18 April 2015

18. April, 2015  |  Sebastian Seidel & Jan Wiesinger @Sebastianctcb @WiesiG


Playoffs, yo! Nach dem längsten Vorspiel der Welt geht es ab diesem Samstag endlich ans Eingemachte. Sagt euren Familien 'Lebwohl', lasst euch krank schreiben, deckt euch mit Proviant ein und besorgt euch ein Sitzkissen... In den nächsten acht Wochen ist Basketball! Natürlich auch hier bei NBACHEF, wo wir euch mit Postseason-Content mästen. Zum Auftakt wie immer die acht Erstrundenserien im Schnellcheck - ohne großes Geschwafel, straight auf den Punkt!


Entrée
Golden State schockierte die NBA-Welt mit einer historischen Saison und dominierte sechs Monate lang jeden Gegner, der nicht San Antonio Spurs hieß. Die Mannen von Rookie-Coach Steve Kerr stellten neue Franchise-Bestmarken auf - obwohl sie in den letzten Saisonwochen den Fuß vom Gas nehmen konnten und dennoch mit großem Vorsprung als Erste durchs Ziel gingen.

In den Playoffs steht nun alles auf dem Spiel: die Warriors müssen nicht nur verhindern, zu einer der größten Enttäuschungen aller Zeiten zu werden, sondern gleichzeitig gegen das alte und teilweise überholte Mantra "Jumpshooting Teams don't win Championships" ankämpfen.

Mit den New Orleans Pelicans kommt eine Mannschaft am anderen Ende des Spektrums: nach einem furiosen Endspurt im April konnten sich die Pelicans noch Platz acht sichern. Der Klub aus dem 'Big Easy' geht mit ganz viel Selbstvertrauen in seine ersten Playoffs seit 2011 und hat dort absolut nichts zu verlieren - außer der Serie.

Der exzellente Angriff der Pelicans, die endlich gesund und komplett sind, wird mit dem Golden States gut mithalten können. Vorne werden also die Fetzen fliegen, Offensivfanatiker kommen hier voll auf ihre Kosten.



Warum Golden State gewinnt
Die Warriors haben eine historische reguläre Saison hinter sich. Mit 67 Siegen haben sie die meisten Siege in einer Saison erzielt, die ein Team in diesem Jahrtausend verzeichnen konnte.
 Dabei gewannen die Warriors nicht nur ihre Spiele, sie dominierten ihre Gegner fast nach Belieben.

In vielen Spielen konnten es sich die Warriors sogar erlauben, ihre Starter im vierten Viertel zu schonen. Insgesamt gab es 17 Spiele, in denen Stephen Curry nicht eine einzige Sekunde im vierten Viertel absolvierte.




Die beste Defensive der Liga (DRtg 98.2) und die zweitbeste Offensive der Liga (108.9) zeigen, wie dominant die Warriors an beiden Enden des Feldes sind. Dabei agieren die Warriors nicht mehr, wie noch häufig in der letzten Saison, mit zwei klassischen Big Men, sondern haben David Lee auf die Bank verbannt. An seiner statt startet jetzt Draymond Green auf der Vier und sorgt als Stretch Vierer für noch besseres Spacing.


Je kleiner die Warriors spielen, desto besser werden sie offenbar. Kerr gibt Green bei passenden Matchups sogar Minuten auf der Fünf. Stehen Curry, Klay Thompson, Andre Iguodala, Harrison Barnes und Green gemeinsam auf dem Feld erzielen die Warriors auf 100 Possessions gigantische 21.4 Punkte mehr als ihr Gegner.


Nicht nur, weil die Warriors mit Curry und Thompson zwei der besten Shooter aller Zeiten in ihren Reihen haben. Sie bewegen dabei auch noch den Ball unglaublich gut, was sowohl den beiden als auch allen anderen Rollenspielern viele offene Würfe beschafft. Mit 27.4 Assists pro Spiel führen die Warriors auch hier die Liga an.
 Um die Reihe der ersten Plätze noch zu erweitern: Die Warriors führen die NBA außerdem bei den Transitionpunkten (23.3 pro Spiel) und der Pace an.


Mit Green verfügen die Warriors dabei noch über den vielleicht perfekten Verteidiger für New Orleans' Anthony Davis. Green verfügt über die nötige Schnelligkeit, um Davis am Perimeter zu verteidigen, bringt aber auch genügend Masse und Toughness mit, wenn Davis in den Post geht. Green wird versuchen, den bald schon besten Spieler der NBA so gut es geht aus dem Spiel zu nehmen.
 Was ihm nicht alleine gelingt, wird Golden States starke Teamdefensive ausbügeln.

Auch für die drivestarken Guards der Pelicans haben die Warriors mit Thompson und Iguodala gute Antworten. Im Gegensatz dazu ist die Perimeter-Defense das große Problem der New Orleans Pelicans.
 Bis auf Jrue Holiday verfügen die Pelicans über keinen guten On-Ball-Verteidiger.

Keine guten Vorraussetzungen, um gegen den besten Backcourt der Liga zu bestehen.
 Die Pelicans sind in der Defensive nicht einmal annähernd auf Playoff-Niveau und belegen im Defensivrating gerade einmal den 22. Rang. Das ist zu wenig, um gegen die Warriors bestehen zu können.



Warum New Orleans gewinnt
Die Pelicans sind psychologisch klar im Vorteil. Während die reguläre Saison der Warriors reibungsarm und nahezu perfekt lief, konnte das Team aus New Orleans ihr erstes Playoff-Ticket in der Pelikan-Ära erst am allerletzten Spieltag lösen - durch einen Heimsieg gegen die Spurs.

Eine starke zweite Saisonhälfte, gekrönt durch einen 8-3 Schlussspurt, gab der jungen Truppe schlussendlich den Vorteil gegenüber den verletzungsgeplagten Thunder aus Oklahoma City. Die letzten Saisonwochen beflügeln ungemein.

Nach überstandenen, monatelangen Verletzungssorgen - von den Leistungsträgern konnten nur Tyreke Evans (79 Spiele) und Omer Asik (76) über 70 Spiele absolvieren; Anthony Davis (68), Ryan Anderson (61), Eric Gordon (61) und vor allem Jrue Holiday (nur 40 Spiele absolviert) fielen immer wieder aus - ist die Personalsituation endlich wieder entspannt; Monty Williams kann auf all seine Spieler zugreifen.

Die zweifelsohne mangelnde Tiefe der Mannschaft stellt in der ersten Playoffrunde ein weniger gewaltiges Problem dar als in der regulären Saison. Zu den genannten Leistungsträgern dürften sich in der Playoffrotation der im Januar per Trade gekommene Quincy Pondexter und mit Abstrichen Norris Cole sowie Alexis Ajinca gesellen. Im Kontrast zu Golden State, deren Homecourt-Advantage nie wirklich in Gefahr schien, sind die Pellies schon seit mehreren Wochen im „Do-or-Die-Modus“ und mental geschärft. Die Erwartungshaltung und damit der Druck liegen ohnehin bei den Erstgesetzten.


Nicht nur die mentale Komponente spricht in dieser Serie für die Pelicans: Davis und Co. werden die in der regulären Saison überaus potente Defensive der Warriors vor Probleme stellen. Der 24-jährige Superstar der Pelicans absolvierte aufgrund der angesprochenen Verletzungen nur zwei der vier Partien gegen die Warriors. (1-1 mit Davis / 2-0 für GSW ohne Davis).

Golden States Defensivspezialist Draymond Green kann den Superstar zwar mit Cleverness und Geschwindigkeit verteidigen, dürfte aber angesichts von knapp 10 Zentimetern Größenunterschied gewaltige Probleme bekommen. Andrew Bogut hätte zwar die körperlichen Voraussetzungen, zeigt aber deutliche Schwächen bei Beweglichkeit und Mobilität.

Da Davis innerhalb der Dreierlinie von praktisch überall Gefahr ausstrahlt, wird seine Präsenz die Defense der Warriors durcheinanderwirbeln und so Platz für die unnachahmlichen Drives eines Evans oder Holiday schaffen. Auf den Außenpositionen stehen zudem die gefährlichen Dreierschützen Gordon, Pondexter und Anderson bereit, um etwaiges Doppeln gleich dreifach zu bestrafen.

Auch wenn Kerr, Curry und Konsorten keinesfalls den leichtfertigen Fehler begehen werden, dieses Pelicans-Team zu unterschätzen, stellen die Vögel ein äußerst unangenehmes Matchup dar. Unkonventionelle Spielertypen wie Evans oder Davis werden in dieser Serie gegen die Warriors besonders gefordert sein und tatsächlich grandios abliefern.

Das Argument der mangelnden Erfahrung der Pelicans sollte gegen Rookie-Coach Kerr ebenfalls kein Faktor werden. New Orleans ist endlich komplett fit und einsatzbereit, kommt mit Rückenwind aus der Saison und kann diese Serie für sich entscheiden.



Stat-Salat
Die Warriors stellen die beste Defensive und die zweitbeste Offensive der Saison. Sie besiegen ihre Gegner im Schnitt mit 10.1 Punkten, dem achtbesten Wert der NBA-Historie.

Die Pelicans lassen ligaweit die meisten Würfe am Ring zu und liegen dort in der Wurfquote trotz Anthony Davis und Ömer Asik nur im Mittelfeld der Liga.

Auf der anderen Seite schließen die Pelicans die meisten Würfe aller Teams in der Restricted Area ab.

In dieser Serie wartet dort allerdings einer der besten Ringbeschützer der Liga in Andrew Bogut. Seine Gegner treffen nur 41.4% der Würfe am Ring und Bogut bekämpft mit 61% den größten Anteil dieser Würfe.

Nur 271.4 Pässe spielen die Pelicans pro Spiel laut SportVU, Rang 29. Im Vorjahr waren die Warriors mit 245.8 Pässen noch Ligaschlusslicht, sind jedoch diese Saison mit 315.8 Pässen pro Spiel auf Platz 8 gesprungen.


(Stat-Salat via @TwoWayGame)



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