29 April 2015

29. April, 2015  |  Chris Schmidt  @ChrisSchmidt27


Wir alle sind derzeit Zeuge einer der besten Erstrundenserien der jüngeren und älteren NBA-Playoff-Historie. Der Fight zwischen den Los Angeles Clippers und den San Antonio Spurs ging am Dienstag in die fünfte Runde. Diesmal verließen die Spurs mit 111:107 als Sieger das Parkett, doch vier Punkte Unterschied beschreiben nicht mal im Ansatz, wie gut und wie eng diese Serie ist…

Denn die Clippers und Spurs egalisieren sich eigentlich in jeder messbaren Kategorie, insbesondere natürlich bei den Punkten. So war es am Dienstag lediglich die „offensive basket interference“ von DeAndre Jordan vier Sekunden vor Schluss, die diese beiden Teams in Sieger und Verlierer aufteilte. Wenn man genauer hinsieht, fallen auch noch einige andere Punkte auf, die dieses Spiel und damit vielleicht auch die Serie zugunsten der San Antonio Spurs entschieden haben.

Key #1: Bench-Impact
Es war wohl der auffälligste Unterschied zwischen den beiden Mannschaften an diesem Abend. Während Clippers Head Coach Doc Rivers gerade mal drei (!) weitere Spieler einsetzte, entschieden die Reservisten von Gregg Popovich das Spiel. Denn jeder der sechs Einwechselspieler auf Seiten der Spurs hatte einen Anteil an diesem Sieg. Zu aller erst wäre da Boris Diaw zu nennen, der aufgrund der Verletzung von Tiago Splitter und den Foulproblemen von Aron Baynes sowieso mehr Minuten bekommen sollte. Diaw spielte vor allem im letzten Viertel groß auf, als er acht wichtige Punkte für die Spurs innerhalb von wenigen Minuten erzielte.

Ansonsten kreiert der Franzose Mismatches über das ganze Feld. So wurde er in speziellen Small-Ball-Lineups als Center genutzt oder bereitet als Vierer Glen Davis enorme Probleme. Durch seine Beweglichkeit hat Diaw nämlich Vorteile gegenüber Davis und versucht diese in Drives zum Korb und somit einfache Punkte umzumünzen.



Patty Mills, Manu Ginobili, Marco Bellinelli, Matt Bonner und Aron Baynes kamen ebenfalls von der Bank. Bis auf den zuletzt genannten traf jeder der Reservisten mindestens einen Dreier und half zudem die von Pop so geliebte „Hack-a-DJ“-Taktik durchzuführen. So kassierte Bonner in weniger als vier Minuten ganze vier Fouls, nur um DeAndre Jordan immer wieder an die Linie zu schicken. Dieser versagte dort wiederholt kläglich (7-16 FTs) und hatte somit auch einen Anteil daran, warum die Clippers ihre Führung im zweiten Viertel nicht halten konnten.

Nachdem Jordan dann ausgewechselt wurde und Los Angeles sich mit einer Small-Ball-Lineup an die Spurs anpasste, wurde offensichtlich, wieviel Platz ohne den Clippers-Center auf dem Court entsteht.

San Antonio begann nun das hohe Pick & Roll mit Tony Parker & Tim Duncan zu laufen und die Schützen möglichst weit außen zu positionieren. Durch die Rotation der Clips entstanden so immer wieder offene Dreipunktwürfe für Ginobili und Konsorten.



Insgesamt spielten die Bankspieler bei den Clippers nur etwa 50 Minuten. Dazu erwischte der wichtigste Sixth Man, Jamal Crawford, noch einen miserablen Abend (4-15 FGs, 0-6 Dreier) und  warf einen schlechten Wurf nach dem anderen. Austin Rivers merkte man an, dass er, trotz seiner starken Performance in Spiel Vier, noch keine echte Option für einen tiefen Playoff-Run ist. So muss man hier auch das Front Office der Clippers bzw. Doc Rivers kritisieren. Los Angeles hat es nicht geschafft, sich über die Saison hinweg gute Bankspieler zu sichern.

In dieser Kategorie sind sie somit den Spurs deutlich unterlegen. Mit den vielen Minuten, die Chris Paul, Blake Griffin & Co. abreißen, steigt natürlich auch die Müdigkeit. Hier wird es interessant zu sehen sein, ob Rivers seine startende Fünf in Game 6 und vielleicht 7 ebenfalls wieder über 40 Minuten auf dem Parkett lässt. Popovich hat diese Probleme nicht, da er sich bei seiner Bank auf den eben erklärten Impact eigentlich immer verlassen kann.

Key #2: Frontcourt der Clippers
Ein ganz entscheidender Punkt in dieser Serie ist auch der Frontcourt der Clippers, insbesondere dabei die Positionen von Blake Griffin und DeAndre Jordan. Denn diese erhalten, wie eben schon erwähnt, in dieser Serie lediglich Unterstützung von Glen Davis. Dazu ist der Unterschied zwischen Griffin/Jordan und Davis deutlich erkennbar. Die beiden Starter zeichnen sich vor allem durch ihre Athletik und Schnelligkeit aus. So können beide extrem schnell von einem Ende des Feldes bis zum Anderen laufen. Griffin kann dies sogar als Ballhandler, Jordan gerne als Trailer, der dann per Alley-Oop vollendet, wie hier:



Hierbei hat insbesondere Tim Duncan Probleme, da dieser im Fastbreak bzw. nach langen Rebounds dem Tempo von Griffin/Jordan kaum folgen kann. Dieser Vorteil verschwindet aber nahezu komplett, wenn Glen Davis das Parkett betritt. Selbst Duncan schlägt ihn bei einem Sprint über den Court. Somit büßen die Clippers einen großen Teil ihrer Athletik und insbesondere der Mobilität ihrer Big Men ein... Für die Spurs eine Einladung, die sie nur allzu gerne annehmen.



Key #3: Defend the Three!
Kaum ein Team in der NBA kann so vielfältig scoren wie die San Antonio Spurs. Somit zählt natürlich auch der Dreipunktwurf zum Repertoire der Männer von Gregg Popovich. Dies ist nicht erst seit gestern bekannt, und so ist es schon verwunderlich, wie die Clippers den Dreier der Spurs verteidigen. Viele Sets wurden mehrfach gespielt und sollten somit längst bekannt sein. Trotzdem kamen die Spurs zu elf Dreiern in Spiel fünf - vier davon erzielt alleine Patty Mills.

Um den Australier freizubekommen, wählten die Spurs beispielsweise die „Elevator Doors“, die mittlerweile ligaweit gespielt werden. Hierzu schließen sich zwei Big Men zu einem großen Block zusammen, nachdem der Schütze zwischen ihnen durchgelaufen ist. Die Clippers, Austin Rivers in diesem Fall, verteidigen das schwach und so kann der Australier unbedrängt von Downtown abdrücken.



Ein weitere großartige Sequenz ist folgende: Aus dem Pick & Roll heraus findet Manu Ginobili den Roll-Man, hier ist es Duncan, der dann nochmal einen Extra-Pass spielt, um den offenen Schützen zu bedienen. Dies geht nur, wenn man starke Passing-Big-Men hat, die zugleich auch noch die Augen für den freistehenden Mitspieler haben. Für die Clippers ist das kaum zu verteidigen, da Jordan dem schnell abrollenden Duncan kaum folgen kann und Chris Paul somit zum Spurs-Center rotieren muss.





Während man hier noch die Stärke der Spurs als Grund angeben kann, fällt im folgenden Play schon auf, dass die Clippers-Defense an manchen Stellen nachlässig ist. So verliert hier Jordan seinen Gegenspieler total aus den Augen, sodass dieser einen einfachen Block setzen kann, um Marco Bellinelli einen offenen Dreipunktwurf zu ermöglichen.



Hier müssen sich die Clippers deutlich steigern. Ansonsten werden sie sich auch im kommenden und entscheidenden Spiel viele Dreier fangen und somit wohl auch das Nachsehen in der Serie haben.

Key #4: Hack-a-DJ
Gregg Popovich bleibt ein großer Fan von jeglichen Formen des „Hack-a-XYZ“. Auch DeAndre Jordan bekommt es in dieser Serie zu spüren und wird regelmäßig an die Linie geschickt. So nutzt Pop bestimmte Bankspieler, wie Bonner, Mills oder Baynes immer wieder, um absichtliche Fouls an Jordan zu begehen. Dieser belohnt den Coach der Spurs mit verworfenen Freiwürfen. Auf die Serie gesehen steht Jordan mittlerweile bei 18-49 Treffern von der Linie (36,7%). Somit könnte dies am Ende auch ein Grund dafür sein, warum die Clippers diese Serie nicht für sich entscheiden könnten.

Key #5: No Splitter, No Green, No Problem
Es ist deutlich erkennbar, dass der Starting-Center der Spurs angeschlagen ist. Aus diesem Grund spielte Tiago Splitter in Spiel Fünf auch nur acht Minuten (in denen die Clippers 13 Punkte mehr als die Spurs erzielten). Doch Gregg Popovich hatte noch genug Asse im Ärmel, um den Ausfall des brasilianischen Big Man zu kompensieren. Neben Aron Baynes bekam insbesondere Boris Diaw viele Minuten auf der Fünf. So ist es umso überraschender, dass die Clippers trotz dieser vermeintlichen Vorteile unter den Brettern daraus kaum Kapital schlagen konnten.

Auch Scharfschütze Danny Green findet selten statt. Letztes Jahr brachte er in den Finals den Ring noch zum Brennen, in der Serie gegen die Clippers ist er allerdings offensiv kaum anwesend. In Spiel Fünf erwischte er eine weitere „Off-Night“ (3-9 FGs, 1-5 Dreier), und so war es Mills und Bellinelli zu verdanken, dass der Dreier bei den Spurs konstant fiel.

In den bisherigen fünf Partien traf Green nur 30 Prozent seiner Feldwürfe und von „beyond the arc“ fanden nur 28,6 Prozent seiner Würfe ihr Ziel (zum Vergleich, in den Playoffs 2014: 47,5% Dreier). Hier muss sich Green dringend steigern, ansonsten bleiben Possessions, in denen er über 15 Sekunden nur in der Ecke verweilt, wohl keine Seltenheit. Auch hier ist es abermals der tiefen Bank der Spurs zu verdanken, dass die Schwächephase von Green durch die tiefe und qualitativ hochwertige Lineup aufgefangen werden kann. Die 3-2 Führung für San Antonio ist kein Zufall, sondern hochverdient.