04 Dezember 2015

4. Dezember, 2015


Scheinbar sind wir schon nach nicht einmal drei gespielten Wochen in der heißen Phase der Saison angekommen. Langsam wird es schwer, bei all den bemerkenswerten Ergebnissen und Ereignissen den Überblick zu behalten. Wenn an ein und demselben Spieltag LSU mit einem bärenstarken Simmons (43 Punkte, 14 Rebounds, 7 Assists, 5 Steals, 3 Blocks) 71 Punkte in der zweiten Hälfte erzielt, Kris Dunn das zweite Triple Double seiner Collegekarriere fabriziert und sich die ACC und Big Ten Teams in ihrer Challenge epische Leistungen abrufen, ist leichte Überforderung wohl angebracht. Aus dieser Masse an Highlights habe ich mir dieses Mal das Rematch des Elite Eights zwischen Louisville und Michigan State herausgepickt.

von AXEL BABST @CoachBabst

Mit den beiden Teams aus dem März haben die jetzigen Teams aber nicht mehr viel gemein. Besonders bei Louisville gab es, wie in unserer Teampreview angeklungen, eine Menge Veränderungen. 

Der Offcourt Skandal kurz vor Saisonbeginn tat sein Übriges dazu, dass amerikanische Journalisten davon abrückten, diesen Cardinals ihre Stimme für einen Platz unter den Top25 auszusprechen. 

Rein sportlich gesehen war dies allerdings ein Fehler. Denn während der ersten Saisonwochen dominierten die Cards in gewohnter Manier. Rick Pitino formte in der kurzen Vorbereitungszeit eine Einheit, die Toughness, Skills und Länge vereint. Kleinere Unis wurden an die Wand gespielt und mit der unnachgiebigen Presse unbarmherzig geschlagen. Erst am vergangenen Wochenende gab es den ersten härteren Test gegen die bis dahin ebenfalls ungeschlagenen Saint Louis Bilikens, die bis zur Halbzeit gut mithalten konnten, aber danach dem Druck der Cardinals nicht mehr standhielten.

Triebräder der ersten Spiele waren die Graduate Seniors Damion Lee und Trey Lewis. Nicht zur Verfügung stand Deng Adel, der die ersten Spiele noch startete, aufgrund einer Knieverletzung.

Die Spartans gingen hingegen als Team der Stunde in die Partie. Nach dem Sieg über Titelanwärter Kansas beim Champions Classic und dem Turniergewinn beim Wooden Legacy Turnier in Kalifornien kletterten die eifrigen Spartiaten in den Rankings und besonders Denzel Valentine beeindruckte mit zwei Triple Doubles, u.a. vor den Augen von Draymond Green. Dazu konnte er bereits mehrfach seine Closer Qualitäten in engen Partien unter Beweis stellen. Damit übertünchte er das fehlende Point Guard Play der ersten Wochen. 

Denn bei all dem Hype darf nicht vergessen werden, dass noch längst nicht alles optimal lief. Umso beängstigender ist die Vorstellung, wie dominant die Spartans im März, dem traditionell besten Saisonmonat unter Tom Izzo, auftreten könnten.

In der ersten Halbzeit war jedoch von dieser scheinbar klaren Ausgangslage wenig zu sehen. Stattdessen gehörte diese Halbzeit den Cardinals und dass sie letzten Endes nur mit drei Zählern Vorsprung in die Kabine gingen, mussten sie sich selber ankreiden. In vielen Situationen ließen sie leichte Punkte liegen und verpassten es, sich für den erbrachten Aufwand zu belohnen. Die Spartans trafen hingegen einige glückliche Versuche und hatten besonders Freshman Deyonta Davis den lediglich gering ausfallenden Rückstand zu verdanken.

Kommunikation ist das Schlüsselwort bei den Cardinals. Denn nur wenn alle fünf Spieler miteinander reden und auf die Anweisungen ihres Trainers hören, die permanent von der Seitenlinie zu vernehmen sind, können die Cards ihre Defensivstrategien so munter wechseln, wie sie es sich vorstellen. Stimmt die Mischung aus Aggressivität und Kommunikation, ist es nahezu unmöglich, gegen Louisville strukturierte Angriffe zu laufen.

Neben den wechselnden Verteidigungen, die an sich schon für eine Menge Verwirrung bei den Spartans sorgen konnten, waren besonders das gezielte Doppeln und Pressen, sowie die Rimprotection in der Zone die Schlüssel für Louisvilles Dominanz in der ersten Halbzeit.

Obwohl MSU keinen validen Lowpostscorer aufbieten konnte, entschieden sich die Cards dennoch zum Doppeln im Lowpost. Und zwar aus gutem Grund: Sie konnten durch das Doppeln Ballverluste forcieren. 

Diese verhinderten das Aufkommen jeglicher offensiver Spielfreude. Zudem rückten die Spartans für den Rest des Spiels davon ab, den Ball in den Post zu bringen, was selbst bei schlechten Würfen durch Offensivrebounds der traditionell physisch agierenden Spartans zu einfach Punkten hätte führen können. 

Die folgende Defensivsequenz ist ein Musterbeispiel, wie schwer Louisville zu knacken ist, wenn alle kommunizieren, die Verteidigungsform mitten im Angriff wechselt und dann am Ende auch noch clever gedoppelt wird.

Louisville startet in einer 2-3-Zonenaufstellung. Michigan State versucht es zunächst mit einem Zonenplay, bei dem Shooter Erron Harris (Nr.14) die Baseline entlang läuft. 

Dieser eine Cut wird von allen drei Verteidigern der hinteren Reihe angesagt, damit die beiden vorderen Verteidiger wissen, was sich in ihrem Rücken abspielt und wer von beiden im Zweifelsfall zu rotieren hat. 

Als Harris oben ankommt, gibt Trey Lewis (Nr.3) mit einem kurzen Fingerzeig zu verstehen, dass er den Cut gesehen und Harris somit im Blick hat. Harris erhält den Ball und entsprechend ist Lewis sofort zur Stelle und steht ihm auf den Füßen. 

Im gleichen Moment sinkt Anas Mahmoud (Nr.14) direkt ab, um die Baseline, an der Deyonta Davis (Nr.23) lauert, zu sichern.
Der Ball kehrt zurück in die Hand von Matt McQuaid (Nr.20), der sich um den Aufbau kümmert. Sofort wird ihm von Marvin Clark (Nr.15) ein Block gestellt. Erneut demonstrieren die Cardinals in diesem Moment mehrfach ihre Stärke. Individuell herausragend ist dabei Quentin Snider (Nr.2). Hintermann Damion Lee (Nr.0) sagt den Block so früh an, dass Snider sich auf den Block vorbereiten kann.

Er kämpft sich exzellent um den Block und verhindert damit den Drive von McQuaid. Damit ist das Timing zerstört und die Option, auf die Izzo in der Auszeit sicherlich hinauswollte (ein McQuaid Drive mit möglichem Durchstecker auf Davis), nicht mehr möglich. Gleichzeitig denken die Cards aber schon weiter, den Defensivanker Mangok Mathiang (Nr.12) dirigiert Lewis im Rücken des Blocks weiter abzusinken und für die nächste Rotation bereit zu sein.

Dadurch ist dieser in der Lage, sich um Clarks zweiten Pick für Harris zu kämpfen und den offenen Wurf zu unterbinden. Zeitgleich durchbricht Mahmoud die Zonenprinzipien und eilt von seiner Position herbei, um im Stile einer Mannverteidigung als Verteidiger des Blockstellers in einer guten Stellung zur Hilfe bereit zu sein. Sie switchen das Pick & Pop und kehren augenblicklich in die Zonenprinzipien zurück.

 Der Ball kommt anschließend in den Lowpost zu Davis. Der Freshman ist unentschlossen und nun ist der Ball da, wo die Cards ihn haben wollen. Sofort doppeln sie Davis mit Mathiang und Mahmoud. Lewis kümmert sich um den ersten Pass, Snider sinkt in die Zone ab und Lee bewacht Denzel Valentine (Nr.45), damit dieser nicht den Ball erhält. Als Resultat wird der Passversuch von Davis abgefälscht und landet in den Händen von Mathiang.

Dies war eine der besten Verteidigungssequenzen der Cardinals des ganzen Spiels. Valentine berührte den Ball nicht ein einziges Mal und stattdessen waren die unerfahrenen Freshmen McQuaid (als Ballhandler) und Davis (als Playmaker im Lowpost) gezwungen, die Entscheidungen zu treffen. 

Gelang es den Spartans dann doch mal, einen aussichtsreichen Wurf zu erspielen, konnten die Cardinals mit ihrer Länge meist noch im letzten Moment entscheidend einwirken und somit leichte Zähler verhindern. Die folgenden zwei Angriffe folgen unmittelbar aufeinander. Zunächst blockt Mahmoud einen sichergeglaubten Fastbreak Layup.

Dadurch sind die Spartans eingeschüchtert und trauen sich nicht, den Korb zu attackieren. Clark hat eine Menge Platz und Zeit, allerdings schreckt ihn die Länge Mathiangs und Mahmouds ab, weshalb er einen unsicheren Floater ausprobiert, der natürlich nicht durch den Korb fällt.

Nicht ganz so oft wie in den ersten Partien, aber dafür gezielter, konnten die Cardinals auch Fehler durch ihre Ganzfeldpresse provozieren. Im ersten Fall übernimmt Valentine den Einwurf, was problematisch ist, da eigentlich er den Ballvortrag in die eigene Hand nehmen und somit der Passempfänger sein sollte.

Stattdessen versuchen die jungen Guards Lourawls Nairn (Nr.11) und McQuaid vergeblich sich frei zu laufen. Beide sind viel zu zögerlich bei ihren Cuts und Nairn begeht zudem den Fehler, viel zu weit in die Ecke zu laufen. Er berührt schon mit einem Fuß die Dreierlinie, ehe er sich wieder zur Mitte orientiert. Snider und Donovan Mitchell (Nr.45) verteidigen hervorragend.

Valentine sieht sich daher gezwungen, den Ball einfach in die Mitte des Feldes zu werfen, wo eigentlich Mahmoud steht und wohin Clark gerade samt Verteidiger im Schlepptau sprintet. Dort wo der Ball schließlich landet, kämpfen drei aggressive Verteidiger gegen zwei zaghafte Angreifer um den Ball. Lee beendet das kleine Gestocher um den Ball recht schnell und kann per Layup vollstrecken.


Allerdings können sich Louisvilles Gegner nicht in Sicherheit wiegen, wenn sie den Ball erfolgreich über die Mittellinie transportiert haben, wie das zweite Beispiel illustriert. Nairn holt sich dieses Mal den Ball ab, zeigt sich geduldig und passt den Ball zu Bryn Forbes (Nr.4). Dieser macht den Fehler, ein Mal zu dribbeln und den Ball unnötig aufzunehmen. Doch bevor Louisville das ausnutzen kann, ist Nairn erneut zur Stelle und verlangt nach dem Ball.


Doch anstatt nun den Ball in der Hand zu halten und ein Play anzusagen, passt er den Ball zum Risikofaktor Harris weiter, der ohne lange nachzudenken, ins Dribbling geht, abspringt und als Abnehmer für seinen Pass nur Jaylen Johnson (Nr.10) findet.


Das dritte Beispiel ist eigentlich keine Pressverteidigung, sondern vielmehr die Folge der vorrangegangenen Erfolge. Michigan State will nun unbedingt schnelle Einwürfe nach kassierten Körben ausführen, damit die Gäste gar nicht erst die Chance erhalten, sich aufzustellen. McQuaid lässt sich von dieser Tempobeschleunigung anstecken und will eine schnelle Antwort auf den letzten Korb der Cardinals erzielen. Doch die Cards sprinten schnell zurück und Snider erkennt die Situation, weshalb er den für Matt Costello (Nr.10) intendierten Pass abfängt und damit das Mitchell Alley-Oop initiiert.


Der einzige Grund, weshalb die Spartans dann schließlich noch in die Partie fanden, hört auf den Namen Deyonta Davis. Mit seinen Hustle Points brachte er das Team in die Spur und riss das Publikum aus den Sitzen. Valentine findet nach einem Davis Block irgendwie den Weg in die Zone, kann sich kurz sammeln und einen halbgaren Jumphook loswerden. Davis reagiert blitzschnell, sprintet zum Korb, wird nicht ausgeboxt und bugsiert den Ball mit seinen langen Armen in den Korb.
Auch sein zweiter Korberfolg ist eher ein Zufallsprodukt.

Aus einer Auszeit herauskommend hat Michigan State noch knapp zehn Sekunden für den Angriff. Sobald der Ball Valentines Hände verlässt, doppeln die Cards geschickt. Davis leitet seinen späteren Korb selber ein, indem er zum Ball sprintet und den Pass aus dem Doppeln heraus ermöglicht. Erneut findet Valentine über Umwege den Pfad in die Zone und wirft den Ball Richtung Korb. Wieder ist Davis als erster zur Stelle und bereinigt die Situation per Putback.

Mit diesen Erfolgserlebnissen und dem Gefühl, im Spiel angekommen zu sein, im Rücken agieren die Spartans für den Rest der Halbzeit auch im Halbfeld ruhiger und profitieren von einigen Missverständnissen und mangelnder Kommunikation der Cardinals.

Izzo lässt ein Horns Set laufen, bei dem Nairn zunächst den Block zu seiner Linken von Davis nutzt. Davis rollt sich hart ab und Nairn nutzt anschließend den zweiten Block von Costello. Diesen zweiten Pick switchen die Cardinals und Snider erledigt seine Aufgabe wieder hervorragend, indem er sich mühelos um den Pick kämpft. 

Die eigentliche Aktion findet aber abseits des Balls statt: Costello stellt einen Downscreen für Valentine, der aus der Ecke hochgeschossen kommt. Raymond Spalding (Nr.13) und Mitchell sind sich uneins, wie sie das verteidigen wollen. Beide gehen daher einen Schritt auf Valentine zu. Costello liest das und slippt den Screen. Nairn spielt ihn an und plötzlich ist der Ball mitten in der Zone.

Zwar schließt Costello nicht ab, doch er zieht damit die ganze Aufmerksamkeit der Verteidigung auf sich. Alle fünf Verteidiger befinden sich auf einmal in der Zone. Costello findet Nairn an der Dreierlinie. Dieser leitet zwei schnelle Pässe ein und Louisville bleibt keine Zeit zur richtigen Kommunikation. Plötzlich steht Valentine frei und kann seinen zweiten guten Wurf von außen verwerten.

Dieses Mal wird Valentine in ein Side Pick & Roll verfrachtet. Bei den Cardinals fehlt die Abstimmung. Lee am Ball will Valentine die Baseline geben und rechnet damit, dort Hilfe vom Verteidiger des Blockstellers zu erhalten. Mahmoud hat sich aber zum Doppeln in der Mitte des Feldes positioniert. Genau diese Form hatten die Cards bis dahin auch gegen Valentine praktiziert. Somit ist die Baseline offen und Valentine findet Shooter Forbes in der Ecke.

Mit drei Punkten Rückstand gehen die Spartans in die Kabine und können darüber froh sein. Dem Spielverlauf entsprechend wäre eine zweistellige Führung nicht überraschend gewesen. Der Beginn der zweiten Halbzeit ähnelt sehr dem Spielbeginn. Wieder forcieren die Cards Turnovers und MSU wirkt gegen die wechselnde Halbfelddefense etwas konzeptlos.

 Im ersten Angriff versuchen die Spartans, die Defense zu verwirren, indem gleichzeitig Passgeber Kenny Goins (Nr.25) und Blocksteller Costello durch die Zone kreuzen. Allerdings behält Mahmoud in der Mitte der Zone die Übersicht und hält seine Position, um die Zone zu schätzen. Goins ist daher nicht frei und der Block für Nairn ist durch seinen fehlenden Distanzwurf nutzlos, da Snider einfach unten durchgeht.


Nach kurzer Neuorganisitation versuchen die Spartans endlich den Highpost zu attackieren. Allerdings ist Costello nicht gerade begnadet im Eins-gegen-Eins Mahmoud hält ihn vor sich. Costello passt daher nach einem Anlaufversuch wieder hinaus an die Dreierlinie.


Mittlerweile verteidigen alle fünf Cardinals wieder nach Mannprinzipien. Beim Block von Costello hedgt Mahmoud heraus und zwingt Forbes damit zum Pass zu Valentine. Durch die zwei bereits misslungenen Angriffsversuche während des Ballbesitzes verbleiben Valentine nur noch sechs Sekunden. Er verspürt den Zeitdruck und begeht daher einen Schrittfehler.

Allerdings erholen sich die Spartans nun schneller vom Druck der Cardinals und attackieren nun vermehrt die Mitte des Spielfeldes. Valentine erhält einen Downscreen von Davis und bekommt den Ball. Weder Lewis noch Johnson gehen richtig zu Valentine hin. Eigentlich sollte Johnson am Ball verteidigen und Lewis sich um Nairn kümmern. Doch Lewis verpasst es, diese Entscheidung zu treffen.

Auf der Weakside fühlt sich somit Mitchell auf einmal für Nairn zuständig, obwohl es eigentlich nicht seine Aufgabe ist, soweit heraus zu kommen. Da Lee bei Scharfschütze Forbes bleibt, ergibt sich plötzlich eine Lücke, in die Goins hereincuttet. Valentine bedient ihn und Goins trifft den Jumper.


Es entwickelt sich ein ausgeglichenes Spiel, bei dem die Teams nun unterschiedliche Offensivstrategien fahren. Louisville versucht die eigene Größe zu nutzen, während MSU langsam begreift, wie es die Shooter richtig in Szene setzen kann. Die Cardinals nutzen eines ihrer Lieblingssets, um Chinanu Onuaku (Nr.32) im Lowpost anzuspielen.

Zunächst erhält Lewis von den Bigs zwei versetzte Ballscreens. Onuaku stellt anschließend einen Pindown für Lee, der den Ball von Lewis erhält. Mitchell läuft währenddessen die Baseline entlang und erhält ebenfalls zwei Screens. Von Mitchell bekommt Onuaku schließlich nach viel Bewegung den Ball in aussichtsreicher Position. Der Center lässt sich Zeit und finisht per Jumphook.

Im Gegenzug antwortet Harris per Dreier, nachdem Mathiang die Anweisungen seines Kollegen Onuaku missachtet. Louisville will erneut Onuaku im Lowpost bedienen, allerdings verteidigt Costello das Anspiel. Mathiang kommt zum Elbow für ein mögliches High-Low. Ein Passfake reicht und Davis hebt vom Boden ab. Mathiang zieht anschließend stark zum Korb und finisht.

Wie nach Onuakus Korberfolg versucht Louisville auch nach Mathiang gelungenem Dreipunktespiel eine Wiederholung zu erzielen. Dieses Mal mit Erfolg. Mathiang stellt einen Crossscreen für Mahmoud und kann sich dadurch mitten in der Zone aufposten. Lewis’ Passwinkel ist eigentlich extrem ungünstig, aber da er keinen Druck bekommt und auch Mathiang seinen Gegenspieler kontrolliert, kommt der Pass an und Mathiang zeigt, wie fleißig er in der Offseason an seiner Offense gearbeitet hat.

Es folgt die spielentscheidende Phase, in der Bryn Forbes endlich seine Dreier trifft und die Cardinals offensiv in Einzelaktionen verfallen. Forbes’ erster Dreier zum Ausgleich fällt nach einem Freshman Fehler. Louisville verteidigt gerade nach Mannprinzipien. Forbes wird von Mitchell verteidigt.

Forbes passt den Ball und bekommt anschließend einen Backscreen, der allerdings nur der Dekoration dient und Mitchell ablenken soll. Mitchell verliert in der Tat nach dem Backscreen für einen Moment die Spannung und verliert Forbes, der von Costello einen erneuten Screen gestellt bekommt. Forbes versenkt eiskalt den offenen Wurf.


Der nächste Dreier fällt in der Transition. Forbes ist zunächst am oberen Bildrand und Snider sollte ihn im Blick haben. Forbes kreuzt allerdings und Snider konzentriert sich nur auf den Ball und eine möglichst schnelle Organisation seiner Mitspieler. Damit gerät Forbes gänzlich in Vergessenheit und hat keinen Gegenspieler, als er in der anderen Ecke des Feldes ankommt. Valentine hat seinen Schützen die ganze Zeit im Blick. Nach dem Ballscreen bringt er einen schwierigen Pass genau in Forbes’ Shooting Pocket unter. Bull’s-Eye.

Louisville ist wieder in der 2-3-Zonenaufstellung, was sich allerdings nach dem ersten Pass direkt ändert. Lee sprintet zu Goines auf dem Highpost und die Cardinals verteidigen fortan nach Mannprinzipien. Allerdings entsteht nach Nairns Rückpass zu Valentine Konfusion. 

Lee ist nun näher an Nairn dran als Snider, der ihn eigentlich verteidigen will. Die beiden sind sich nicht sicher, ob sie switchen sollen oder nicht. Diese Verunsicherung bemerkt Walk-On Goins erneut. Im Rücken beider schleicht er sich davon und wird von Valentine in Szene gesetzt. Die Zone zieht sich zusammen und dadurch steht Forbes blank in der Ecke für seinen dritten Dreier in kürzester Zeit.

Es folgen die spielentscheidenden Angriffe, von denen sich Louisville nicht mehr erholt. Louisville konnte gerade durch zwei Freiwürfe von Lee ausgleichen. Die Spartans starten in einem Horns Set. Nairn nutzt den Block von Costello, der zur Dreierlinie herauspoppt und den Ball erhält. Zeitgleich stellt Davis einen Downscreen für Forbes. Nach seinem Pass erhält nun Nairn einen Downscreen von Costello. Die Cards wechseln nun in Mannprinzipien, wodurch Snider sich um Costello kümmern muss. Über Nairn landet der Ball bei Valentine.

Valentine erkennt das Missmatch und holt sich einen Block von Costello. Dieser stellt den Screen zur Baseline. Snider und Lee wissen nicht, wie sie verteidigen sollen, weshalb Valentine über die Baseline in die Zone vordringen kann.

Die Defense zieht sich zusammen und Valentine findet den offenen Nairn. Lee rotiert an dieser Stelle vollkommen falsch. Statt bei Valentine zu bleiben spekuliert er auf einen Pass von Nairn, der nie gespielt wird. Valentine sprintet gedankenschnell zu Dreierlinie, wird nach zwei schnellen Pässe gefunden und trifft mit herunterlaufender Wurfuhr den Dreier.


Auf der anderen Seite hat Lewis freie Bahn beim Drive und ist wohl in Gedanken schon dabei, sich auf ein Dreipunktespiel vorzubereiten, doch Nairn lässt seine Stopper-Qualitäten aufblitzen und stibitzt ihm den Ball aus den Händen. Der Davis Alley-Oop ist dann schon der Dagger. Louisville nimmt seine letzte Auszeit 4:38 vor dem Ende.


Der letzte Funken Hoffnung erlischt, als Lee nach einem Rebound auf Nairn zu dribbelt und ihm ein Offensivfoul abgepfiffen wird. 

Ob der Pfiff wirklich korrekt ist, wage ich zu bezweifeln, doch letzten Endes fehlen in der Crunchtime einfach die offensiven Waffen und die Präzision im Halfcourt. MSU trifft die Freiwürfe, Louisville kann keine Stops mehr generieren.

Michigan State konnte damit Stellung als Team der ersten Saisonwochen behaupten. Valentine übernahm in der zweiten Halbzeit wesentlich mehr Verantwortung und forcierte weniger schlechte Würfe. Davis als Dosenöffner und Gaines und Forbes als Komplementärspieler zu Valentine trugen ebenfalls maßgeblichen Anteil am Sieg. 

Allerdings machte sich das Fehlen eines waschechten Aufbauspielers öfters bemerkbar. Die Probleme gegen die Presse waren in der ersten Halbzeit offenkundig. Zudem fehlte die gewohnte defensive Intensität im Eins-gegen-Eins, woraus Lee und Lewis viel Kapital schlagen konnten. 

Für Louisville sollte dies eine gute Standortbestimmung gewesen sein. Beim heißesten Team der NCAA zu gewinnen, wäre eine kleine Sensation gewesen in Anbetracht der vielen Neuzugänge. Dennoch sollte das Team fortan die Wertschätzung bekommen, die es verdient. Das Team ist tough und talentiert, bringt Tiefe und Länge mit. 

Zudem konnte Pitino letzte Saison wunderbar beweisen, wie schnell seine Teams sich entwickeln. Die vielen verpassten Rotationen und Missverständnisse der zweiten Halbzeit werden so im März sicher nicht mehr auftreten. Auch die Struktur in der Offense wird sich mit der Zeit verbessern. Louisville sollte man im März daher definitiv wieder auf dem Zettel haben.