19 November 2015

19. November, 2015


Boston wollte sich nach zwei durchwachsenen Wochen zum Start in der Tabelle nach oben schieben. Der Zeitpunkt schien angesichts des schwerer werdenden Spielplans ungünstig. Die Celtics überraschten.

von WOLFGANG STÖCKL @WStckl

Mit einer 3-4 Bilanz gingen die Celtics in das schwere Heimspiel gegen die Atlanta Hawks, die bis dato erst zwei Spiele verloren hatten. Das Duell war insofern auch interessant, da die Kelten oft als Baby-Hawks bezeichnet werden, da sich Spielanlage und Philosophie beider Teams durchaus ähneln.

Zu Beginn zeigte sich aber, dass das Team aus Atlanta schon etwas weiter ist, zumindest in der Offensive. Der Ball lief flüssig durch die Reihen der Hawks, besonders die großen Spieler Horford, Milsap und auch Splitter zeichneten sich durch eine hohe Spielintelligenz aus und trafen immer wieder die richtigen Entscheidungen, die zu guten Würfen führten. Die Hawks hatten die ganze erste Halbzeit eine leichte Führung, konnte sich aber nicht absetzen, da Boston zwar deutlich schlechter aus dem Feld warf, aber sich immer wieder den Offensivrebound sicherte.

Das setzte sich im dritten Viertel fort, zudem leistete sich Atlanta noch eine Reihe von Ballverlusten, und auf einmal führten die Celtics relativ deutlich. Die Hawks kamen vier Minuten vor Ende der Partie wieder heran, aber die Celtics drückten aufs Gaspedal und beendeten das Spiel mit einem 10-0 Lauf. Atlanta zeigte zwar das ganze Spiel eine reifere Spielanlage, aber sie waren bei den Hustle-Stats gnadenlos unterlegen. Boston hatte insgesamt 27 Wurfversuche mehr als die Hawks - das war letztlich spielentscheidend. 

Als nächstes stand eine kurze Reise für zwei Spiele gegen Oklahoma City und Houston auf dem Programm. In den letzten Jahren gab es dort immer teils herbe Packungen, aber diesmal sollte alles anders kommen. Die Thunder traten ohne ihren Star Kevin Durant an, starteten dennoch mit Vollgas in die Partie. Besonders Russell Westbrook war in den ersten Minuten sofort auf Betriebstemperatur und erzielte schnelle zwölf Punkte. Die Celtics liefen die ersten 2½ Viertel beständig einem teilweise zweistelligen Rückstand hinterher. Marcus Smart (26 Punkte, 9-14 FG, 8 Rebounds) war es zu verdanken, dass das Spiel nicht schon zur Pause gelaufen war.

Fünf Minuten vor Ende des dritten Viertels erhöhte Boston deutlich den Druck in der Defensive. Smart, Bradley und Crowder forcierten etliche Ballverluste (18) und schwierige Würfe der Thunder, besonders Johnson und Sullinger (15 Rebounds) versperrten den Weg in die Zone nahezu komplett und pflückten die Fehlwürfe der Thunder runter. Beide hatten großen Anteil daran, dass die Celtics sowohl das Duell an den Brettern gegen das bis dato beste Reboundteam der Liga gewannen (47-35), als auch die Zone dominierten (Points in the Paint: 42-28). Boston übernahm in den letzten 17 Minuten des Spiels komplett die Kontrolle und beendete es mit einem 38-15 Lauf. Westbrook (6-20 FG) hatten Smart und die Celtics gut im Griff.

In Houston, nur einen Tag später, setzte sich das fast schon übliche Muster fort: die Celtics starteten langsam in die Partie und lagen schnell mit 15 Punkten hinten. Die Beine wirkten müde, die Jumper waren oft kurz, die Verteidigung einen Schritt zu langsam. Aber: die Rockets im November 2015 sind eine seelenlose Gurkentruppe, daher benötigte es nur für die Grünen nur ein klein wenig mehr Einsatz und Härte in der Verteidigung, schon holten die Raketen die weiße Flagge heraus.


Bis zur Halbzeit war der Vorsprung der Rockets weg, im dritten Viertel  folgten etliche Ballverluste, so dass die Celtics einen einzigen Fast-Break laufen (16 Steals, 39 Punkte aus 22 Ballverlusten der Rockets) und ganz locker davon ziehen konnten. Anfang des vierten Spielabschnitts war die Führung der Kelten auf 30 Punkte angewachsen. Am Ende gab es einen 111-95 Erfolg gegen miserable Rockets - im übrigen das letzte Spiel von Kevin McHale als Coach in Houston. Die Celtics verbesserten ihre Bilanz auf 6-4 und kletterten zum ersten Mal seit 2013 zwei Spiele über .500.

Nach dem kurzen aber erfolgreichen Trip in den Westen ging es gegen den nächsten Angstgegner. Die Dallas Mavericks hatten neun der letzten zehn Spiele gegen Boston gewonnen, aber die Celtics zeigten anfangs, dass sie auch diese Serie brechen wollten. Angeführt von einem furiosen Avery Bradley, der im ersten Viertel zwölf Punkte (5-6 FG) erzielte, lag Boston schnell mit 17 Punkten vorne. Alle dachten, der nächste Blowout steht an. Aber die Mavericks sind nicht die Rockets, sondern eine erfahrene Truppe voller Veteranen.

Es war durchaus beeindruckend. mit welcher Ruhe die Mavs unbeirrt ihr Programm herunter spulten. Sie wussten genau, wie sie die Celtics knacken wollten. Nachdem Boston im ersten Viertel noch sehr gut von außen traf, kühlten das Team merklich ab. Bei Dallas dagegen wurde der Rhythmus in der Offensive mit jeder Spielminute besser. Äußerst clever setzten sie die Aggressivität der Kelten gegen sie ein, zogen vielen Fouls und kamen so zu leichten Punkten. Im Schlussviertel übernahmen die Mavs die Kontrolle und gewannen das Spiel.  

Läuft
  • Die Startformation kommt langsam in Fahrt. Zwar hat die jetzige Lineup immer noch ein Net-Rating von minus-3,3 aber die Tendenz zeigt nach oben. Zum Vergleich: die Formation aus den ersten Spielen lag bei minus-26,9 
  • Jared Sullinger ist gut in Form. Trotz weniger Spielzeit und geringer Usage sind seine Werte besser als je zuvor: 16,5 Punkte und 13,4 Rebounds pro 36 Minuten, bei 47% FG und 37% Dreier. 
  • Die Defensive ist weiterhin top! Platz drei beim Defensiv-Rating (95,5) und weiterhin klar auf Platz eins bei den Steals und den erzwungenen Ballverlusten
  • Viele zusätzliche Wurfchancen durch Offensiv Rebounds. Seit Sullinger in der Startformation steht, schoss das Team in diesen Rankings nach oben. Aktuell: Platz drei in der Liga
Muss besser werden
  • Die Dreier sind immer noch schlecht. Wenn die Celtics wenigstens 30% von draußen werfen, ist ihre Bilanz 5-2. Knacken sie nicht einmal diesen immer noch unterdurchschnittlichen Wert, lautet die Bilanz nur 1-3. 
  • Der Offensive von Smart fehlt die Konstanz. Starken Auftritten wie in Oklahoma City, in denen er nicht nur viel, sondern auf unheimlich variabel punktet und alles zeigt, was man sich von ihm erhofft, folgen Auftritte wie gegen Houston oder Dallas, in denen er kombiniert 2-18 aus dem Feld wirft. Bisher kommt er auf 33% FG und 24% Dreier. Das ist allerunterstes NBA-Niveau. Nur seinen unmenschlichen Defensivleistungen hat er es zu verdanken, dass er weiterhin in der Startformation stehen darf.  
Ausblick
Unterm Strich eine gute dritte Woche für Boston mit starken Auftritten gegen die Hawks und die Thunder, dazu ein lockerer Sieg gegen desolate Rockets. Ausgerechnet das auf dem Papier leichteste Spiel gegen Dallas wurde verloren. Aber gerade aus diesem Spiel und auch den Niederlagen gegen die Pacers müssen die richtigen Lehren gezogen werden.

In allen drei Spielen hatte der Gegner dieselbe Taktik: Das Tempo kontrollieren, keine frühen, schnelle Würfe, Zeit von der Schussuhr nehmen und damit die Defensive der Kelten möglichst lang arbeiten lassen. Dazu Ballverluste vermeiden und die Schnellangriffe von Boston verhindern. Dieser Matchplan wurde bisher drei Mal angewendet, alle drei Spiele verlor Boston. 

Auch bei den Distanzwürfen muss sich was tun, sonst fehlt den Celtics bald der Platz im „Pace and Space“ System von Stevens. Die Gegner werden bald die Zone zustellen und die Dreierlinie nicht mehr so aggressiv verteidigen. Mit den derzeitigen Leistungen von draussen werden sich die Celtics dann recht schwer tun, eine brauchbare Offensive auf den Platz zu bringen.

Die starke Defensive wird sie zwar oft im Spiel halten, aber um richtig gut zu werden, muss eine bessere Offensive her. Der Kader bietet nicht sehr viele Alternativen, aber mehr Minuten für RJ Hunter, der auf dem College ein echter Scharfschütze war, sowie Jonas Jerebko (2014/15: 42% Dreier, 2015/16: 39% Dreier), könnten die Quoten etwas nach oben bringen und die Verteidigung des Gegners wieder auseinanderziehen.