02 Mai 2015

2. Mai, 2015  |  Tiago Pereira & Tobi Mannhart @24Sekunden @TobeyTen


Playoffs, yo! Nach dem längsten Vorspiel der Welt geht es ab diesem Samstag endlich ans Eingemachte. Sagt euren Familien 'Lebwohl', lasst euch krank schreiben, deckt euch mit Proviant ein und besorgt euch ein Sitzkissen... In den nächsten acht Wochen ist Basketball! Natürlich auch hier bei NBACHEF, wo wir euch mit Postseason-Content mästen. Weiter geht's mit den Conference Halbfinals im Schnellcheck - ohne großes Geschwafel, straight auf den Punkt!


Entrée
Die an eins gesetzten Golden State Warriors zeigten auch in Playoff-Runde eins, warum sie gemeinhin als größter Favorit auf den NBA-Titel gelten. Sie waren nicht nur die erste Truppe, die ihre Erstrundenserie gewann - in überzeugender Manier mit einem Sweep gegen New Orleans - sondern präsentierten sich auch spielerisch in Top-Verfassung, ohne größere Probleme zu offenbaren.

Memphis hatte mit Portland genauso wenig Mühe - wenngleich die Trail Blazers einen Achtungserfolg in Spiel vier erzielen konnten. Insgesamt waren die Grizzlies aber mehrere Klassen besser und zeigten oft, weshalb sie bis Ende März als eine der drei besten Mannschaften im Westen galten. Potentiell verheerend war jedoch die schwere Gesichtsverletzung von Point Guard Mike Conley nach versehentlichem Ellbogenschlag von Portlands CJ McCollum. Sollte Conley ausfallen oder nicht im Vollbesitz seiner Kräfte sein, werden die ohnehin schon geringeren Chancen der Grizzlies erheblich reduziert.

Dieses Conference Halbfinale, das am Sonntag startet, hält zwei völlig kontrastierende Teams bereit. Die einen machen schnell und ballern aus allen Lagen drauf. Die anderen versuchen, methodisch und langsam zum Erfolg zu kommen. Verteidigen können beiden Klubs auf absolutem Top-Niveau. Golden State gewann zwei von drei regulären Duellen und hat Heimvorteil. Diese Faktoren sollten im Normalfall bereits ausreichen, um die Waage in Richtung Oakland ausschlagen zu lassen. Conleys Status macht die Warriors endgültig zum Favoriten auf den Einzug ins Conference Finale.



Warum Golden State gewinnt
Jetzt oder nie? Eine Frage, die sich Glen Davis vor jedem Buffet stellt, Michael Jordan vor jedem Pokertisch und die Golden State Warriors nun nach jedem Sieg. Wie bei Big Baby und beim GOAT scheint auch in der Bucht die Gier nach mehr unersättlich zu sein. Mit jedem Bissen vom Erfolgskuchen wirkt der Magen leerer und das Verlangen, alles auf eine Karte zu setzen, größer.

Diese unbekannte Sehnsucht nach einer Meisterschaft, an der die Warriors seit Jahrzehnten nur passiv teilnahmen, erzeugt in den letzten Tagen und Wochen dieser Saison das auf oktroyierte Saisonziel – Win or Bust. Dabei sind es nicht die heimischen Fans, oder das erfolgsgeiles Management, die nach dem Gold lechzten, sondern der Wille der Allgemeinheit.

Kein Gegner scheint die Krieger aus Oakland beugen zu können. Nicht einmal die furchteinflößenden Bären aus Memphis. Was Blake Griffin und LaMarcus Aldridge nachts Schweiß gebadet aufwachen lässt, raubt Draymond Green keine Sekunde seines Schlafes. Die Grit’n’Grind Defense der Grizzlies, welche jeder Offense Einhalt gebieten kann, wirkt für Golden State wie eine Durchfahrtsstraße. Selbst das Grindhouse erhält im Angesicht der Roaracel Arena den Charakter eines Kindergeburtstags. Aus dem meist gefürchtetsten Tier in Tennessee, ist ein Gras rauchender Plüsch Teddybär geworden. Und das alles wegen ein wenig Curry.


Die Verteidigung der Grizzlies ist darauf ausgelegt mit 24-Sekuden-Foltermethoden den Gegner zu ermüden. Umso näher man dem Korb kommt, umso schmerzvoller wird das Unterfangen gegen die Bären. Doch Golden State muss sich nicht dem Grind der Grizzlies ergeben. Memphis gehört zu den Dreier anfälligsten Teams der Liga (23 Opp3PA), ein Faktor, der den Warriors mehr als nur in die Hände spielt.

Warum sollten Green und Bogut mit Gasol und Z-Bo in der Zone die Klingen wetzen, wenn die Splash Brother von draußen dem Bär den Pelz verbrennen können. Mehr als 20 Dreier nehmen allein die beiden All Stars der Dubs pro Spiel, daran hindern wird sie wohl kaum einer. Denn Tony Allen mag zwar einen der beiden Feuerteufel in Schach halten, doch ohne Mike Conley, wirkt die Perimeterverteidigung der Grizzlies Zahnlos.

Ohne ihren Grind in der Defense, fehlt den Grizzlies der Grit im Angriff um gegen den besten Verteidigungsfrontcourt der Liga bestehen zu können. Die Verteidigung der Warriors konnte, wenn sie wollte, Anthony Davis eine komplette Halbzeit aus dem Spielgeschehen nehmen. Auf selbiges werden sich Gasol und Randolph einstellen müssen. Wesentlich mehr Schrecken gibt danach der Angriff der Grizzlies nicht mehr her, sehen wir von den wandelnden Gebeinen von Vince Carter einmal ab.

Fehlt dazu noch Mike Conley seinem Team in der gesamten Serie, werden die Dubs kurzen Prozess machen und das zweite Fo‘ dieser Postseason über ihre Lippen zischen lassen. Aber selbst mit ihrem besten Point Guard auf dem Parkett werden die Grizzlies sich nicht vier Siege erkämpfen können. Denn im darwinistischen Westen überlebt nur das stärkste Team und das sind die Golden State Warriors. 



Warum Memphis gewinnt
Hier wird es selbst als Fan schwer. So einfach es war, die Erstrundenserie pro Memphis zu prognostizieren, so schwer ist es jetzt in Runde zwei, das Gleiche zu tun. Vor einigen Wochen hätte ich noch gesagt, dass den Warriors potentiell drei Teams gefährlich werden könnten: San Antonio, Cleveland und Memphis. Titelerfahrung versus wenig Playofferfahrung, LeBron versus Steph, Post-Ups versus Dreier. Das waren die drei Szenarien, in denen ich mir ein Scheitern Golden States vorstellen hätte können. Und im Grunde ist das Matchup gegen Memphis ja immer noch gleich.

Allerdings macht Mike Conleys Verletzung den Upset-Hoffnungen der Grizzlies einen Riesenstrich durch die Rechnung. Mike ist mittlerweile mindestens genauso wichtig wie die beiden Großen unter dem Korb, und genau diese beiden Großen sind unglaublich abhängig von Conley. Er ist das ordnende Element im Spiel der Bären, füttert seine Mitspieler, ohne ihn wirkt der Haufen teilweise extrem chaotisch. Zwar zeigt Beno Udrih ansprechende Leistungen, aber in einem Matchup mit dem besten Team der Regular Season wäre es doch von größerem Nutzen, seinen Starting Point Guard aufstellen zu können.


Es gibt jedoch Hoffnung. Und genau hier ist der Punkt, an dem ich einsetzen kann, mein Plädoyer für die Grizzlies zu starten. Als Mike Conley fit war und Memphis so richtig in Form (Mitte Dezember) gab es das erste Saisonduell dieser zwei Mannschaften; Memphis zeigte, warum sie, auf gut Denglisch gesagt, mit den Warriors so gut upmatchen. Marc Gasol, der mehr am High Post agiert, wird es wohl mit Green zu tun bekommen, wobei Zach Randolph unter dem Korb auf Kollege Bogut treffen wird. Schaffen es Memphis' Point Guards, Gasol zu füttern, so hat er offensiv klare Matchupvorteile.

Dazu kommt, dass Zach zwar gegen einen starken Post-Verteidiger zu Werke gehen wird, er aber der stärkere Rebounder ist. Kann Memphis also offensiv die Größenvorteile ausnutzen, das Spiel um die Boards gewinnen und gegen die extrem starke Team-Defense der Warriors (Platz eins) bestehen, dann kann es sich auf die eigene Stärke, nämlich die eigene Defense, besinnen.

Hier steht und fällt das Game leider wieder mit Conley. Thompson und Curry sind bei weitem die größten Gefahren für die Bären, und ich habe Hoffnung, dass entweder Courtney Lee oder Tony Allen einen der beiden Shooter ausschalten können, wie sie das auch in der Erstrundenserie gegen Shooter Damian Lillard geschafft haben. Beno Udrih wird das nicht hinbekommen. Demnach braucht es einen halbwegs gesunden Conley, um den zweiten Warriors-Guard aus dem Spiel zu nehmen.

Und während ich das hier so schreibe, kommen mir ach so viele Gegenargumente in den Sinn… Basketball ist kein Eins-gegen-Eins-Spiel mehr; Conley fliegt zwar mit, aber er wird sicher nicht zu 100% fit werden. Steve Kerr scheint ein besserer Coach als Dave Joerger zu sein,… und so weiter.

Es scheint, als ob der Grizzlies-Run enden würde. Aber ich glaube jetzt einfach mal an Conleys Wunderheilung und daran, dass John Hollinger eine Zeitmaschine besitzt, die die Mannschaft sechs Monate zurückbeamt und unsere Jungs wieder in Dezemberform auftreten werden. In diesem Sinne: Grit and Grind & Beat the Warriors!



Stat-Salat
Heiß und Kalt: Klay Thompson traf 18 seiner 24 Dreier gegen die Grizzlies. Andre Iguodala traf nur fünf seiner 24 Feldversuche.

Team-Rebounding: Nur 32 Rebounds griffen sich Marc Gasol und Zach Randolph zusammengenommen in den drei Spielen gegen die Warriors. Draymond Green holte sich mit nur 21 Rebounds in drei Partien die meisten aller Spieler.

Spacing ohne Conley möglich? Nach Courtney Lee wird es ganz dünn, wenn man bei den Grizzlies nach verlässlichen Dreierschützen sucht. Udrih und Calathes trafen beide in der Saison deutlich unter 30% ihrer Dreier. Calathes traf immerhin sechs von 11 Dreiern gegen die Blazers.

Gegensätze: Die Warriors spielten in der Regular Season am schnellsten und nahmen die viertmeisten Dreier. Die Grizzlies sind 26. bei der Pace und nahmen die zweitwenigsten Dreier.


(Stat-Salat via @TwoWayGame)



Die Rechnung bitte!