18 November 2015

18. November, 2015


Ein katastrophaler Saisonstart mit zahlreichen deutlichen Niederlagen hat alle Warnlampen in Houston rot aufleuchten lassen. So darf sich ein Championship-Anwärter über mehrere Woche nicht präsentieren. Was sind die Gründe für den miesen Beginn - und existieren eventuelle Lösungsansätze? 

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick

Startschwierigkeiten
Die Rockets kommen nicht von der Startbahn. Den drei Niederlagen zum Auftakt folgten vier Siege, unter anderem gegen die West-Schwergewichte Thunder und Clippers. Es war davon auszugehen, dass das Team um James Harden nun in der Saison angekommen sei und angesichts des anstehenden überschaubaren Spielplans bald wieder oben mitmischen würde.

Genau das Gegenteil ist geschehen. Es hagelte Niederlagen gegen die Nets, Nuggets, Mavericks und Celtics – Gegner, die, bei allem Respekt, ein Team dieser Qualität unter normalen Umständen klar besiegt. Waren die drei Niederlagen zum Auftakt noch auf Hardens temporäre Wurfprobleme zurückzuführen, fehlt inzwischen jede Form von Verständnis. 

Denn gegen besagte Teams setze es keine bloßen Niederlagen, die Roten wurden zeitweise vorgeführt. Dieser Umstand lässt sämtliche Alarmsysteme hochfahren. Ausreden wie ein von Verletzungen geplagtes Trainingscamp, Ablenkungen aus dem Privatleben (ihr wisst schon wer...) oder noch fehlendes Zusammenspiel greifen nicht mehr. Vereinzelte Rückschläge kann man unter diesen Umständen dulden, Auftritte wie die der letzten Woche nicht. 


Etwas ist faul im Toyota Center – und zwar die Spieler. Die Rockets (4-7) traten geradezu apathisch in der Defensive auf, Gegner punkteten ohne größere Mühe... als wäre das Team aus Südosttexas geradezu gehemmt, den eigenen Korb zu beschützen. 108,5 Punkte kassierten die Raketen im Schnitt in diesen vier Spielen, ein völlig inakzeptabler Wert. Dieser Mangel an Einsatz und Willen bleibt unerklärlich, lebt Houston doch schon seit Jahren von schnellem Tempospiel und der damit zusammenhängenden aggressiven Defensive. 

Harden/Lawson (vorerst) gescheitert
Die einschneidendste Änderung im Vergleich zum überaus erfolgreichen Vorjahr ist die Installation von Neuzugang Ty Lawson in der Startformation. Der aufgrund seiner Promillefahrten in Verruf geratene Aufbauspieler hat die Erwartungen bisher wenig bis gar nicht erfüllt.

Das Duo um den ehemaligen Nugget und MVP-Kandidat James Harden galt als auserkoren, die gegnerischen Defensivreihen schwindelig zu spielen und die Rockets-Offensive unberechenbar werden zu lassen. Passiert ist das Gegenteil, spielerische Harmonie nicht erkennbar.

Die Situation erinnert an den Saisonstart 2013/14, als Dwight Howard zu den Rockets gewechselt war und zusammen mit dem etatmäßigen Starter Ömer Asik eine Art 'Twin Towers' bilden sollte. Stattdessen standen sich die beiden Center nur gegenseitig auf den Füßen, Houstons Offensive erlahmte, selbst defensiv kamen sich die Big Men einander in die Quere. Infolge dessen wurden Asik auf die Bank verbannt, der damalige Sophomore Terrence Jones startete. Konsequenz: Houston spielte befreit auf, gewann acht der nächsten zehn Spiele.


Eine solche Befreiung ist zwei Jahre später wünschenswert. In der gegenwärtigen Situation verbieten sich weitere Experimente um Lawson und Harden. Die ohnehin im Vorfeld von vielen für sinnvoll erachtete Lösung mit Beverley als Starter und Lawson als Anführer von der Bank könnte den Effekt vom November 2013 herbeiführen.

Head Coach Kevin McHale hielt infolge der Niederlage gegen die Celtics am Montag Gedankenspiele um eine Neuaufstellung des Backcourts nicht zurück.

Muss McHale gehen?
Nach derart indiskutablen Auftritten ist eine Hinterfragung des Verantwortlichen Konsequenz der Dinge. Obwohl er sich erst im Sommer mit dem Management auf einen neuen Langzeitvertrag geeinigt hat, wächst nach den erschreckenden Auftritten der vergangenen Tage ein immer größer werdendes Fragezeichen hinter dem Cheftrainer.

Bei einigen Fans hat McHale ohnehin schon länger einen schwierigen Stand. Kritiker sehen ihre Vorwürfe der Planlosigkeit und fehlendem taktischem Verständnis durch die aktuelle Situation bestätigt.

In den Interviews nach den peinlichen Niederlagen verkündete McHale gebetsmühlenartig, man spiele nicht hart oder konzentriert genug, wirkliche Lösungen sind auf dem Parkett nicht erkennbar – oder noch schlimmer, werden vom Team nicht umgesetzt. Die Celtics-Legende wirkt ebenso geschockt wie ratlos. 

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Seit er die Rockets vor über 20 Jahren übernommen hat, hat Teambesitzer Les Alexander nie einen Trainer während der laufenden Saison entlassen. Mit jeder Niederlage wird jedoch wahrscheinlicher, dass sich dies 2015 ändert. Sollte der Stuhl frei werden, ist Chicagos Ex-Coach Tom Thibodeau die offensichtlichste Lösung.

Thibodeau kennt Houston und die Rockets, war unter Jeff van Gundy Assistent. Der kompromisslose Stil des Defensivspezialisten könnte genau das sein, was die blutleeren Rockets revitalisiert. Ohnehin war er zum Trainingscamp bei den Rockets zu Gast und arbeitete mit Harden bereits beim Team USA zusammen. Es wäre kein Start bei Null.