19 Dezember 2015

19. Dezember, 2015


'5-Second-Violation' ist unser neuer, monatlicher-oder-so Newsletter, der euch in unregelmäßigen Abständen erschreckende Entwicklungen, unpopuläre Meinungen und einen Eimer voll Hass liefert - ohne Rücksicht auf Verluste, political correctness oder Live-Ball Turnovers.

von ROMAN SCHMIDT @sch_rom

Charlotte Hornets Weltmacht
Die Charlotte Hornets sind das zweitbeste Team im Osten. Hier sind die Teams, die ein besseres Net Rating (Differenz von offensiver Leistung pro 100 Ballbesitze minus defensive Leistung pro 100 Ballbesitze) haben als die Hornissen: Golden State, San Antonio und Oklahoma City. Das war’s.
„Was? Bestes Net Rating im Osten?!“

So ist es. Hier springen mir natürlich bereits die Fans mehrerer Franchises an den digitalen Hals. Über die Hornets hat Seb bereits berichtet. Darum lasst mich Toronto, Miami und Detroit abfrühstücken.

Ich renne bei Anhängern der Raptors offene Türen ein. Die Offensive der Kanadier besteht zu großem Teil aus unorganisierten Einzelaktionen. Hier und dort ein Pick & Pop mit Luis Scola (!!), ein Kickout zu Carroll in der Ecke. Und anschließend nehmen DeRozan oder Lowry schwere Würfe.

Die Raptors haben Glück, denn Kyle Lowry spielt bislang die Season seines Lebens. Sein Gewichtsverlust hat ihm so gut getan, ich weiß nicht, wieso ihn nicht längst Gesundheitsverbände engagiert haben. „Nehmen Sie ab und werden Sie zum All-Star, genau wie Kyle Lowry!“ Aber kommt schon, ich dachte wir hätten geklärt, dass solche Teams in der heutigen NBA nicht mehr gewinnen können. Und auch die Zahlen sprechen für den Einzelleistungs-Eyetest. Die Raptors erzielen die wenigsten Assists pro Spiel. Sie sind vorletzter bei der Assist-Quote. Knapp vor…

… den Detroit Pistons. Ich habe schon kotzen müssen, als vor Jahren die Orlando Teams um Dwight Howard das nächste große Ding waren. Und die Pistons sind ein Abklatsch ebenjener Orlando Magic. Nur, dass Andre Drummond eben (noch?) kein Dwight Howard ist. Mittelmäßiger Ringbeschützer (unter Starting Centern nur im unteren Mittelfeld), schwacher Post-Verteidiger und in der Offense jenseits von Pick & Roll nicht zu gebrauchen. Dass Dre eine Naturgewalt ist, will ich ihm gar nicht abstreiten. Aber die Pistons sind in jeder Statistik, die mit Assists zu tun hat, so schwach, dass es auf Dauer einfach nicht zu Erfolg führen kann. Und diese Rückenhaare, ewwww.


Bleiben also noch die Miami Heat. Miami hat das Potenzial etwas ganz Besonderes zu sein. Toller Center, ein Dragic/Wade Backcourt und Chris Bosh auf seiner Lieblingsposition. Aber sie haben einfach keinen verdammten Zentimeter Raum für sich. Wenn der einzige, der ein wenig für Spacing sorgt dein Power Foward ist, dann ist das ein Problem. Das ist tatsächlich das einzige, was die Heat zurück hält. Ihre Dreipunktewerte sind auf Memphis Grizzlies Niveau und schlechter als die der Sixers. Wenn du so wenig Platz hast, fällt vor allem in den Playoffs das Atmen sehr schwer.
Die Haaks beachte ich nicht einmal, um Anno zu ärgern. Einen Case für die Pacers kann man eröffnen, aber ich werde es nicht tun.

Nachdem Big Al Jefferson wegen wiederholten Konsums nicht NBA-gerechter Pflanzen eine Sperre für fünf Spiele erhalten hat, werden die stechenden Insektenviecher aus Charlotte erst einmal einen Backseat nehmen. Coasting ist angesagt. Ein wenig außerhalb des Scheinwerferlichts zu stehen, tut diesem Team wahrscheinlich ohnehin am besten. Das einzige, was dieses Team wirklich daran hindert, eine anerkannte Macht zu sein, ist ein fehlender Defense-Cyborg à la… ich weiß nicht. Michael Kidd-Gilchrist?


Jacke wie Bulle
Wie die Chicago Bulls von einem defensiven Bollwerk zum offensiven Feuerwerk der NBA wurden, war schon beachtlich. Mirotic bekam carte blanche und konnte sich bei mehr Dreiern versuchen als ERGO Topversicherungsvertreter in Brasilien. Und Derrick Rose hat den Playmaker in sich wiederentdeckt, wobei er spielerisch das rote Ballett auf dem Platz dirigiert.

Begeben wir uns kurz aus diesem Paralleluniversum hinaus, sehen wir das komplette Gegenteil. Mit Fred Hoiberg, der als offensiver Messias versprochen wurde, hat sich dieses Team in keinster Weise verändert. Bottom-5 in der Offense, Top-3 in der Defense. Derrick Rose darf, wie in guten alten Thibodeau-Zeiten, ohne Konsequenz jeden Wurf an den Ring setzen.


Das Team passt sein abendliches Niveau weiterhin dem Gegner an (Skala nach oben und unten offen). Und Mirotic sitzt zugunsten von Taj Gibson auf der Bank. Nochmal zum Mitschreiben: Die Offense ist unter Hoiberg schlechter als im letztem Jahr unter Thibs! Möglicherweise sollte man sich eingestehen, dass Chicago keine System-, sondern Spielerprobleme hat.


Lanze/Keine Lanze
Lanze für Kobe
Wenn ich schon bei den Bulls bin, kann ich auch eine Lanze für Kobe brechen. Kobe Bryant spielt keine schlechtere Season als Derrick Rose. Derricks effective Field Goal Percentage erreicht nicht einmal die 40%. Bis auf Turnovers ist das Team statistisch in jeder Hinsicht besser ohne ihn. Er liefert dem Frontoffice derzeit sehr viele Argumente, ohne viel Aufsehen einen Hometown-Hero in der Free Agency ziehen zu lassen.
Keine Lanze für Rondo
Was muss dieser Mensch noch tun, damit die gesamte Basketballwelt erkennt, was für ein gigantischer Arschkrebs er ist? Die neuste Schlagzeile mit der Beleidigung des Referees ist nur ein weiteres Armutszeugnis in Rajons Lebenslauf.


Pelican or Pelican’t
Die Pelicans haben erhebliche Probleme. Dabei ist gar nicht das unausweichlich scheinende Verpassen der Playoffs gemeint. Die Aufgabe des Teams sollte sein, Anthony Davis so glücklich zu machen, wie möglich. Einen Spieler seines Kalibers musst du erst einmal in New Orleans halten. Ein, zwei Jahre ohne Playoffs und schon werden Superstars plötzlich unruhig. In NO sollte man sich vorsehen.


Dinosaurier im toten Winkel
Irgendetwas ist am 28. November passiert. Denn wenn die Spurs seit diesem Tag ein Spiel gewonnen haben, dann meist mit mindestens 20 Punkten Unterschied. In diesem Zeitraum sind das mehr Siege mit mindestens 20 Punkten Vorsprung als Golden State, Cleveland und Chicago zusammen (!) auf dem Konto haben.

Während die Welt den Basketballgöttern aus Golden State frönt, bringen die spurs'schen Schamanen jeden Abend totgeglaubte zurück ins Reich der Lebenden. In einem fließenden Prozess wurde das Team in Kawhi Leonards riesengroße Hände gelegt. Und ganz nebenbei liefert ebendieser eine MVP-Saison vom Feinsten ab. Lasst die Spurs ruhig im Schatten der Warriors stehen. Aber wenn das Monster letztendlich aus dem Dunkel tritt, sagt nicht, niemand hätte euch gewarnt.


Technical Foul: Buck your streak!
Die Serie der Warriors zu brechen, wird Milwaukees einziges Highlight 2015/16 bleiben.