06 Mai 2015

6. Mai, 2015  |  Chris Schmidt  @ChrisSchmidt27


Die Eastern Conference Semifinal-Serie zwischen den Cleveland Cavaliers und den Chicago Bulls, steht nach den Ereignissen der letzten Tage unter ganz neuen Vorzeichen. Denn nach der Verletzung von Kevin Love (bis Saisonende) und der Suspendierung von J.R. Smith (2 Spiele), musste Headcaoch David Blatt für die Serie gegen die Bulls neue Lineups aus dem Hut zaubern. Schon in Spiel Eins offenbarten sich durch diese Wechsel erhebliche Probleme…


Blatt entschied sich für die Small-Ball-Lineup und startete mit Kyrie Irving, Iman Shumpert, Mike Miller, LeBron James und Timofey Mozgov. Tom Thibodeau hielt mit Derrick Rose, Jimmy Butler, Mike Dunleavy, Joakim Noah und Pau Gasol dagegen. Direkt in der ersten Possession fiel auf, worauf die beiden Coaches hinauswollten. Der Cavs-Trainer stellte Shumpert gegen Butler, LeBron gegen Noah und Mozgov gegen Gasol. 



Zwar schien die Aufteilung anfangs überraschend, da man LeBron wohl eher in einer aktiveren Rolle in der Defense erwartet hätte, allerdings könnte er sich so mehr Körner für die Offensive aufsparen. Gleichzeitig wurde aber auch schnell klar, dass die Cavs viel switchen würden und James so sehr wohl enorme defensive Präsenz zeigen müsste.

Dies zeigte sich direkt im ersten Ballbesitz der Bulls. Nach einem Pick & Roll an der Seitenlinie wechseln James und Shumpert die Gegenspieler. Da Noah nun den freien Weg zum Korb hat, rotiert Miller rüber, um die einfachen Punkte zu verhindern. Doch der Bulls-Center sieht Dunleavy offen in der Ecke und dieser verwandelt den einfachen Dreipunktwurf.



Hier zeigte sich erstmals, was das Matchup Mozgov-Gasol für dieses Spiel bedeuten würde. Da der Spanier nämlich eher ein Jumpshooter ist, muss Mozgov weit weg vom Korb verteidigen. So fehlt den Cavs die Rim-Protection, die sie von ihrem Center brauchen, um defensiv auf Playoffs-Niveau agieren zu können. Sollte der Russe nun über das ganze Spiel auf Höhe der Freiwurflinie verweilen, um Gasol zu decken, wäre dies eine Einladung für Drives von Rose oder Butler.

Da die Bulls natürlich darauf spekulierten, attackierten sie daraufhin immer wieder den Korb, um Mozgov von Gasol wegzulocken. Hier geht Dunleavy über die Baseline zum Korb und wird gedoppelt. Dies lässt Gasol auf Höhe der Freiwurflinie komplett offen, aber er kann (noch) nicht verwerten. 

Allerdings ergibt sich bei der Aufteilung der Cavs noch ein zweites Problem: Wenn Mozgov, der noch zu Gasol rausgesprintet war um den Wurf zu verhindern, unter dem Korb fehlt, fehlt den Cavaliers auch ein wichtiger Rebounder (7,4 RPG in den Playoffs). So sind die kleineren Spieler hier unter den Körben zu sehr mit der Suche nach dem Gegenspieler beschäftigt, sodass Dunleavy ungehindert den Ball am offensiven Brett abgreifen und finishen kann.




In der nächsten Sequenz switchen die Cavs dann mal in der Defense. LeBron steht nun bei Butler, Mozgov hat Noah vor sich. Das große Problem trägt allerdings wieder den Namen „Pau Gasol“. Der Spanier postet gegen Miller auf, bekommt den Ball und netzt locker ein. Wieder haben die Kavaliere überhaupt kein Mittel im Low-Post, da Mozgov zu weit vom Korb weg steht. 



Hier wäre allerdings das Absinken von Mozgov eher möglich gewesen, da Noah aus dieser Entfernung keinerlei Gefahr darstellt und somit die Konzentration viel eher Gasol gelten sollte. 
Im folgenden Beispiel machen es die Cavs dann endlich besser. An der rechten Seite spielen Derrick Rose und Joakim Noah ein Pick & Roll. Iriving als Defender von Rose braucht zu lange, um zu recovern, sodass sich LeBron zwischen zwei Gegenspielern entscheiden muss. Er kann den Pass auf Noah nicht abfangen und dieser zieht ungehindert zum Korb. 




Nun ist Mozgov allerdings in einer viel besseren Position und kann von der Weak-Side zum spektakulären Block einfliegen. Aufgrund des schlechten Spacings der Bullen auf der ballfernen Seite hätte hier ein möglicher Wurf von Gasol auch noch verhindert werden können.



Dass Timofey Mozgov am liebsten ringnah verteidigt, ist auch in der nächsten Szene zu erkennen. Die Bulls spielen ihr übliches Pick & Roll mit Rose und Butler auf Höhe der Dreipunktlinie. Während LeBron vor dem Screen noch Rose verteidigt, geht er wohl danach davon aus, dass die Cavs es wieder switchen und somit Mozgov an den Perimeter kommt.



Allerdings möchte der Russe viel lieber mit Gasol zum Korb absinken, um auch bei möglichen Drives eine größere Hilfe zu sein. Die Kommunikation zwischen James und Mozgov stimmt somit nicht, beide „droppen“ mit Chicagos Big Man in Richtung Korb. Dies gibt Rose den ganz offenen Wurf von „Downtown“, den er verwandelt.



Das Play, welches an diesem Abend am erfolgreichsten war, war das Pick & Roll bzw. Pop mit Rose und Gasol. Wenn die beiden dies beispielsweise an der Seitenlinie liefen, wurde es von den Cavs traditionell „geICEd“. Für den verteidigenden Big Man heißt das, dass er zum Korb absinkt. Der Defender des Ballhandlers versperrt den Weg zur Mitte und soll diesen so in eine ungünstige Position bringen. 

Da Gasol aber so ein guter Werfer ist, „poppte“ er so hoch wie möglich aus diesem Play heraus. Somit war es für den Big Man der Cavs unmöglich, den Wurf des Spaniers zu verteidigen. Eine Rotation blieb so gut wie immer aus, da, wie bereits erwähnt, mit Mozgov meist ein Spieler auf dem Feld stand, der die weiten Wege nach außen meidet. So melkten die Bulls dieses Play den ganzen Abend lang und waren damit extrem erfolgreich. Immerhin entstanden 23 der 40 Treffer aus dem Pick & Roll, alleine zwölf nur durch die Rose/Gasol-Kombination.




Effekt
Somit könnte Pau Gasol zum X-Faktor in dieser Serie werden. Ohne Kevin Love in der Lineup haben die Cavs praktisch keinen Spieler, der den Spanier verteidigen kann. Wenn David Blatt in Spiel zwei beispielsweise Mozgov auf Noah ansetzt, um ihn korbnäher einzusetzen, muss LeBron James den Power Foward der Bulls verteidigen. Dies könnte dann seine Größenvorteile ausnutzen und in aller Ruhe im Low-Post zu Werke gehen. Außerdem würden sich dann weitere Matchup-Fragen bezüglich der Verteidigung von Jimmy Butler und Derrick Rose stellen. Wäre nämlich LeBron an Gasol gebunden, würde dies das Switchen in der Defense erschweren. Blatt weiß auch, dass die Bulls es sofort ausnutzen würden, wenn beispielsweise Miller oder James Jones zu Gasol rotieren müssten.

Es bleibt die Hoffnung für die Cavs-Fans, dass der Spanier nicht jeden Abend so hochprozentig aus der Midrange trifft. In Game 1 traf er immerhin acht von neun „uncontested“ Field Goals. Cleveland traf als Mannschaft gerade mal elf ihrer 33 ungedeckten Würfe. 

Insgesamt muss aber gesagt werden, dass das Experiment mit LeBron James auf der Vier gegen die Bulls vorerst gescheitert ist. Die Lineups mit dem MVP-Dritten auf der Power Forward Position hatten in 29 Minuten Spielzeit ein Defensive Rating von 130. Hier muss Blatt ansetzen und neue Lineups bzw. Rotationen finden, die die Stärken der Bulls besser abfangen können. 

Die hingegen haben mit dem Sieg in Spiel Eins ihr erstes Ziel erreicht und können nun auf ihren Heimvorteil bauen. Außerdem haben sie mit Nikola Mirotic, der in Spiel eins nur zwei Minuten auf dem Parkett stand, eine weitere Antwort auf der Bank. Sollte noch mehr Spacing notwendig sein, um Gasol zum Beispiel im Low-Post besser frei zu spielen, könnte er eine echte Option für die Bulls werden - und höchstwahrscheinlich ein weiteres Problem für die Cavs.