03 Mai 2015

3. Mai, 2015  |  Chris Schmidt  @ChrisSchmidt27


Schon im Dezember schrieb ich darüber, wie unterschiedlich die Teams in der NBA scoren - trotz der stark ansteigenden Bedeutung des Dreipunktewurfs. Dabei fiel auf, dass mittlerweile sehr viele Mannschaften auf ein gutes Repertoire an Dreierschützen vertrauen. Gleichzeitig gibt es aber noch einige wenige, die sich ganz andere Wege zum Punkten suchen und trotzdem erfolgreich Basketball spielen. Kaum ein Playoff-Matchup macht dies so deutlich, wie das Aufeinandertreffen zwischen den Golden State Warriors und den Memphis Grizzlies.

Denn an den diesjährigen Playoff-Teilnehmern ist zu erkennen, dass es durchaus eine Verbindung zwischen treffsicheren Teams von Downtown und den Qualifikanten für die Postseason gibt. So sind die zwölf Teams, die in der regulären Saison am hochprozentigsten von jenseits der 7,24m-Linie getroffen haben, allesamt in den Playoffs wiederzufinden.

Von den 13 Teams, die über Liga-Durchschnitt (35,0% Dreier) von „beyond the arc“ eingenetzt haben, sind gleich 12 Mannschaften dabei. Lediglich drei Klubs sind im hinteren Drittel in dieser Kategorie zu finden und haben sich trotzdem eine Playoff-Teilnahme erspielt: die Memphis Grizzlies (Rang 23), die Brooklyn Nets (26.) und die Boston Celtics (27.).



Allerdings konnte nur eines dieser drei Teams mehr als 50 Spiele gewinnen und zudem die zweite Runde in den Playoffs erreichen: die Grizzlies. Angeführt von Marc Gasol und Zach Randolph ließen sie den ersatzgeschwächten Portland Trail Blazers in Runde Eins keine Chance.

Nun wartet mit den Warriors allerdings eine ganz andere Hausnummer. Der Top-Seed des Westens konnte in der regulären Saison zwei der drei Duelle gegen Memphis für sich entscheiden. Bei diesen Siegen spielte ausgerechnet der Dreipunktwurf eine entscheidende Rolle. Ein Fakt, den die Grizzlies in der Playoff-Serie dringend ändern müssen, um überhaupt eine Chance zu haben.

In der Defense
In der Season Series mussten die Grizzlies in drei Partien im Schnitt 12,6 erfolgreiche Dreier der Warriors hinnehmen. Bei der bitteren 84-107 Pleite Ende März waren es ganze 15 Stück, die Stephen Curry & Co. von außen durch die Reuse ballerten. Ohne den Warriors ihre Stärke absprechen zu wollen, muss man auch festhalten, dass Memphis den Perimter in den drei Spielen extrem schlecht verteidigte.

Natürlich gibt Coach Dave Joerger erstmal vor, die Zone komplett zuzumachen und so keine einfachen Punkte unter den Körben zuzulassen. Trotzdem setzt man sich so gegen Golden State der Gefahr aus, Dreier am Fließband zu kassieren und so seine Chancen gegen das stärkste Team der NBA zu verspielen.

So fiel bei den Duellen in der regulären Saison auf, dass die Grizzlies große Probleme hatten, Stephen Curry und Klay Thompson in den Griff zu bekommen. Thompson feierte beispielsweise ein 26-Punkte-Viertel, Curry schenkte Memphis in Spiel zwei 38 Zähler ein. Beide kamen zusammen auf 30 getroffene Dreipunktewürfe bei 52 Versuchen (57,7%).

Sollten die „Splash Brothers“ in der kommenden Serie ähnlich hochprozentig treffen, dürfte es für die Grizzlies extrem schwer werden, überhaupt ein Spiel zu gewinnen. Wo lagen konkret die Fehler der Grizzlybären? Eine Analyse.

Helping one pass away

Ziemlich auffällig in den Spielen der regulären Saison war, wie sorglos die Grizzlies mit Curry und Thompson umgingen. Häufiger wurden Spieler gedoppelt, die in der Offense wohl deutlich weniger Schaden anrichten würden. So bekamen die beiden Top-Stars dann ihre Freiräume, die sie auch eiskalt ausnutzten.

Hier beispielsweise hat Andre Igoudala den Ball auf Höhe der Dreierlinie erhalten. Nachdem Tony Allen erst ohne Erfolg auf den Steal geht, gesellt sich mit Jeff Green dann auch noch ein zweiter Verteidiger hinzu. „Iggy“ hat keine Probleme den komplett freistehenden Thompson zu finden, der von außen einnetzen kann.



Derselbe Fehler passiert auch in der folgenden Szene. Obwohl mit Green schon ein solider Defender bei Shaun Livingston ist, versucht Mike Conley hier zu helfen. In dessen Rücken schleicht sich Curry an der Linie entlang in die Ecke, um den einfachen Pass zu erhalten und von Downtown zu treffen.



Auch in der folgenden Sequenz sind die Grizzlies nicht nah genug an den besten Schützen der Warriors dran. Aus dem Fastbreak heraus hat Draymond Green große Schwierigkeiten gegen Gasol abzuschließen und sucht somit einen freistehenden Shooter. Die Zuordnung in der Defense stimmt kaum, sodass Courtney Lee sich zwischen Curry und Thompson entscheiden muss und am Ende niemanden deckt. Somit bekommt der Point Guard der Warriors seinen nächsten offenen Dreier. Splash!



Hier muss sich Memphis deutlich steigern. Das Helfen, während der eigene Gegenspieler nur einen Pass entfernt steht, sollte man gegen die Warriors möglichst vermeiden. Immerhin führen sie aus gutem Grund die Liga bei der Dreierquote an und haben zudem eine Reihe an Spielern, die von außen treffen können. Allgemein sollte nun aber das Auge darauf gerichtet sein, Curry und Thompson nicht heißlaufen zu lassen, sondern lieber einen Dreier von Andre Igoudala in Kauf zu nehmen, wenn das Doppeln unbedingt nötig ist. Dies gilt vor allem für die Perimter-Defender, die in der Season-Series viel zu oft an unnötiger Stelle geholfen und somit für offene Würfe des Gegners gesorgt haben.

Im Pick & Roll

Auch aus dem Pick & Roll schaffen es Curry und Thompson immer wieder, gute Dreipunktewürfe zu kreieren. Dabei fiel bei den Duellen gegen die Grizzlies auf, dass diese wieder mal lieber den Sprungwurf zulassen, als den Drive hinnehmen zu müssen. So ging Conley als Verteidiger beinahe konsequent unter dem Screen her und ermöglichte dem Aufbauspieler der Warriors somit einem offenen Dreier nach dem Anderen.








Auch in anderen Sequenzen ist zu erkennen, wie schnell die Warriors Fehler in der Verteidigung von Blöcken ausnutzen. Hier stellt Draymond Green einen Down-Screen, um Curry oben an der Dreierlinie freizubekommen. Allerdings macht Jeff Green den Fehler und folgt Curry nicht, sondern will ihm den Weg abschneiden, in dem er über dem Block hergeht. Dies realisiert Curry sofort und wählt den Weg zurück in die Ecke, um dort den Pass von Leandro Barbosa zu empfangen. Einfache Punkte!



Wenn Memphis ein ernsthaftes Wörtchen mitreden will, müssen sie das Blocken und Abrollen besser verteidigen. Natürlich ist dies leicht gesagt, wo kaum ein Team so viele Möglichkeiten aus diesem Play hat wie die Warriors. Trotzdem sollten auch hier zumindest offene Dreier verhindert werden, in dem man sich an die Basics der Defense erinnert. Dass man Curry nicht bei einem Dreier pro Abend halten kann, sollte natürlich auch klar sein. Allerdings waren die erfolgreichen Dreipunktwürfe ein Schlüssel, warum die Warriors zwei Spiele in der regulären Saison gewinnen konnten. Wenn sich die Grizzlies darauf besser einstellen und unter den Körben ihre möglichen Vorteile ausspielen, haben sie in dieser Serie definitiv eine Chance.

Im Fastbreak

Es sollte sich mittlerweile auch bis nach Memphis rumgesprochen haben, dass Golden State das Tempo liebt. Sobald sich eine Möglichkeit für einen Fastbreak ergibt, rennen die Warriors so schnell wie möglich nach vorne und suchen auch sofort den Abschluss. Immerhin führten sie, laut den Synergy Play-Type-Stats, nach der regulären Saison die Liga in Transition-Points an. Dabei sind sie aber eines der wenigen Teams, die auch im Fastbreak absolut auf ihren Dreier vertrauen. Während die meisten Mannschaften im Schnellangriff wohl eher auf einfache Punkte in Korbnähe gehen, lieben es die Warriors den Ball nach außen zu passen und einen schnellen Dreier einzustreuen.

Auf Situationen wie diese hier sollten die Grizzlies somit vorbereitet sein. Curry treibt den Ball nach einem langen Rebound schnell nach vorne und Thompson orientiert sich sofort zur Dreierlinie. Da Marc Gasol der Einzige ist, der schon soweit mitgelaufen ist, muss er eigentlich Thompson decken, kommt aber viel zu spät und kann den Treffer nicht mehr verhindern.




In der Offense
In der Offensive geht bei den Memphis Grizzlies bekannterweise viel über das Big Man Duo Zach Randolph und Marc Gasol. Die beiden führen das Team in der Usage-Rate an und werfen zudem am häufigsten auf den Korb. Somit verfolgen die Grizzlies einen ganz anderen Weg in der Offense und werden viel mehr das Spiel unter den Brettern suchen.

Hier haben die Warriors aber auch durchaus etwas entgegenzusetzen. Mit Andrew Bogut und Draymond Green beginnt Golden State nämlich meist mit zwei komplett unterschiedlichen Spielertypen auf den großen Positionen. Bogut dient dabei mehr als Rim-Protector, Green ist vielfältiger, kann weiter vom Korb weg verteidigen und bereitet zudem in der Offensive Mismatches.

Beim ersten Aufeinandertreffen in dieser Saison fiel Bogut aus, deswegen musste Festus Ezeli seinen Job übernehmen. Dies gelang dem jungen Center allerdings nur mittelmäßig, sodass Marc Gasol den Warriors 22 Punkte einschenkte und die Grizzlies zum Sieg führte. Im zweiten Duell stellte Steve Kerr dann seine Defense um. Green übernahm Gasol, während Bogut den Vierer der Grizzlies, Zach Randolph, verteidigte. Diese Umstellung brachte den Warriors viele Vorteile ein. Durch die Mobilität von Green konnten sie das Pick & Roll mit Gasol deutlich besser verteidigen und waren so auch in der Lage, seine Midrange-Jumper aus dem Spiel zu nehmen.

Hier eine Szene, als Festus Ezeli den Spanier verteidigen musste. Aus dem Pick & Roll, bei dem Ezeli absinkt, will Conley zum Korb ziehen, bemerkt allerdings, dass sich nun niemand mehr um Gasol kümmert und dieser so den einfachen Wurf aus der Mitteldistanz versenken kann.



Wenn Green den Center der Grizzlies verteidigt, sieht das Matchup ganz anders aus. Durch seine Schnelligkeit kann er Gasol bis zur Dreierlinie verfolgen und auch da aufnehmen, da er einen Zug zum Korb von Gasol gut verteidigen kann. Somit brauchen die Warriors auch keinen Help-Defender oder Rim-Protector in dem Fall. Die größte Gefahr in Korbnähe ist, nach außen getrieben zu werden, während alle anderen um die Dreierlinie herum stehen. So strahlen die Grizzlies die kleinste Gefahr überhaupt aus.



Auf die starke Konzentration auf das Low-Post-Spiel hat sich natürlich auch schon die Defense der Warriors eingestellt. Deshalb sinken sie extrem ab und ziehen sich in der Zone zusammen, sobald Gasol oder Randolph den Ball im Low-Post erhalten.  Dies soll die Chancen auf einen einfachen Korb aus diesen Plays verringern. Hier kommt aber das Problem der Grizzlies: Wenn die Warriors sich so zusammenziehen und Gasol und Randolph kaum zu Abschlüssen „down low“ kommen, müssen sie mehr auf ihre Schützen vertrauen.

Dies könnte zu einem enormen Problem werden. Denn: Mit Courtney Lee (54,5%) und Nick Calathes (54,5%) haben die Grizzlybären nur zwei Spieler, die in den Playoffs bislang den Dreier mit über 40 Prozent getroffen haben. Andere wichtige Shooter wie Beno Udrih (28,6%), Jeff Green (28,6%) und Vince Carter (27,3%) werfen bislang viele Backsteine von außen.

So kann es zu Situationen wie hier kommen, dass die Warriors einfach direkt zwei Spieler auf Gasol schicken und unterm Korb dicht machen. Mit Conley und Carter wären hier zwei Optionen außen, allerdings wird Gasol im Verlauf der Szene trotzdem den Midrange-Jumper nehmen. So oder so wäre es den Warriors wohl Recht gewesen, ganz egal, ob der Spanier den Wurf hier trifft.



Auch in der nächsten Sequenz schickt Golden State einen zweiten Verteidiger auf Gasol. Dieser soll es so noch schwerer haben, mit dem Rücken zum Korb zu scoren. Welche Alternativen da sind, ist offensichtlich. Mit Conley steht ein solider Dreierschütze offen, in der Ecke wartet Lee komplett unbewacht. Dies zeigt auch wie wenig die Warriors die Shooter der Grizzlies ernst nehmen und wie konzentriert sie darauf sind, Gasol zu stoppen. Der Vollständigkeit halber: Auch diesen Wurf wird Gasol trotz der guten Defense nehmen - auch aus Mangel an anderen Optionen.




Effekt
Der Einfluss des Dreipunktwurfs auf diese Playoff-Serie ist unstrittig. Egal ob die Warriors damit wieder einen großen Teil ihrer Offense füllen, oder ob Memphis damit mehr Variabilität in das Angriffsspiel bekommt und somit Golden State vor ganz neue, ungeahnte Probleme stellt: Der Wurf von jenseits der 7,24m-Linie wird in dieser Serie entscheidend sein.

Es wird somit spannend zu sehen sein, ob Joerger die Probleme in der Verteidigung dieses Wurfs erkannt hat und umstellt, oder ob er weiter auf seine Defense und damit auf ein schwaches Händchen von Curry, Thompson & Co. vertraut.

Auf der anderen Seite wird interessant, ob Kerr weiterhin auf das Matchup Green vs. Gasol setzt und Randolph somit Abend für Abend über den Arm von Bogut hinweg werfen muss. Außerdem bleibt abzuwarten, ob die Warriors so frech sind und wirklich so weit weg von den Schützen der Grizzlies rotieren, dass Gasol in der Zone gar kein Platz mehr bleibt und er schließlich den Pass nach außen suchen muss. Sollte es soweit kommen, könnten die Warriors entweder kurz vor dem nächsten Sweep stehen oder doch mehr Probleme als erwartet bekommen. Der Dreipunktwurf entscheidet.