18 Dezember 2015

18. Dezember, 2015


Kobe, Timmy, Dirk: Ikonen der NBA gehen auf die 40 zu und stehen kurz vor dem Ende ihrer Karriere. In einer Serie begleitet NBACHEF die Oldies auf dem Weg in den Sonnenuntergang und erzählt ihre unterschiedlichen Geschichten. Heute: Vince Carter.

von TORBEN SIEMER @lifeoftorben

Es ist diese eine Szene, die viele Basketball-Fans beim Namen Vince Carter sofort vor Augen haben: Olympische Spiele im Jahr 2000 im australischen Sydney – auf dem Weg zur Goldmedaille gelang Carter im Team USA das, was heute schlicht als „Dunk Of Death“ bei Youtube zu finden ist. Wer nicht weiß, wovon ich rede: Bitteschön.


Überhaupt ist es diese Fähigkeit, die dem 1.98m großen, fünften Pick des 1998er Drafts zu größerer Berühmtheit auch diesseits des Atlantiks verhalf. Rund um die Jahrtausendwende war er es, der den Slam Dunk-Contest am All-Star-Wochenende im Alleingang wiederbelebte. Weil er nicht nur dort seine überragende Sprungkraft zur Schau stellte, stand bald der Spitzname „Air Canada“ in seinem Spielerprofil. (Dass Steve Nash leicht ironisch „Hair Canada“ genannt wurde, sei hier nur eine Randnotiz.)

Wer aber ist dieser Vincent Lamar Carter, der im Januar 1977 in Daytona Beach, Florida das Licht der Welt erblickte? Nach seiner Highschool-Zeit in der Heimat, die er als All-American und mit der ersten Staatsmeisterschaft seiner Schule seit 56 Jahren beendete, zog es ihn an eine der angesehensten Basketball-Schmieden des Landes: Die University of North Carolina.

Unter dem legendären NCAA-Coach Dean Smith schlug auch Carter den „Carolina Way“ unter dem Leitspruch „Play hard, play smart, play together“ ein - wenn auch dessen exzellenter Ruf in den letzten Jahren einer Untersuchung, die institutionalisierten akademischen Betrug nahelegt, mehr als nur etwas gelitten hat. Die Exzellenz auf dem Feld aber ist weitgehend unzweifelhaft, unter Smiths Nachfolger Bill Guthridge gelang es Carter in seiner letzten Saison sich positiv zu entwickeln.


Zweimal in Folge zogen die Tar Heels (unter anderem mit dem späteren deutschen Nationalspieler Ademola Okulaja) ins Final Four der March Madness ein, Carter wurde in seinem dritten Jahr nach 15.6 Punkten im Schnitt ins Second Team All-American berufen und meldete sich im Mai 1998 vorzeitig für den NBA Draft an.

Anschnallen, bitte!
An fünfter Stelle von den Golden State Warriors ausgewählt, schickten ihn diese im Austausch für seinen College-Kumpel Antawn Jamison nach Toronto zu den 1995 in die Liga gekommenen Raptors. In seiner aufgrund des Lockouts auf 50 Spiele verkürzten Rookie-Saison wurde Carter als bester Neuling der Liga ausgezeichnet.

Bereits in seinem zweiten Jahr erspielte er sich nicht nur die Rolle der ersten Offensiv-Option seines Teams, sondern wurde auch mit 25.7 Punkten pro Spiel zum ersten von insgesamt acht Malen zum All-Star gewählt. Mit einer Bilanz von 45-37 erreichten die Toronto Raptors in der Saison 1999/2000 erstmals die Playoffs und im darauffolgenden Jahr dann sogar die zweite Runde. Das gerade erwähnte All-Star-Wochenende im Frühjahr 2000 wurde zur großen Bühne für den damals 23 Jahre alten Flügelspieler – war der Dunk Contest in den Jahren zuvor beinahe obsolet geworden, führte Carter ihm wieder die volle Aufmerksamkeit zu.

Am Rande des All-Star-Wochenendes 2007 sagte Kobe Bryant, der gemeinsam mit Michael Jordan, Julius Erving und Carter in der Jury des Dunk-Contests saß, dass Carter einen Vergleich in diesem erlesenen Zirkel wohl für sich entscheiden würde. „Half Man, Half Amazing“ war geboren. Und ja, ich gebe zu: Auch mein Kinderzimmer schmückte ein Poster des Raptors mit der Nummer 15... obwohl ich allzu viel über die NBA damals nicht wusste.

Nach dieser, seiner zweiten Saison, kam der erste Schnitt in Toronto: sein Cousin Tracy McGrady verließ das Team als Free Agent, Carter war ab diesem Moment der unangefochtene Franchise Player der Kanadier. Die darauffolgende Saison 2000/01 wurde Carters offensiv produktivste: 27.6 Punkte legte er pro Spiel auf, traf dabei 40.8 Prozent seiner etwas mehr als fünf Dreier und insgesamt 46 Prozent aus dem Feld – dazu sammelte er 5.5 Rebounds und spielte knapp vier Assists.


Die erneute Wahl zum Starter – dreimal in Folge erhielt „VC“ meisten Stimmen der Fans - beim All-Star-Game sowie die Berufung ins Second Team All-NBA waren Belohnung für den neuen Franchise-Rekord von 47 Siegen. In den Playoffs spulte der zumeist auf Small Forward eingesetzte Carter knapp 45 Minuten pro Abend ab. Dem Erstrundensieg gegen die New York Knicks folgte eine epische Serie gegen die Philadelphia 76ers um Allen Iverson.

Sieben Spiele lang ging es hin und her, vier Spiele wurden mit fünf Punkten oder weniger entschieden. 50 Punkte und neun Dreier streute Carter in Spiel drei ein, im entscheidenden siebten Spiel ging es für die Raptors nach Philadelphia: Beim Stand von 87-88 aus Sicht der Gäste erhielt Carter den Ball zum potenziellen Gamewinner, sein Abschluss mit zwei Sekunden auf der Uhr aber verfehlte das Ziel. Eines der meistantizipierten Spiele außerhalb der Finalserien war vorbei. Aus, Ende, die 76ers waren weiter (und verloren im Finale bekanntlich gegen die L.A. Lakers).

Verlängerung in Toronto
Carters Rookie-Vertrag war vorbei. Er entschied sich für einen Verbleib und verlängerte für sechs Jahre und 94 Millionen US-Dollar. Ein gutes Omen, den inzwischen zum Superstar aufgestiegenen Flügelspieler in Kanada gehalten zu haben? Nein, leider. In der der ersten Saison unter dem neuen Deal wurde er zwar erneut mit den meisten Stimmen in die All-Star Starting Five des Ostens gewählt, musste aber aufgrund einer Verletzung verzichten.

In 60 Spielen stand Carter auf dem Feld, legte erneut knapp 25 Punkte bei etwas schwächeren Quoten als im Vorjahr auf, aber: Ohne ihn verloren die Raptors 17 von 18 Partien, ein starkes Finish nach Carters Rückkehr spülte sie mit einer Bilanz von 42 Siegen zu 40 Niederlagen gerade noch in die Playoffs. Dort gab es, erneut ohne ihren Star, das Aus in Runde Eins. Während der Spielzeit 2002/03 verschlimmerten sich die Sorgen um Carter, der mit 43 Einsätzen nur knapp über 50% der Partien absolvieren konnte. Nach der Bekanntgabe der Diagnose „Jumper’s knee“ kam vielerorts die Frage auf, wie lange Carters Karriere als Anführer eines Teams wohl andauern könnte.


Die meiste Aufmerksamkeit dieser Saison erhielt Carter rund um das All-Star-Game. Erneut zum Starter gewählt, wollten Medien und Fans den seine finale Saison spielenden Michael Jordan in der Ersten Fünf des Ostens sehen: Sowohl Allen Iverson als auch Tracy McGrady hatten Jordan ihren Platz angeboten, der aber nahm letztlich kurzfristig die Offerte Carters an. Wie frei diese Entscheidung war, weiß heute wohl nur noch Carter selbst, doch so ganz aus freien Stücken kam diese wohl nicht. Letztlich aber bleibt: Carter nahm auf der Bank Platz, um Jordan einen gebührenden Abschied zuteil werden zu lassen.

Für die Raptors lief auch die Saison 2003/04 alles andere als optimal, wenn auch Carter in 73 Spielen durchschnittlich 22.5 Punkte auflegte. Die Ausfälle von Jalen Rose sowie Alvin Williams waren zuviel, um die Postseason zu erreichen – ein Umbruch im Sommer war die Folge: Der Coaching Staff sowie General Manager Glen Grunwald wurden entlassen, Carter ließ sich mehrfach vom Management versichern, dass sie um ihn herum einen Kader mit Titelpotenzial schmieden wollten. 

New (in) Jersey
Nachdem sich diese Hoffnungen mit Saisonbeginn weitgehend zerschlagen hatten und Carter zudem mit dem neuen Coach Sam Mitchell sowie Neuverpflichtung Rafer Alston nicht auf einer Wellenlänge zu sein schien, knallte es im Dezember 2004: Im Austausch für zwei Erstrundenpicks sowie drei Spielerverträge wechselte Carter zu den Nets nach New Jersey. Die öffentliche Meinung in Toronto kippte infolgedessen, die Fans machten Carter – wie in den Jahren vorher auch McGrady – als Sündenbock aus und begrüßten ihn nicht nur bei seinem ersten Gastauftritt kurz nach dem Trade mit einem gellenden Pfeifkonzert.

Der Vorwurf, Carter habe die Raptors hängen lassen, stand bis ins Jahr 2012 im Raum. Erst dann äußerte sich der bereits Anfang 2006 wieder entlassene GM Rob Babcock, dass Carter noch am Vorabend des Deals telefonisch darum gebeten hatte, in Toronto bleiben zu dürfen – vergeblich, der Trade war bereits in die Wege geleitet. Im November 2014 dann, Carter war mit den Memphis Grizzlies zu Gast in Toronto, ehrten ihn die Raptors im Rahmen ihrer 20. NBA-Spielzeit mit einem Video – aus dem Pfeifkonzert wurde stehende Ovation, Carter selbst verdrückte ein paar Tränen.


Zurück ins Jahr 2005: Der Wechsel nach New Jersey war für Carter ein Neuanfang. An der Seite von Jason Kidd verpasste er in fünf Jahren insgesamt nur elf Spiele und erreichte in den ersten drei Jahren jeweils die Playoffs, dabei zweimal die zweite Runde. In ihrer ersten kompletten gemeinsamen Spielzeit, 2005/06, gewannen die Nets 49 Spiele und damit die Atlantic Division - 29 Punkte, 7 Rebounds und 5.3 Assists von Carter aber waren nicht genug, den späteren Champion Miami Heat in der zweiten Playoff-Runde auszuschalten. „Vinsanity“ brach dabei bereits zu Beginn der Saison aus, als Carter einen krachenden Dunk über Defensivspezialist Alonzo Mourning durch die Reuse hämmerte und wenige Wochen später mit 51 Punkten, ebenfalls gegen die Heat, sein Career High einstellte.

Der große Playoff-Erfolg aber stellte sich nicht ein, dennoch sorgten Kidd und Carter 2006/07 für Historisches: Beim 120-114 nach Overtime gegen die Washington Wizards waren sie die ersten Teamkollegen seit Jordan und Scottie Pippen, die im selben Spiel ein Triple Double erzielten. Kidd mit 10 Punkten, 16 Rebounds und 18 Assists, Carter mit 46/16/10. Im Februar 2007 wurde Carter zum achten und letzten Mal als Reservist für das All-Star-Game nominiert.

Beförderung zum Mentor
In der Saison 2007/08 dann rissen die New Jersey Nets ihr Team auseinander: Kidd wurde inmitten der Spielzeit für frisches Blut und Draftpicks nach Dallas abgegeben, Carter beendete die Saison mit über 21 Punkten, 6 Rebounds und 5 Assists im Schnitt, außer ihm gelang dies bis heute nur Kobe Bryant und LeBron James. Carter war jetzt auch hier der Leader seines Teams.

Einmal mehr aber stand Carter die Philosophie seines Teams im Weg: Die Nets entschieden sich zum Rebuild, er selbst sollte als Mentor fungieren. Headcoach Lawrence Frank gab an, dass Carter dies vorbildlich getan habe – Brook Lopez wurde Dritter in der Wahl zum Rookie des Jahres, der im Kidd-Trade akquirierte Devin Harris zum All-Star und Kandidat als Most Improved Player. Im Alter von 32 Jahren und in seiner elften Saison erzielte Carter 2008/09 zum zehnten und letzten Mal mindestens 20 Punkte pro Partie und es zeichnete sich ab, dass seine Zeit in New Jersey zu Ende gehen würde.


Am Abend des 2009er Drafts einigten sich die Nets mit den Orlando Magic auf einen Trade. Die Magic suchten nach Entlastung für Center Dwight Howard, die Nets verloren im ersten Jahr ohne Carter 70 Spiele. Neben Howard war Carter erstmals in seiner Karriere nicht die erste Offensivoption, mit nur 13.5 Abschlüssen pro Spiel warf der der Neuzugang so selten auf den Korb wie nie zuvor seiner NBA-Karriere. In seiner Heimatstadt Orlando erreichte Carter erstmals die Conference Finals – in den Runden eins und zwei gelangen Sweeps gegen Charlotte und Atlanta, der Einzug in die NBA Finals aber blieb nach sechs Spielen den Celtics aus Boston vorbehalten.

Nicht nur an den Boxscores dieser Spielzeit war abzulesen, dass „father time“ auch vor Carter nicht halt machte und so entschieden sich die Magic, ihn nach nur einer Spielzeit im Dezember 2010 im Tausch für unter anderem Hedo Türkoglu und Jason Richardson an die Suns nach Phoenix abzugeben.

Für Carter selbst war der Wechsel nach Arizona ein Wendepunkt: Die Tage, in denen er eine Franchise allein in die Playoffs zu tragen vermochte, waren vorbei. Der Superstar Vince Carter, den die Liga in Toronto und New Jersey erlebt hatte, musste sich und seine Rolle neu definieren.

Während viele Profis dies gar nicht oder erst (zu) spät einsehen, erkannte Carter die Zeichen der Zeit. An der Seite von Steve Nash erzielte er als damals 37. Profi seinen 20.000 NBA-Punkt, die Tendenz aber ließ sich nicht nur an der kleiner werdenden Zahl der Würfe pro Spiel ablesen: Carter rückte ins zweite Glied, freundete sich mit der Rolle als sechster Mann und suchte sich seine Momente, da die Luft für 82 Spiele Vollgas schlicht nicht mehr reichte. Trotzdem entließen die Suns ihn nach dem Lockout 2011 aus seinem nur teilweise garantierten Vertrag.


Danke, Rick – Letztes Hurra in Dallas
Die neue Herausforderung fand sich erneut in der Western Conference: Das Front Office der Dallas Mavericks hatte nach dem ersten Titelgewinn im Sommer die Entscheidung getroffen, mit einem neuen Kader die Titelverteidigung anzugehen – Carter unterschrieb für drei Jahre, wobei nur eines davon garantiert war und kehrte zurück an die Seite von Jason Kidd. Die Saison 2011/12 war die letzte, in der Carter in der Mehrheit der Spiele startete.

Früh zogen die Mavericks die Option aufs zweite Jahr, der inzwischen 35 Jahre alte Flügelspieler aber konnte in der positiv als Generation 33+ beschriebenen Mannschaft um den angeschlagenen Dirk Nowitzki sowie die ebenfalls nicht jünger werdenden Jason Terry, Shawn Marion sowie Kidd das glatte Erstrundenaus gegen die jungen Oklahoma City Thunder nicht verhindern. Die auf 66 Spiele verkürzte Saison nach dem Lockout war mit ihrem straffen Zeitplan nicht gemacht für ein altes Team wie Dallas.

Auch die Spielzeit 2012/13 stand für Carter und die Mavericks unter keinem guten Stern: Nowitzki verpasste 29 Spiele und die Neuzugänge Darren Collison und OJ Mayo brachten nicht das, was sich Coach Rick Carlisle erhofft hatte: Die Bilanz von 41-41 verdonnerte die Mavericks erstmals seit der Saison 1999/00 zum Zuschauen nach 82 Spielen.

Carter selbst stand in 81 Partien auf dem Feld, in 25.8 Minuten erzielte er dabei 13.4 Punkte bei Quoten von 43.5 Prozent aus dem Feld sowie 40.6 Prozent von der Dreierlinie – erstmals seit 2004/05 stand wieder eine 40 vor dem Komma. Carter schärfte in diesen beiden Jahren in Texas sein neues Profil als sechster Mann, als erster Scorer von der Bank kommend. Der Dreier nahm nun eine wesentlich größere Rolle in seiner Wurfauswahl ein, gleichzeitig traf er diesen in Dallas über Karrieredurchschnitt.

2013/14 war, aus heutiger Sicht, wohl die letzte Saison mit Vince Carter als relevantem und gutem Teil einer NBA-Rotation. 11.9 Punkte bei 40.7 Prozent aus dem Feld sowie 39.4 Prozent von jenseits der 7.24m, ein Plus auch in vielen erweiterten Statistiken. Und: Trotz der wesentlich kleineren Rolle als in all den Jahren zuvor, gelang es Carter, mit 162 erfolgreichen Dreipunktwürfen seinen eigenen Karrierebestwert aus der Saison 2000/01 einzustellen. Seinen vorerst letzten großen Moment hatte Carter in der Erstrundenserie gegen den späteren Champion, die San Antonio Spurs.


Keine zwei Sekunden noch auf der Uhr, zwei Punkte hinten, fing Carter den Ball in der linken Ecke – Wurffinte, dann rein das Ding: Zum einzigen Mal in diesen Playoffs lagen die Spurs hinten, nur die von Rick Carlisle gecoachten Mavericks brachten die Spurs in sieben Spielen an den Rand des Ausscheidens. Ich saß mit zwei Freunden mitten in der Nacht vor dem Fernseher, vermutlich hat auch der ein oder andere Nachbar unsere Jubelschreie vernommen. Auch Carlisle ist es zu verdanken, dass Carter im Herbst seiner Karriere noch einmal im Blitzlicht auftauchte. 

Ziellinie in Sicht
Als Free Agent unterschrieb Carter im Sommer 2014 seinen vermutlich letzten Mehrjahresvertrag bei den Memphis Grizzlies. Über seine sportlichen Leistungen für die Franchise aus Tennessee aber hüllen wir an dieser Stelle lieber den Mantel des Schweigens. Sagen wir es so: Die Finish Line, die Ziellinie, sie ist in Sichtweite für Vince Carter.


Was also bleibt? Air Canada, Vinsanity, Half Man Half Amazing: YouTube und Co sei Dank, werden seine Dunks im Spiel sowie im legendären Slam Dunk-Contest des Jahres 2000 weiterleben. Carter war der erste Superstar der Toronto Raptors, der erste Spieler, der der heute einzigen kanadischen Franchise zu Relevanz verhalf und sie ins Scheinwerferlicht rückte.

Carter ist einer der Superstars, die in vielen in den 1990er Jahren geborenen Fans die Begeisterung für die NBA entfachten, einer der vielleicht ersten Superstars auch, die von Social Media und überhaupt der Verbreitung des Internets profitierten. Die Finalteilnahme und damit auch ein NBA-Titel blieb ihm Zeit seiner Karriere verwehrt. Auch jetzt in Memphis wird das aller Voraussicht nach so bleiben.

Trotz dieses kleinen Makels aber ist Carter ein Beispiel für die gelungene Wandlung vom Superstar zum Rollenspieler. Hatte er über Jahre hinweg seine Teams angeführt und offensiv getragen, verstand und versteht er es im höheren Basketball-Alter, zurückzutreten und sich seine Momente und Spots auf dem Feld zu suchen - statt verzweifelt zu versuchen, wie in jüngeren Jahren das Spiel zu dominieren. Dass ihn zudem Dirk Nowitzki nach seinem Dunk im All-Star-Game 2014 mit einer Reminiszenz im Jubel ehrte, spricht für den positiven Einfluss, den der in wenigen Wochen 39 Jahre alte Profi auch neben dem Feld und in der Kabine auf sein Team hat.

Sein wohl größtes Vermächtnis aber ist und bleibt die Wiederbelebung des Slam Dunk-Contests: Seit dem Jahr 2000 ist dieser wieder ein Highlight jedes All-Star-Wochenendes, 2013 „zitierte“ Terrence Ross im Retro-Jersey mit der Nummer 15 den legendären Tomahawk-Dunk von Carter. Und für all diejenigen, die für diese lebende Legende immer ein bisschen Zeit haben: Vince Carter at his very best, im Jahr 2000.