30 April 2015

30. April, 2015  |  nbachefsquad  @nbachefkoch


Playoffs, yo! Die echte Saison ist endlich unterwegs. Bei so viel irrsinniger Action auf einmal würde es kaum Sinn machen, traditionell zu berichten und das Chaos-Element dieser Wochen zu vernachlässigen. Kein Grund zur Sorge: die nbachefsquad ist zur Stelle wie Jeff Teague in Crunchtime und versorgt euch täglich mit den feinsten Happen zur NBA-Postseason. Reingehauen!


Retter in der Not
Seb Dumitru @nbachefkoch: Es sollte mittlerweile allen klar geworden sein, dass diese Brooklyn Nets nicht weggehen! Lästig wie Scheißhausfliegen umschwirren die Untoten aus der Barclays Center Gruft das kollektive Playoff-Gemüt. Immer dann, wenn es Zeit wäre, uns mit ihrer zynischen Interpretation von gutem Basketball zu verschonen und endlich in den Sommerurlaub zu gehen, auf dass die antizipierte (und längst auf T-Shirts gedruckte) Zweitrundenserie zwischen Atlanta und Washington beginnen kann, besinnen sich Deron Williams, Jarrett Jack, Joe Johnson und/oder Brook Lopez (wahlweise auch mehrere gleichzeitig) auf ihren inneren Michael Jordan.

So auch gestern, in Atlanta, als Jack/Johnson (nicht zu verwechseln mit dem Singer-Songwriter, dem Boxer, dem Football-Spieler, dem Schauspieler, dem anderen Schauspieler oder dem kanadischen Politiker) einen hohen zweistelligen Rückstand im Alleingang drehten. Beim Stand von 90-89 für die Hawks 4:40 vor dem Ende war die Nervosität allgegenwärtig. Verständlich. Niemand will die Nets noch eine Runde Basketballspielen sehen. Sechs bis sieben Partien waren schon mindestens sechs bis sieben zu viel.

Zum Glück für Atlanta (aber eigentlich für uns alle) waren Al Horford und Jeff Teague zur Stelle. Die zwei All-Stars schüttelten Verletzungen ab und erzielten 13 der letzten 17 Hawks-Punkte während des entscheidenden 17-8 Run bis zum Buzzer. Jumper Horford, Drive Teague, Dreier Teague... Die Synergie der beiden im Pick & Pop war berauschend, Teagues Schnelligkeit von den Nets nicht unter Kontrolle zu bringen.

Obwohl sie nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte sind (Horford verletzte sich wieder am Finger, Teague musste mit lädiertem Sprunggelenk vom Platz), lieferten sie mit jeweils 20 Punkten ab, als es darauf ankam. Einmal noch muss Atlanta zuschnappen, am Freitag, in Brooklyn. Erreichen Teague und Horford Normalniveau, ist die Serie dann zu Ende. Hoffentlich. Sie muss. Niemand mag Zombies...




Grizz grind on
Onur Alagöz  @LakersParadigm: Jeder, der schon mal in einem Sportstadion saß und sein Team angefeuert hat, weiß, wie frenetisch und energiegeladen das Publikum sein kann. Besonders in Memphis, wo eine Identifikation mit der Heimmannschaft vorhanden ist, die in der NBA ihresgleichen sucht.

Die seit Jahren hochgehaltene Arbeitermentalität der Grizzlies ist es auch letzten Endes gewesen, die die Portland Trail Blazers in Spiel 5 in den Sommerurlaub geschickt hat. Indem sie die All-Stars LaMarcus Aldridge und Damian Lillard beackert und in Schach gehalten haben, konnten die Grizzlies die Serie früh beenden und sich so auf Golden State in Runde 2 einstellen.

Aldridge, dessen Zukunft in Portland nun mehr denn je in Zweifel gehüllt ist, konnte gegen die exzellente Memphis-Defense um Marc Gasol gerade einmal 14 Punkte liefern, Point Guard Lillard brachte auf seine 6 Turnover nur 3 Vorlagen. 


Portland wird sich nun mit endlosen Wechselgerüchten um Aldridge herumschlagen müssen, der im Sommer vertragsfrei wird. Bereits jetzt wird er mit mehreren Teams wie den Knicks, Mavs und Lakers in Verbindung gebracht. Die Blazers werden also tief in die Tasche greifen müssen, um ihn zu halten - falls er überhaupt bleiben möchte.

Das Erstrundenaus wird sicherlich in Aldridges Überlegungen eine Rolle spielen. Die Serie gegen Memphis wäre mit zwei fitten Teams vielversprechender und interessanter geworden, als sie es letzten Endes war.


Dafür wird das anstehende Conference Halbfinale zwischen den Grizzlies und Warriors umso unterhaltsamer, wenn zwei ebenbürtige Teams aufeinander stoßen. Hoffentlich diesmal über sieben Partien.

Fragwürdig ist nur, wie sich Memphis in der kommenden Runde behaupten soll. Mike Conleys Rückkehr ist noch unsicher nach einer Operation, um mehrere gebrochene Knochen im Gesicht zu richten. Der etatmäßige Starter auf der Eins ist einer der besten Verteidiger auf seiner Position und wäre enorm wichtig sein, um Stephen Curry davon abzuhalten, zu tun und zu lassen, was er will. Die Serie startet am Sonntag in Oakland.



Tiefkühlpizza
Jan Wiesinger @WiesiG: Manchmal hat man innerlich bereits mit etwas abgeschlossen, bevor es überhaupt vorbei ist. Man schaut nicht ins Gefrierfach, weil man sich sicher ist, dass dort keine Pizza mehr lagert. Beziehungen, Prüfungen, Besuche im Fitnessstudio... Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Wenn wir aber eine Sache im Sport gelernt haben, dann wohl die Tatsache, dass es erst vorbei ist, wenn es wirklich vorbei ist. (eine Mark ins Phrasenschwein) NOT SO FAST MY FRIEND! Die Milwaukee Bucks gewinnen Spiel 5 der Serie in Chicago und sind wieder da! Man hat zwar immer noch keine Pizza, dafür aber wieder eine Serie.

Über 120 Playoffserien konnten nach 0-3 Rückstand nicht mehr gewonnen werden, warum also ausgerechnet diese? Zu schmerzhaft schien die Double-Overtime-Niederlage in Spiel 3, zu schwach schien das junge Team aus Wisconsin nach der Trade-Deadline. Doch Michael Carter-Williams, gewissermaßen das Resultat jener Deadline, war für die Bucks in Spiel fünf der Sieggarant: Mit 22 Punkten, 9 Assists, 8 Rebounds und 3 Blocks lieferte MCW trotz einer Knöchelverletzung beinahe ein Triple Double ab und stellte den zu Beginn der Serie furios aufspielenden Derrick Rose dabei an beiden Enden des Feldes vor erhebliche Probleme.



Rose traf nur 5-20 aus dem Feld und wurde von den Bucks sechs Mal abgeräumt, Teamkollege Jimmy Butler erging es mit 5 von 21 und vier Rejections gegen sich kaum besser. Ohnehin war die Bucks-Defensive immer auf der Höhe und hielt Chicago bei nur 34,4% aus dem Feld und 18,2% von Downtown (4-22).

Spiel fünf bestätigte im Grunde die Eindrücke der ersten vier Partien: Die Bucks sind drin in dieser Serie, und waren eigentlich nie draußen. Es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist. Physis, Cleverness und unbändiger Siegeswille spielen in dieser Defensivschlacht im Best-of-7-Modus eine große Rolle und werden am Ende den Ausschlag geben. Diese Lake-Michigan-Serie ist sicherlich nichts für Basketball-Feinschmecker. Das ist Tiefkühlpizza bekanntlich auch nicht... Schmeckt aber trotzdem manchmal gut.



Dunkle Wolken
Philipp Landsgesell @Phillyland: Nach fünf Spielen gegen die Houston Rockets war das Aus der Dallas Mavericks besiegelt, in einer Serie, die seit dem Ausfall von Chandler Parsons nicht mehr zu gewinnen war. Das Dallas überhaupt mithalten konnte ist schon überraschend: J.J. Barea und Charlie Villanueva rissen massig Minuten ab, Richard Jefferson und Raymond Felton starteten sogar.

Dass es nicht für mehr reichte, lag vor allem an der Defensive. 108,6 Punkte erzielten die Rockets pro 100 Ballbesitze. Die Mavericks reihen sich somit zu den Celtics, Pelicans, Raptors und Trail Blazers ein, bei denen ebenfalls der Sommerurlaub begonnen hat.

Dirk Nowitzki verlor erneut mindestens zwei Schritte defensiv, das wurde von den Rockets clever ausgenutzt. Mit Tyson Chandler und Al-Farouq Aminu haben die Mavericks nur zwei überdurchschnittliche Verteidiger im Team, die nicht ausgleichen können, wenn immer neue defensiven Probleme auf dem Feld entstehen. Das ist dann einfach zu wenig, um gegen die Top-Teams im Westen zu bestehen.

Nur Al-Farouq Aminu konnte die Playoff-Serie nutzen, um sich für einen neuen Vertrag zu empfehlen. Aminu wird, wie fast alle Mavs, zum Saisonende ohne Vertrag dastehen. Der Flügelspieler wird sicher von dem ein oder anderen Contender interessante Angebote bekommen. Sein Rebounding und vor allem seine Defense könnten vielen Teams sofort helfen. Aminu zum Minimum war ein absoluter Steal für Dallas, doch zu diesen Konditionen wird er nicht mehr zu halten sein.


Auf die Mavs-Verantwortlichen kommt sehr viel Arbeit zu. Es ist unklar, wen Rick Carlisle überhaupt zu Trainingsbeginn begrüßen kann. Lässt man Chandler gehen und unterbreitet DeAndre Jordan einen Maximalvertrag? Soll Ellis überhaupt gehalten werden? Nimmt man seine Launen weiter in Kauf?  Eins ist klar: solange Dirk unter Vertrag steht, müssen die Texaner weiterhin die Playoffs als Ziel haben.

Einen Neuaufbau mit Dirk wird es nicht geben können, vor allem da der Erstrundenpick (Top-7 geschützt) im nächsten Jahr nach Boston wandern wird. Doch selbst wenn das Team zusammenbleibt: reicht das überhaupt für die Playoffs 2016? Die Pelicans, die Thunder und die Jazz werden sich verbessern und könnten die Mavs von einem Playoffplatz stoßen. Dazu kommen erste Gerüchte, dass Chandler Parsons' Knie operiert werden muss und er sechs bis acht Monate ausfällt. Dunkle Wolken schweben über Dallas.