15 Mai 2015

15. Mai, 2015  |  Wolfgang Stöckl  @WStckl


Mit der Qualifikation für die Playoffs hatten die Boston Celtics ihr Saisonziel schon übererfüllt, so dass die Spiele gegen die Cleveland Cavaliers als willkommene Erfahrung für die junge Truppe von Brad Stevens gesehen wurden. Echte Chancen auf ein Weiterkommen haben sich aber nur die wenigsten ausgerechnet.

Es kam dann so wie es man es erwartet hatte: die Celtics schieden am mit 0-4 sang- und klanglos aus. Die Cavs waren gut auf die Kelten vorbereitet und nutzten die bekannten Schwächen konsequent aus. Letztlich scheiterten die Jungs aus Beantown in allen vier Spielen an denselben Gründen. 


Defensiv hat das Team mit dem Kleeblatt einen recht ordentlichen Job gegen eine der besten Offensiven der Liga gemacht. Die Celtics hielten die Cavs bei 44% aus dem Feld und einer Dreier-Quote von 32%, was beides deutlich unter dem Saisonschnitt der Cavs lag. Allerdings mussten sich die Celtics in der Defensive oft mit Fouls behelfen, wodurch die Cavs überdurchschnittlich oft an die Freiwurflinie kamen (31,5 Versuche/Spiel). Dadurch schafften sie es, ihre unterdurchschnittlichen Quoten zu kompensieren. Außerdem konnten sie am offensiven Brett immer wieder für zweite Wurfchancen sorgen. Trotzdem lagen die Hauptprobleme der Kelten in der Offensive.

Es gelang den Celtics einfach nicht das Tempo hochzuhalten und schnell zum Abschluss zu kommen. Dadurch mussten sie immer wieder im Halbfeld agieren und hier zeigte sich, dass die Celtics einfach über zu wenig individuelle Klasse verfügen. Nur Isaiah Thomas und mit Abstrichen Evan Turner sind in der Lage, aus dem Pick & Roll Würfe für sich und die Mitspieler zu kreieren. Die einzige ernsthafte Option im Post, Jared Sullinger, war nach einem Ermüdungsbruch im Fuß erst kurz vor den Playoffs fit geworden und kam erst am Ende der Serie richtig in Schwung.

Ansonsten ist die Offensive der Celtics auf viele Pick & Roll Spielzüge, Off-Ball-Screens und Ballbewegung ausgelegt. Wenn der Gegner die Systeme aber kennt, kann er sich besser darauf einstellen als ein Team in der regulären Saison. Außerdem switchten die Cavs diese Spielzüge oft, da sie wussten, dass die Celtics aufgrund der fehlenden individuellen Klasse nicht in der Lage sind, sie dafür zahlen zu lassen.

Insgesamt taten sich die Celtics in der Offensive sehr schwer. Besonders von der Dreier-Linie fiel fast kein Wurf (26%), so dass sie die Serie mit einem Offensivrating von mickrigen 97 Punkten pro 100 Angriffen abschlossen. Damit gewinnt man in den NBA-Playoffs nichts.

Positiv waren die individuellen Auftritte von Jae Crowder (10 PPG, 5 RPG, 52% FG), Marcus Smart (9,8 PPG bei 48% FG)  und Jared Sullinger (12 PPG, 7 RPG, 55% FG in 20 Minuten pro Partie), die alle drei besser spielten, als man das erwarten konnte. Erstaunlich war, dass ausgerechnet Spieler, die schon über Erfahrung in den Playoffs verfügten, nicht gut spielten (Avery Bradley, Brandon Bass).

Viel Kritik gab es auch an Isaiah Thomas, der nur 33% aus dem Feld und 17% von der Dreier-Linie warf. Ihn muss man aber ein wenig in Schutz nehmen: es waren seine ersten Playoffs; die Cavs wussten, dass er der gefährlichste Angreifer ist und verteidigten ihn sehr eng zur Not auch mit zwei Mann. Das konnten sie sich mangels Schützen bei den Celtics auch leisten.

Insgesamt war es eine willkommene und wertvolle Erfahrung für die Celtics, nun darf man gespannt sein, was der Draft und die Saisonpause bringen. Die Celtics brauchen auf jeden Fall noch einen großen Spieler, der das Pick & Roll gut verteidigen und den Korb beschützen kann. In der Offensive wird dringend ein Schütze benötigt (Platz 27 bei der Dreier-Quote in der regulären Saison) und ein Spieler, der in der Lage ist, im eins gegen eins für Punkte zu sorgen. Im Idealfall kann der Spieler, der verpflichtet wird, beides. 


Danny Ainge hat in der Pressekonferenz schon deutlich gemacht, dass die Celtics ihre Fühler in alle Richtungen ausstrecken werden und das Team verbessert werden soll. Seit dem Trade für Isaiah Thomas gehört das Tanken der Geschichte an. In Boston soll wieder gewonnen werden. Was genau in der Saisonpause passiert, ist aber sehr schwer vorherzusagen. Zu vielfältig sind die Möglichkeiten.

Die Celtics verfügen über Unmengen an Erst- und Zweitrundenpicks in den nächsten Jahren, zudem haben sie genug Gehaltsspielraum für fast zwei Maximal-Verträge. Sie verfügen über junge Spieler, die sie weiterentwickeln oder gegen einen Star tauschen können. Ainge wird wohl in alle Richtungen arbeiten. Passenden Free-Agents werden Angebote gemacht werden, selbst wenn sie "restricted" sind.

Er wird versuchen, im Draft weiter nach oben zu kommen, um einen defensivstarken Big Man zu ziehen. Außerdem wird er allen Teams ein Angebot machen, bei denen er das Gefühl hat, dass ein Star verfügbar sein könnte (zum Beispiel den Sacramento Kings für DeMarcus Cousins). Falls sich nirgendwo eine bezahlbare Möglichkeit ergibt, kann es natürlich gut sein, dass wenig passiert und Ainge abwartet, was sich in der Saison 2015/16 für Chancen ergeben.

Schritt eins des Rebuilds hat Ainge mit Bestnote gemeistert. Nun gilt es die Errungenschaften mit Bedacht einzusetzen und keine Fehler zu begehen. Das kann auch bedeuten, dass Boston einfach gar nichts macht.