04 Mai 2015

4. Mai, 2015  |  nbachefsquad  @nbachefkoch


41 Spiele in 15 Tagen - die erste Playoff-Runde hatte es in sich. Wenngleich wir nur bei einem Spiel sieben mitfiebern durften, haben uns die ersten beiden Playoff-Wochen viel gelehrt. Was genau? Darüber streiten Anno Haak, Onur Alagöz, Roman Schmidt, Torben Siemer und Daniel Schlechtriem.



1. Von den Teams, die in der ersten Runde die Segel streichen mussten, steckt am tiefsten in der Tinte...

Anno Haak @kemperboyd: Brooklyn ist zu offensichtlich. Ich gehe von vier Mal „Mavs“ als Antwort aus, also gehe ich in die Wüste und rufe einsam, aber laut: PORTLAND! Die Bank hat immer noch das D-League-Label auf den Handtüchern. Was aus Matthews wird, wissen nur die Götter. Wenn Aldridge den Sirenen von NY oder LA nicht widerstehen kann, sind sie mit Utah, OKC und New Orleans in den Startlöchern hinter sich schneller ein Lotteryteam als der Oregonian „Regen“ in den Wetterbericht getippt hat. Und 2016 wird Damian L. bei explodierendem Salary Cap RFA…

Onur Alagöz @LakersParadigm: Die Fohlen aus Dallas sind im Rondo-Trade einen Gamble eingegangen, der sie Einiges gekostet hat. Dass die Mannschaft alt ist, steht außer Frage. Und auch Nowitzki nähert sich im Galopp seinem Karriereende. Steht nicht bald ein veritabler Ersatz als Führungsspieler bereit, sieht es zunächst bitter aus. Chandler und Rondo können beide das Team im Sommer verlassen, Letzterer wird es wohl auf jeden Fall tun. Auch Ellis hat eine Spieleroption, die er sicher nicht blindlings einfaxen wird. Cap-Space steht theoretisch zur Verfügung. Wenn Cuban also nicht wieder mit seiner Moneygun die Scheine durch die NBA-Lounge ballert, kann man wenigstens langfristig planen.

Roman Schmidt @sch_rom: Die etwas unterwältigenden Mavericks werden haushoch von den Toronto Raptors geschlagen - was für ein Meltdown. Klar, Kyle Lowry hat verletzt gespielt und er war auch wahrscheinlich nicht der einzige, doch so eine „Leistung“ ist schwer zu rechtfertigen. Nach dem Aus muss Toronto den gesamten Kader infrage stellen: Ist DeRozan untradebar? Was passiert mit der Power Forward Position? Ist Casey der Richtige? Ist das Experiment Terrence Ross gescheitert? Wenn man nicht um Valanciunas bauen möchte, muss man ihn dann ziehen lassen? Die Raptors haben sich in Windeseile vom aufstrebenden Ost-Team zum Masai-Ujiri-Horror-Sommer entwickelt.

Torben Siemer @lifeoftorben: Meiner Meinung nach die Dallas Mavericks: Tyson Chandler, Rajon Rondo, Richard Jefferson, Charlie Villanueva, JJ Barea, Greg Smith, Amare Stoudemire – die Verträge dieser Jungs laufen aus. Al-Farouq Aminu wird nach seiner starken Saison ebenfalls die Free Agency testen, Monta Ellis und Raymond Felton haben eine Spieleroption für die nächste Saison. Macht im Fall der Fälle zehn Free Agents, aus der Playoff-Rotation stehen aktuell nur Chandler Parsons, Dirk Nowitzki und Devin Harris unter Vertrag. Vieles ist möglich im Sommer, aber die dicken Fische hat das Front Office der Mavs in den letzten Jahren eher selten an Land gezogen.

Daniel Schlechtriem @W14Pick: Im Osten Brooklyn, ein Blick auf die Payroll genügt als Grund. Im Westen die Mavs: Sie müssen nicht nur das Debakel um Rondo ausbaden, über Draft Picks brauchen wir nicht zu sprechen, Dirk wird 37, mehrere Schlüsselspieler Free Agents und überzeugende Aufhänger nach Dallas zu wechseln haben sie auch dieses Jahr nicht. Direkt dahinter kommen die Blazers, denen die Argumente ausgehen, LaMarcus Aldridge im Juli zum Bleiben zu bewegen.

2. Trotz historischem Höchstand an 3-0s in der ersten Runde (6 Stück) wird in der zweiten Runde keine Serie so eindeutig werden.

Anno Haak: Wenn Conleys Schwellung nicht schneller zurückgeht, als Curry ein Gummibärchen verdrückt, doch. Washington gegen Atlanta wird wenigstens Coaching Schach *hüstel*. Der Rest sieht auf dem Papier wie Nagelbeißer aus. Aber bis Spiel 7 zwischen den Rockets und den Clippers steht, bleibe ich skeptisch.

Onur Alagöz:
 Wollen wir es doch hoffen. Nach der legendären ersten Runde im letzten Jahr war diese eher „meh“. Aber in der zweiten Runde hat sich die Spreu vom Weizen getrennt und es stehen sich absolut ebenbürtige Mannschaften gegenüber. Gerade der Westen sorgt für semi-boners bei Fans, stehen sich doch explosive Offensivmannschaften und Defensivbollwerke in den Matchups entgegen. Im Osten tut man sich schwer, einen Favoriten zu picken. Washington war souverän, hat den Peak aber vielleicht zu früh erreicht und Atlanta tat sich mit Brooklyn schwerer als erwartet. Chicago gegen Cleveland wird sicherlich schmackhaft, ein Klassiker der letzten Jahre und Rose findet gerade sein Spiel wieder. Wird cool.

Roman Schmidt: Wenn ich genau einen Point Guard aussuchen soll, der Stephen Curry eine Serie lang bearbeiten muss, dann nehme ich Mike Conley. Er ist schlicht und ergreifend die absolute Pest für teamexterne Kollegen. Wenn er nicht bald wieder auf dem Holz steht, ziehen die Warriors den Grizzlies das Fell über die Ohren. Weniger Verletzungen haben ist das absolute Erfolgsrezept im Spätfrühling.

Torben Siemer: Niemand hätte vorher wohl vorher gesagt, dass in Runde eins gleich sechs Serien bei zwischendurch 3-0 stehen – warum also nicht eine in Runde zwei? Gut, die von Verletzungen geschwächten Teams haben ihre Exit-Interviews schon hinter sich. Die Cavaliers spielen ohne Kevin Love, bei den Bulls ist jeder immer irgendwie irgendwo zwischen angeschlagen und verletzt. Golden State hat das Gift, für das Memphis das Gegenmittel fehlt und wann Mike Conley sein frisch repariertes Gesicht wieder durch ein Jersey zwängt, ist noch nicht sicher. Und in der Regular Season haben die Wizards zumeist schlecht ausgesehen gegen die Hawks. Am Ende ist’s ein Orakel und das lag mir noch nie…

Daniel Schlechtriem: Hätte Mike Conley noch seine ursprüngliche Gesichtsform, würde ich diese These bejahen. Ohne ihren Aufbauspieler sind die Warriors aber das undankbarste Matchup und selbst wenn Gasol und Z-Bo in der Zone ihre Toughness ausspielen, wird es den Bären an offensiver Einfallskraft mangeln. Einen Sweep wird es zwar nicht geben, ein 3-0 vielleicht auch nicht, aber eindeutig wird diese Serie dennoch enden. Die anderen Serien werden auch kein 3-0 aufweisen.

3. In ein siebtes Spiel geht die Zweitrundenserie...

Anno Haak: Cleveland, Clippers und Hawks in 6. Goldsucher in 4. Keine.

Onur Alagöz: Wäre Mike Conley nicht verletzt, dann Golden State vs. Memphis. Beste Defensive der Liga gegen drittbeste. Curry hätte gegen Conley alle Hände voll zu tun, Memphis kann Bogut und Green solide aus dem Spiel nehmen. Aber so... Für mich der klar heißeste Anwärter: Clippers vs. Rockets. Stolpert Chris Paul nach seiner Hamstring-Malaise nicht über James Hardens Bartfusseln, werden Howard, Griffin, Harden und Paul abwechselnd grandiose Spiele abliefern und irgendwann im sechsten oder siebten Spiel die Entscheidung fällen.

Roman Schmidt: Auf den ersten Blick können im Osten beide bis Game 7 gehen, auf den zweiten Blick werden sie es aber nicht. Keine Game 7s in Runde 2.

Torben Siemer: Cavaliers vs. Bulls.

Daniel Schlechtriem: Cleveland gegen Chicago. Wenn die Cavs schon gegen die harmlosen Celtics so viele Nerven zeigen, wird der Popcorn-Faktor in dieser Serie ins Unermessliche steigen. Spätestens wenn es ins United Center geht, fliegen die Fetzen. Vom ausgeglichenen Talent her könnte man noch die Wizards und die Hawks nennen, aber diese Serie ist die unvorhersehbarste der ganzen Runde. Kann in beide Richtungen deutlich werden, aber auch bis zur letzten Sekunde gehen.

4. Im Osten stehen die Conference Finals bereits fest.

Anno Haak: Nö. Den Hawks traue ich nach der Zitterfingervorstellung in Runde 1 alles (Schlechte) zu, Horford und Teague sind angeschlagen. Dass Olynyk die Cavs um die ECF betrogen hätte, kann nur glauben, wer die Splits von Love gegen Chicago nicht gelesen hat. Ich nehme an, 29 % aus der Innenstadt nagelt Marion auch noch in den BS. Probleme beim Rebounding? Hihi. Fast 4 von 10 eigenen Fehlwürfen sammeln die Cavs mit Thompson und Mozgov auf dem Feld ein. Irgendwie habe ich den Faden verloren. Ach ja, Cleveland steht, die andere Serie nicht.

Onur Alagöz: Absolut nicht. Atlanta und Cleveland mögen die Favoriten sein, gesetzt ist hier aber noch gar nichts. Washington ist heißer als das Pflaster in Baltimore und strotzt nach dem Sweep nur vor Selbstvertrauen. Coach Budenholzer muss erstmal Wall & Beal in den Griff kriegen. Granted: Toronto hat in der ersten Runde kanadische Überhöflichkeit walten und kackdreist die Wizards gewähren lassen, schlecht ist das Team aber bei weitem nicht. Und Chicago muss ackern. Gerade jetzt, wo Kevin Love ausfällt und Smith gelesen hat, dass Boxer 100 Millionen pro Kampf bekommen, ist die Chance da. LeBron ist immer noch mindestens ein halbes Level über allen anderen Spielern in diesen Playoffs, aber für die Bulls ist es do or die – kann gut ausgehen für beide.

Roman Schmidt: Ich traue Chicago nicht. Und zwar in dem Sinne, dass sie morgen 3-0 gegen die Cavs führen könnten und es weniger als eine Woche später 3-3 steht. Im direkten Aufeinandertreffen steht es 3-1 für die Cavs, doch haben die Bulls bislang nur einmal gegen lovelose Kavaliere gespielt- und sie deutliche abgefertigt. Darüber hinaus macht J.R. Smith gefühlt 20 Dreier pro Spiel gegen die Bulls. Der Porzellanladen ist dank JR-Sperre und Loves fehlendem Spacing perfekt eingerichtet, es liegt nur noch an den Bulls, ordentlich darin zu wüten.

Torben Siemer: Ist das so? Die Hawks wirkten durchaus wackelig in Runde eins. Die Wizards haben aus #WeTheNorth ein #WeTheSwept (Props an Chris) gemacht, waren aber in der Regular Season vergleichsweise leichte Kost für Atlanta. Die Cavaliers müssen ohne Kevin Love auskommen. Die Bulls können Cleveland nicht leiden und werden alles in die Waagschale werfen. Meiner Meinung nach stehen die Eastern Conference Finals längst noch nicht fest.

Daniel Schlechtriem: Vor der ersten Runde hätte man das meinen können, doch Washington und Chicago werden sehr unangenehme Gegner für die beiden Top-Platzierten. Sollten sich insbesondere die Bulls zur Abwechslung mal zusammenreißen, sind sie für die Cavs die größte Hürde im Osten. Die Conference Finals werden nicht Cleveland gegen Atlanta lauten, one way or another.

5. Die Western Conference Finals werden die wahren Finals.

Anno Haak: Wir ziehen die Banner der letzten zehn Jahre hoch. 3x Heat, 1x Celtics, 2x Lakers (1 davon in sieben Spielen, kein Besen), 3x Spurs (1 davon in sieben Spielen, 1 Besen), 1x Mavs (kein Besen). Heißt: seit 2005 insgesamt 4x Eastern Conference, 6x Western Conference, dabei ein einziger Sweep. Ost-Bashing is over. If you want it.

Onur Alagöz:
 Trotzdem kriegt nur der Sieger Finals-Finals die funkelnden Ringe. Nur, weil man sich im Westen durchgesetzt hat, schenkt einem Adam Silver nicht automatisch die Meisterschaft. Cooler sind die Serien im Westen bestimmt, zumindest für meinen Geschmack, der Osten ist aber nicht so schlecht wie er gemacht wird, auch dieses Jahr nicht.
Roman Schmidt: Ach kommt schon. Ja, die Eastern Conference ist in der unteren Hälfte etwas dürftig, doch die Atmosphäre in den Finals ist unschlagbar. Und die Matchups in den zweiten Runden werden allesamt bombastisch. Don’t hate, enjoy.

Torben Siemer: So heißt es seit Wochen, wenn nicht Monaten. Wer aus dem Westen in die Finals kommt, gewinnt diese. Clippers und Spurs hatten schon das Format einer Conference Finals-Serie, die Warriors sind wohl eins der stärksten Teams der letzten Jahre. Vermutlich stimmt die These – wer sich im Westen durchsetzt, gewinnt die ‘ship. Zu stark wirken die Top-Teams, im Osten müsste man ein solches nach den Eindrücken aus Runde eins suchen. Aber: Die Playoffs sind lang, die Gesundheit der Leistungsträger das Wichtigste. Lange Rede, am Ende doch noch etwas Handfestes: Ja, der Titel geht in den Westen.

Daniel Schlechtriem: Wenn man sich anschaut, wie unsouverän die besten Teams des Ostens selbst bei einem Sweep durch die ersten Runde gewankt sind, ist diese These zu bejahen. Wer auch immer diesen Westen gewinnt, wird in den Finals definitiv keinen höheren Schwierigkeitsgrad erwarten. Der Champion kommt auch in diesem Jahr aus dem Westen. Und es wird wie 2014 nicht einmal knapp werden.