02 Mai 2015

2. Mai, 2015  |  Shoto @uhmheyshoto


Es braucht wahrscheinlich nicht noch einen Mailbag. Wahrscheinlich hat jeder einen und Bill Simmons sowieso. Aber warum auch nicht? Mailbags sind toll und in unserer interaktiven Zeit ein schönes Mittel der Kommunikation. Ihr habt auch eine Frage für den Mailbag? Dann twittert sie unter dem Hashtag #askSHOTO. Diese Woche geht es um Positionen, die keine sind, ausgediente Spieler und die Spurs. Doch zunächst einige Worte zu den Milwaukee Bucks:


Zugegeben: Ich war betrunken. Getränkt in Euphorie. Bis unter die Fingernägel in Ekstase. Der Gedanke an ein mögliches Ausscheiden, er war vielleicht da. Irgendwo. Begraben. In den Tiefen des Seins, nebst „James Harden verlässt nie Oklahoma City“ und „Charlotte darf Anthony Davis picken“, vermute ich. Eben solche Gedanken, die du hast, die ab und an durch die Oberfläche brechen, die aber verschlossen wesentlich besser aufgehoben sind, dich sonst mürbe machen.

Der Gedanke, vielleicht war er da, wahrscheinlich sogar, aber irgendwie auch nicht. An die Möglichkeit, dass es kein siebtes Spiel geben würde, wurde nie gedacht, zu wohlfühl-warm war die Aussicht. Die Aussicht. Diese verflixte Aussicht, dass es die Milwaukee Bucks vielleicht doch irgendwie eine Runde weiter schaffen würden. Die Bucks, die während der Regular Season vielerorts für eine Formation der mimischen Muskulatur nahe des „:o-Emoticons“ sorgten. Hatte sie jemand auf der Rechnung? Eitel darf ich meinen: Ja, ich! Ob das nun eher der schwachen Konkurrenz (ziemlich sicher), denn des eigenen Vermögens geschuldet war, zum jetzigen Zeitpunkt irrelevant. Denn wer stets darauf bedacht ist, anderen vorzuhalten, dass man in einem Punkt recht hatte, bewegt sich nicht nur gefährlich nahe gen „Arschloch-Status“, sondern verliert auch den Blick für das Schöne. Und schön waren sie, die Milwaukee Bucks, Anno 2014-15.

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01. Mai 2015, irgendwo in Deutschland. Nachts. Ich schaue auf mein Smartphone, irritiert, geschlagen, gedemütigt. Die Bildschirmbeleuchtung schmerzt, ist aber ertragbar. Denn in diesem Moment überwiegt die Gewissheit, dass es vorbei ist. Die gepeinigte Hülle ist noch betäubt, sie ist müde, es dürstet ihr nach Schlaf. Und schlafen werde ich, wenn auch unruhig. Sport ist ätzend, und auf der Verliererseite zu stehen noch ätzender.

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Hangover. Laut Duden ein dicker/schwerer Kopf, lt. Warner Bros. die ulkigste Komödie der letzten 30 Jahre, für mich aber das Wiedererlangen von Gefühlen. Die Taubheit ist über Nacht den Gliedern entronnen, jene schmerzen dafür umso mehr. Der erste Kakao, schon Spongebob bezeichnete ihn als den König der Molkereigetränke. Recht hatte er. Langsam wird aus dem Wrack ein nahezu lebensfähiges Etwas verschiedenster Zellen, langsam beginnen auch die Selsillen ihr Tagewerk, spinnen Ideen, hier und da. So etwas wie Rationalität kommt zurück, wenn auch zaghaft. Aber das ist auch okay, denn wäre Sport ebenso spaßig, wenn unmittelbar nach der Niederlage, physisch wie emotional, wieder nüchterne Distanz ihr Zepter schwingen würde? Ich meine: Nein! Aber Distanz, ich will sie doch versuchen.

Was bleibt also von den Bucks? Wohl vor allem eines: Die zu erwartende Zukunft. Die Hirsche sind jung, die Geweihe noch längst nicht vollständig. Die Bucks sind nicht fertig. Nicht hier, nicht jetzt; nicht gegen die so erfahrenen Bullen aus Chicago. Die Bucks sind gekommen, um zu bleiben, möchte ich behaupten. Wo andernorts Niederlagen für Draftpicks eingetauscht werden, haben die Hirsche Playoff-Luft geschnuppert. Süße, frische Playoff-Luft. Wichtige Playoff-Luft. Denn eines wurde auch klar: Obschon der Trend zwischenzeitlich in Richtung Milwaukee zeigte (kurzer Einwurf: Was wäre wohl gewesen, hätten die Bucks nicht ihre 18 Punkte Führung verspielt? Eine Schwärmerei, die ich mir verbieten will), so gewann am Ende nicht nur die wohl bessere Mannschaft, sondern auch die erfahrenere. Erfahrung, das etwas, dass du eben nicht in der Draft erlangst, sondern nur durch eigenen Fortschritt. Und die Bucks haben gelernt, dessen bin ich mir sicher.... "Green & Growing, Part II."

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Nun zu euch und euren Fragen:

F: Für wie brauchbar halten Sie den Power Forward (wenn ich das so sagen darf) LaMarcus Aldridge?

Eine ganz ausgezeichnete Frage, nicht nur ob ihrer Aktualität. Denn die Antwort, ob Aldridge denn nun ein fähiger NBA Spieler ist oder nicht, illustriert sehr schön, wie fortgeschritten der NBA Sachverstand desjenigen ist, der die obige Frage beantwortet (in diesem Fall ich). Sehen Sie, einfachere Gemüter würden in Aldridge einen Spieler sehen, der pro Spiel durchschnittlich 23.4 Punkte und 10.2 Rebounds für sein Team holt, passabel aus dem Feld wirft und konstant an seiner Defensive gearbeitet hat. Eine eindrucksvolle Bilanz, nicht wahr? Erliegen Sie nicht jenem Trugschluss, Sie wissen es hoffentlich besser! Etwas fortgeschrittenere Gemüter würden nun Aldridges Vorliebe für den Mitteldistanzwurf ins Feld führen. Ein Wurf, der nachweislich weniger Punkte pro Ballbesitz generiert, als bspw. der Dreipunktewurf. Und machen Sie auf keinen Fall irgendwelche Einschränkungen! Der Mitteldistanzwurf ist schlecht, bleibt schlecht und wird mit hoher Wahrscheinlichkeit sein Dasein neben den Überresten verschiedener Echsen fristen (will sagen: Er stirbt aus). Es ist vollkommen egal, ob der Spieler in der Mitteldistanz gedeckt wird, sein Wurf eng oder gar nicht verteidigt wird, und schon gar nicht, wie gut er aus eben jener furchtbaren Distanz trifft, oder wie gut sein Verteidiger ist. Und kommen Sie mir nicht mit Selbstvertrauen! Wer ein guter Mitteldistanzschütze ist, sollte so gescheit sein, die wenigen Meter hinter die Dreipunktelinie zu gehen. Lachhaft. Aber sehen sie, auch wenn jene NBA Denker die Materie schon tiefer durchdrungen haben, so fehlen ihnen doch noch einige Erhebungen, die des Pudels Kern wirklich treffen.

LaMarcus Aldridge darf für die Saison 2014-15 einen EPPG Wert von 0.216 aufweisen. Singulär betrachtet natürlich ohne Aussagekraft, lassen sie mich jenen Wert also noch in Relation setzen. Aldridges Teamkollege Meyers Leonard erzielte 2014-15 einen EPPG-Wert von 0.378, Nerlens Noel bspw. einen Wert von 0.294. Sehen Sie? Aldridge befindet sich im unteren NBA Drittel! Doch weiter. Mithilfe des Broadsword-Koeffizienten ist es mir gelungen, die defensive Tauglichkeit von Aldridge zu ermitteln. Ich möchte mich kurzhalten: Sie liegt in den unteren zehn Prozent der NBA. Schlussendlich müssen wir nun mittels der Greyskull-Korrelation beide Werte zusammenführen. Jener Wert liegt - sie werden es sicherlich erraten haben - ebenfalls im unteren NBA Drittel.

Ich darf demnach LaMarcus Aldridge keine NBA-Tauglichkeit bescheinigen. Dahingehend wird er mit großer Wahrscheinlichkeit bei den New York Knicks anheuern.

F: Was hältst du von Positionsbezeichnungen? 

Positionsbezeichnungen wie Point Guard, Power Forward oder Center gehören alsbald verboten. Seien sie ein progressiver Geist und verbannen Sie jene Dinge aus ihrem Wortschatz!

F: Machen die Spurs die NBA kaputt?

Die San Antonio Spurs sind nicht menschlich, diesen Umstand müssen Sie sich zwingend bewusst machen! Die Spurs sind ein in sich geschlossenes, abgestimmtes Syndikat, das die Grenze zwischen Mensch und Maschine, die Singularität, bereits erreicht und durchbrochen hat. Die Spurs sind Legion, denn sie sind viele. Als solche nicht-menschlichen Wesen kennen sie demzufolge nur ein Ziel: Die Terminierung menschlichen Seins und allem, was entfernt an menschliche Fehler erinnern könnte. Die Spurs machen also in der Tat die NBA kaputt. Und wir sollten alle hoffen, dass die mutigen Segler aus der Stadt der Engel als Sieger aus ihrer Schlacht herausgehen werden.

F: Entscheiden Rebounds über Sieg oder Niederlage? 

Oh ja! Sehen Sie, ein Rebound, so sinnvoll er auf den ersten Blick erscheinen mag, ist letztendlich kein Dreipunktewurf. Und damit sollte die Frage abschließend beantwortet sein.

F: Wieso treffen Teams nicht einfach jeden Wurf, anstatt sich auf vernünftige Refs zu verlassen? 

Diese Frage möchte ich mit einem Rätsel beantworten:
„Wenn in der Dunkelheit ein Dreipunktewurf genommen wird, sich die Varianz des Seins im Mittelpunkt der Odyssee befindet und David Kahn gen Olymp segelt, wie lautet dann die Antwort auf ihre Frage?“

F: Ja, wo bloggen sie denn, wo bloggen sie denn hin?

Diese Frage erachte  ich hiermit als beantwortet.