29 November 2015

29. November, 2015


Die zweite Spielwoche in der NCAA war ähnlich gut besetzt wie die erste, mit Upsets wie bereits in der Vorwoche. Im Zuge der vielen kleinen Turniere entblößten viele vermeintliche Topteams und Conference Contender Schwachstellen und mussten sich den Underdogs geschlagen geben. 

von AXEL BABST @CoachBabst

Ein besonders packendes Duell war dabei die Partie zwischen den Northeastern Huskies und den Miami Hurricanes, das der Underdog durch einen Buzzerbeater mit 78-77 gewinnen konnte.

Doch nicht nur das Ende war knapp. Die ganze zweite Halbzeit verlief wellenförmig und kein Team schien in den letzten Minuten die Kontrolle erlangen zu können. Selbst in der Schlussminute kippte das Momentum mehrfach. Am Ende konnte Northeastern durch eine Mischung aus taktischer Finesse, spielerischer Qualität und einer gewissen Portion Glück das Spiel klauen.

Northeastern konnte vor der Partie eine 4-1 Bilanz aufweisen, wobei noch keine großen Namen unter den Gegner zu finden waren. Dennoch ist Northeastern keinesfalls Laufkundschaft und der Sieg über Miami war auch nicht unvorhersehbar. Denn im Frühjahr konnten die Huskies die erste Qualifikation zum NCAA Tournament verzeichnen, in dem sie in der Auftaktpartie Notre Dame am Rande einer Niederlage hatten. 

Rückkehrer David Walker und Quincy Ford gehören zudem zu den besten Wings aller Low/Mid-Major-Teams. Selbst NBA Teams haben mittlerweile Notiz von den beiden genommen. Zudem ist die Offense der Huskies sehr ansehnlich und fußt auf uneigennützigem Teambasketball. 

Dennoch schien es im Vorfeld schwer vorstellbar, dass die Canes, die gerade in Puerto Rico Turniersieger geworden waren und dort Teams wie Utah und Butler teilweise deutlich in die Schranken gewiesen hatten, sich zu Hause besiegen ließen.

Neben der überzeugenden Art und Weise der bisherigen Siege sprach vor allem die Erfahrung und Reife des Kaders gegen eine realistische Chance auf eine Überraschung. Denn Angel Rodriguez, Sheldon McClellan und Tonye Jekiri waren bisher die Anführer, die sie sein sollten. Besonders Rodriguez war bisher von keiner Verteidigung zu halten und Jekiri konnte ungeahnte Offensivqualitäten an den Tag legen.


Grundstein in erster Halbzeit
Bereits in den Anfangsminuten wurde ersichtlich, dass sich Northeastern gute Chancen auf einen Sieg ausrechnete. Besonders Quincy Ford war gut aufgelegt und netzte direkt zwei Dreier ein, sodass NE schnell mit 8-0 führte. Miami agierte an beiden Enden des Feldes schläfrig und ohne Aggressivität. 

Dieses Bild der ersten Minuten hielt sich hartnäckig über fast die komplette erste Halbzeit, obwohl Ford sich noch in der Anfangsphase zwei Offensivfouls nacheinander einhandelte und lange Zeit auf der Bank sitzen musste. Die folgenden ausgewählten Szenen illustrieren eindrucksvoll, dass Northeastern das wachere und cleverere Team bis zum Seitenwechsel war.

Offensiv bestechen die Huskies durch eine Kombination aus Spacing, guten Entscheidungen und einem überragenden David Walker als Ballhandler.

Besonders im Pick & Roll attackierten die Gäste stark. Miami spielt in der Regel Hedge&Recover-Defense. Allerdings konnten die Ballhandler der Huskies gegen den Druck regelmäßig das Dribbling aufrecht erhalten und fanden den freien Mitspieler.

Der folgende Angriff ist ein gutes Beispiel für die Offensivstärke der Huskies. Erst aus dem vierten Pick & Roll heraus scoren die Huskies. Geduldig wechselt der Ball die Seite und kein Spieler hält das Leder lange in den Händen. Die Blöcke sind gut gestellt und abseits des Pick & Roll gibt es viel Bewegung. 

Durch die Aktivität aller Angreifer kommt Jekiri (Nr.23) im entscheidenden Moment zu spät zur Hilfe. Ford (Nr.12) hat das Auge für seinen Mitspieler Stahl (Nr.33) und bedient diesen mit einem exzellenten Bodenpass aus dem Dribbling zwischen den Verteidigern hindurch.


Auch in dieser Szene sind die Geduld und die Entscheidungsfindung, sowie das Timing der gesamten Offense bewundernswert. Das erste Pick & Roll zwischen Walker (Nr.4) und Stahl wird gut eingeleitet, indem T.J. Williams (Nr.10) den Verteidiger von Stahl, der den Block stellen soll, screent und ihm dadurch wertvolle Sekunden bei der Bekämpfung des eigentlich Pick & Roll raubt. 

Als Walker dann den Block nutzt und das Doppeln kommen sieht, trennt er sich blitzschnell vom Ball. Zwar erzielen die Huskies keinen Korb, doch erzwingen ein Switchen des Gegenspielers. Dadurch hat nun Walker den Innenspieler Kamari Murphy (Nr.21) gegen sich. Walker erkennt das und dirigiert den fließenden Übergang in ein zweites Pick & Roll.

Binnen Sekunden stellen die Huskies erneut gutes Spacing her und dieses Mal stellt Jeremy Miller (Nr. 11). Nun rächt sich der Switch, denn Murphy und Ivan Cruz Uceda (Nr.33) sind sich nicht einig, wie sie verteidigen wollen. 

Murphy möchte erneut switchen, da es für ihn ungewohnt ist, das Pick & Roll am Ball zu verteidigen. Cruz Uceda hingegen möchte die bevorzugte Hedge&Recover-Defense spielen. Murphy sieht das und gibt nach. Beide sind nun am Ball, ohne jedoch wirklich Druck auszuüben, während Miller komplett in Vergessenheit gerät. 

Walker demonstriert seine Courtvision und bedient Miller. Auch die Helpside greift nicht, sodass Miller leichtes Spiel hat. Murphys hilflose Reaktion und der fragende Blick Richtung Bank nach den Punkten sprechen Bände.


Auch im letzten Beispiel zeigen sich die Geduld und Spielintelligenz der beiden Anführer Ford und Walker. Die Huskies wollen ein Horns Set laufen, bei dem die rechte Seite für Ford frei gemacht wird. Ford kann seinen Gegenspieler nicht wirklich schlagen und entscheidet sich dafür, nichts zu erzwingen und den Ball zu Walker zu passen. 


Walker läuft das Pick & Roll mit Kwesi Abakah (Nr.34). Erneut switchen die Canes das Pick & Roll. Walker sieht das und passt zu Ford in die Ecke. Ford nimmt sich Zeit und versucht Abakah gegen den deutlich kleineren Rodriguez am Zonenrand anzuspielen. Doch auch hier forciert er nichts und guckt nun zum anderen Missmatch: Walker gegen Jekiri.


Walker erhält den Ball, legt sich Jekiri zurecht und scort gegen den Center im Eins-gegen-Eins. Neben dem geduldigen Offensivspiel, das Miamis Defense in der ersten Halbzeit mehrere Male gezielt aushebelte und somit Steals und daraus resultierende Fastbreakpunkte vermied, waren auch die wechselnden Verteidigungen der Huskies dafür verantwortlich, dass Miami keinen Rhythmus finden konnte. Immer wieder zeigten sich die Canes von der 1-2-2 Zonenpresse und der anschließenden 3-2 Zone überrascht und schienen kein Mittel dagegen zu finden.

Im ersten ausgewählten Beispiel schaffen die Canes es zwar, die Mittellinie zu überschreiten, allerdings sind die Pässe riskant. Denn die Canes spielen Lobpässe, die lange unterwegs und angesichts des schlechten Spacings leicht zu verteidigen sind. Newtons erster Pass auf Cruz Uceda kommt immerhin an. 

Dieser begeht nun den Fehler, den Ball zu Murphy an die Seitenlinie zu passen. Murphy ist kein Spieler, der gut mit dem Ball umgehen kann. Cruz Uceda wäre besser beraten gewesen, den Ball zu halten und ihn Newton zu übergeben. Im Anschluss cuttet er auch noch relativ unschlüssig in den Freiraum, ohne wirklich frei zu sein. Murphy spielt währenddessen den nächsten Lobpass auf Newton. Walker riecht den Braten und sprintet dazwischen, womit er den Turnover forciert.

Dieses Mal kommen die Canes direkt aus einer Auszeit heraus und sollten entsprechend bereit sein, die Presse des Gegners zu überwinden. Erneut gelingt es Miami, die Mittellinie zu überqueren. Rodriguez nimmt jedoch unmittelbar hinter der Mittellinie den Ball aus unerklärlichen Gründen auf. Eigentlich hat er überhaupt keinen Grund dazu, da Walker und Ford großen Abstand halten. Durch diesen Fehler gerät Rodriguez nun in Schwierigkeiten und versucht daher den Notpass zu Freshman Anthony Lawrence (Nr.3) zu spielen, Ford geht jedoch dazwischen und stibitzt den Pass.

Die Krönung der ersten Halbzeit war jedoch dieser Versuch der Canes. Aus der eigenen Auszeit heraus schaffen es die Hurricanes nicht, das Vorfeld zu erreichen. Rodriguez wird dieses Mal früh gedoppelt und unter Druck gesetzt, weshalb er seinem Backcourt Partner Newton anspielen muss. Dieser lässt sich zu viel Zeit und gibt der Defense Gelegenheit für ein erneutes Doppeln. Newtons Rückpass unter Druck auf Rodriguez ist wieder ein Lobpass, der allerdings für den kleingewachsenen Rodriguez unerreichbar ist.


Auch die Führungsspieler Jekiri und Rodriguez konnten dem Team in der ersten Halbzeit kaum Impulse geben und wurden von der Teamdefense der Huskies gut aus dem Spiel genommen.

In dieser Szene sind die Huskies wieder in ihrer Zonenverteidigung. Rodriguez versucht seine Mitspieler zu organisieren. Er deutet McClellan mit dem Finger an, wo dieser stehen soll, doch er reagiert erst verzögert. Als Rodriguez dann das Pick & Roll laufen will, sieht er keine Möglichkeit in die Zone vorzudringen. Er nimmt den Ball auf und sucht lange nach einem zufriedenstellenden Pass, muss sich aber letztlich mit dem wirkungslosen Anspiel auf den Flügel abfinden. 

Als er den Ball wieder bekommt, tritt seine wachsende Ungeduld ans Tageslicht und er zieht in die Zone, obwohl dort alles dicht ist. Als Resultat begeht Rodriguez einen Schrittfehler. Diese Aktion ist symptomatisch für Rodriguez’ erste Hälfte. Northeastern kann mit einer 35-30 Führung im Rücken in die Kabine gehen. Der Gameplan von Bill Coen geht bis hierhin auf. Miami wirkt ideenlos und überrumpelt in der Offense und unorganisiert in der Defense.



Miami findet Rhythmus
Nach der Halbzeit findet Miami jedoch langsam Lösungen in der Offense und kann zusehends besser im Halbfeld punkten. Einzelaktionen von Ford sorgen dafür, dass Northeastern weiter in Führung bleibt. Es dauert fast 27 Minuten, bis Miami das erste Mal gute Bewegung gegen die Zone zeigt und einen einigermaßen gut herausgespielten Wurf trifft.

Newton organisiert seine Mitspieler und schickt sie auf die richtigen Spots. Anschließend wird der Ball zur anderen Spielfeldseite bewegt, während McClellan und Cruz Uceda durch die Mitte cutten und für Unruhe sorgen. Endlich wird Cruz Uceda auf dem Highpost auch mal angespielt und sofort zieht sich die Zone zusammen. 

Nach dem Kick raus zu Reed, stiehlt sich Cruz Uceda im Rücken der Defense in die linke Ecke davon, während Jekiri sich aggressiv aufpostet und damit einen Verteidiger bindet. Deshalb ist der Pass auf Cruz Uceda offen und der Spanier versenkt den Dreier.

Durch einen Rodriguez Dreier zum 58:56 können die Canes erstmals die Führung erobern. Nun droht das Spiel komplett zu kippen, denn Miami erlangt nicht nur einen offensiven Fluss, sondern die Huskies treffen auf einmal reihenweise schlechte Entscheidungen im Angriff. 

Mal wieder startet die Sequenz mit einem Pick & Roll, bei dem Walker das Playmaking übernimmt und die Canes switchen. Walker will jedoch dieses Mal unbedingt die Antwort auf den Rodriguez Dreier geben und dribbelt sich fest. Er setzt zum Dreier an und entscheidet sich erst in der Luft für den Pass. 

Wenige Sekunden später zieht Zach Stahl zum Korb und versucht über Shotblocker Jekiri zu finishen, was ihm jedoch nicht gelingt. Ein Kickout in die Ecke wäre die bessere Option gewesen. Zumal noch elf Sekunden zum Zeitpunkt des Layups auf der Shotclock übrig sind.

Auch in diesem Angriff treffen die Huskies in Person von Walker eine überhastete Entscheidung. Walker löst sich exzellent von seinem Gegenspieler per Backdoorcut. Williams entscheidet sich dafür, Walker in Szene zu setzen. Dieser ist zwar frei, allerdings ist die Zone sehr dicht besiedelt und die Spieler auf der Weakside stehen sich auf den Füßen, weshalb Walker faktisch keine Anspielstation hat. Er probiert folglich, Rimprotector Jekiri am Brett zu attackieren, doch der verteidigt sein Hoheitsgebiet.

Nach dem Einwurf fallen die Huskies plötzlich gänzlich aus dem Muster. Zunächst versuchen sie Walker am linken Zonenrand aufzuposten. Walker verliert gegen die druckvolle Defense fast den Ball und hat Glück, dass der Ball in Fords Hände springt. Statt jedoch ein Pick & Roll zu laufen, versucht es nun auch Ford im Eins-gegen-Eins und verdribbelt sich - der schlechteste Angriff des Spiels zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt.

Gleichzeitig erwacht Miami, speziell Rodriguez, in der Offense endlich zum Leben. Es folgt der beste Angriff der Canes gegen die Zone. Murphy beschäftigt die vordere Reihe der Zone mit seinen ständigen Blockversuchen. Gleichzeitig ziehen auch die Flügelspieler viel Aufmerksamkeit auf sich. McClellan cuttet vom Flügel hart in die Zone, während Reed (Nr.5) lautstark den Ball fordert und wurfbereit ist.

Besonders die beiden hinteren Verteidiger verlieren ihre Aufmerksamkeit an die beiden Wings, weshalb Jekiri auf einmal mitten in der Zone frei steht. Rodriguez lässt seine Qualität aufblitzen und feuert einen Pass zu seinem Big Man. Dieser reagiert gedankenschnell und leitet das Spielgerät per Touchpass an McClellan weiter. Der Senior hat keine Probleme beim Layup.


Durch diesen erfolgreichen Angriff entscheidet Coen, sein Team im nächsten Angriff Mannverteidigung spielen zu lassen. Rodriguez wittert nun die Chance, das Spiel vollends zu drehen und attackiert im Pick & Roll. Die Huskies switchen und Rodriguez nutzt seinen Geschwindigkeitsvorteil gegenüber Walker, um per Dreipunktespiel für den nächsten Nackenschlag zu sorgen.


Nach einem Steal und einem Fastbreak Layup von Rodriguez steht es plötzlich 70:63 für Miami und die Huskies wirken hilflos. Doch gerade noch rechtzeitig besinnen sie sich auf ihre Passstärke und werden dafür mit einem Vierpunktespiel belohnt.

Nach einem Handoff mit Davon Begley (Nr. 20) erhält Walker den Ball und läuft das Pick & Roll mit Stahl. Walker überstürzt nichts und forciert keine schlechte Aktion. Stattdessen passt er zu Begley, der in seinem Rücken freisteht.

Auch Begley drückt nicht gegen den Mann ab, sondern nimmt sich die Zeit für einen Wurffake und attackiert anschließend über die Mitte, die Rodriguez nicht rechtzeitig schließen kann.

Jekiri ist auf der Helpside bereit, den Korbleger zu blocken, merkt dadurch jedoch zu spät, dass sich sein Gegenspieler Miller an die Dreierlinie schleicht. Begley liest die Situation gut und bedient den offenen Miller. Dieser trifft den Jumper und zieht gleichzeitig noch das Foul.

Im Anschluss an den getroffenen Freiwurf pressen die Huskies wieder. Dieses Mal stellen sich die Canes jedoch geschickter an. Bereits der Einwurfpass von Newton ist ein Bodenpass. Auch Rodriguez entscheidet sich dieses Mal für diese Passvariante. Newton lässt sich gegen das Doppeln relativ viel Zeit und es scheint wieder brenzlig zu werden.

Gerade noch rechtzeitig kommt der Rückpass zu Rodriguez, der den Überblick behält und den langen Pass auf Reed spielt. Reed vollstreckt gegen die überlaufende Defense. Bemerkenswert, dass die Canes es ausgerechnet in der Crunchtime schaffen, die Presse das erste Mal richtig zu knacken.

Dennoch kämpfen sich die Huskies zurück und können durch einen Ford Jumper zum 72-72 ausgleichen. Die letzten 90 Sekunden sind dann an Spannung kaum zu überbieten. Miami nimmt eine Auszeit bei 1:35 Restspielzeit.

Der Plan ist, McClellan in ein High Pick & Roll zu verfrachten. Als Einstieg soll Newton zwei Blöcke nutzen, wobei der zweite Blocksteller McClellan ist. Ihn zunächst einen Screen setzen zu lassen, soll dafür sorgen, dass er frei wird.

Doch Walker und Ford zeigen wieder, wie smart sie sind und vereiteln diese Idee durch einen Switch. Ford spielt gute Deny-Defense, sodass McClellan zunächst nicht den Ball erhält. Auch beim zweiten Versuch wenige Sekunden später drängt Ford McClellan weit raus bis zur Mittellinie, wodurch das Timing endgültig hinüber ist.

McClellan ist jedoch so schnell, dass er am Verteidiger des Blockstellers problemlos vorbeizieht. Allerdings spielt er den Kickout, statt den Abschluss zu suchen. Newton verweigert den offenen Dreier und zieht in die dicht besiedelte Zone, wo er keinen guten Korbleger zustande bekommt.

Im Gegenzug übernimmt Walker das Kommando. Er bekommt einen Block von Stretch Big Miller gestellt. Ford screent abseits des Balls Jekiri, sodass dieser mit einem Zeitverlust den Ballscreen erreicht.

Miller rollt sich nicht ab, sondern läuft hinaus zur Dreierlinie, sodass Jekiri, der ohnehin spät dran ist, sich auch dorthin orientiert, um den offenen Dreier zu vermeiden. Walker sieht das und eine einfache Körpertäuschung reicht, um seinen eigenen Verteidiger aussteigen zu lassen. Eine Helpside lässt sich nicht blicken und Walker hat einen viel zu einfachen Korbleger.


Miami vertraut nach der Auszeit wieder McClellan. Dieser bekommt dieses Mal frühzeitig den Ball und nutzt den Block von Jekiri. Jekiris Verteidiger sinkt ab und Ford bleibt am Block hängen, weswegen McClellan einen offenen Dreier hat.

Wie zuvor zögert er jedoch eine Sekunde zu lange und scheint nicht genug Selbstvertrauen zu haben. Das gibt Ford die Möglichkeit, entscheidend zu stören. Der Wurf verfehlt sein Ziel, Rebound Northeastern und Walker trifft zwei Freiwürfe zum 76-72.

Den nächsten Angriff vertraut Coach Jim Larrañaga Angel Rodriguez an. Dieser zieht die Verteidigung auf sich und findet in der Corner den freien Schütze Davon Reed. 76-75 für Northeastern.

Nun wird es kurios: Northeastern hat zwei Auszeiten übrig. Stahl hat Probleme beim Einwurf einen geeigneten Abnehmer zu finden. Doch Stahl denkt nicht daran, eine Auszeit zu nehmen, sondern wirft einen risikoreichen Pass ins Spiel, der an Freund und Feind vorbeisegelt. Einwurf Baseline für Miami.

Miami lässt ein Screen-the-Screener-Play laufen. McClellan setzt zunächst einen Backscreen für Reed, um anschließend von Murphy einen Block zu erhalten. McClellan sichert sich den Ball in der Ecke und läuft ein Pick & Roll zur Mitte mit Murphy.

Dieses Mal geht er wesentlich entschlossener zu Werke als noch in den zwei Versuchen zuvor. Mit langen Schritten zieht er am langsameren Miller vorbei und zeigt beim Abschluss seine hervorragende Körperkontrolle. Plötzlich führen die Canes und sind am Drücker.


Northeastern versucht es mit dem selben Play, das vorher für die Führung durch Walker zum 74-72 sorgen konnte. Dieses Mal verteidigt Jekiri jedoch den Drive und lässt Miller unbeachtet an der Dreierlinie stehen.

Walker findet kein Durchkommen und muss den Ball per Handoff an Begley abgeben. Diesen Handoff switchen die Canes nun. Jekiri schafft es, Begley ohne Foul abzudrängen und den Wurfversuch mit Autorität ins Aus zu blocken.

Ford, der später den Gamewinner trifft, übernimmt den Einwurf. Das ist ein probates Mittel, da der Einwerfer oft vergessen wird. Walker erhält zwei Screens und bekommt den Pass. Während die ganze Halle denkt, dass er jetzt entweder den Wurf nimmt oder direkt den Handoff zu Ford spielt, passt er stattdessen Stahl in seinem Rücken an.

Damit überrumpelt er die Verteidigung ein wenig. Sofort folgt der Backdoorcut, mit dem er seinen und Fords Gegenspieler irritiert. Ford kann dadurch Handoff von Stahl empfangen. Der Rest ist individuelle Klasse.


Dieses Set ist clever gewählt von Coen, da die Defense gleich zwei Mal irritiert wird und Ford, der an diesem Tag der beste Werfer und der Mann für die wichtigen Jumper war, den Ball an seinem Sweet Spot erhält.

Die Canes sind durch diese Niederlage auf den Boden der Tatsachen zurückgekehrt. Über weite Strecken fehlten einfach die Aggressivität und Präzision der vergangenen Wochen. Zudem zeigte sich, dass auch die Rollenverteilung in der Crunchtime noch nicht klar ist und die Spieler in ihre Aufgaben noch hineinwachsen müssen. Die Frage, wer besser für den letzten Wurf geeignet ist, Rodriguez oder McClellan, wird bis zum Saisonende bleiben.

Dennoch hat diese Niederlage auch ihre positiven Seiten. Denn emotionale Spieler wie Rodriguez und Jekiri können dadurch lernen, dass sie ihre Gefühle besser im Griff haben und auch während eines Spiels Konstanz an den Tag legen müssen. Das wird von Seniors erwartet.

Northeastern hingegen konnte mal wieder zeigen, was für ein Potential in dem Team steckt. Die Achse aus Walker und Ford auf dem Flügel ist extrem unangenehm für jeden Gegner. Sollten sie diese Form konservieren können, ist das Team im März sehr gefährlich. Denn eine solche Kombination aus mentaler Stärker, spielerischem Können und ausgezeichnetem Coaching findet sich nicht oft.