20 April 2015

20. April, 2015  |  nbachefsquad  @nbachefkoch


Playoffs, yo! Die echte Saison ist endlich unterwegs. Bei so viel irrsinniger Action auf einmal würde es kaum Sinn machen, traditionell zu berichten und das Chaos-Element dieser Wochen zu vernachlässigen. Kein Grund zur Sorge: die nbachefsquad ist zur Stelle wie Paul Pierce in Crunchtime und versorgt euch täglich mit den feinsten Happen zur NBA-Postseason. Reingehauen!


"Wolle Rose kaufe?"
Seb Dumitru @nbachefkoch: Wenn die Chicago Bulls endlich ihre enttäuschenden Playoff-Jahre hinter sich lassen wollen, müssen Ausgeglichenheit und Teamfähigkeit zu entscheidenden Faktoren werden. Der Klub musste solange ohne seinen besten Spieler auskommen - auch in dieser Saison wieder - dass längst Narben über die vielen Wunden gewachsen sind, die Derrick Rose' permanente Ausfälle gerissen haben. Pau Gasol ist All-Star, Jimmy Butler der am meisten verbesserte Spieler der NBA, die Lineup tief und qualitativ besser denn je.

Ohne Rose geht aber nichts - zumindest nichts in Richtung Championship. Playoff-Bilanz Chicagos ohne den Point Guard, der jetzt sein erstes Postseason-Spiel seit 2012 absolvierte: 7-15. Dass viele nicht mehr so recht dran glauben mögen an den ehemaligen MVP als 'difference-maker' und Anführer eines kommenden NBA-Finalisten, ist nicht verwunderlich.

In Spiel eins zeigte Rose, was vielleicht nur die optimistischsten Fans gehofft hatten: er hat sich das Beste aufgehoben! Nach einer erneuten Knieverletzung kehrte der 26-Jährige kurz vor Ende der regulären Saison zurück. Heute sieht er explosiver aus denn je. Nicht nur explosiv, sondern auch effektiv. 23 Punkte und 7 Assists steuerte der Speedfleck zum lockeren Auftaktsieg der Bulls bei - und bescherte dabei nicht nur seinem Gegenspieler Michael Carter-Williams und den Bucks schlechte Träume.



Die Art, wie Rose übers Parkett flog und seine gravitationsverbiegenden Karnickel-Cuts mit Präzision beim Sprungwurf kombinierte, dürfte auch 350 Meilen weiter östlich für Interesse gesorgt haben: in Cleveland, wo die Cavaliers mit Boston ebenso wenig Mühe haben werden wie Chicago mit Milwaukee.

Für mich ist klar: der Gewinner des bevorstehenden 2-3 Conference Halbfinals zieht in die NBA Finals ein. Wenn D-Rose gesund bleibt und die Form aus Spiel eins konserviert, schlägt keine Ost-Mannschaft die Bulls vier Mal in sieben Partien. Bleibt die Frage an jeden einzelnen von euch: Kauft ihr den Derrick Rose vom Samstag ab?



Scrimmage
Tiago Pereira  @24Sekunden: Nachdem die New Orleans Pelicans am letzten Spieltag die Playoffs erreichten, war die Saison-Maxime der Südstaatler erreicht. Die anstehende Playoffserie gegen die Golden State Warriors wurde von beiden Seiten halb im Scherz, halb Ernst, als Trainingsspiel abgetan.

Die Männer von Monty Williams wollten sich nicht gleich während ihres ersten Postseason Auftritts blamieren, doch der Schlachtruf „Let’s go ahead and get this scrimmage!“ beinhaltete mehr Wahrheit, als den Pelikanen lieb gewesen wäre. Denn es waren die Warriors, die das „Trainingsspiel“ ins Leben gerufen hatten, aber es waren die Pelikane, die sich als Sparringspartner präsentierten.

Das Spiel war keine zwei Minuten alt, da kam die Pace-and-Space Angriffmaschinerie der Dubs schon ins Laufen. Während Anthony Davis und Co. gerade einmal einen Zeh in das kalte Playoffwasser gestreckt hatten, badete Stephen Curry längst in der Euphorie des ersten 10-0 Runs.

Angstschweiß machte sich bei den Pelikanen breit (schwitzen Pelikane eigentlich?), als ihnen die ersten Dreier um die Ohren flogen. Schamlos attackierten die Warriors jede offene Stelle in der Verteidigung New Orleans'. Es wurde das erwartete Trainingsspiel. Die Dubs führten mit 15 Punkten nach dem ersten Viertel, zur Halbzeit mit 18.

Jedes Mal wenn sich New Orleans ein Stücken heran gekämpft hatte und der Vorsprung zu schmelzen schien, schalteten die Warriors einen Gang hoch. Die Splash Brothers trafen ihre Würfe, wenn Golden State sie brauchte, und hatten am Ende 55 Punkte mit sieben Dreiern und acht Assists. Draymond Green & Andrew Bogut verhinderten, dass die Pels Hoffnung schöpfen konnten.

Erst als Anthony Davis mit seinen 20 Punkten im vierten Viertel einen letzten 'Hail Mary' versuchte, kamen die Gäste noch einmal auf vier Punkte heran. Aber auch die Monsterbraue konnte nichts daran ändern, dass die Warriors ihr 19. Spiel in Serie zu Hause gewannen. Wobei von einem Spiel eigentlich gar nicht die Rede sein konnte - wir sprechen hier von einem Trainingsspiel.



Bigger Brow
Onur Alagöz  @LakersParadigm: Könnt ihr euch dran erinnern, wie manche selbsternannte Experten Anthony Davis als reines Defensivbollwerk abtun wollten? Er sei zu dünn, um gegen die dicken Kanten in der Liga etwas reißen zu können. Er sei offensiv unausgereift. Er habe nur eine Augenbraue.

Nach einer fabelhaften regulären Saison ließ Davis auch in seinem Playoff-Debut keine Zweifel offen. Jumpshots, Alley-oops, Pick & Roll. Score, Score, Score. 35 Punkte am Ende gehabt, inklusive Respekt der Gegner. 


Fast im Alleingang, mit gelegentlicher Hilfe von Quincy Pondexter, hielt er die Pelicans in ihrem ersten Playoffauftritt seit 2011 im Rennen. Gerade mal sieben Punkte trennten sie von den Warriors, die Message „Wir lassen uns hier nicht kampflos nach Hause schicken!“ kam mehr als deutlich an.

Es ist bewundernswert, wie vielseitig Davis in so kurzer Zeit geworden ist. Neben seinen elitären Verteidigungsfähigkeiten, die an einen jungen Kevin Garnett erinnern, kann man bereits in seinem dritten Jahr auch die komplette Offensive über ihn gehen lassen. Sprungwurf vom Zonenrand – drin. Post-Up, Dropstep, Layup – drin. Hoher Pick, Abrollen, Alley-oop – drin. Die Zukunft der NBA ist längst da. Nummer 23... New Orleans Pelicans... Anthonyyyyyyyyy Daviiiiiiss.... 



Die Wahrheit
Chris Schmidt  @ChrisSchmidt27: Wer würde dieser (vermutlich) engen Serie im ersten Spiel seinen Stempel aufdrücken? John Wall? Bradley Beal? Kyle Lowry? Lou Williams? Die Wahrheit ist, dass es Paul Pierce war, der die Zauberer am Samstagabend zum Sieg führte. Der 37-Jährige bewies, wie gut er mit Dinos kann und schenkte den Raptors 20 Punkte inklusive vier erfolgreichen Dreipunktwürfen ein.

Die Wahrheit ist auch, dass die Wizards wie erwartet die Bretter dominieren würden. Während sich Nene, Gortat & co. 61 Rebounds griffen, kamen die Raptors nur auf 48 „Boards“. Der größte Unterschied lag am offensiven Brett, wo die Zauberer sich 19 Mal die Chance auf einen zweiten Wurf sicherten.

Da das Spiel wie erwartet sehr eng verlief, konnten sich die Wizards so immer wieder einen kleinen Vorteil verschaffen. So schnappte sich Washington alleine in der Verlängerung ganze fünf Offensivrebounds, die in fünf Punkten resultierten. Toronto erzielte in der gesamten Overtime nur vier Punkte.

Die Wahrheit ist aber auch, dass Toronto es ohne erfolgreiche Dreipunktwürfe schwer haben wird. Nur sechs von 29 Versuchen fanden den Weg durch die Reuse. Insbesondere die zwei wichtigsten Scorer, DeMar DeRozan und Lou Williams, erwischten kein gutes Händchen an diesem Abend (10-36 FGs, 2-9 Dreier).

Und die Wahrheit ist, dass Paul Pierce auf der Power Foward-Position eine echte Waffe für die Wizards sein kann. Während Randy Wittman ihn während der regulären Saison kaum da spielen ließ, blühte er zu Beginn des zweiten Viertels dort auf und machte aus einem Rückstand von sieben Punkten eine Vier-Punkte-Führung vor der Halbzeit. Zudem durfte Otto Porter so 34 Minuten auf der Drei ran und trug zur starken Defensive der Wizards bei. Paul Pierce könnte sich somit zum Schlüssel dieser Serie erweisen. The Truth.




Shooters Needed
Sebastian Seidel  @Sebastianctcb: Die Portland Trailblazers gehörten in der regulären Saison zu den besten Teams von hinter der Dreierlinie. Ihre beiden Franchise-Spieler Damian Lillard und LaMarcus Aldridge zogen im Pick & Roll immer wieder die Hauptaufmerksamkeit gegnerischer Defensiven und schafften so viele offene Dreier für die guten Schützen der Blazers.

Doch mit Wesley Matthews (39%), Arron Afflalo (40%) und Dorell Wright (38%) sind die besten Schützen der Blazers verletzt. Die Grizzlies kontern dies geschickt, in dem sie sehr viel im Pick & Roll aushelfen und die Zone zustellen.







Auffällig in dieser Szene ist wie weit Jeff Green von Nicolas Batum entfernt ist, um gemeinsam mit Gasol einen Abschluss am Korb von Lillard zu verhindern. 
Auch wenn Batum gestern drei seiner sechs Dreier traf, ist an dieser Szene gut zu sehen, wie wenig Aufmerksamkeit die Grizzlies ihm an der Dreierlinie schenken.

Batum hatte fast die komplette Saison mit seinem Wurf zu kämpfen und traf lediglich 32 Prozent seiner Versuche von Downtown - die schwächste Dreierquote seiner Karriere. Ein Center ohne Wurf wie Robin Lopez schafft dabei natürlich ebenfalls recht wenig Platz.


So bekamen Lillard und Aldridge das komplette Spiel keine einfachen Würfe, wurden immer wieder gedoppelt und/oder zu schwierigen Abschlüssen gezwungen. Gemeinsam trafen sie gerade einmal 18 ihrer 55 Versuche.

Vor allem eine baldige Rückkehr von Arron Afflalo könnte also extrem wichtig für die Blazers sein. Denn: Wenn Portland seine Würfe von Außen trifft, haben es auch Aldridge und Lillard viel einfacher, zu guten Abschlüssen zu kommen. Und nur dann hat Portland in dieser Serie eine Chance.



Sand
Clemens Boisserée  @bvboisseree: Am Ende zählt nur der Sieg. Nach vier Siegen fragt keiner mehr, wie der erste zustande kam. Hauptsache gewonnen. So oder so ähnlich  müssen die Atlanta Hawks nach ihrer Playoff-Premiere als bestes Team der Eastern Conference denken. Denn auch wenn sie am Ende völlig verdient das erste Matchup mit den Brooklyn Nets für sich entschieden – da war noch reichlich Sand im Getriebe und ganz viel davon schütteten sich die Mannen von Coach Mike Budenholzer selbst ins System.

Gibt es schon eine Petition, die einen Dreier-Contest zwischen Kyle Korver und Steph Curry zum Pflichtprogramm eines jeden All-Star-Games fordert? Der 34-Jährige erlebt den Frühling seiner Karriere und ist der tödlichste Sniper der NBA. 21 Punkte legte Korver zum Playoff-Auftakt auf. Immer wenn es irgendwie drohte brenzlig zu werden, spielten die Hawks ihren Scharfschützen frei und der traf. Oder Korver kreierte sich seinen eigenen Distanzwurf – und traf auch den.

Die Hawks zeigten das, was sie am besten können: ausgewogenen Teambasketball. Wenn es gerade lief, rotierte der Spalding geduldig bis zum freistmöglichen Schützen oder bestpositionierten Brettspieler – ohne dass irgendwer groß aus der Reihe fiel. Kein Falke spielte mehr als drei Vorlagen, dennoch ging 19 Korberfolgen ein Assist voraus. Kein Hawk, außer 'GI Korver',  kam auf 20 Punkte – dennoch punkteten wieder einmal fünf Spieler zweistellig.



Ein wenig hatte man zeitweise das Gefühl, den Hawks wird ihr eigenes Spiel zu langweilig, zu erfolgreich. Im Schlussviertel leisteten sich nahezu alle eingesetzten Spieler Momente der Unaufmerksamkeit. Da schmiss Teague den Ball ins völlig Nichts, da vergab Kyle Korver freie Dreier, da leisteten sich die Hawks gleich sechs ihrer insgesamt 14 Ballverluste, vor allem kamen die Nets aber dadurch immer wieder zu einfachen, freien Abschlüssen.

Hätte es diese Schwächephase nicht gegeben – Brooklyn wäre nicht einmal ansatzweise in der Lage gewesen, diesen Hawks gefährlich zu werden. Coach Budenholzer wird seinen Gameplan für Spiel zwei kaum anpassen müssen – so Al Horfords kleiner Finger, der im Schlussviertel kurzzeitig behandelt wurde, keine weiteren Probleme macht. Falls doch, zeigte Pero Antic (plus-10 mit 8 Punkten, 3 Rebounds und 100.4 Defensiv-Rating) auf Center, dass er auch in den Playoffs eine solide Alternative zu Horford sein kann - wie bereits letztes Jahr.



K(l)eine Chance?
Clemens Boisserée  @bvboisseree: Brooklyn muss sich fragen, was sie in den Playoffs verloren haben. Ihr Spiel wirkt eindimensional, lustlos – und obendrein schlecht gecoacht. Markel Brown durfte zwar auf Small Forward starten und Kyle Korver gleich zu Beginn mit aufs Poster nehmen, wurde dann aber nach sechs Minuten gegen Bojan Bogdanovic ausgewechselt – und nie wieder auf dem Court gesehen.

Dabei lieferte der 26-jährige Kroate Bogdanovic wahrlich kein Spiel ab, das Playoff-Qualitäten zeigte. Nur 25 Prozent aus dem Feld verdeutlichen, dass er nicht der erhoffte Offensiv-Faktor war, auch in der Defensive keine Verstärkung. Dennoch durfte der Forward 32 Minuten auf dem Feld stehen.

Noch unverständlicher: In Brook Lopez hat Coach Lionel Hollins einen der besten Center der Liga in seinem dünnbesetzten Kader. Während sich nun Joe Johnson (6-17 FG, 0-6 Dreier) und Thaddeus Young (7-16 FG) im Ineffizienz-Wettbewerb unterbieten durften, bekam Lopez unter dem Korb gerade mal sieben Wurfgelegenheiten (sechs Treffer), von denen er sich drei auch noch per Offensiv Rebound selbst erarbeiten musste. Hollins ließ seinen Center im Offensivsystem vollkommen außen vor.

Auch ohne wirkliches Inside-Game und dafür nötige Pässe leistete sich das Spielmacher-Duo Williams und Jack zusammen sieben Ballverluste. Insgesamt gaben die Nets gar 17 Mal das Leder her, was die Hawks und ihre so effektive Offensive für 15 einfache Punkte nutzte.

Die Nets und ihr Coach brauchen einen anderen Gameplan, wollen sie gegen den Ost-Primus irgendeine Chance haben. 20 Mal vom Perimeter abziehen und nur fünf Mal treffen – sinnlos. Isoliert in die Zone rennen oder den Mitteldistanzwurf am Mann nehmen – sinnlos.

Viel häufiger müsste der Ball an den Korb gebracht werden. Rund um den Ring trifft selbst Thaddeus Young akzeptable 54 Prozent. Der Deron Williams von einst gehörte zu den gefürchtetsten Ring-Attackierern der Liga und auch in Spiel eins traf er drei Versuche am Ring – doch dort ging er eben nur diese drei Mal hin und schoss viel lieber acht Mal von sechs Metern und mehr (bei nur zwei Treffern).

Es fehlt den Nets nicht nur die nötige Spielphilosophie, sondern auch das nötige Personal. Es fehlt ein nützlicher Small Forward, der das Spiel unberechenbarer macht. Es fehlt die nötige Distanzgefahr, denn weder Johnson, noch Williams, noch sonst irgendwer in diesem Team sorgt für konstante Gefahr von draußen.

Die Nets können ein Spiel dieser Serie holen, an einem Ausnahmetag von Johnson, Williams oder eben Lopez. Aber sie sind keine Gefahr für ein konstantes Hawks-Team, das alles mitbringt, was in Brooklyn fehlt.