18 November 2015

18. November, 2015


Die jungen Orlando Magic wechselten in der Offseason den Head Coach und wollen über eine neue, defensive Identität in die Erfolgsspur zurück finden. Nach drei Wochen lassen sich erste Trends erkennen. Wie machen sich die Schlüsselspieler bisher unter Scott Skiles?

von PASCAL GIETLER @PascalCTB

Neuer Coach, Super Mario und eine Abfuhr von Paul Millsap in der Offseason - irgendwie sind die Orlando Magic weder Fisch noch Fleisch, und das obwohl die Franchise aus der Mitte Floridas langsam mal wieder in Richtung Playoffs schielen wollte.

Unter dem neuen Coach Scott Skiles hat sich die Magic-Anhängerschaft Disziplin, gute Verteidigung und Siege erhofft, doch höchstens die kühnsten Optimisten haben wohl gedacht, dass diese Ergebnisse bereits zu Beginn der Saison sichtbar sind - zumal das Auftaktprogramm der Magic so brutal war wie wohl kein anderes.

Als einziges Team in der Association musste Orlando in den ersten sechs Spielen gegen Teams antreten, die in der vergangenen Saison eine positive Bilanz vorweisen konnten. Zwar ist in der Liga aktuell kaum ein Team konstant (sehen wir mal von den Golden State Warriors und den Philly Cheesesteaks ab), ein holpriger Start war dennoch abzusehen. 

Not the result the boys wanted, but already putting in work in prep for our return home on Wednesday vs. the #Wolves.

A photo posted by Orlando Magic (@orlandomagic) on


Die wichtigsten Erkenntnisse in punkto Orlando 2015/16 lieferten eher die Spielverläufe und nicht die Ergebnisse: Die Magic waren in den meisten Spiele absolut konkurrenzfähig, besonders wenn die Offensive klickte. Ein Spiel, das Mut und Lust auf mehr Magic-Basketball gemacht hat, war die Partie gegen die Oklahoma City Thunder am zweiten Spieltag - derzeit einer der Top-Favoriten auf den inoffiziellen „Spiel des Jahres“-Award. 

Gegen OKC traten die Magic als geschlossenes Team gegen einen legitimen Meisterschaftsfavoriten auf, machten in der Defensive nur das nötigste und versuchten, den Thunder ein schnelles offensivstarkes Spiel aufzuzwingen. Der Ball wurde gut bewegt, jeder der Akteure erfüllte seinen Part wie bestellt, und Evan Fournier zeigte zum ersten Mal in dieser Saison, wieso er sich seinen Job in der Startformation verdient hat.  

Der Franzose macht in der Offensive bisher einen sehr guten Eindruck und sein Selbstvertrauen ist auch ohne statistische Spielereien für jeden ersichtlich. Fournier fungiert schon längst nicht mehr als reiner Spot-Up-Shooter. 

Er hat den Ball oft in der Hand, drückt aktuell so häufig ab wie kein anderer Magier (15,3 Mal pro Abend) und hat das mit Abstand beste individuelle Offensivrating aller Starter (111 ORtg). Founier avancierte unter Skiles vom Rollenspieler zum zentralen Baustein der Offensive. Er liefert das so immens wichtige Spacing, profitiert von Freiräumen und liefert regelmäßige Highlights in Korbnähe. 

Ein Grund für die angesprochenen Freiräume ist Tobias Harris, der nach Vertragsverlängerung in Orlando als Starter auf der Power Forward Position die Verantwortlichen nicht enttäuscht: Harris macht einen guten Job als Stretch-Vierer (36,7% Dreier) und hilft auch an den Brettern aus (8,5 RPG). 

Harris und sein Cousin Channing Frye sind zwei wichtige Bestandteile für die Magic-Offensive auf den großen Positionen, die jede Verteidigung respektieren muss, Umso erstaunlicher ist es jedoch, dass nicht alle Spieler so von den geschaffenen Freiräumen profitieren können, wie es zum Beispiel ein Evan Fournier tut.


Die Rede ist primär vom jungen Starting-Backcourt Victor Oladipo und Elfrid Payton. Besonders Sophomore Payton ist noch immer stark in der Findungsphase, was für eine Art Spieler er sein kann respektive für dieses Team sein muss. In seiner Rookie-Saison überzeugte er dank seiner Spielintelligenz, zeigte jedoch sehr große Defizite beim Wurf (26,2% Dreier und schwache 55,1% von der Freiwurflinie). 

In der noch jungen Saison trifft der Aufbauspieler vermeintlich häufiger schlechte Entscheidungen, sammelt mehr Turnover an und traut sich trotz verbesserten Wurfes (35% Dreier, 81,3% FT) viel zu oft aus der Mitteldistanz abzudrücken, aus der er aktuell noch überhaupt keinen Schaden anrichten kann. 

Bei aller Kritik am Youngster: seine Verbesserung an der Freiwurflinie ist enorm wichtig für den jungen Aufbau, denn wie verheerend eine Freiwurfschwäche für einen drivestarken Point Guard ist, dürfte uns Rajon Rondo in der vergangenen Saison bestens veranschaulicht haben. Hinzu kommt, dass er sich in einem völlig neuen System zurecht finden und viele Mitspieler füttern muss, ohne seine eigene Aggressivität zu vernachlässigen. Das dauert eine gewisse Zeit.

Oladipo hingegen hat bereits bewiesen, was er einem Team an beiden Enden des Feldes geben kann. Er war einer der besten Sophomores der abgelaufenen Saison und muss nun den nächsten Schritt tun: effizienter und konstanter agieren. Im eingangs erwähnten Spiel gegen die Thunder legte Oladipo ein Triple-Double auf und begeisterte die Fans mit aus den Sitzen reißenden Clutch-Aktionen, die er auch künftig zeigen dürfte. 


Ein Starter fehlt an dieser Stelle noch: Nikola Vucevic. Der Mann in der Mitte ordnet sich aktuell ein wenig dem Team unter, bleibt jedoch eine verlässliche Anspielstation in der Offensive. 'Vuc' spielt im Moment vermeintlich nicht so gut wie er kann - muss er dank der zusätzlichen Optionen aber auch nicht. 

Auffällig ist seine Verbesserung in der Verteidigung, mit der wohl auch Neu-Coach Scott Skiles etwas zu tun hat. Vucevic bewegt sich intelligenter und auch, wenn er wohl nie etwas mit dem „Defensive Player of the Year“-Award zu tun haben wird, macht er als Shotblocker und Turm in der Mitte bisher einen soliden Job (1,9 BPG).

Abschließend gibt der Saisonstart der Magic Hoffnung auf mehr. Trotz hartem Spielplan konnte Orlando fünf von elf Spielen gewinnen, obwohl aktuell nicht jeder der sportlichen Akteure bei 100% ist. 

Die Saison ist noch jung, die Erwartungshaltung nicht gigantisch, Anpassungszeit vorhanden. Sollten die Magic noch besser zueinander finden und auch die Defensivphilosophie von Skiles etwas mehr verinnerlichen, sollte der achte Platz im Osten kein unrealistisches Saisonziel sein.