07 Dezember 2015

7. Dezember, 2015


Die neue NBA-Saison ist gut unterwegs. Bei so viel irrsinniger Action pro Woche macht es nicht immer Sinn, traditionell zu berichten. Nicht weiter schlimm: die nbachefsquad ist zur Stelle wie Jeff Green in Crunchtime und versorgt euch wöchentlich mit artgerechten Häppchen zur NBA-Spielzeit 2015/16.

von NBACHEFSQUAD

Bzzzz...
Seb Dumitru @nbachefkoch ... Die Charlotte Hornets werden in dieser Saison keine Titel gewinnen. Die Heimpleite gegen Golden State am Mittwoch wird Fans lange als 'Stephen Curry Game' in Erinnerung bleiben - eines von gefühlten 25 Curry-Games in bisher 22 Versuchen. Mindestens aber als 'Currys-28-Punkte-Viertel-gegen-den-überforderten-Kemba-Walker' Game.

Charlotte hat mehr als nur ein Problem, und das nicht nur wegen Walkers physischen Nachteilen in der Defensive, dem internen Beef zwischen Jeremy Lin und Konsorten oder der chronischen Reboundschwäche in den letzten Wochen. Das Fehlen von Al Jefferson (2-3 Wochen raus) und Michael Kidd-Gilchrist (komplett raus) hat das Team von Steve Clifford seiner beiden wichtigsten Performer beraubt.

Dennoch hat es der Head Coach geschafft, seine Mannschaft nicht nur über Wasser zu halten, sondern zu einer der größten Überraschungen der Saison zu formen. Die Hornets verblüffen bisher mit erstickender Defensive, effizientem Angriff und als zugeknöpfte Disssschhh-ziplinfanatiker, denen die Basics des Spiels heilig sind.


Keine Mannschaft verliert seltener den Ball, nur Golden State legt eine höhere Assist-zu-Ballverlust-Rate aufs Parkett als die Hornets. Alle acht Niederlagen bisher kamen gegen Top-Teams wie Golden State, Cleveland, Miami, San Antonio und Atlanta zustande (... und New York, aber New York hat bekanntlich Porzingis). Die elf Siege waren keine Selbstläufer, das Team aus der Queen City musste dafür gegen den viertschwersten Spielplan der NBA hart arbeiten.

Dass Charlotte nicht nur seine vor zwei Jahren so effektive Team-Verteidigung wieder entdeckt (ohne einen der besten Individualdefender der NBA, wohlgemerkt), sondern auch offensiv einen Quantensprung geschafft hat, liegt an den vielen Renovierungen im Sommer. Der frische Nicolas Batum, Jeremy Lin, Jeremy Lamb und Spencer Hawes Anstrich hat dem Shooting und Playmaking dieser Truppe neuen Glanz verliehen. Oder überhaupt mal Glanz.

Heute platzieren die Bees nicht nur als eines von nur vier Teams ligaweit in Angriff und Verteidigung unter den Top-Ten, sondern stecken mittendrin im Verfolger-Pulk einer wiedererstarkten Eastern Conference. Dezember ist bekanntlich nicht April, aber für einen Klub, den nach dem Kidd-Gilchrist Ausfall die meisten bereits knallhart totgesagt hatten, machen diese Hornissen viel mehr Lärm als angenommen. Bzzzz....


Sieglos glücklich 
Tiago Pereira @24Sekunden ... Wir alle kennen diesen Moment: Der Abgabetermin des Gruppenprojekts steht an und alle haben ihren Teil eingereicht, fast alle. Ein Mitglied hat den Termin verpennt, wahrscheinlich weil er gerade erst von der Meisterfeier zurückkommt und nun bleibt alles wieder an euch hängen.

Schnell alle Termine abgesagt, eine Kanne Kaffee gekocht und ran ans Werk. Mit hängender Zunge und Tellergroßen Augenringen schafft ihr es, das Gruppenprojekt noch rechtzeitig fertig zu stellen. Zur Notenvergabe taucht das verschollene Mitglied wieder von seiner Odyssee auf und grinst euch verschmitzt an. Kein Spieler ist größer als das Team, heißt es so schön, weshalb der Ruhm, trotz unverhältnismäßiger Arbeitsteilung, euch allen gilt.

Ähnlich dürfte sich Luke Walton gefühlt haben, als er zum Trainer des Monats gewählt wurde - mit null Siegen aus 21 Partien. Obwohl der Interims-Trainer seit Saisonbeginn die Zügel des angeschlagenen Steve Kerr übernommen hat, wandern die Erfolge seiner Mannschaft stets auf das Konto des abstinenten Cheftrainers. Dank des fulminanten Starts der Warriors erntet Kerr die Früchte des besten Saisonstarts in der NBA-Historie, während Walton nur ein Briefbeschwerer zu Teil wird. 


Dass sich dennoch hinter der Arbeit des Assistenztrainers nicht nur ein aberwitziger Roster befindet, sondern in ihm auch ein gewiefter Taktiker steckt, zeigt sich in Waltons in-game Coaching. Walton vertraut mehr als sein Chef Kerr auf die Stärken der Center-losen Aufstellung, welche unter der Leitung des Interimstrainers zur stärksten Warriors-Waffe wurde. Als finalen Trumpf nutzt Walton zum Ende einer Partie ein vielseitiges Repertoire an Set Plays aus hohen Pick & Rolls, um seinem Star Stephen Curry „offene“ Würfe zu erspielen. 

Auch wenn die Stärke der Warriors weiterhin primär auf und nicht abseits des Parkettes steht, sollte die Leistung von Walton nicht untergehen. Denn schließlich ist er der einzige Trainer, der seine Mannschaft zu 21 Auftaktsiegen in Folge geführt hat. Es ist nur schade, dass die Liga dies bisher noch nicht anerkennend gewürdigt hat. Denn zögert sich die Rückkehr von Steve Kerr bis zum All Star Break hinaus, wird Luke Walton sogar die Auswahl der Western Conference trainieren - ohne jemals ein einziges NBA Spiel offiziell gewonnen zu haben. 


LeKrise?
Onur Alagöz @LakersParadigm ... Sind die Cleveland Cavaliers in Schwierigkeiten? Der Vizemeister hat drei Partien in Folge und acht aus 15 verloren. Der Spitzenplatz in der Eastern Conference? Eingebüßt. Selbst die Chicago Bulls und Indiana Pacers sind in der Central Division auf ein halbes Spiel heran gekrochen.

Was sind die Gründe für den Slump? Wenn LeBron James die Cleveland Cavaliers ist, ist er dann nicht zumindest mit schuldig an der Misere? Bis LeBron 40 ist, wird er der Dreh- und Angelpunkt seines/seiner Teams bleiben. LeBron wird immer mindestens so viel Einfluss auf die Taktik haben wie der Coach, meistens mehr auf den Ausgang einer Partie als irgendein anderer Akteur auf dem Parkett.

Als James gegen Miami nur Instagram-Hashtags erfand, statt sich warm zu halten - Cleveland schonte ihn, ausgerechnet im hoch antizipierten ersten Aufeinandertreffen dieser beiden Teams in Florida- wurde das volle Ausmaß seiner Bedeutung für die Cavaliers ersichtlich. 

Gegen die Heat – über die noch weniger geredet wird als über Grönemeyers Tournee - sah Coach Blatt mit seinen dezimierten Cavs kein Land. Mit Kyrie Irving, Iman Shumpert und LeBron James in Straßenkleidung sah die Lage grimm aus. Miami dominierte in allen Belangen, führte nach einem Viertel bereits mit zwölf und fuhr den Zug nach Blowout-City bis zur letzten Station durch.


Die Cavs wirken derzeit wie ein wackliger Jenga-Turm, wenn der beste Spieler sein Team nicht nur statistisch, sondern auch mental in allen Belangen anführt. Love sieht zwar besser aus als in der Vorsaison, seine Führungsqualitäten (hatte er jemals welche?) hat er in Minnesota gelassen. Irving fehlt in Punkto offensive Kreativität, Shumpert fehlt als Three & D Flügel für Arme. Und mit LeBron an der Seitenlinie, das hat das Spiel gegen Miami gezeigt, fehlt diesem Team fast alles.
 
Klar sind Spiele im Winter meist freier von Relevanz als MySpace heutzutage. Dennoch ist das Tief der Cavaliers ein erster Fingerzeig in einem wieder erstarkten Osten. An sie selbst nämlich. LeBron hat die Mentalität seiner Truppe erst kürzlich kritisiert: "Wir sind zu nett, nicht hungrig genug!" Alarmglocken: An. Lässt sich dieses Team nicht schleunigst etwas einfallen, wird der Abwärtstrend weitergehen. Wir könnten im Sommer sogar eine Sensation erleben: Das erste NBA-Finale seit 2010 ohne LeBron James.


Sans Gobert
Peter Drews @Pony1990 ... Am Mittwoch verletzte sich der französische Starting Center der Utah Jazz im Training am Knie. Nach genauer Untersuchung und anschließenden MRT stellte sich heraus, dass sein Innenband in Mitleidenschaft gezogen wurde und er laut offiziellen Quellen auf unbestimmte Zeit fehlen wird. Realistisch ist wohl, dass er in sechs bis acht Wochen wieder auf dem Feld stehen kann. Dennoch ist Goberts Ausfall ein herber Schlag für die Jazz.

Was heißt das nun für Utah? Bricht die Defense ohne den 'Stifle Tower' auseinander? Kann sich das Team sogar seine Playoff Chancen abschminken? Keine Frage, der Ausfall von Gobert wird schmerzen. Er fehlte bereits zwei Spiele im ersten Roadtrip des Jahres an der Ostküste - beide verloren die Jazz. Auch gegen Orlando im ersten Spiel nach seiner Verletzung setzte es eine 94-103 Niederlage.


Wie kann Utah den Dezember und Teile des Januars ohne Gobert überleben? Auf Center wird ab sofort Derrick Favors starten. Der nominelle Power Forward stellt offensiv ein klares Update zum Franzosen dar. Defensiv wird er zwar nicht den selben Einfluss wie Gobert haben, allerdings zählt Favors schon länger zu den besten Verteidigern auf den großen Positionen und macht seine Sache dort mehr als ordentlich.

In den ersten beiden Partien ohne Gobert startete zunächst Trevor Booker, beim Sieg gegen die Pacers durfte Rookie Trey Lyles von Beginn an ran. Ob einer von beiden dauerhaft starten wird oder ob Head Coach Quin Synder nicht doch einen nominellen Center wie Jeff Withey einsetzt, bleibt abzuwarten. Vielleicht wird auch Tibor Pleiß aus der D-League zurück in den Jazz-Kader beordert.

Für Utah wird wichtig sein, dass sich Favors auf der Fünf nicht komplett aufreibt, Gordon Hayward vorne noch mehr Verantwortung übernimmt und der Rest der Mannschaft sich auf gut Deutsch den Arsch aufreißt, um die solide Ausgangssituation (8-8 bis zur Verletzung) in der Zeit ohne Gobert nicht wegzuwerfen... am besten schon im nächsten Spiel gegen Sacramento am Dienstag.


Rondoooooo...
Pascal Gietler @PascalCTB ... Franchise-Rekorde, spektakuläre Pässe, Triple Doubles... dennoch scheint Rajon Rondo auch in diesem Jahr keinen positiven Impact auf sein Team zu haben. Der Point Guard der Sacramento Kings hat eine ereignisreiche Woche hinter sich.

Nachdem er seinem ehemaligen Arbeitgeber aus Dallas 21 Punkte einschenkte, flog er in Mexiko gegen sein Ex-Ex-Team aus Boston vom Platz, bevor er zwei Tage später gegen die Houston Rockets fulminante 19 Assists auflegte.


Rondo befindet sich im ersten und letzten Jahr seines aktuellen Vertrages und scheint nach seinem kurzen Gastspiel in Dallas wieder den Weg zurück in die Point Guard-Elite gefunden zu haben - oder doch nicht?!

Aktuell führt Rondo die NBA in Assists pro Spiel an (10,9 APG) und punktet so gut wie seit Jahren nicht mehr (12,3 PPG). Sein Team jedoch, das steht trotz Rondos Klasse, Rudy Gays Scoring, DeMarcus Cousins All-Star Niveau und einer soliden NBA-Bank mit sieben Siegen bei 15 Niederlagen im Keller der Western Conference. Ist Rondo vielleicht doch nicht der Schlüssel zum Erfolg für die Kings? Diese Frage ist komplex.

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I Am Legend
Mattis Oberbach @MattisOb ... Man sagt, Philadelphia sei die Stadt der brüderlichen Liebe. Wenn es um den Sport geht, sieht man das jedoch nur allzu selten. Die Sixers sind katastrophal, die Phillies waren das mieseste Team der abgelaufenen MLB-Saison, die Eagles und Flyers sind unteres Mittelmaß. Wenn alle Teams der Stadt, Sportart-übergreifend, fast immer nur verlieren, macht das keinen großen Spaß.

Möglicherweise war das auch der Grund dafür, dass Kobe Bryant, seines Zeichens Profi-Basketballer einer rivalisierenden Franchise, aber eben auch Ikone des Sports und Sohn der Stadt Philadelphia, frenetisch bejubelt und verabschiedet wurde, als seine Lakers in Pennsylvania gastierten. 

Über Kobe wurde in den letzten Tagen genug geschrieben, auch an dieser Stelle, doch von dieser Nacht, die mit Kobes letzten Spiel in seiner Heimat endete, werden die 20.000 Fans im ausnahmsweise ausverkauften Wells Fargo Center noch ihren Enkelkindern erzählen.

Vielleicht wegen Kobe, aber noch wichtiger: weil die 76ers ein Spiel gewonnen haben! Tatsächlich. Nach 18 Niederlagen in Folge zum Start und insgesamt 28 in dieser und der vergangenen Saison gingen die Sixers als Sieger vom Parkett. Um sicher zu gehen, dass sie nicht einen Lauf starten, bogen sie direkt nach dem Triumph gegen die Lakers gleich wieder in die Verliererstraße ab. Dort kennen sie jeden Winkel, dort fühlen sie sich wohl.

Wenigstens für diese eine Nacht konnten sich Philly-Fans vergnügen. Erst mit „MVP“-Chants für Bryant, dann mit einem unerwarteten W. Konfetti! Philadelphia hält jetzt drei NBA-Negativrekorde: den für die meisten Niederlagen in einer 82-Spiele-Saison (73). Den für die meisten Niederlagen in Folge in einer Saison (26). Und den für die meisten Niederlagen in Folge überhaupt (28). Die längste Pleiten-Serie in der Geschichte der großen US-Sportarten ist offiziell vorbei. So verrückt es klingt: Bei diesen 76ers kann niemand garantieren, dass die nächste nicht schon längst wieder angefangen hat.