08 Mai 2015

8. Mai, 2015  |  nbachefsquad  @nbachefkoch


Playoffs, yo! Die echte Saison ist endlich unterwegs. Bei so viel irrsinniger Action auf einmal würde es kaum Sinn machen, traditionell zu berichten und das Chaos-Element dieser Wochen zu vernachlässigen. Kein Grund zur Sorge: die nbachefsquad ist zur Stelle wie James Harden in Crunchtime und versorgt euch täglich mit den feinsten Happen zur NBA-Postseason. Reingehauen!


The Equalizer
Tiago Pereira @24Sekunden: Wir kennen den Spruch. Offense wins Games. First Team All-Defense…gewinnt auch. Sogar in Oakland. Was scheinbar schier unmöglich schien und seit Monaten als undenkbar abgetan wurde, wurde am Dienstagabend Realität: Die Golden State Warriors verloren in der Oracle Arena. Es war erst die dritte Niederlage, die die Dubs zu Hause in dieser Saison hinnehmen mussten. Das Ende einer bis dato 21 Siege andauernden Serie war  zwar unausweichlich, jedoch nicht zu erwarten.  Ungeschoren kam noch nie jemand durch die Playoffs, doch Golden State hatte das Momentum der Serie und den MVP der Liga. Memphis hatte dagegen Antworten.


Mike Conleys Rückkehr in die Starting-Lineup glich nicht nur den Momentum-Bonus der Dubs aus, sondern auch den ihres MVPs. Der Point Guard der Grizzlies lenkte von Beginn das Tempo des Spiels. Curry konnte, unter der Bewachung von Conley, nie den Tempobasketball der Warriors in Fahrt bringen. Die Grizzlies verlangsamten das Spielgeschehen zu ihren Gunsten und zwangen den Dubs ihren Grit and Grind Stil auf. Es dauerte nicht lange, bis sich Golden State in der tödlichen Umarmung der Bären befand.

Memphis erhöhte den Druck auf die Schützen und zwang die Warriors, ihr Glück in der Zone  zu versuchen. Dort wurden die eigentlich astronomisch hohen Wurfquoten der Warriors pulverisiert (41.9% FG, 23.1% Dreier). Als sich kein Durchkommen durch die blaue Wand ergab, versuchten die Dubs sich aus ihrer Misere frei zu werfen. Ohne Erfolg. Curry fand gegen Mike Conley nichts außer den Ring (2-11 Dreier).  Allen neutralisierte Klay Thompson nahezu vollkommen (13 Punkte, 5 Ballverluste) und ließ den All Star wissen, in welcher Liga er spielt.



Die Splash Brother waren von der Rolle, ihre Teamkameraden ebenso. Green hatte nach nur 3 Minuten Spielzeit 2 persönliche und ein technisches Foul. Die Einleitung des Untergangs durch Mike Conleys Blitzstart (11 Punkte in 5 Minuten) konnte er somit nur von der Bank betrachten. Sieben Sekunden wahrte Golden State die einzige Führung in der Partie, ehe die Grizzlies ihren Gegner zurück auf die heimischen Bretter schickten.

Die Warriors wirkten wie ausgewechselt. Paralysiert von der fehlenden Leichtigkeit sammelten sie mehr Ballverluste (20) als Assists (16). Es war das erste Mal in dieser Saison, dass die Krieger sich in einer misslichen Lage befanden. Gegen die Pelikane konnte Stephen Curry ein erstes Unglück abwenden, dieses jedoch nicht. Die Niederlage zu Hause schmerzt, mehr aber werden die nächsten Spiele im Grindhouse zu spüren sein. Ein Sieg der Warriors wird dort auf einmal von der Kür zur Pflicht.



Mr. Underrated
Pascal Gietler @PascalCTB: „Mike Conley is one of the most underrated guys in the league!“ Ob man sich nun darüber streiten will, ob Mike Conley aufgrund dieser vermeintlichen Tatsache mittlerweile „properly rated“ ist? Nicht hier an dieser Stelle, nein. An dieser Stelle soll es um den positiven Einfluss eines Spielers gehen, der in seiner Karriere vermutlich bestenfalls eine einzige All-Star-Nominierung erhalten wird, niemals einem All-NBA-Team beiwohnen darf und auch bei individuellen Saisonawards höchstens eine untergeordnete Rolle spielen dürfte.

Mike Conley Jr. ist einer der besten Point Guards der Liga, wenn man die Leistungen an beiden Seiten des Feldes gleichermaßen würdigen möchte. Conley ist außerdem ein exzellenter Ballverteiler, ohne dabei seinen Boxscore aufzupumpen. 5,4 Assists pro Spiel mögen nach wenig klingen, doch bei den so genannten Hockey-Assists gehörte Mike Conley Jr. in der Regular Season zu den fünf besten Spielern der Liga (1,6 secondary assists per game).


Er hat kein Problem damit, Marc Gasol das Spiel aus dem High-Post aufziehen zu lassen und selbst durch geschickte Cuts oder eine gute Positionierung am Perimeter selbst als Anspielstelle zu dienen! Er war im gestrigen Spiel gegen die Warriors gar Gasols liebste Anspielstation mit 23 Pässen und machte das Beste aus den Möglichkeiten, die ihm der Spanier gegeben hat - er nahm vier Würfe nach Gasol-Anspielen und versenkte alle vier für insgesamt zehn Punkte.

Diese lästige und unwichtige Sache namens „Defense“ wird bekanntlich häufiger unter den Teppich gekehrt oder an Metriken wie „Steals pro Spiel“ gemessen - Mike Conley hat in Game 2 den frisch gebackenen MVP Stephen Curry bei beinahe absurd niedrigen Quoten halten können. Conley hat alles gegeben, um Curry bei jedem Dreipunktversuch herauszufordern - mit Erfolg. Nur zwei von sieben Dreiern, bei denen Conley seinem Gegenspieler auf dem Fuß stand, fanden letztendlich den Weg durch die Reuse - ein statistischer Wert von 28,6%! Im Boxscore steht dennoch nicht mal ein Steal. Schwach! Wirklich schwach!

Der quirlige Guard der Memphis Grizzlies wird in der Serie gegen die Warriors bitter benötigt. Wieso? Das hat Game 2 gezeigt: Defense, eine weitere Option in der Offense und eine verlässliche Option von der Dreipunktelinie. Mit Mike Conley Jr. sehen wir nicht mehr länger die Warriors gegen harmlose Teddybären, sondern gegen blutrünstige Grizzlies. Wer da am Samstag nicht wieder einschaltet, ist selbst schuld!



Zu Houstons Verteidigung
Sebastian Seidel @Sebastianctcb: Die Rockets hatten in den ersten beiden Partien der Serie gegen die L.A. Clippers defensiv große Probleme. Mit einem Chris Paul als Organisator der Clippers Offensive werden sich diese vermutlich noch vergrößern. Der Blick auf das erste Bild zeigt die defensiven Matchups der Starter der Rockets.



Auf den kleinen Positionen haben die Rockets in der Defensive einige Cross-Matchups vorgenommen. Trevor Ariza kümmert sich um Austin Rivers. Er soll den Aufbauspieler der Clippers unter Druck setzen und den jungen Rivers zu Fehlern zwingen. Jason Terry kümmert sich um J.J. Redick.

James Harden wurde gegen den vermeintlich offensivschwächsten Starter der Clippers gestellt - Matt Barnes. McHale versucht, Harden zu entlasten, damit dieser seine Körner für die Offensive sparen kann. In dieser Verteilung taucht schon das erste große Problem für die Rockets auf. Mit 37 Jahren ist Terry nicht mehr in der Lage, Redick über Screens zu jagen und ihm an den Fersen zu kleben.

Zwei versetzte Blöcke von Barnes und Jordan reichen Redick, um genügend Abstand zwischen sich und Terry zu bringen. Dadurch bekommt er entweder einen offenen Wurf oder zieht die Aufmerksamkeit der Defensive so sehr, dass sich für andere freie Würfe ergeben.



Ein weiteres Problem der Rockets welches sich durch die Cross-Matchups ergibt ist die Transition-Defense. Die Rockets sind ohnehin schon ein sehr Turnover-anfälliges Team. Sie verursachten in der regulären Saison die drittmeisten Ballverluste, in den Playoffs hat bislang nur Chicago öfter den Ball verloren. Die Cross-Matchups erschweren die Kommunikation beim Umschalten in die Defensive zusätzlich. So wird in der folgenden Spielszene J.J. Redick im Fastbreak völlig außer Acht gelassen.



Das größte Problem ist und bleibt aber die Perimeter-Defense. Nicht nur Terry hat Schwierigkeiten, um die Blöcke zu kommen und dann seinen Gegenspieler möglichst schnell wieder aufzunehmen. Neben Terry taten sich auch Pablo Prigioni und sogar Corey Brewer in der Pick & Roll Defense extrem schwer. In der folgenden Spielsituation braucht Brewer viel zu lange um über den Block von Jordan zu kommen.

Dadurch sieht sich Howard gleich zwei Spielern gegenüber: Jamal Crawford, der extrem gerne aus der Mitteldistanz zum Wurf hochgeht, und DeAndre Jordan, der zum Korb rollt. Ariza deutet seine Hilfe bei Jordan zwar an, traut sich aber nicht, einen Shooter wie Redick offen stehen zu lassen.



Mit Crawford, Redick, Rivers und im nächsten Spiel vermutlich auch wieder Paul haben die Clippers vier Spieler auf den Guard-Positionen, die alle als Scorer wahrgenommen werden müssen. Keiner von ihnen ist ein reiner Spot-up-Shooter. Paul, Crawford und Rivers haben ihre Stärken mit dem Ball in der Hand, Redick muss ebenfalls um Blöcke verfolgt werden.

Es fällt Houston schwer, einen Spieler mit Problemen bei der On-Ball-Defense zu verstecken. Durch den Ausfall von Beverley befindet sich immer mindestens ein Clippers-Spieler auf dem Feld, der den Rockets defensive Probleme bereitet.



B als B
Sebastian Seidel @Sebastianctcb: Durch den Ausfall von John Wall wurde Bradley Beal in Spiel zwei offensiv nochmal in eine größere Rolle gedrängt. Er leitete viele Aktionen in der Halfcourt-Offense selbst ein und war als Ballhandler in viele Pick & Rolls involviert. Dabei machte er mit sieben Assists einen durchaus soliden Job als Playmaker und Vorbereiter.

Etwas kritischer kann dagegen seine Wurfauswahl betrachtet werden. In der Transition machte Beal einen exzellenten Job als primärer Ballhandler und auch abseits des Balles. Fünf Abschlüsse nahm Beal in Transition oder Early Offense, sie alle fanden ihr Ziel. Dreimal schloss Beal per Korbleger nach beherzten Zug zum Korb ab. Einmal per Catch-and-Shoot-Dreier und einmal durch einen langen Pullup-Zweier mit Fuß auf der Dreierlinie.

Während er in der Transition also sehr gut seine Abschlüsse fand, hatte er im Halbfeldangriff große Probleme. Nur drei seiner 17 Abschlüsse fanden den Weg durch die Reuse. Einer der Gründe dafür war, dass Beal viel zu oft als Ballhandler aus dem Dribbling zum Pullup Jumpshot aus der Mitteldistanz ansetzt.

In der regulären Saison nahm Beal im Schnitt 4.4 solcher Würfe und traf davon 34 Prozent. In den Playoffs hat sich die Anzahl der Versuche auf 6.3 pro Spiel vergrößert, die Trefferquote ist mit 37 Prozent nur geringfügig besser. Ein ähnliches Bild zeichnete sich auch in Spiel 2 ab. Insgesamt achtmal stieg Beal aus der Mitteldistanz zum Wurf hoch, lediglich zwei davon fanden den Weg durch die Reuse.



In dieser Szene spielen die Hawks Ice in einem Sideline Pick & Roll und Beal lässt sich zu einem sehr langen Zweipunktewurf hinreißen, obwohl die Wizards mit 15 Sekunden auf der Wurfuhr sicherlich noch einen deutlich besseren Wurf herausspielen hätten können. Zog Beal zum Korb, stellten die Hawks die Zone zu und forcierten ihn dazu den Kickout zu spielen oder einen schwierigen Abschluss zu nehmen.

In einigen Spielsituationen traf Beal dabei wirklich gute Entscheidungen. Im ersten Bild zieht er aus dem Pick & Roll die komplette Aufmerksamkeit der Defensive und findet Otto Porter offen in der rechten Ecke. Im zweiten Bild zieht er - nachdem er abseits des Balles drei versetzte Blöcke von Pierce, Nene und Gortat bekommen hat - die Aufmerksamkeit von Teague und findet den freien Ramon Sessions am Kopf der Dreierlinie.



In anderen Spielsituationen ließ er sich aber auch zu schwierigen Abschlüssen in der Zone verleiten, anstatt die offenen Schützen zu finden. Eine schnelle Rückkehr von John Wall wird deshalb extrem wichtig für die Wizards sein. Er ist das kreative Element, das die Halbfeld-Offense der Wizards belebt und viele einfache Würfe erspielt. Auch Beal wird dann wieder deutlich einfachere Würfe bekommen. Im gesamten Spiel zwei schloss Beal in der Halbfeld-Offense nur einen einzigen Wurf aus dem Catch & Shoot ab.