04 Mai 2015

4. Mai, 2015  |  Daniel Schlechtriem & Marc Lange  @W14Pick @godzfave44


Playoffs, yo! Nach dem längsten Vorspiel der Welt geht es ab diesem Samstag endlich ans Eingemachte. Sagt euren Familien 'Lebwohl', lasst euch krank schreiben, deckt euch mit Proviant ein und besorgt euch ein Sitzkissen... In den nächsten acht Wochen ist Basketball! Natürlich auch hier bei NBACHEF, wo wir euch mit Postseason-Content mästen. Weiter geht's mit den Conference Halbfinals im Schnellcheck - ohne großes Geschwafel, straight auf den Punkt!


Entrée
Zwei absolute Elite-Teams treffen ab Montag im zweiten Western Conference Halbfinale aufeinander: Houston und die L.A. Clippers. Beide Mannschaften beendeten die reguläre Saison mit 56 Siegen und hielten sich von Oktober bis April unter den Top-Klubs ligaweit.

Houston hat dank des Tiebreakers Heimvorteil - nicht etwa, weil die Texaner die Season Series für sich entschieden hätten (2-2). Nein, als Sieger der schwersten Division in der NBA setzten sie sich einen Platz vor Los Angeles, das am Pazifik dem besten Team im Basketball den Vortritt lassen musste.

Houston konnte sich nach der völlig stressfreien und überdeutlichen Erstrundenserie gegen Dallas fast eine Woche zurück lehnen und bestaunen, wie sich Clippers und Spurs aneinander aufrieben. L.A. gewann eine der besten Playoff-Duelle aller Zeiten gegen den noch amtierenden Meister dank einer heroischen Leistung von Chris Paul - Gamewinner eine Sekunde vor Schluss inklusive.

Paul verletzte sich am Oberschenkel und geht gehandicappt in dieses Halbfinale. Wie die Rockets auf die lange Pause und den möglicherweise dezimierten Gegner reagieren, wird dieses Duell auf Augenhöhe mit entscheiden. 



Warum Houston gewinnt
So dramatisch und emotional es auch war, die Clippers mussten sich wahnsinnig strecken, um diese zweite Runde zu erreichen. Die Rockets hatten genau die richtige Pause – nicht zu wenig, nicht zu viel – und gehen ausgeruht in die ersten beiden Spiele.

Doc Rivers' Truppe hat nur einen Tag Regeneration, um (gegen die Zeitzone) die Zelte in Houston aufzuschlagen, nach Spiel eins bleibt ebenfalls nur ein Tag. Das geht an die Substanz. Die Rockets haben die zweithöchste Pace der Liga und werden von der ersten Sekunde an mit durchgedrücktem Gaspedal spielen, um den Abnutzungskampf der Gegner weiter voran zu treiben.

Chris Paul war der gefeierte Held, doch selbst sein Coach gestand ein, dass CP3 im ersten Duell wohl nicht in der Lage sein wird, auf dem Parkett zu stehen. Paul überwand zwar die Oberschenkelprobleme gegen die Spurs, doch jene tun einen oder zwei Tage später erst so richtig weh. Falls er überhaupt antreten sollte, ist das Herz und die Seele der Clippers nicht bei 100%. Die Rockets werden seine Beeinträchtigung ausnutzen und ihn ein ums andere Mal ins Pick and Roll zwingen. In Trevor Ariza wartet zudem ein unangenehmer direkter Gegenspieler, der Paul kennt und weiß, wie er ihn verteidigen muss.

Die Rockets haben den in letzter Zeit eher in die Marginalität geredeten Heimvorteil, dabei hat in nur einer der acht Erstrundenserien das Team ohne Homecourt Advantage gewonnen (Washington). Houston würde auch in einem entscheidenden siebten Spiel das Hausrecht ausüben. Wie substanziell das werden kann, haben die Clippers selbst in der letzten Spielsekunde gegen San Antonio demonstriert.

Die Clippers haben keinen expliziten Harden-Stopper. Zwar steigerte sich Matt Barnes in der Serie gegen San Antonio sichtlich, um den Bart ist der gegenwärtigen Verfassung aufzuhalten bedarf es aber ganz anderer Kaliber. Welche Konsequenzen es hat, Harden zuzustellen, haben die Mavs erfahren. Los Angeles ist im Verteidigen der Dreier nur Ligadurchschnitt (Opp. 3P %: 34,9). Shooter wie Terry und Ariza werden nicht noch mal so viele Fahrkarten von Downtown werfen.


Die überschaubare Perimeter Defense der Clippers wird den Rockets immer wieder Drives zum Korb ermöglichen, die dann wiederum die Big Men der Clippers in Foul Trouble bringen können. Sollten DeAndre oder Blake sitzen müssen, haben die Probleme der Engelsstädter erst begonnen. Houston hat mit Clint Capela einen vierten Big in der Hinterhand, der zumindest für ein paar Minuten den Körper hinhält und die Zone dicht macht. Los Angeles? Fehlanzeige.

Houston kann auch gegen die Clippers die Vielseitigkeitskarte ausspielen und in Corey Brewer und Josh Smith jede Menge Qualität von der Bank aufbringen. Rivers' Optionen, neben Jamal Crawford, heißen derweil Austin Rivers und Glen Davis. Erkennt jemand ein Mismatch?

Die Clippers können die Freiwurfschwäche der Rockets nicht für sich nutzen und aufs berüchtigte Hacking gehen, denn Howard und Smith sind ohne Frage zuverlässigere Schützen als DeAndre Jordan. Entscheidet sich Rivers für dieses Vorgehen, stehen die Zahlen gegen ihn. In der ersten Runde wies nur ein Team schlechtere Zahlen von der Linie auf als Houston: Los Angeles.

Rivers kann sich auch nicht wie gegen San Antonio leisten, Jordan vom Feld zu nehmen. Die Spurs griffen im letzten Viertel des siebten Spiels, als Jordan vorsorglich auf der Bank Platz nahm, einen Offensiv-Rebound nach dem nächsten. Dwight würde die Zone der Clippers niedermähen.

Die Clippers galten als Angstgegner der Rockets, jedoch hat Houston die letzten beiden direkten Duelle im Februar und März für sich entschieden, ohne ihren zweitbesten Mann. Das gibt zusätzlichen Rückenwind für die Serie. 



Warum Los Angeles gewinnt
Die bösen Geister der Vergangenheit sind (vorerst) besiegt. Die Clippers ringen den amtierenden Meister in sieben Spielen nieder. Ein Resultat, mit dem wohl niemand wirklich gerechnet hat. In einem der besten First-Round-Matchups der Playoff-Historie waren Doc Rivers‘ Jungs am Ende einfach das bessere von zwei großartigen Teams. Der Glaube an den ganz großen Wurf ist damit momentan so präsent wie nie zuvor. L.A. geht mit einem ungemeinen mentalen Push in die nächste Serie.

Dort wartet bereits der nächste, gut erholte Kontrahent aus dem Lone Star State: die Houston Rockets. In den vier Aufeinandertreffen der regulären Saison schlugen sich die Clippers gut. Zwei deutlichen Siegen stehen zwei knappe Niederlagen gegenüber. Die Voraussetzungen könnten also schlechter sein. Was zudem Mut macht: Lob City scorte in diesen vier Partien im Schnitt ca. sechs Punkte mehr als die Rockets.  

Ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg wird also erneut die Offensive sein. Paul, Griffin, Redick, Barnes und Jordan waren gegen die Spurs durchschnittlich für 80,7 Punkte verantwortlich. Die Bank hingegen steuerte lediglich 22,3 Zähler pro Nacht bei. Was dem Clipper-Universum bei dieser Statistik besondere Bauchschmerzen bereitet: Die Lebensversicherung der Franchise, Chris Paul, wird das erste Spiel wohl wegen einer Oberschenkelverletzung verpassen. Dadurch wird noch mehr Last auf die verbleibenden Starter fallen. Allerdings spielt Griffin bisher die beste Postseason seiner Karriere und ist dieser Aufgabe gewachsen.


Nichtsdestotrotz wird die Bank noch einmal eine Schippe drauflegen müssen. Doch auch hier besteht Hoffnung: In den vier gewonnen Spielen der ersten Runde wies Lob City ein Plus 14 Rating auf, wenn Jamal Crawford auf dem Parkett stand. Er wird es auch sein, der Paul in Spiel 1 weitestgehend vertreten wird. Sobald einer der Starter jedoch in Foul-Trouble geraten sollte, stehen die Clippers vor großen Problemen gegen die deutlich tiefer besetzten Rockets. Aber hey, dasselbe galt auch schon als Top-Argument für die Spurs in Runde eins.

Spätestens ab Spiel zwei werden Harden und Co. allerdings selbst vor eine komplexe Aufgabe gestellt: Wer deckt Chris Paul? Ohne den Kettenhund Patrick Beverly klafft ein Loch auf der Point Guard Position der Texaner. CP3 wird dies auszunutzen wissen und selbst den Korb attackieren - oder gute Mismatches für seine Teamkollegen kreieren.

Das Tandem aus Paul und Griffin funktioniert diese Playoffs zudem exorbitant gut und steht der Harden-Howard-Combo auf der anderen Seite in nichts nach. Der größte X-Faktor für L.A. und den historischen Einzug in die Conference Finals wird daher vor allem von einer Sache abhängen: der Gesundheit von Chris Paul.            



Stat-Salat
18.0 Rebounds schnappte sich DeAndre Jordan im Durchschnitt in den vier Saisonspielen gegen die Rockets. Allerdings verpasste Houstons Top-Rebounder Dwight Howard alle vier Partien.

412 Freiwürfe gingen in der abgelaufenen Saison von Dwight Howard und DeAndre Jordan zusammengenommen daneben. Das sind mehr Fehlwürfe als vier ganze Teams. Der Ligaschnitt liegt bei 468 Fehlwürfen in der Saison.

21.7 Punkte pro Spiel erzielte Jamal Crawford in drei Spielen gegen die Rockets in dieser Saison. Kein Spieler punktete beim direkten Aufeinandertreffen im Durchschnitt häufiger.

In nur 19 von 81 Spielen erzielte James Harden weniger als 20 Punkte. Die Rockets gewannen nur acht dieser 19 Partien. Bei den zwei Niederlagen gegen die Clippers kam er auf neun und 16 Punkte..


(Stat-Salat via @TwoWayGame)



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