07 Mai 2015

7. Mai, 2015  |  Chris Schmidt & Sebastian Seidel  @ChrisSchmidt27 @Sebastianctcb


Die NBA Playoffs sind im vollen Gange und werden jede Nacht um ein weiteres Kapitel reicher. In dem ganzen Trubel der Emotionen, Gamewinner und Flagrant Fouls wollen wir in kleinen Episoden in aller Ruhe nach den Gründen suchen, die über Sieg oder Niederlage entscheiden. Mit den erlesensten Zahlen der jeweiligen Games abgeschmeckt entsteht so der NBAchef-Statsalat…



• Nur einen Treffer bei 17 Versuchen. So lautet LeBron James magere Bilanz in den ersten beiden Spielen der Serie gegen Chicago, wenn er aus dem Dribbling zum Wurf hoch gegangen ist.
 Doch auch wenn der Wurf momentan noch nicht fallen möchte, so ist seine größte Waffe immer noch der unnachahmliche Zug zum Korb. Mit 13.7 Drives pro Spiel zieht LeBron in den Playoffs häufiger als jeder andere Spieler zum Korb. Dazu schließt er seine Drives mit einer Trefferquote von 70 Prozent auch unglaublich hochprozentig ab.
 Dennoch bleibt auch in den Playoffs die Tatsache, dass James es in Cleveland bisher nicht geschafft hat, annähernd so effizient zu agieren wie in Miami. Ähnliches gilt für seine Turnoverzahlen, die sich in Cleveland ebenfalls deutlich verschlechtert haben. 
Egal ob es am langsam eintretenden Alterungsprozess, der dauernden Wiedereingewöhnung in Cleveland oder der isolationslastigen Spielweise der Cavaliers liegt, fest steht das LeBron in Cleveland bisher nicht in der Lage war, die dominanten Leistungen vergangener Jahre abzurufen.




• Die Houston Rockets überzeugten in der regulären Saison durch eine sehr stabile Defensive und ein Team welches offensiv von James Harden getragen wurde. Obwohl Dwight Howard die Hälfte der regulären Saison verpasste, konnten die Rockets dennoch eine gute Defensive stellen (Defensivrating 100.5, entspricht Rang 6). Dies lag nicht zuletzt an Patrick Beverley und Trevor Ariza, die am Perimeter und auf dem Flügel schon viele Drives zum Korb im Keim erstickten. 
Doch in den Playoffs scheint Houston aktuell größere defensive Probleme zu haben. Weder gegen die Mavericks noch bisher gegen die Paul-losen Clippers konnten die Rockets defensiv annährend an ihr Niveau aus der regulären Saison anknüpfen.
 Auf 100 Possessions lassen sie 105.5 Punkte zu. Das wäre in der regulären Saison im unteren Fünftel der Liga zwischen Denver und Sacramento einzuordnen.



• Nikola Mirotic konnte in der regulären Saison das beste Netrating der Bulls-Spieler aufweisen. Im Schnitt erzielten die Bulls auf 100 Possessions knapp 6.1 Punkte mehr als der Gegner.
 Umso verwunderlicher ist es, dass Thibodeau Mirotic fast die kompletten Playoffs auf der Bank schmoren lässt. Zieht man die Garabage-Time Minuten ab, so stand Mirotic in der Serie bisher keine 5 Minuten auf dem Feld. Selbst als Thibodeau zu Beginn des vierten Viertels von Spiel 2 eine Smallball-Variante ausprobierte, kam nicht Mirotic, sondern Tony Snell zum Einsatz.
 Absolut unverständlich, wenn man bedenkt dass Mirotic im März mit über 30 Minuten pro Spiel sogar die Rolle als erste Scoringoption (20.8 PPG) sehr effizient (58% True Shooting) ausfüllen konnte.



• „First Team All-Defense“... Wer sich den verkabelten Tony Allen in Spiel Zwei angehört hat, hat ihn diesen Satz ständig sprechen hören. Immer wieder feuerte sich der Edel-Verteidiger der Grizzlies nach einer gelungener Defensiv-Aktion mit diesem Satz an.  Doch auch die Statistiken geben ihm Recht: Wenn Allen die „Splash Brothers“ in Game 2 verteidigte, warfen die fast nur Backsteine. Gegen Stephen Curry (1-3 FGs, 0-2 Dreier) und Klay Thompson (1-4 FGs, 0-1 Dreier) hatte Allen seine Hände immer wieder dazwischen und zwang sie so zu fünf Fehlwürfen bei sieben Versuchen (28,5% FG).



• Ein weiterer Grund für den Sieg der Bären im zweiten Spiel der Serie trägt den Namen Mike Conley. Mit 22 Punkten (8-12 FG, 3-6 Dreier) führte er Memphis, trotz seiner nicht ausgeheilten Verletzung, zum Sieg. Dabei hatten insbesondere Curry seine Probleme mit dem Aufbauspieler der Grizzlies. So ließ der MVP der aktuellen Saison 80% (4-5 FGs) zu, wenn er gegen Conley verteidigte. In Spiel Eins hatte Curry da noch ein deutlich ruhigeres Spiel. Conleys Backup, Nick Calathes, versuchte nur vier Würfe und stand am Ende ohne einen einzigen Zähler dar. Nun ist für das nächste Spiele davon auszugehen, dass der Point Guard der Warriors gewarnt ist und er seine Aufgabe in der Defense noch ernster nimmt.



• Auch in der Serie zwischen den Atlanta Hawks und den Washington Wizards entschied ein Point Guard Spiel Zwei – oder eben nicht. Denn auch weil John Wall verletzt zusehen musste, hatten die Zauberer das Nachsehen. Dabei machte sein Backup seine Sache gar nicht so schlecht. Ramon Sessions verbuchte 21 Punkte und entschied somit das Matchup gegen Jeff Teague für sich. Der Aufbauspieler der Falken kam insgesamt gerade mal auf neun Punkte und erzielte keinen einzigen, wenn er von Sessions verteidigt wurde.



• Bei den Atlanta Hawks sind es zurzeit nicht Jeff Teague, Paul Millsap oder Al Horford, die für Schlagzeilen und vollgeschriebene Statistikbogen sorgen. Es ist vielmehr der Small Foward der Hawks, DeMarre Carroll, der Abend für Abend eine starke Leistung abliefert. So war es für den 28-Jährigen in Spiel zwei schon die sechste Playoff-Partie in Folge, in der er mehr als 20 Punkte verbuchte. Dies gelang im Hawks-Jersey zuletzt der Legende Dominique Wilkins. Von den aktuellen Spielern haben nur James Harden (7 Spiele) und Carmelo Anthony (16) eine längere Serie.



• Die Geschichte um die Stärken von Scharfschütze Kyle Korver ist nun mehr als genug erzählt worden. Trotzdem überrascht uns der Zweier der Hawks immer wieder mit unfassbaren Statistiken. So hat Korver in den Playoffs 2015 schon 31 Punkte „off-screens“ erzielt. Dies ist mehr als die Cavaliers (8), Celtics (9), Mavericks (9), Pelicans (13), Nets (13), Rockets (14), Raptors (21), Clippers (22), Bucks (26), Blazers (26), Grizzlies (29) und Wizards (30) als komplettes Team aus diesem Play-Type an Zählern verbuchen konnten. Bei den Spielern führt Korver diese Statistik vor Klay Thompson (28) und Stephen Curry (26) an. So darf man  gespannt sein, in welche Sphären Kyle Korver sein Shooting noch so führt…



Stats via nba.com/stats und basketball-reference.com