03 Dezember 2015

3. Dezember, 2015


Die Celtics halten sich hartnäckig auf einem Playoff-Platz in der Eastern Conference, ohne große Ausschläge nach oben oder unten. Das Team von Brad Stevens beendete den ersten Saisonmonat genauso, wie es ihn begonnen hatte: mit 50/50 Basketball.

von WOLFGANG STÖCKL @WStckl

Die Saisonspiele 12 und 13 brachten für die Celtics das Draft-Pick-Duell gegen die Brooklyn Nets. Für diejenigen, die es noch nicht mitbekommen haben, ein kleiner Auffrischer: die Celtics werden unter anderem den 2016er Pick der Nets erhalten, als Altlast aus dem Kevin Garnett/Paul Pierce Trade.

Boston kann als Atlantic Division Kontrahent also selbst immer wieder etwas dafür tun, dass der Pick am Ende möglichst hoch ausfällt. Das erste Aufeinandertreffen des Back-to-Back-Sets fand in Boston statt. Und die Celtics ließen von Beginn an keinen Zweifel daran, wer in diesem Jahr wieder in die Playoffs kommen will, und wer die Saison im Tabellenkeller verbringt.

Im zweiten Viertel brachen alle Dämme. Boston traf jeden Wurf, alleine Thomas und Crowder trafen sechs Dreier im Spielabschnitt. 43 Punkte ließen sich die Nets einschenken, 18-21 schossen die Celtics aus dem Feld. Natürlich war das Spiel danach gelaufen, das Publikum im Garden konnte den Sieg feiern und die Nets verhöhnen.

Vielleicht übertrieben sie es, denn im Rückspiel zwei Tage später stand ein ganz anderes Team auf dem Platz. Die Nets waren von Anfang an aggressiver, verteidigten besser und brachten den Ball immer wieder unter den Korb. Sie erzielten damit nicht nur mehr Punkte in der Zone (48-32), sondern holten auch deutlich mehr Freiwürfe (33-21) heraus. Die Celtics waren lethargisch, soft und uninspiriert, versuchten es fast nur von außen. Die Quote war zwar nicht schlecht (14-37), aber sinnbildlich für den Auftritt der Kelten, die lieber einen Haufen Distanzwürfe nahmen, als dahin zu gehen, wo es weh tut.


Wie schnell der Rhythmus verloren gehen kann, wenn man ein Spiel auf die leichte Schulter nimmt, erfuhren die Celtics dann in Atlanta. Von Anfang an ging wenig zusammen. Die Startformation schmiss wieder fleißig den Ball weg (vier Mal in den ersten sechs Minuten). Die sonst so starke Bank konnte auch wenig beisteuern. Nur der formstarke Avery Bradley (19 Punkte) und Rookie RJ Hunter (8) konnten einen Blowout schon in der ersten Halbzeit verhindern.

Der kam dann aber nach der Pause. Besonders in diesem Spiel machte sich das Fehlen von Marcus Smart bemerkbar, der mindestens vier Wochen mit einer Beinverletzung ausfällt. Der beste verbleibende Verteidiger Avery Bradley war damit beschäftigt, Korver hinterher zu jagen, dadurch entstanden viele Freiräume für die restlichen Hawks. Als Stevens dann Bradley von Korver abzog, netzte der ein paar Dreier ein und zementierte Atlantas deutlichen Sieg.

Nach den zwei schwachen Partien gegen Brooklyn und Atlanta kam mit den noch sieglosen Philadelphia 76ers eigentlich der perfekte Aufbaugegner in den TD Garden. Die Celtics erarbeiteten sich eine schnelle Führung, Spielfluss kam aber trotzdem nicht zustande, Boston schoss über einen Großteil des Spiels nur 33% aus dem Feld und geriet ins Hintertreffen.

Sechs Minuten vor Schluss lag Philadelphia mit elf Punkten vorne, Celtics-Fans buhten zurecht. Stevens entschied sich dann, auf ein Erfolgsrezept aus der letzten Saison zurückzugreifen. Er spielte mit einer kleinen Aufstellung, stellte Jae Crowder auf die Vier. Das zeigte Wirkung: Boston legte einen 18-3 Lauf hin und wendete die Blamage vor eigenem Publikum gerade noch ab.


Als letztes Team vor dem Auswärtstrip kamen die Washington Wizards nach Beantown. Diese hatten sich beim ersten Gastspiel der Saison bereits eine herbe Klatsche abgeholt. Gelernt haben sie daraus scheinbar nichts. Wieder gingen sie die hohe Pace der Celtics mit, produzierten eine Menge Ballverluste und wurden mit ihren kleinen Aufstellung an den Brettern komplett gegrillt.

Kaum verwunderlich also, dass Boston bei den Second Chance Points klar vorne lag (29-11). Zur Halbzeit war das Spiel entschieden. Besonders Jared Sullinger ragte heraus, der auf 18 Punkte, 15 Rebounds, 3 Assists und 2 Blocks in gerade mal 24 Minuten kam. Auch Avery Bradley zeigte eine sehr gute Leistung mit 16 Punkten in der Offensive und beeindruckender Defensive gegen John Wall und Bradley Beal.

Der erste längere Auswärtstrip der Saison führte die Celtics dann nach Florida, wo Begegnungen gegen die Orlando Magic und Miami Heat auf dem Programm standen. Wieder mal sollte Boston seine zwei Gesichter zeigen. Das Spiel gegen Orlando fing zerfahren an... und wurde für die C's auch nicht mehr besser. 17 Offensiv-Rebounds der Magic führten zu 26 Second-Chance-Punkten. In der Offensive lief auch wenig zusammen: 40% aus dem Feld und 5-27 von der Dreierlinie, in Kombination mit Arbeitsverweigerung in der Verteidigung, bedeuteten einen klaren Blowout-Sieg der Hausherren.

In Miami wartete ein zumindest auf dem Papier noch stärkerer Gegner auf Boston. Die Celtics jedoch zeigten eine ganz andere Körpersprache, stürmten mit einem 19-4 Lauf ins erste Viertel - eine Führung, die sie im Restverlauf der Partie nicht mehr aus der Hand gaben. Die Startformation war Garant für den zehnten Saisonsieg: Defensiv solide und offensiv mit schönen Spielzügen und guter Schussauswahl bauten sie die Führung aus und brachten das Spiel nach Hause.

Interessant war, dass in Miami zum ersten Mal in der gesamten Saison alle Starter mehr als 30 Minuten auf dem Feld standen - insbesondere nachdem Thomas und Crowder nach dem Orlando-Spiel öffentlich gefordert hatten, dass es besser für das Team wäre, wenn die Rotation klarer und konstanter wäre, eine interessante und potentiell richtungsweisende Entwicklung für diese Mannschaft. 


Läuft
  • Avery Bradley ist richtig gut drauf – 19,4 PPG, 51% FG, 45% Dreier und 2,1 SPG in den letzten acht Spielen
  • 10-8 Bilanz... bester Saisonstart seit drei Jahren, trotz relativ schwerem Auftaktprogramm
  • Die Mannschaft spielt sehr uneigennützig. 64% aller FG werden per Pass vorbereitet (Platz vier in der Liga).
Muss besser werden
  • Die Offensive kommt und geht und ist weiterhin deutlich unter dem Ligadurchschnitt (ORtg. 100,5)
  • Das Team findet noch keine Konstanz. Sehr starken Leistungen folgen völlig konfuse Vorstellungen. Die zwei Spiele gegen Brooklyn und das Florida Back-to-Back waren ein Spiegelbild der bisherigen Saison
Ausblick
Die Celtics haben aktuell eine 10-8 Bilanz. Im Dezember wartet kein leichtes Programm, und es ist zu erwarten, dass Boston auch zu Beginn des neuen Jahres um die .500 stehen wird. Die Offensive ist einfach nicht konstant genug. 

Das liegt vor allem daran, dass das System das Brad Stevens spielen lässt, nicht unbedingt immer zu den Spielern passt, die auf dem Feld stehen oder im Kader verfügbar sind. Letztes Jahr war das Team mit kleinen Aufstellungen, auf denen Jerebko oder Crowder auf der Vier spielten, am erfolgreichsten. 

In dieser Saison kann Stevens diese Lineups kaum bringen, da Danny Ainge ihm in der Offseason den Kader mit Big Men überladen hat, die zwar alle gut genug für regelmäßige Minuten sind, jedoch nirgendwo überragend. Würde Stevens diese kaum bis gar nicht spielen lassen, riskiert er, dass die Stimmung im Kader kippt. 

Also behilft er sich mit Kompromissen und lässt beispielsweise Jerebko einige Minuten auf der Drei spielen - mit mäßigem Erfolg. Es gibt nur wenige Möglichkeiten, dieses Dilemma zu lösen. Entweder Ainge sorgt für Ordnung im Kader via Trade, oder Stevens riskiert die gute Stimmung zu verlieren, indem er neben Zeller weitere Big Men regelmäßig auf die Bank setzt. 

Die beste Lösung wäre allerdings, wenn Brad Stevens zeigt, dass er ein flexibler Trainer ist, der sich auf seinen Kader einstellen kann. Das heißt: die Spieler, die er zur Verfügung hat, mit den Spielzügen zu versorgen, die sie können und in denen sie sich wohlfühlen. Besonders Sullinger und Johnson wirken oft wie Fremdkörper an der Dreierlinie.

Genauso wenig ist ein Crowder als Pick & Roll Ballhandler ein gute Lösung. Bradley sollte möglichst wenig passen und Jerebko ist als Small Forward einfach eine Fehlbesetzung. "Play to your Strengths!" 

Stevens kann nun zeigen, ob er "nur" ein eindimensionaler Systemcoach wie z.B. Mike D’Antoni ist... oder aber ein flexibler Top-Trainer wie Gregg Popovich, der auf verschiedenste Arten Erfolg haben kann.