01 Mai 2015

1. Mai, 2015  |  Daniel Schlechtriem @W14Pick


Die Houston Rockets haben die Serie gegen die Dallas Mavericks fast unbeschadet überstanden und den texanischen Rivalen mit 4-1 deutlich in die Sommerpause geschickt. Während Harden, Howard & Co. noch auf den Zweitrundengegner warten müssen, lohnt ein Rückblick auf die erste Runde.


Das war gut
Die Superstars haben geliefert. Hardens 28,4 PPG und 7,8 APG bei 46,5% aus dem Feld, 38,7% von Downtown und 96,2% von der Linie mit einem True Shooting von 65,2% und entscheidenden Treffern in Spiel drei und fünf lassen seine (irrationalen) Kritiker (vorerst) verstummen. Die Vorbehalte wegen Howards Gesundheitszustand hat dieser in die letzte Sitzreihe geblockt. Verzichtet Howard noch etwas mehr auf sein wackliges Low Post Spiel und geht dafür häufiger ins Pick and Roll, wird er auch am anderen Ende des Feldes eine Waffe.

Houston spielte seine Vielseitigkeit aus und ließ sich nicht davon beeindrucken, dass die Mavs immer wieder zwischen Mann- und Zonenverteidigungen wechselten. Im ersten Duell war es Corey Brewer, der dem Gegner mit Dreiern aus der Ecke den Rest gab, im zweiten die für Rockets-Fans auf Jahrzehnte unvergessliche Alley-Oop-Session von Smith und Howard. Im entscheidenden fünften Spiel tütete der bis dato in der Serie eher unauffällige Terrence Jones mit einem wichtigen three point play und einem folgenden Dreier aus der Ecke den Sieg ein. An jedem Abend kann ein anderen Spieler zum entscheidenden Faktor werden. Die Teamchemie stimmt, das macht die Rockets schwer ausrechenbar (Grüße an Mark Cuban).

Wie viele seiner Spieler gelang auch Coach McHale in der laufenden Saison ein großer Schritt nach vorne: Im Vergleich zum Vorjahr haben die Rockets in dieser Serie viel konsequenter die Schwachstellen des Gegners ausgenutzt, was sich am besten an der Strategie gegen Dirk Nowitzki zeigt. Dieser wurde in der Defensive gezielt attackiert und entkräftet, in der Offensive immer wieder entscheidend gestört und zum exakt richtigen Zeitpunkt gedoppelt, um zu verhindern, dass Dallas' noch immer gefährlichster Spieler heiß läuft.


Auch die Lehren aus Spiel vier waren in Spiel fünf unübersehbar: Bareas Laufwege wurden konsequent zugestellt, der überraschend offensivstarke Aminu und weitere Shooter bekamen längst nicht mehr so viel Platz am Perimeter, Amar'e Stoudemire wurde in Korbnähe effizient eingeengt. Rookie Clint Capela anstatt den routinierteren, aber wesentlich untalentierteren Joey Dorsey zu bringen war mutig, zahlte sich aber aus. McHale hat ein Händchen dafür bewiesen, zur richtigen Zeit die richtigen Entscheidungen zu treffen und die funktionierenden Kombinationen aufs Parkett zu schicken.

Die Rockets haben eines ihrer Hauptprobleme, die Turnover, einigermaßen in den Griff bekommen. Mit einer Ratio von 12,4 haben sie den Wert der Regular Season von 15,0 merklich gesenkt, auch die Turnover-Percentage ging von 14,6 auf 11,9 runter. Es gab nur einen Ausreißer nach unten, als sie im entscheidenden fünften Spiel untragbare 21 Mal den Ball wegwarfen.

Das muss besser werden
Dallas war das beste Matchup für die Rockets, weil deren Aufbauspieler Stand Playoff-Beginn Rajon Rondo hieß und nicht für athletische Spielweise bekannt ist. Mit Barea auf der Eins wurde Houstons defensives Hauptproblem offenbart: Weder Terry, noch Prigioni können einen flinken Gegenspieler vor sich halten, in Spiel drei und vier kamen die Mavs ein ums andere Mal zu einfachen Punkten in Korbnähe, weil genanntes Duos Bareas Penetration nicht zu unterbinden imstande war. In dieser Serie wurde das zu keinem allzu großen Problem, denn die Verteidigung des Gegners offenbarte noch größere Lücken. In der zweiten Runde, gegen einen stärkeren Widersacher, wird diese Achillesferse jedoch noch angreifbarer werden. Es bleiben jedoch Hoffnungen, dass Patrick Beverley im Verlauf dieser Postseason zurückkehrt.

Nur 67,9% der Freiwürfe fanden ihren Weg ins Ziel, der zweitschlechteste Wert aller Playoff-Teams. Dies ist selbstverständlich der Hack-Strategie geschuldet, dennoch darf man sich in einer engeren Serie, wovon ab der zweiten Runde auszugehen ist, nicht zu viele verschenkte Punkte erlauben. Ausgerechnet Howard (46%) und Smith (43%), die neben Harden den größten Anteil am deutlichen Triumph über die Mavericks beitrugen, müssen sich steigern. Positiv zu vermerken ist Clint Capela, der zwar die ersten 15 Freiwürfe seiner NBA-Karriere daneben setzte, gegen Dallas aber verhältnismäßig beachtliche 62% traf und fortan nicht mehr gehackt wurde.

Trevor Ariza ist einer der Hauptgründe, warum die Rockets für viele überraschend den zweiten Platz im Westen einnahmen. Gegen Dallas ging er defensiv weiter mit vorbildlichem Einsatz voran und dämmte Monta Ellis' Radius so gut es ging ein, offensiv fand er aber über die ganze Serie seinen Rhythmus nicht: 29% aus dem Feld und 22% Dreier sind einem Spieler seiner Klasse unwürdig. Diese miserable Zahlen sind einerseits darauf zurückzuführen, dass der 29-jährige zu oft den von Morey (zurecht) verhassten Mid-Range Wurf suchte, jedoch auch selbst freie Dreier daneben setzte. Für die höheren Ziele braucht Houston dringend den treffsicheren Ariza des Vorjahres (48% FG, 45% 3P).

Für ein Team mit Howard, Smith und Jones sollte Rebounding eigentlich kein Problem darstellen.  Eigentlich, dennoch ließen die Rockets zu häufig Offensiv Rebounds zu, bei der einzigen Niederlage 16 an der Zahl – gegen ein Team, das in der Regular Season bei den Abprallern in allen relevanten Kategorien Plätze im unteren Drittel der Liga belegt. In Anbetracht dessen, dass es in Kürze entweder gegen DeAndre Jordan (13,2 RPG in den Playoffs) oder Tim Duncan (11,2) gehen wird, muss McHale die freien Tage für den ein oder anderen Drill in Korbnähe nutzen.

Ausblick
Die wahre Stärke der Rockets ist aus der ersten Runde nicht abzulesen. Häufiger wirkten sie unsortiert und sorglos, spielten in den entscheidenden Situationen jedoch ihre Qualitäten gnadenlos aus, sodass es in allen drei Spielen im Toyota Center zu keiner Crunchtime kam. Ob sie von einem schwach besetzten Gegner profitierten oder sich dessen Schwächen angepasst haben und als gutes Pferd (no pun intendend) nur so hoch wie notwendig sprangen, kann höchstens spekuliert werden. Wer auch immer den zweiten Rang im Westen und den Gewinn des Divisions-Titels für einen Zufall gehalten hat, sieht sich fürs erste widerlegt. Gewonnen ist dadurch freilich noch nichts, dennoch gehen die Rockets, gestärkt vom souveränen Sieg über einen Rivalen, nicht als Außenseiter, sondern mindestens auf Augenhöhe in die zweite Runde.