07 April 2015

7. April, 2015  |  Mattis Nothacker


In regelmäßigen Abständen stellt nbachef die Signature-Moves aktueller NBA-Spieler vor. Hierbei handelt es sich weniger um klassische Moves wie Nowitzkis Fadeaway oder Ginobilis Eurostep. Vielmehr wird auf Einzelheiten in den Spielstilen eingegangen, die erst auf den zweiten Blick auffallen. 


Der Baby-Hook
Der Hook-Shot ist nicht unbedingt der spektakulärste Abschluss im Basketball. Gut möglich, dass es sogar die langweiligste Methode überhaupt ist, den Ball im Korb unterzubringen. Ein Hook-Shot reißt keinen Zuschauer aus seinem Sitz, taucht nur in den seltensten Fällen in einem Top-10-Video auf. Er erfordert keine besondere Ballfertigkeit oder herausragende athletische Fähigkeiten. Dafür ist der Move so effektiv wie nur wenige andere.

Der eindrucksvollste Beweis für das unheimliche Potenzial des Hook-Shots war Kareem Abdul-Jabbar. Mit seinem „Skyhook“ trieb der 2,18-Center seine Gegner in den 70er- und 80er-Jahren zur Verzweiflung und kletterte an die Spitze der NBA-Punkte-Rangliste. Bis heute gilt seine Spezialität als der am schwersten zu stoppende Wurf aller Zeiten. Heutzutage erfährt der Hook-Shot aber kaum mehr Beachtung.

„Der beste Schuss, den wir je in der NBA zu Gesicht bekommen haben, ist der Skyhook“, erklärt Billy Cunningham, ehemaliger ABA-MVP und NBA-Champion. „Bis zum heutigen Tag verstehe ich nicht, warum nicht mehr Spieler das entwickeln, wenn sie 7-Fuß sind.“ Ein Wurf, der dem Skyhook wirklich ähnelt, ist in der NBA tatsächlich nicht mehr zu finden. Größerer Beliebtheit erfreuen sich dafür aber Abwandlungen wie der Jump-Hook oder Baby-Hook. Meister dieser alternativen Varianten ist Al Jefferson.

Der Center der Charlotte Hornets gehört zur alten Big-Man-Schule. Im Gegensatz zu den heute gängigen NBA-Centern, die oft reine Defensivaufgaben übernehmen und sich in der Offensive auf Jump-Shots und Dunks beschränken, sticht Jefferson mit seinen Offensiv-Fähigkeiten heraus.

Wenn er den Ball im Low-Post zugespielt bekommt, muss sich sein Gegenspieler auf jede Menge Jab-Steps, Spinmoves und Up-and-Unders gefasst machen. Vor allem aber beherrscht der 2,08-Mann den Baby-Hook wie kein anderer in der NBA.

Am liebsten agiert Jefferson von der linken Seite aus. Von dort dreht er sich seitlich über die linke Schulter Richtung Korb und setzt zum Hook-Shot an. Falls er besonders eng gedeckt wird, macht der 30-Jährige eine Täuschung und lässt seinen Gegenspieler dann per Up-and-Under stehen.

Andere NBA-Akteure, die den Hook-Shot regelmäßig verwenden, sind vor allem die Gasol-Brüder Marc und Pau, Tim Duncan, Roy Hibbert und DeMarcus Cousins. Auch weniger prominente, nicht-amerikanische Spieler haben den Hook-Shot für sich entdeckt. Dazu gehören  Tiago Splitter, der den Move auch gerne in direkter Korbnähe einsetzt, und Donatas Motiejunas, der ihn merkwürdigerweise besonders oft mit seiner schwächeren rechten Hand verwendet.