen sie „nur“ mit einem 33-jährigen, verletzungsanfälligen Center da, dem sie bis 2019 13 Mio. $ pro Jahr überweisen und gleichzeitig weiter im Nirgendwo der Tabelle verenden.


Was bleibt ist die Hoffnung auf eine bessere Zukunft und in Phoenix' Fall heißt diese Alex Len: Der 2,16 Meter große Ukrainer wird langsam aber sicher seiner hohen Draftposition, Nummer fünf im Jahr 2013, gerecht und braucht dringend Entwicklungszeit – also die Minuten, die aktuell für Chandler vorgesehen sind. Die Suns haben mit der Akquirierung des ehemaligen Maverick hoch gepokert und müssen nun Schadensbegrenzung betreiben.

Das heißt: Verkaufen, solange noch ein Marktwert da ist, bevor die nächste Verletzung jenen völlig in den Keller treibt. Nach einem Veteranen-Center, der die Zone dicht macht, Rebounds abgreift und zumindest in Korbnähe abschließt herrscht in der Liga immer Bedarf. Phoenix wird mit Blick auf ein besseres Morgen die Angebote prüfen. Dafür sind sie angeblich außerdem bereit, Flügelspieler P.J. Tucker abzugeben.

Mögliche Interessenten: Bulls, Celtics, Pacers, TrailBlazers

Marcus Smart (Boston Celtics)
Der bullige Aufbauspieler kam 2014 als sechster Pick mit einigen Vorschusslorbeeren und damit auch hohen Erwartungen zu den Kobolden. Nach Eineinviertel Spielzeiten ist Ernüchterung eingetreten. Obwohl Coach Brad Stevens ihn regulär als Starter aufstellt, hat der 21-Jährige den internen Positionskampf gegen Avery Bradley und Isaiah Thomas verloren.

Seit Mitte November fällt Smart wegen einer Knieverletzung aus – wirklich vermisst wird er von seinem Team kaum, erst recht weil seine Dreierquote mit 23,8% bei im Schnitt knapp fünf Versuchen pro Spiel diese Spielzeit indiskutabel ist.

Da sich der Osten nach aktuellem Stand zu einem sehr offenen Rennen entwickelt, haben die Celtics keine Zeit zu verlieren und können ihren entbehrlichen Point Guard zusammen mit ihrem Topf voller Draftpicks (Grüße nach Brooklyn) für eine essentielle Verbesserung auf dem Flügel oder auf den großen Positionen nutzen. Smart selbst ist vor allem für Teams interessant, die, anders als die heutigen Celtics, ihren Spielern Geduld entgegenbringen können und gleichzeitig auf Sicherheit aus sind – der Rookie-Vertrag läuft noch bis 2019.

Mögliche Interessenten: Bucks, Magic, Pacers, Pelicans

Ryan Anderson (New Orleans Pelicans)
Der Most Improved Player des Jahres 2012 scheint nach überstandener Rückenverletzung, die ihn lange Zeit außer Gefecht gesetzt hat, wieder richtig Gefallen an einem Award gefunden zu haben. Dieses Mal soll es augenscheinlich der des besten sechsten Mannes werden: Anderson legt von der Bank kommend starke 18 Punkte und 7 Rebounds pro Spiel auf. So einen Spieler macht man mitten in der Saison eigentlich nicht verfügbar – jedoch haben die Pelikane zwei große Probleme: Erstens gewinnen sie nicht und können bei einer Zwischenbilanz von 6-17 Siegen die Playoffs schon vor Weihnachten abschreiben, müssen daher für die Zukunft die Weichen umstellen.


Zweitens wird Anderson im Sommer Free Agent werden und angesichts der steigenden Marktpreise kann ein Strech Forward mit seinen Scharfschützenqualitäten die Verhandlungen entspannt angehen, sich zurücklehnen und die eintrudelnden Angebote für den wichtigsten Vertrag seiner Karriere bequem sortieren. Keine zu angenehme Vorstellung in Louisiana, denn Anthony Davis wird ab nächsten Sommer angemessen bezahlt (d. h. maximal), außerdem läuft auch Eric Gordons Vertrag aus und womöglich erhält dieser trotz seiner charakteristischen Verletzungshistorie Angebote aus der unanständigen Kategorie.

Drei hochdotierte Verträge für ein Team, das sich gegenwärtig mit den Lakers um den letzten Platz im Westen prügelt – das lässt das tendenziell knausrige Management im Smoothie King Center (immerhin Vizemeister in der Kategorie 'Miesester Arenen-Name') eher unruhig schlafen. Kein Wunder also, dass es lauter werdende Gerüchte um Markieff Morris von den Suns gibt, der infolge der Demission seines Zwillingsbruders durch sein Team bekanntlich lieber gestern als heute der Wüste den Rücken kehren würde und insbesondere für Clubs aus kleinen Märkten in puncto Preis-Leistung einen mehr als attraktiven Vertrag (acht Mio. $ pro Jahr bis 2019) mitbringt.

Sollten die Pelicans Anderson verfügbar machen, werden nicht wenige andere Teams hellhörig werden. Neben ihm könnte New Orleans' GM Dell Demps den seit seiner Akquirierung enttäuschenden Jrue Holiday ebenfalls verfügbar machen.

Mögliche Interessenten: Suns, Bulls, Grizzlies, Kings, Rockets

Luol Deng (Miami Heat)
Seitdem der gebürtige Sudanese im Januar 2014 von seiner wahren Liebe, den Chicago Bulls, getrennt wurde, ging es mit seiner Karriere bergab. Im Cleveland der Prä-LeBron-Zeit (oder auch Zwischen-) fand er angeblich unprofessionelle Zustände vor und floh folglich im folgenden Herbst mit seinen Talenten nach South Beach, spielte dort trotz Verpassens der Playoffs eine immerhin noch ordentliche erste Spielzeit.

In die aktuelle Saison ist der 30-Jährige Flügelspieler jedoch eher mäßig gestartet und legt in nahezu sämtlichen relevanten Kategorien deutlich schlechtere Werte als im Vorjahr auf. Auch seine Minutenzahl ist um fast fünf Minuten von über 33 auf 28 pro Spiel gesunken – kein Ausdruck von Wertschätzung oder Vertrauen. Eventuell ist dieser Umstand Dengs bekannten chronischen gesundheitlichen Problemen geschuldet. Zuletzt fehlte er wegen einer Oberschenkelverletzung, der fragile Zustand seiner Knie ist ohnehin ligaweit bekannt. Jahrelang spielte Deng unter Tom Thibodeau knapp 40 Minuten jede Nacht – das hinterlässt auf Dauer seine Spuren.


Miami muss also eine Risikoabwägung tätigen, zumal der britische Nationalspieler im Sommer Free Agent werden wird und die Heat dann Shooting-Star Hassan Whiteside bezahlen müssen. Außerdem ist der Kronprinz auf dem Flügel in Person von Justise Winslow bereits in der American Airlines Arena eingetroffen.

Auch Deng selbst wird womöglich in einem anderen Umfeld, einem Team, das mehr auf die von ihm bevorzugte körperbetonte Spielweise ausgerichtet ist, besser zurechtkommen. Wenngleich sein Zenit aus Zeiten zweier All-Star-Nominierungen vorbei ist, hilft der Small Forward aufgrund seiner Erfahrung und defensiven Toughness selbst von der Bank kommend noch einigen Clubs, denen das letzte Puzzlestück in Richtung Championship abgeht. Für den richtigen Preis wird der starke Mann in Südflorida, Pat Riley, das Risiko gerne weiterschieben.

Mögliche Interessenten: Bulls, Clippers

Terrence Jones (Houston Rockets)
Mit im Schnitt 11 Punkten und 5,5 Rebounds im Dezember ist T-Jones maßgeblich an der Trendwende der Raketen beteiligt und agiert trotz Degradierung auf die Bank zuverlässig unter dem Interimscoach Bickerstaff. Warum also traden?

Die erste Antwort steht im Vertrag: Jones wird im Sommer Restricted Free Agent und angesichts des neuen TV-Deals mit Geldscheinen gelockt werden, die Rockets GM Daryl Morey nicht bereit ist mitzugehen. Der andere Grund kommt aus Litauen, heißt Donatas Motiejunas, ist kompletter und begabter als Jones und wird im Sommer ebenfalls Restricted Free Agent. Die Rockets werden den frisch von der Rückenverletzung zurückgekehrten 2,13 Meter großen Schlacks unbedingt halten wollen. Mit ihm, dem rasant aufsteigenden Clint Capela und Dwight Howard bleibt nicht viel Platz auf den großen Positionen – zumindest nicht angesichts der kolportierten Gehaltsdimensionen des kommenden Julis.


Jones hat mit bald 24 Jahren und erst drei Spielzeiten auf dem Tacho definitiv noch Entwicklungspotential, wird damit interessant für Teams im Rebuild. Und Morey wäre nicht Morey, würde er nicht aus Prinzip zusätzlich eine Handvoll anderer Spieler auf die Waagschale werfen – als da wären: Den bisher fast durchweg enttäuschenden Ty Lawson, dessen 13 Mio. $ schwerer Vertrag für 2016/17 nicht garantiert ist, den zuletzt oftmals dürftigen Corey Brewer, den nur in der  D-League auffälligen K.J. McDaniels sowie die Rookies Sam Dekker und Montrezl Harrell. Für den richtigen Gegenwert können die Rockets ein deftiges Paket schnüren.

Mögliche Interessenten: Kings, Pelicans, Suns, TrailBlazers, Wizards

"Ramsch"
Das genaue Gegenteil zu den aufgeführten Spielern bilden solche, von denen jeder weiß, dass sie für ein sprichwörtliches Angebot von Apfel plus Ei zu haben wären, das Interesse in der Liga jedoch aus diversen Gründen überschaubar bleibt. Welche Ladenhüter stehen im Sonderangebot? Ein Kurzüberblick:

Nene (Washington Wizards)
Der Brasilianer ist seit Langem nur noch ein Schatten des Spielers, der in Denver auf beiden Seiten des Parketts das Spiel positiv beeinflusste. 13 Mio. $ müssen ihm die Wizards überweisen, allerdings läuft der Vertrag im Sommer aus. Das erhöht den Trade-Wert erheblich und macht den 33-Jährigen eventuell für die Teams interessant, die zu Saisonende Platz im Salary Cap brauchen. Sportlich ist Nene nur noch eine Randerscheinung, derzeit fällt er wegen einer Wadenverletzung aus.


Anderson Varejao (Cleveland Cavaliers)
Auch der nächste brasilianische Big Man hat die Höhepunkt der Karriere bereits hinter sich. Varejao ist wahrscheinlich nur noch wegen des mächtigsten Mann Clevelands, seinem Kumpel LeBron James bei den Cavs. Der Lockenkopf blickt auf eine von Verletzungen geprägte Karriere zurück. 26 und 19 sind nicht die maximal gespielten Minuten der aktuellen Spielzeit, sondern die Anzahl der von Varejao absolvierten Partien in den letzten beiden Saisons. Bei der Frage nach einer Reduzierung des völlig überteuerten Kaders Clevelands ist Varejao die logische erste Wahl. Allerdings hat der 33-Jährige rund zehn Mio. $ pro Jahr bis 2018 im Vertrag stehen. Diese sind zwar nicht komplett garantiert, aber ein 5% Trade Kicker rundet das unbewegliche Gesamtbild ab.

David Lee (Boston Celtics)
Der (einstige) Rebound-Spezialist ist um seinen Karriereverlauf nicht zu beneiden. Jahrelang hielt er die Fahnen der Warriors hoch, als diese noch maximal als Prügelknaben der Western Conference herhalten mussten. Zwar gewann er im Sommer mit Golden State die Championship, war daran rein sportlich allerdings eher weniger beteiligt und wurde folgerichtig nach Boston abgegeben. Aber auch dort läuft es für den 32-Jährigen – mit über 15 Mio. $ immerhin Bestverdiener der Celtics – höchstens suboptimal. Lee ist zweite Wahl, steht circa 15 Minuten auf dem Parkett und wird damit entbehrlich, mit diesem Vertrag höchstens noch für Teams interessant, die das laufende Jahr herschenken und im Sommer abspecken möchten.


Carl Landry (Philadelphia 76ers)
Die Karriere Landrys befindet sich im Sturzflug, kurz vorm Aufprall. Einst ein wertvoller Bankspieler und Kandidat auf den Award des besten sechsten Mannes, haben diverse Wehwehchen den Power Forward so weit aus der Bahn gebracht, dass er von den Sacramento Kings(!) als Dreingabe nach Philadelphia verhökert wurde und bisher bei den Sixers wegen einer Handgelenksverletzung noch nicht zum Einsatz gekommen ist. Beim miesesten Team der Liga ist (außer höchstens Robert Covington) jeder Spieler verfügbar, das Risiko für einen 32-Jährigen, der bis 2017 über sechs Mio. $ pro Jahr verdient, wird den allermeisten möglichen Interessenten jedoch zu groß sein.

Brandon Bass (Los Angeles Lakers)
Der Wechsel von der Ost- an die Westküste ist dem 30-Jährigen nicht gut bekommen. In L.A. steht der Veteran nur noch knapp 16 Minuten pro Spiel auf dem Parkett, im Vorjahr in Boston waren es noch 23,5. Bass' Werte sind entsprechend so schlecht wie seit seinem Sophomore-Jahr nicht mehr, als er in New Orleans gerade mal in 21 Partien auf dem Feld stand. Ob das am generell grottigen Lakers-Team liegt , oder aber seine Zeit einfach vorbei ist macht dabei keinen Unterschied. Die Lakers, die selbst nicht so genau wissen, wo es hingeht, bevorzugen Rookie Larry Nance Jr. sowie Hoffnungsträger Julius Randle. Für Bass wird die Stadt der Engel also nur Durchgangsstation sein. Problem dabei: Er hat eine Player Option für etwas über 3 Mio. $, andere Teams werden über ihn überhaupt erst nachdenken, wenn er diese freiwillig aus dem Vertrag entfernen lässt.


Nick Young (Los Angeles Lakers)
Apropos Lakers. Die Verlängerung von 'Swaggy P' im Sommer reiht sich ein in eine Serie von personellen Fehlentscheidungen die ihresgleichen sucht. In Lou Williams hat das einstige Schwergewicht des Staple Centers einen seriöseren, zuverlässigeren und konstanteren Spieler vom gleichen Typus geholt, das macht Young mehr oder minder überflüssig – wäre da nicht der inklusive Player Option bis 2018 laufende Vertrag mit über etwas mehr als fünf Mio. $ pro Jahr. Welches geistig zurechnungsfähige Management wäre bereit, ihm diese zu überweisen, selbst wenn sie keinen Gegenwert nach L.A. schicken müssten?

Miles Plumlee (Milwaukee Bucks)
Die Warriors-Bezwinger machen Miles Plumlee für Trades verfügbar. So weit so gut und wenig überraschend, auf den großen Positionen sind die Bucks mit Greg Monroe, Jabari Parker, John Henson und wenn's denn sein muss auch Giannis Antetokoumpo für die Zukunft bestens aufgestellt. Plumlee selbst kam erst im Frühjahr im Zuge des Deals um Brandon Knight und Michael Carter-Williams aus Phoenix, war aber von Anfang an nicht viel mehr als Trademasse. In der Bierstadt bekommt er höchstens Garbage Time und das nicht ganz zu Unrecht. Wer einen nützlichen Plumlee haben möchte, muss in Portland anrufen. Masons Bruder Miles wird im Sommer Restricted Free Agent und ein Qualifying Offer von den Bucks nicht erhalten, stattdessen kann er froh sein, wenn sich irgendwer sonst in der Liga seiner erbarmt. Fleißig chinesisch lernen scheint zu diesem Zeitpunkt nicht unangebracht.