23 November 2015

23. November, 2015


Die neue NBA-Saison ist gut unterwegs. Bei so viel irrsinniger Action pro Woche macht es nicht immer Sinn, traditionell zu berichten. Nicht weiter schlimm: die nbachefsquad ist zur Stelle wie Evan Fournier in Crunchtime und versorgt euch wöchentlich mit artgerechten Häppchen zur NBA-Spielzeit 2015/16.

von NBACHEFSQUAD

History
Torben Siemer @lifeoftorben ... “[…] And the team that beat us looks more hungry than we are.”
Das Team, das uns geschlagen hat, wirkt hungriger als wir. LeBron James blickt hier zurück auf die Finals gegen die Golden State Warriors sowie den exzellenten Saisonstart der Bay Area-Franchise. 

Bei 15-0 steht diese nach dem Auswärtssieg bei den Denver Nuggets, NBA-Startrekord eingestellt. Ein Erfolg gegen die Los Angeles Lakers am Dienstag würde einen neuen All-Time Rekord bedeuten.

Steph Curry bewirbt sich nachdrücklich als neuestes Mitglied des 50-40-90-Clubs, Andre Iguodalas Gemütszustand steht stellvertretend für den gesamten Kader und lässt sich am besten mit einem Vine ausdrücken.


Draymond Green spielt sich in seiner Rolle als Allrounder mindestens in die Nähe des All-Star-Games: Defensiv längst über jeden Zweifel erhaben, verteilt er aktuell mit knapp sieben Vorlagen die meisten seines Teams.

Als solches stellen die Warriors die klar beste Offensive der Liga, und auch defensiv sind sie mit Platz fünf schon wieder auf dem Niveau der Vorsaison angelangt. Und all das trotz des langfristigen Ausfalls von Head Coach Steve Kerr, der bislang exzellent von Luke Walton (Ja, der Luke Walton, wirklich!) vertreten wird.

Eine Zahl verdeutlicht die momentane Dominanz: 70.8. Das ist das Net-Rating der Aufstellung Curry, Klay Thompson, Iguodala, Harrison Barnes und Green in bisher 56 gemeinsamen Minuten auf dem Parkett. Einem Offensivrating von 160.9 (%§&“$!!!) steht ein Defensivrating von 90 gegenüber.

Warum diese (Crunchtime-)Lineup in Fachkreisen 'Small Ball Death Squad' genannt wird, bedarf wohl keiner weiteren Erläuterung. Aber vielleicht ist das auch einfach nur Glück, immerhin haben sie noch nicht gegen die Clipp... Oh, warte. 


Bananenboot
Seb Dumitru @nbachefkoch ... "Emoji-Schlaraffenland, beste Offseason wo gibt, tiefstes Team aller Zeiten, todsicherer Western Conference Finalist" - die Los Angeles Clippers wurden nach einem beeindruckenden Sommer von vielen Beobachtern, diesem Autor inbegriffen, in die Riege der Top-Klubs aka. Championship-Anwärter gehievt.

Nach Woche eins fühlten sich alle bestätigt: 4-0 Start, gefährlichster Angriff der NBA (mal wieder), Contender-Status (mal wieder)... "Alles beim Alten, es gibt nichts zu sehen, bitte weitergehen!"

Wieder zwei Wochen später dann: die erste ausgemachte Clippers-Krise seit der Ankunft von Coach/GM Doc Rivers ist im Haus, ein Stuhl lehnt an der Vordertürklinke. Drei Niederlagen in Folge und sieben aus neun haben den guten Auftakt vergessen gemacht; LAC ist im wilden Westen auf die Acht durchgereicht worden.


Zeit für Panik! Eulogien auf L.A., Time to say Goodbye, Cry Me A Rivers, das war's dann wohl. Ein Großteil erwähnter "Experten" schreibt die Kalifornier jetzt schon wieder ab. Hey, wann immer du die Chance hast, auf eine gute oder schlechte Woche in einer acht-Monate-Saison überzureagieren, musst du das tun!

Die bis ins Valley hörbare Schimpftirade in der Umkleide nach der Heimpackung gestern - sie wird den Clippers plötzlich als ebenso letale Injektion ausgelegt wie die Additionen von Paul Pierce, Josh Smith und Lance Stephenson im Sommer.

Als ob die Sacramento Kings seit Boogies Tourette-Moment nicht 66% ihrer Partien gewonnen hätten... solche teaminternen Austicker also nicht nur vollkommen legitim sind, sondern ganz offensichtlich manchmal sogar fruchten. Als ob drei Reservisten (Pierce, Stephenson, Smith), von denen keiner mehr als 23 Minuten pro Spiel sieht, die Hauptschuld am statistischen Abfall tragen könnten. Als ob Blake Griffins schwächste Leistung im Clippers-Trikot nicht alles mit dem peinlichen 30-Punkte-Halbzeitrückstand gegen T-Dot zu tun hatte.

Ihr wisst es besser, also seid so smart: die Clippers plagen dieselben Probleme wie momentan auch die Houston Rockets. Spieler spielen nicht hart genug, Verteidigungen verteidigen nicht bissig genug, Profis agieren nicht professionell genug. Solche Dinge lassen sich im Sport korrigieren, meist innerhalb kürzester Zeitspannen.


Der Klipper ist sprunghaft, unterliegt Kursschwankungen, driftet leicht ab. Vergangene Saison verlor das Tinseltown-Team zwei Mal mindestens vier von sechs Partien in schneller Abfolge: einmal im Februar, dann noch einmal im März. Beide Male startete es zu einer langen Siegesserie, gewann zuerst sieben von neun, später sogar 14 von 15.

Die nächsten Clippers-Gegner, aktuell? @Denver, Utah, New Orleans, Minnesota, Portland, Indiana, Orlando... sechs von sieben zu Hause, kein Typo. Die zuletzt beste Big Minute Vierer-Lineup der Liga (Paul-Redick-Griffin-Jordan) schnurrt bereits wieder vor sich hin, wenngleich noch längst nicht mit solch verheerend hoher Drehzahl wie im Vorjahr. Da ist also noch viel Platz hinter dem Gaspedal.

Sobald Doc zu Ende experimentiert (fünf verschiedene Startformationen in den letzten fünf Partien), die richtigen Backups gefunden, die notwendigen Synergien etabliert hat (Doppelbonus fürs Abstellen seines kontraproduktiv-jämmerlichen Nonstop-Beefs mit den Refs), findet dieses Bananenboot auch wieder groovigere Wellen. Die See ist im November manchmal rauer...


Ein Westen zum Vergessen
Tiago Pereira @24Sekunden ... Es gilt als ungeschriebenes Gesetz in der NBA, dass die besten Teams der Liga links vom Mississippi liegen. Ob in Texas oder Kalifornien, Basketball spielt sich einfach erfolgreicher auf der westlichen Seite Amerikas. Deswegen fällt seit 16 Jahren, mit einer Ausnahme (2008/09), der direkte Vergleich der beiden Conferences stets zu Gunsten der Vertreter des Westens aus.

Die Diskrepanz zwischen NBA Ossis und Wessis war zeitweise dermaßen gewaltig, dass über die Abschaffung der Conference-Grenzen debattiert wurde. In dieser Spielzeit aber scheint sich das Blatt gewendet zu haben. Bisher konnte der Osten 37 der 68 Interconference Spiele für sich entscheiden.

Auch die Playoff-Positionierungen sprechen für einen erstarkten Osten. Zum Beispiel würden die im Osten an Platz 11 gesetzten Charlotte Hornets (7-6), im Westen gleichauf mit den Phoenix Suns nicht nur auf einem Playoffplatz, sondern sogar auf Rang fünf stehen.

Grund für den überraschend schwachen Start des Westens sind u.a. die strauchelnden Teams aus Houston (5-9) und New Orleans (3-11). Sowohl die Raketen als auch die Pelikane wurden als sichere Playoff-, wenn nicht sogar Titelaspiranten gehandelt. Beide Mannschaften liegen noch weit außerhalb der besten acht und konnten gemeinsam gerade einmal die gleiche Anzahl an Spielen gewinnen wie die New York Knicks (8).

Während Houston das Problem bereits beseitigt zu haben glaubt, indem es einfach seinen Trainer Kevin McHale entließ, könnte die Saison der Pelikane mit einem Sprung ins Bällchenbad enden. Die Verletztenliste in New Orleans ist länger als Ty Lawson Strafhistorie und birgt kaum größere Aussichten auf Besserung. Es scheint dass der Westen, ohne zwei seiner besten Vertreter, in dieser Saison den kürzeren gegen einen aufgerüttelten Osten ziehen wird. 


Pusha-T
Pascal Gietler @PascalCTB ... Wenn „Don“ Pat Riley einen Spieler aus der D-League zu den Profis holt, scheint dies ein sportlich absolut legitimer und durchdachter Move zu sein. Nach dem kometenhaften Aufstieg von Hassan Whiteside spielt sich allmählich das nächste Talent bei den Miami Heat ins Rampenlicht: Tyler Johnson.

Johnson wurde nach vier Jahren an der Fresno State University weder gedraftet noch konnte er bei irgendeinem NBA-Team Profiluft schnuppern. Bis Pat Riley auf den athletischen Guard aufmerksam wurde. Johnson konnte bereits im Februar und März 2015 zeigen, was er in der NBA kann. Er legte für die verletzungsgeplagten Miami Heat mehrere gute Spiele hin und konnte vor allem in der Defensive mit starkem Rebounding überzeugen. 


In dieser Saison sind die Heat wieder fit, Johnson drohte ein Platz am hinteren Ende der Bank. Doch er nutzte seine Chancen stets aus, wenn er von Head Coach Erik Spoelstra Spielzeit bekam. Vor allem sein produktives und effizientes Spiel als Backup war der Grund, dass sich die Heat Anfang des Monats so leicht vom zweifachen Champion Mario Chalmers trennen konnten. 

Unter der Woche gelangen Johnson gegen die Sacramento Kings als Backup 19 Punkte, für die er lediglich acht Würfe benötigte. Trotz der noch geringen Sample Size muss man dem jungen Guard hoch anrechnen, wie clever und effizient er agiert: 53% aus dem Feld, 47% von der Dreierlinie und ein individuelles Offensivrating von 116... Wenn es so weiter geht, darf sich Johnson getrost auf den kommenden Sommer freuen. Dann wird er Free Agent. Die Angebote werden kommen.


Ladies, Gentlemen, Gemeinde
Clemens Boisserée @bvboisseree ... Als Deutscher über Dirk Nowitzki zu schwärmen, ist ähnlich innovativ wie Run & Gun-Basketball à la Mike D'Antoni im 21. Jahrhundert. Und trotzdem wird es an dieser Stelle mal wieder Zeit für eine kurze, dafür aber umso frenetischere Abfeierei des langen Blonden aus Würzburg in Deutschland. Also los.


18.0 Punkte bei einem True Shooting Wert von 64.7 Prozent, dabei 53.3 Prozent von außen, 88.9 Prozent von der Freiwurflinie, 6.4 Rebounds, das alles in nur 29.3 Minuten pro Partie – in einem Alter von 37einhalb Jahren.... Ich verrate euch jetzt, welcher Basketballer in der Zeit der Statistikaufzeichnungen vergleichbare Werte auflegen konnte:                  .

Natürlich ist es noch zu früh, diese historischen Werte fix in die Bücher zu drucken. Zum Glück ist die Saison noch jung und wir haben noch viel Basketball zu sehen. Aber diese Momentaufnahme bleibt zu würdigen. Die Mavs galten vor der Saison als Absteiger, als Verlierer des Sommers, als potenzieller Bodensatz in der krassen Western Conference. Die Fangemeinde stellte sich auf Niederlagen, schlimme Spiele und weiter abfallende Werte beim immer älteren Dirk Nowitzki ein. 

Und jetzt? Neun Siege, nur fünf Niederlagen, Platz drei im Westen. Schneller Basketball, offenes Visier, noch mehr Potenzial dank der zunehmenden Integration der Neuen – und eben Dirk Nowitzki, zurück unter den Top 25 Scorern der Liga. Keine Ahnung ob und wie lange das so weitergeht. Für den Moment zumindest macht „uns Dirk“ einfach wieder so richtig Spaß. 


Vorne Freak, hinten Greek
André Nückel @nbachefkoch ... Furios, so lässt sich der offensive Saisonstart von Giannis Antetokounmpo am besten beschreiben. „The Greek Freak“ legte in den ersten zwölf Partien starke 17.6 Punkte auf und dominierte phasenweise die Konkurrenz mit seiner unbändigen Athletik.

Dass er neben Greg Monroe die zweite Konstante im Angriff der Bucks sein soll, zeigen seine statistischen Werte: In fünf Begegnungen scorte er mindestens 20 Punkte, die 33 Zähler gegen Cleveland am Wochenende sind gar sein neues Career High.

Der Blick auf seinen Dreier lohnt sich ebenso: Siebenmal hat er bereits von Downtown getroffen – so oft wie in der gesamten letzten Saison kumuliert! Seine Wurfquoten insgesamt zeigen sich stark verbessert. 83.6 Prozent von der Linie und 51.3 Prozent aus dem Feld sind ebenfalls neue Karrieretopwerte des 20-Jährigen, der an 6. Dezember Geburtstag feiert - und erst dann in den USA legal Alkohol konsumieren darf. 

Allerdings offenbart Milwaukee krasse Schwächen am eigenen Korb: 2014/15 stellten die Käsestädtler noch die zweitbeste Verteidigung, heuer die mieseste der Liga mit einem Defensiv-Rating von 109.0 (vorher 99.3). Steht Giannis auf dem Court, erzielen die Gegner vier Punkte mehr auf 100 Ballbesitze und treffen besser aus dem Feld. Sein Net-Rating von -9.1 spricht daher Bände über seine aktuelle Arbeit gegen den Spalding.

Offensiv wird sich der Monsterathlet durch seine immer größer werdende Vielfalt im Gespräch um den Most Improved Titel halten. Defensiv müssen er und seine Mitstreiter einen gewaltigen Sprung nach vorne machen, um wieder in die Playoffs einzuziehen.



Passen, Passen, Passen...
Philipp Landsgesell @phillyland ... In einer weiteren Saison mit wenig positiven Überraschungen sticht ein unscheinbarer Rookie bei den Philadelphia 76ers klar heraus: T.J. McConnell.

Durch die längerfristigen Ausfälle der beiden Aufbauspieler Tony Wroten und Kendall Marshall, und nachdem das Projekt Isaiah Cannan auf Point Guard erbarmungslos gescheitert ist, kam die Zeit des ungedrafteten Spielers von der University of Arizona. Bei den Wildcats war er der unumstrittene Leader, scorte, passte und verteidigte auf hohem Niveau. Doch die Zweifel waren groß, ob McConnell den Schritt in die NBA schaffen würde. Die fehlende Größe und Athletik galten als Hauptgründe. 

Doch die Konstellation in Philadelphia schafft Möglichkeiten für Überraschungen. Die erste Überraschung war, dass McConnell einen Kaderplatz bekam. Die zweite, dass er sogar zum Starter wurde.

McConnell ist ein klassischer Pass-First Point Guard, dessen komplettes Spiel nahezu nur darauf ausgerichtet ist, andere in Szene zu setzen. Beweisstück A: 90 Assists bei 91 Wurfversuchen. Dazu bringt er Ruhe ins offensive Spiel der 76ers, startet die Plays und achtet darauf, dass Rookie-Kollege Jahlil Okafor den Ball in seinen Lieblingsspots serviert bekommt. Mit 6.4 Assists pro Spiel führt McConnell alle Neulinge bei den Vorlagen an.

So ausgereift seine Passfähigkeiten und seine Fähigkeiten als Organisator sind, sein Spiel hat eklatante Schwächen. Hinter der Freiwurflinie ist McConnell als Schütze nicht gefährlich. Da er bei all seinen Aktionen erst an seine Mitspieler denkt, beschränken sich die Verteidiger darauf, den Passweg zu verteidigen. Die gegnerischen Teams haben mittlerweile verstanden, wie sie McConnell decken müssen: Sie gehen entspannt unter dem Block durch. 

Dennoch: McConnell wird weiter Zeit bekommen sich für eine Weiterbeschäftigung in der NBA zu empfehlen. Da Wroten und Marshall nach ihren Knieverletzungen behutsam  wieder zurück in die Lineup geführt werden müssen, sind die Sixers auf McConnells Ruhe und Ballhandling weiter angewiesen. Mehr als eine vierte oder fünfte Guard-Option wird er langfristig vielleicht nie werden. Aber: es wäre nicht das erste Mal, dass McConnell alle überrascht. 

Fun Fact: In 403 Minuten auf dem Parkett stand TJ noch nie an der Freiwurflinie. Wo steht zuerst die eins? Bei den Siegen der 76ers oder bei TJs Freiwurfversuchen? 


Raus aus dem Kokon
Onur Alagöz @LakersParadigm ... Boogie hat alles. Post-Game, Größe, Court Vision, Milchbart, Handling. Boogie hat einen Point Guard, der passen kann. Boogie hat einen Trainer, der das Spiel versteht. Und Boogie hat trotzdem eine Trillionen Kings-Fans, die nachts schweißgebadet aufwachen und hoffen, dass ihr Star-Center nichts angestellt hat.

Ja, DeMarcus Cousins ist vieles. Potenzial auf zwei kräftigen Beinen. Talentiertester Center der NBA. Profitabel für seine Fantasy-Besitzer. Noch nicht so profitabel für die Sacramento Kings. Sein Monster-Start von 27.7 Punkten, 11.2 Rebounds und 2.7 Assists pro Abend kann nicht verstecken, wie volatil seine Professionalität ist. 


Immer noch gibt es Ärger, wenn er in der Nähe ist. Immer noch muss das Team Meetings abhalten. Immer noch will ihn sein Coach suspendieren. Immer noch nimmt er zu viel lange Jumpshots. Immer noch ist seine Fiel Goal Quote weit entfernt von wo sie sein sollte. Und trotzdem ist er einer der besten Scorer der NBA, rangiert wieder unter den Top-Fünf.

Ach, Boogie, oh Boogie! Werden wir je dein absolutes A-Game sehen... auf und abseits des Feldes? Werden wir je sicher sein können, dass du keine Massenschlägerei während des Spiels anzettelst, weil der Gegner in deine Richtung geatmet hat? 

Das Spektrum bei DeMarcus Cousins geht allabendlich weiterhin von MVP-Performance bis Sprewell’scher Coach-Choker. Langweilig ist es definitiv nicht mit Cousins in Sacramento. Wenigstens etwas.