02 Dezember 2015

2. Dezember, 2015


Während bekannte Top-Talente wie Victor Oladipo, Giannis Antetokounmpo, Nerlens Noel und Jabari Parker die angesagten Breakout-Kandidaten sind, fliegen andere Youngster ein bisschen tiefer unter dem Fan-Radar. Noch. NBACHEF stellt euch in unserer 'Don't Sleep' Reihe eine Handvoll Spieler vor, die in dieser Saison einen großen Leistungssprung machen werden. 

von MARC LANGE @godzfave44

"I’m a guy that works hard and has a real passion and love for the game. I don’t care about the money. I just love playing basketball because that’s all I did growing up. I love to compete and get better every day."

Will Bartons Antwort auf die Frage, warum er 2012 unbedingt gedraftet werden sollte, lässt die Herzen aller Basketballromantiker höher schlagen. Doch nicht nur das: Statt leerer Phrasen zu dreschen nahm der mittlerweile 24-Jährige speziell den letzten Teil seines Plädoyers äußerst ernst und entwickelte sich trotz schweren Weges zu einem respektablen Shooting Guard in der NBA, der den Höhepunkt seines Schaffens noch lange nicht erreicht hat.

Vor seiner NBA-Karriere durchlebte Barton eine vielversprechende High School und College Phase. Er fiel in den meisten Scouting Reports äußerst positiv auf und galt als Talent mit NBA-Potenzial. Mehrere Colleges wollten den damaligen sechstbesten Spieler des 2010er Jahrgangs für sich gewinnen. Am Ende entschied sich Barton für die Memphis Tigers. Obwohl dieses College nicht für die Massenproduktion von NBA-Superstars bekannt ist, hängen in der heimischen Spielstätte immerhin die Trikots der Alumni Derrick Rose und Anfernee „Penny“ Hardaway. 


Der drahtige Barton, 1,98 Meter bei 79 Kilogramm Körpergewicht, absolvierte jedes Spiel in seiner Freshman Saison und führte die Tigers direkt bei den Minuten und Punkten an. Immer mit von der Partie war übrigens sein jüngerer Bruder Antonio, der allerdings bis heute noch auf eine Chance in der NBA wartet. 

Nach einem soliden ersten Jahr sollte Will in seiner Sophomore Saison der absolute Durchbruch gelingen: Neben 18.0 PPG griff sich Barton zudem hervorragende 8.0 RPG, eine seiner großen Stärken. Zudem gewann er den Titel Conference USA Player of the Year. Damit war er der erste Memphis-Spieler seit Chris Douglas-Roberts, der diesen Titel 2008 gewinnen konnte. Spätestens zu diesem Zeitpunkt landete er auch in den Notizzetteln der NBA-Scouts.
  
Der Traum zerbröselt
Im März 2012 entschied sich Barton schließlich, seine letzten beiden College-Jahre vorzeitig abzubrechen und sein Glück in der NBA zu versuchen. Eine riskante Entscheidung, die belohnt werden sollte. In der zweiten Runde bzw. mit dem 40. Pick sicherten sich die Portland Trail Blazers die Rechte am jungen Shooting Guard. 

Bartons Traum von der Profikarriere schien sich zu erfüllen, doch ganz so einfach sollte es für ihn nicht werden. Am 7. Dezember desselben Jahres wurde er in die D-League abgeschoben. Zwei Tage später wurde er wieder zu den Blazers geordert, nur um sich kurz darauf wieder bei den Idaho Stampede wiederzufinden. Dieses Hin- und Her-Spiel sollte sich bis zum 9. Januar 2013 hinziehen. 

Die Folge: inkonstante Leistungen – vorausgesetzt Barton sah überhaupt Minuten. Erst im April kam er auf regelmäßige Einsatzzeit. Summa summarum wäre „durchwachsen“ noch ein sehr freundlicher Ausdruck für Bartons Statistiken während seiner Rookie Saison: 38% aus dem Feld, 13% von Downtown, für 4 Punkte und 2 Rebounds im Schnitt. Urgh. 

In der Folgesaison sank seine Spielzeit von 12.2 auf 9.4 MPG bei leicht verbesserten Wurfquoten. Bartons Rolle bei den Trail Blazers wurde kleiner und kleiner. Auch aufgrund von Verletzungen stand der Baltimore-Native in seiner zweiten Spielzeit nur noch 41 Mal auf dem Parkett. Trotzdem schien noch nicht alles verloren. 

Am 26. Februar 2014 gegen die Brooklyn Nets etwa kam der schmächtige Swingman auf 20 Punkte und elf Rebounds, ließ sein Potenzial kurz aufblitzen. Begeistert von seiner energetischen Spielweise feierte ihn die Halle nach dem Spiel. „Will Barton! Will Barton! Will Barton!“. Auf die spontanen Gesangschöre angesprochen sagte er lediglich: „I like to think I’m the people’s champ.“

You smell what Barton is cooking? 
Es war ein kleiner Befreiungsschlag, wie sich herausstellen sollte. In den Playoffs erhielt Barton endlich eine etwas größere Rolle im Team - Vertrauen, das er unter anderem mit 17 Punkten und sechs Rebounds in Spiel 4 der Halbfinalserie gegen die San Antonio Spurs zurück zahlte. Trotz allem stand nach drei Jahren in Portland fest: Ein Tapetenwechsel würde allen Beteiligten gut tun.


Am 19. Februar 2015 war es soweit: Die Blazers und Denver Nuggets tüftelten kurz vor der Deadline einen Trade aus, der den 24-Jährigen nach Colorado schickte. Barton, der sich seine bisherige Karriere über eigentlich weniger auf seinen Wurf verlassen konnte und eher als Slasher zur Geltung kam, sollte sich in Denvers schneller Offensive (zumindest theoretisch) pudelwohl fühlen. Zudem bekamen die Nuggets einen dringend benötigten, starken Flügelverteidiger.  
  
Und tatsächlich hätten es sich die Verantwortlichen aus Denver nicht besser ausmalen können. Barton erhielt in der Mile High City mehr als doppelt so viel Spielzeit wie in Portland und zeigte in den letzten 28 Spielen der Saison eindrucksvoll, weshalb.

Er spielte wie entfesselt und stellte mit 11 Punkten, 44% Feldwurfquote, 4.6 Rebounds, 1.9 Assists und 1.2 Steals neue Karrierebestwerte auf. Die Vertragsverlängerung zur neuen Saison war danach nur noch Formsache. Übrigens zu einem überschaubaren Salär von 10 Millionen Dollar über drei Jahre. Soviel zum Thema „I don’t care about money“. 

Sky's The Limit
Nach schwachem Start in der NBA, wenig Spielzeit und mehreren Aufenthalten in der Entwicklungsliga hat der 'People’s Champ' jedoch nie sein Credo aus den Augen verloren: „I love to compete and get better every day“. Diese Einstellung hat er auch in die aktuelle NBA-Saison mitgenommen.


Bester Beweis: Barton hat in dieser Saison seinen Dreipunktewurf nicht nur verbessert, sondern komplett revolutioniert: Während der Swingman in seinen ersten drei Saisons nur einmal knapp über 30% von Downtown traf, sind es in dieser Saison hervorragende 42,9%.

Barton hat sein Spiel neu erfunden und ist nicht mehr nur das aggressive Fastbreak Monster mit knüppelharter Defense. Dass er zudem in der aktuellen Saison mit nur knapp 27 Minuten Spielzeit (26.8 MPG) erneut in jeder Kategorie Karrierebestwerte auflegt, zeigt wie stark verbessert der Flügel ist.

Auch ein Blick auf sein Per-36 Minutes Rating gibt nicht nur Aufschluss darüber, wie wertvoll er für die Nuggets sein kann, sondern auch für die ein oder andere Fantasy Liga: Mit umgerechnet 17.8 Punkten, 7.2 Rebounds, 2.6 Assists und 1.6 Steals pro Abend ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis Barton permanent den Sprung in die Startformation der Nuggets schafft und sich endgültig in der Shooting Guard Elite der NBA etabliert.