23 November 2015

23. November, 2015


Mit einer Bilanz von 10-3 sind die San Antonio Spurs in die Saison gestartet - Platz zwei in der Western Conference, hinter den unbesiegten Golden State Warriors. In Anbetracht der vielen Veränderungen im Sommer überrascht der Saisonstart schon ein wenig... auch wenn die Sporen, dank ihres relativ einfachen Spielplans den Powerhouses der Liga bisher großteils aus dem Weg gehen konnten.

von TIM SEITTER @Timuslav

Die Defensive der Spurs ist eine Bank. Nur 91,5 gegnerische Punkte pro Spiel lassen die Herren aus Texas zu, was Platz eins in der Liga bedeutet. Auch beim Verteidigungsrating steht San Antonio ganz oben. 

Besonders die Starting Five mit Tony Parker, Danny Green, Kawhi Leonard, LaMarcus Aldridge und Tim Duncan macht es den Gegnern unglaublich schwer zu scoren, wie in der ersten Halbzeit gegen die Trail Blazers am vergangenen Montag zu sehen war. Gerade einmal 28 Punkte konnte Portland in der ersten Halbzeit erzielen.

So stark die Starting Lineup der Spurs defensiv ist, so schleppend läuft es mit ihr am offensiven Ende des Courts. Besonders Danny Green scheint in dieser Lineup noch seine Probleme zu haben - auch weil er seiner Wurfform hinterher läuft. 

Das Postup-Game um Duncan, Aldridge und Leonard beschert dem Shooter deutlich weniger freie Würfe als das patentierte Ball-Movement der letzten Jahre. 33% FG bedeuten für ihn einen Karrieretiefstwert. Auch seine Dreierquote liegt mit 29.5% deutlich unter dem, was Green leisten kann (42% im Schnitt über die letzten vier Jahre). 

Steht Green hingegen mit der zweiten Unit (Patty Mills, Manu Ginobili und Boris Diaw) auf dem Parkett, hat er durch die höhere Geschwindigkeit des Spiels viel bessere Wurfquoten. Der Bank ist es auch zu verdanken, dass die Texaner trotz der durchwachsenen Offensivleistung der Starter im offensiven Gesamtrating ligaweit auf Platz sechs stehen. 

Aldridge: Licht & Schatten
Mit LaMarcus Aldridge konnten die Spurs den begehrtesten Free Agent des Sommers verpflichten. Die Integration des All-Stars in das Spurs-System wird die Hauptaufgabe dieser regulären Saison. Da Aldridge vor allem im Post isoliert wird, erfährt das System der Spurs eine grundlegende Änderung, mit dem das Team noch so seine Probleme hat. 

Das Projekt Aldridge befindet sich nach 13 Spielen noch in der Entwicklungsphase. Defensiv ist LMA bereits angekommen und macht seine Aufgaben solide. Auch seine Rebound-Werte (9,9 RPG) können sich sehen lassen und sind mit seinen Werten in Portland vergleichbar. 


Offensiv hakt es allerdings noch an einigen Ecken. 15,3 PPG sind deutlich weniger als noch letzte Saison in Portland (23,4 PPG), was aber auch nicht groß überrascht, da das Spiel in Portland komplett auf ihn zugeschnitten war.

Wie die gesamte Spurs-Offensive ist auch der Power Forward noch recht inkonstant in seinen Leistungen. Das bestätigt auch der Blick auf die Statistiken der letzten Spiele. Im ersten Spiel gegen sein altes Team legte Aldridge 23 Punkte auf, im Spiel gegen die Sixers gelangen ihm 17 Punkte mit 19 Rebounds, dann wieder gegen die Blazers: gerade einmal sechs Punkte bei einem einzigen Korbversuch in der zweiten Halbzeit. 

Das Spiel vergangenen Montag beendete eine persönliche Serie von 66 Partien, in denen LMA immer zweistellig punkten konnte. Anschließend folgten zwei Double-Doubles gegen Denver und New Orleans, das allerdings bei schwachen Quoten aus dem Feld. Eine Fußverletzung setzte ihn dann außer Gefecht.

Aldridges Probleme in der Offensive nur an ihm selbst festzumachen, wäre falsch. Er bekommt den Ball zu oft in schwierigen Situationen - auch weil San Antonio ihn natürlich zwanghaft integrieren möchte. Zu selten jedoch bekommt der Big Man den Spalding im Spielfluss serviert. 

Und wenn er dann mal den Ball in den Händen hält, heißt die Devise seiner Mitspieler noch zu häufig: warten was Aldridge macht. Es ist ein gegenseitiges Beschnuppern und Ausprobieren, ihn ins bewährte und maschinenartige System zu integrieren wird ein langer Prozess, der noch am Anfang steht.

Kawhi: Franchise-Player
Solange Duncan das schwarz-silberne Trikot trägt, bleibt er das Gesicht der Franchise. Aber: Kawhi Leonard ist mittlerweile der klar beste Spieler der Spurs. Mit 24 Jahren ist der Absolvent der San Diego State University seit dieser Saison auch im Angriff der Anker des Teams. 

Der Defensive Player of the Year konnte seinen Punkteschnitt pro Spiel auf 21,3 PPG steigern und ist der Top-Scorer des Teams. Durch Abgänge im Sommer auf den Flügelpositionen und durch den offensiv wechselhaften Saisonstart von Aldridge muss Leonard auch am offensiven Ende des Feldes eine größere Verantwortung tragen als in den Spielzeiten zuvor. 


Leonard will und kann diese neue Rolle ausfüllen. Seine Extraschichten im Sommer, um an seinem Wurf zu arbeiten, machen sich bezahlt. 50,2 FG% bei 16,9 Versuchen und 44,9% von Downtown (4,1 Versuche pro Abend) bedeuten allesamt Karriere-Höchstwerte. Mit diesen Zahlen ist Leonard spätestens seit dieser Saison der beste Two-Way-Player der Liga.

Second Unit: Stark 
Nach den Abgängen von Marco Belinelli, Cory Joseph und Aaron Baynes waren vor der Saison die Bedenken groß, ob Coach Popovich seinen Startern weiterhin so viel Ruhe gönnen können wird, wie sie es gewohnt sind. 

Nach 13 Spielen lässt sich diese Frage bereits mit einem eindeutigen Ja beantworten. Die zweite Fünf ist besonders in der Offensive eine große Bereicherung für das Spiel der Sporen. Patty Mills bringt Geschwindigkeit ins Spiel, die den Gegner oft vor Probleme stellt und seinen eigenen Mitspielern hilft. 

David West ist bereits gut integriert und glänzt als hervorragender Passer (4,9 Assists pro 36 Minuten bedeuten einen neuen Karrierehöchstwert). Boris Diaw glänzt diese Saison einmal mehr als hervorragender Allrounder, der ein großes Offensiv-Arsenal hat und defensiv unterschiedliche Positionen verteidigen kann.


Und dann ist da noch Manu Ginobili. Manu macht diese Saison mal wieder das, was Manu so macht. Zum Beispiel: neun Punkte in Folge im Schlussviertel gegen die Blazers zu scoren und das Spiel so fast im Alleingang zu entscheiden. Sein True Shooting liegt bei fantastischen 60,8 Prozent. 

Mit der nötigen Ruhe und Übersicht und seiner guten Wurfauswahl ist der Gaucho das Herz der Spurs-Bank. Jeder, der jetzt immer noch nicht beeindruckt ist, sollte mal auf den Kalender schauen. Wir haben das Jahr 2015. Ginobili ist 38 Jahre alt und spielt seine vierzehnte NBA-Saison. "Muy impresionante", würde man nicht nur in seiner Heimat sagen.

Check
Noch ist in San Antonio längst nicht alles Silber was glänzt. Ein 10-3 Start war aufgrund der Veränderungen im Sommer dennoch nicht zu erwarten. Besonders defensiv wissen die Texaner zu beeindrucken. Auch die Bank der Spurs konnte in den ersten drei Wochen überzeugen und sich erneut unter den produktivsten der Liga etablieren. 

Offensiv ist noch viel Luft nach oben. Vor allem mit der Starting Five auf dem Feld wirkt das Spiel oft noch zu statisch und ideenlos. Diese Schwierigkeiten waren allerdings zu erwarten und sollten im Lauf der Saison, wenn Aldridge auch offensiv seinen Platz gefunden hat, behoben werden können. 

Obwohl sich San Antonio noch ganz am Anfang einer neuen Entwicklungsstufe befindet, ist der fünffache NBA-Champion viel besser gestartet als er es vielleicht selbst vermutet hatte. Platz eins in der umkämpften Southwest Division und Top-Werte in Angriff und Verteidigung sollten dem Rest der Liga Angst machen: Die Spurs rollen schon wieder.