21 Dezember 2015

21. Dezember, 2015


Während bekannte Top-Talente wie Victor Oladipo, Giannis Antetokounmpo, Nerlens Noel und Jabari Parker die angesagten Breakout-Kandidaten sind, fliegen andere Youngster ein bisschen tiefer unter dem Fan-Radar. Noch. NBACHEF stellt euch in unserer 'Don't Sleep' Reihe eine Handvoll Spieler vor, die in dieser Saison einen großen Leistungssprung machen werden.

von PHILIPP LANDSGESELL @Phillyland

Anders als der Großteil der heutigen NBA-Spieler kommt Kyle O’Quinn von keinem der üblichen, bekannten Basketball-Colleges, sondern von der Norfolk State University, einer kleinen Division I Schule. Neben O’Quinn schafften nur vier Spieler von dieser Uni den Sprung in die NBA und ABA. 

Größeres nationales Aufsehen erregten die Norfolk State Spartans 2012, als sie zum ersten Mal seit ihrem Bestehen das NCAA Tournament erreichten und für eine riesige Überraschung sorgten. In einem Upset schlug das Team - angeführt von einem überragenden O’Quinn - die hoch favorisierten, an Nummer zwei gesetzten Missouri Tigers. Es war der Tag, an dem der Name Kyle O’Quinn mehr als nur den Fans der Spartans ein Begriff wurde. 

Vier Jahre verbrachte er an der Uni, seine Statistiken (13 Punkte und 9 Rebounds pro Spiel) waren solide, rissen aber keinen NBA-Scout vom Hocker. Die Orlando Magic gaben O’Quinn eine Chance und zogen ihn an 49. Stelle aus dem Draft 2012. 

Der perfekte Teamkollege
O’Quinn schaffte den Sprung in den Kader der Magic, lief drei Jahre für Orlando auf. 5,4 Punkte, 4,4 Rebounds und 0,9 Blocks pro Spiel legte er während seiner Zeit dort auf, durfte im Schnitt aber gerade einmal 15 Minuten pro Partie ran.

Anstatt sich über seine fehlende Spielanteile zu beklagen, versuchte er sich abseits des Parketts einzubringen. Er ist der perfekte Teamkollege, ist die positive Stimme im Locker Room, motiviert, hält das Team zusammen. Nicht so einfach, wenn eine Mannschaft in drei Jahren 208 Partien verliert, wie Orlando in O’Quinns Zeit dort. So gut er sich in der Umkleidekabine auch verhielt, seine Minuten veränderten sich nicht.

Die Mitspieler liebten ihn, der Coaching Staff ignorierte ihn. Dabei lasen sich seine Statistiken auf 36 Minuten hochgerechnet mehr als ordentlich: 13 Punkte, 10.6 Rebounds, zwei Assists, zwei Blocks. In Orlando wurde ihm diese Chance trotzdem meist verwehrt, obwohl sein Spiel viel zu bieten hat.


Defense First 
In der vergangenen Saison war O’Quinn der zwölftbeste Ringbeschützer der Liga (Minimum 40 Spiele). Die Gegenspieler trafen gegen ihn nur 46% ihrer Würfe am Ring. Er befand sich damit in einer Liste mit den besten Ringbeschützern der Liga, wie Rudy Gobert, Andrew Bogut, Serge Ibaka oder Nerlens Noel.

Doch nicht nur am Ring ist er ein effektiver Verteidiger. Auch seine Verteidigung bei Isolationen seines Gegenspielers und gegen das Pick & Roll ist überdurchschnittlich gut. 

In der Offensive sticht vor allem seine Passfähigkeit heraus: O’Quinn ist einer der besten Big Men, wenn es um das Passen geht. Wie viele Bigs sind in der Lage, einen solchen Pass an den Mann zu bringen? O’Quinn sieht den Raum auf dem Feld wie kaum ein anderer Big Man.

Es dürfte seinen Pass-Fähigkeiten sicherlich enorm geholfen haben, dass er jahrelang als Catcher Baseball gespielt hat und die Fähigkeit, genaue Pässe an den Mann zu bringen, zum Basketball übertragen konnte. 

Glue Guy & Locker Room Guy
Auch seine Präsenz in der Umkleidekabine wird eine Rolle gespielt haben, warum Phil Jackson und Derek Fisher ihn im Sommer nach New York holen wollten, nachdem es in der vergangenen Saison immer wieder Berichte über Probleme in der Knicks-Umkleide gegeben hat.

O’Quinn hat ein interessantes Gesamtpaket. Er verteidigt gut, beschützt den Ring und kann in der Offensive vom Perimeter das Spiel beeinflussen, entweder durch seinen soliden Mitteldistanzwurf oder durch seine Passfähigkeiten. Außerdem trifft er über 70 Prozent seiner Freiwürfe. 

Das Hauptproblem: O’Quinn kann vieles solide, aber außer das Passen kann er nichts überdurchschnittlich gut. Deswegen werden ihm immer wieder talentiertere Spieler vorgezogen. Erst in Orlando, und nun schon wieder - in New York. 


Neuanfang in New York... mit Déjà-vu
Nach einer unruhigen Zeit in Orlando mit nur 51 absolvierten Spielen musste eine Veränderung her. Im Sommer unterschrieb O’Quinn einen Vierjahresvertrag für 16 Millionen Dollar bei den runderneuerten Knicks, in seiner Heimatstadt New York. O’Quinns Präsenz auf und neben dem Platz sollte den Knickerbockers wieder Rückhalt und Identität geben.

Auf den ersten Blick passen er und seine Spielweise perfekt in den Madison Square Garden. Ein harter, ehrlicher Arbeiter, der es versteht. den Ball in der Offensive laufen zu lassen. Vor allem seine Passfähigkeiten sind maßgeschneidert für die Triangle der Knicks. 

O’Quinn wird sich seine Anfangszeit in NYC vielleicht anders vorgestellt haben, die Situation ähnelt sehr seiner Zeit bei den Orlando Magic. Hinter den Frontcourt-Startern Robin Lopez, Kristaps Porzingis und Carmelo Anthony bleibt nicht viel Spielzeit übrig - der gebürtige New Yorker muss sich mit den anderen Neuzugängen Derrick Williams und Kevin Seraphin um die Restminuten streiten. 

Immerhin scheint sich in den vergangenen Spielen etwas zu tun. O’Quinn ist der erste Backup-Big von der Bank. In den letzten fünf Partien legt er 7,8 Punkte, 6,7 Rebounds und 2,1 Assists pro Spiel in gerade einmal 18,1 Minuten auf.

Der bullige Big Man wird weiterhin das tun, was ihn als Basketballer auszeichnet: ein überragender Teamkollege sein, der sich Bällen hinterher schmeißt, uneigennützig spielt und hart verteidigt. Solche Typen setzen sich auf Dauer durch. Es scheint nur eine Frage der Zeit, ehe O’Quinn in New York mehr Spielzeit sehen wird.