03 Dezember 2015

3. Dezember, 2015


von PETER DREWS @Pony1990

Utah steht nach 16 Spielen mit einer Bilanz von 8-8 da und tummelt sich damit im Mittelfeld der Western Conference. Dies ist vor allem der elitären Verteidigung rund um Rudy Gobert und Derrick Favors zu verdanken. Dagegen läuft es in der Offense nicht rund. Zwar ist es erst Anfang Dezember, aber ein gewisser Trend ist bereits jetzt zu erkennen.

In den ersten 16 Partien konnte Utah nur vier Mal die magische Zahl von 100 Punkten knacken – davon drei Mal in den letzten vier. Mit nur 96,0 Punkten pro Spiel liegt das Team vom Salzsee an drittletzter Stelle. Wieso ist diese Mannschaft kein Kandidat für die Lotterie, wenn nur die Philadelphia 76ers und Brooklyn Nets noch weniger punkten?

Mit nur 94,8 Ballbesitzen pro Spiel tanzt Utah fast schon gewohnt den langsamsten Jazz der Liga. Da dies aber bekanntlich noch lange nichts über eine gute oder schlechte Offensive aussagt, wird das Offensiv-Rating (Punkte pro 100 Ballbesitze) bemüht. 

Dort liegt Utah mit 100,8 im Mittelfeld der Liga und macht deutlich, dass er trotz langsameren Spielstil und weniger erzielten Punkten insgesamt dennoch effizienter agiert als andere Mannschaften mit höherem Tempo. 

Beispiel gefällig? Die New Orleans Pelicans, eines der schnellsten Teams der Liga und einer von Utahs Hauptkonkurrenten im Kampf um einen Playoff-Platz im Westen, weisen einen enorm hohen Pace-Wert von 100,49 auf. Das sind pro Spiel knapp sechs Ballbesitze mehr als Utah. Dennoch kommen die Pelicans nur auf ein OffRtg von 101,0, erzielen also trotz viel mehr Ballbesitzen die gleiche Anzahl an Punkten.



Wirft man einen Blick auf das vorhandene Spielermaterial, stellt der Betrachter fest, dass Utah ein scorender Point Guard gut zu Gesicht stehen würde. Durch den langfristigen Ausfall von Dante Exum startet Raul Neto auf der Eins. Zwar konnte er in einigen Spielen sein Potenzial andeuten und durchaus ein cleveres Spiel nachweisen, allerdings überwiegen in der Offensive die unglücklichen Momente. 

Der Brasilianer muss im Spiel nach vorne deutlich mehr auf seine eigenen Fähigkeiten vertrauen. Er setzt selten zum Drive an (2,8 pro Spiel), sein Schuss aus der Mitteldistanz will nicht fallen und aus dem Pick & Roll kann er nur 0,54 Punkte generieren. In 17,8 Minuten pro Spiel nimmt er insgesamt nur fünf Würfe und erzielt magere 4,3 Punkte – für einen NBA Point Guard eindeutig zu wenig. 

Dazu kommt, dass Rudy Gobert in der Offensive viel zu limitiert ist und sein Spiel nur aus Korblegern und verwandelten Alley Ops besteht. Ganze acht Jumpshots versucht er bisher... und traf nicht einen. Sein offensiver Radius liegt bei einer Korbentfernung von 1,52 Metern. In der Restricted Area trifft er 59 Prozent seiner Würfe – geht es weiter in die Entfernung, ist sein Wurf quasi nicht mehr existent. 


Im Vergleich zu anderen Centern in der Liga nimmt Gobert extrem wenige Würfe (nur 6 FGA pro Abend) - eben weil er und Utah wissen, dass er nur direkt am Ring abschließen kann. In der Offensive kann man ihm außer seinem Rebounding eigentlich nur zugute halten, dass er als Blocksteller einen guten Job macht und entweder hart zum Brett rollt oder seine Kollegen nach seinen Schirmen hochprozentig treffen. 

Allerdings wird Gobert in naher Zukunft nicht an seinem Offensivspiel arbeiten können, da er sich am Mittwoch im Training das Knie verstaucht hat. Wie lange er ausfällt, ist noch unklar und wird vom MRT abhängen. Sicher ist aber, dass Utah trotz seiner kleinen Rolle in der Offensive erhebliche Einbußen zu beklagen haben wird. 



Zum Glück existieren offensiv auch Lichtblicke. Mit Derrick Favors haben die Jazz einen Spieler, dessen Namen man sich unbedingt merken sollte. Der 24-jährige Power Forward überzeugt in der Defensive zusammen mit Gobert als eines der gefürchtetsten Duos, wenn es um das Beschützen des eigenen Rings geht. Auch vorne weiß der Big Man allerdings zu überzeugen. 

Stellt Favors einen Block für seine Mitspieler, landet der Spalding danach zu 59 Prozent im Korb des Gegners. Auch sein Post Spiel ist extrem solide: in seinen 15 Spielen bisher in dieser Saison ging er 56 Mal in den Post (Top 20 Wert in der NBA) und erzielte dort 0,98 Punkte pro Ballbesitz.

Auch aus der Mitteldistanz trifft Favors sehr solide, was ihm im System von Head Coach Quin Snyder zur wichtigsten Angriffsoption macht. Beachtlich ist auch seine Effektivität am offensiven Brett. Nach einem Rebound trifft er zwei Drittel seiner Würfe per Putback - auch hier spielt er bei den ganz Großen dieser Liga mit.  


Gordon Hayward, der letztes Jahr in der Diskussion um einen All-Star Platz stand, kommt langsam ins Rollen. Der Small Forward genießt das Vertrauen der Mannschaft und hat in dieser Saison die meisten Schüsse auf den gegnerischen Korb losgelassen. In den letzten sechs Spielen ist auch sein Dreier aufgewacht, den er zu 48 Prozent trifft. Beim Sieg gegen die L.A. Clippers konnte er an die Leistungen des vergangenen Jahres anknüpfen und seine Mannschaft mit 33 Punkten (5 von 7 Dreier) zum Sieg führen.





Von der Bank erhalten die Jazz Hilfe von Shooting Guard Alec Burks, der letztes Jahr aufgrund einer Schulterverletzung fast die komplette Saison verpasste, sich in diesem Jahr aber eindrucksvoll zurückgemeldet hat. Begann er die letzte Spielzeit noch als Starter, bekommt er nun 28,2 Minuten von der Bank, in denen er 15,4 Punkte pro Spiel erzielt. Burks kann sein Spiel durchaus variieren und dient nicht nur als Spot up Shooter an der Dreierlinie, sondern kann auch per Drive am Ring abschließen. Lediglich an seinem Wurf aus der Mitteldistanz muss er arbeiten.

Mit Rodney Hood als Starter und Trey Burke von der Bank kommend hat Utah zwei weitere verlässliche Guards, die solide ihren Wurf treffen und das Playmaking beherrschen. Der Rest der Bank lässt in der Offensive viel zu wünschen übrig. Der Australier Joe Ingles blieb während vier Spielen ganz ohne Dreier - er versuchte es allerdings auch nur vier Mal.

Trevor Booker überzeugt mehr in der Defensive durch seine Körpersprache. Vom Rookie Trey Lyles kann man nicht erwarten, dass er die zweite Garde anführt. Ihm merkt man an, das er sich an das Tempo und die spielerische Klasse seiner Gegenspieler erst noch gewöhnen muss. Auch er kann bisher nur in Korbnähe abschließen. 

Utah fehlt in der Starting Five mindestens ein guter, zuverlässiger Scorer. Vielleicht sogar zwei. Wann immer Gobert und Neto zu lange zusammen auf dem Feld stehen, leidet das Offensivspiel der Mannschaft enorm. Sobald Hayward oder Favors eine Pause brauchen, schläft der Angriff ein. Von der Bank kommr nicht genügend Offensivkraft, einzige Trey Burke und Alec Burks können dort für dauerhafte Gefahr sorgen.

Dies war bereits in einigen Spielen dieser Saison ersichtlich, als Utah eine zweistellige Punkte Führung leichtfertig verschenke und dem Gegner so unnötig zurück ins Spiel verhalf. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Verletzung von Gobert auf das gesamte Spiel der jungen Mannschaft auswirkt.