26 April 2015

26. April, 2015  |  Chris Schmidt & Sebastian Seidel  @ChrisSchmidt27 @Sebastianctcb


Die NBA Playoffs sind im vollen Gange und werden jede Nacht um ein weiteres Kapitel reicher. In dem ganzen Trubel der Emotionen, Gamewinner und Flagrant Fouls wollen wir in kleinen Episoden in aller Ruhe nach den Gründen suchen, die über Sieg oder Niederlage entscheiden. Mit den erlesensten Zahlen der jeweiligen Games abgeschmeckt entsteht so der NBAchef-Statsalat…



• Die Boston Celtics verfügen vermutlich nicht über das qualitativ hochwertigste Spielermaterial im Kader. Dafür lieferten die Kelten bisher aber drei sehr beeindruckende kämpferische Leistungen gegen Cleveland ab. Ein großes Problem der Celtics war vor allem in den ersten beiden Spielen die Arbeit an den defensiven Brettern. In Spiel 1 und 2 konnten die Kelten lediglich eine defensive Reboundrate von 66.3 Prozent vorweisen. Das heißt auf jeden dritten Fehlwurf bekamen die Cleveland Cavaliers eine zweite Chance, Punkte zu erzielen. In Spiel 3 konnte Boston das Spiel dann lange ausgeglichen gestalten, auch weil sie deutlich weniger zweite Chancen zuließen. Coach Brad Stevens verzichtete dabei auch nahezu komplett auf Kelly Olynyk, der in 44 Playoffminuten bisher erst 4 Rebounds einsammeln konnte.



• Einen sicher etwas unterbewerteten Anteil am Erfolg der Golden State Warriors haben Draymond Green und Andrew Bogut. Die beiden gehören nicht nur in die Diskussion um den Defensive Player of the Year, sondern sind auch exzellente Playmaker von den großen Positionen. Gemeinsam verteilten sie in den ersten vier Playoffpartien insgesamt 34 Assists. Gerade aus dem Pick & Roll suchen die beiden weniger den eigenen Abschluss, als den offenen Wurf für ihre Mitspieler, und waren natürlich wichtige Faktoren beim 4-0 Sweep der Warriors in Runde eins.



• Nur fünf Spieler verwandelten in der regulären Saison mehr Dreier als Damian Lillard. Doch in den Playoffs agiert Lillard kälter als kalt. Nur 3 von 18 Dreierversuche konnte er bisher in drei Partien verwandeln. Auch aus dem Zweipunktebereich läuft es nur unwesentlich besser für ihn. Alles, was weiter als drei Meter vom Korb entfernt ist, geht mit großer Wahrscheinlichkeit auf den Ring (5-31 FG). Seine Rolle als Playmaker ist ebenfalls stark reduziert, in den bisherigen drei Partien verteilte er insgesamt nur 13 Assists. 
In der Defensive wird er von den Grizzlies-Guards vorgeführt. Damian Lillard ist ein Allstar-Point Guard und stand in der letzten Saison im All-NBA-Third-Team. Da muss einfach mehr kommen zur wichtigsten Zeit des Jahres!




• In der wohl interessantesten Serie der ersten Playoff-Runde konnten die San Antonio Spurs Game 2 aus dem Staples Center stehlen und auf heimischem Parkett auf 2-1 erhöhen. Ein wichtiger Faktor dabei: Gregg Popovichs unleserliche „Hack-a-Jordan“ Strategie. In Spiel zwei musste DeAndre Jordan 17 Mal an die Linie, wo er nur sechs Freiwürfe verwandeln konnte (35% FT) . Das letzte Mal, dass ein Spieler in den Playoffs bei mindestens 17 Versuchen von der Linie weniger als 40 Prozent traf, war im Mai 2004 (Shaquille O’Neal). Zwei Tage später, in Spiel drei, ging Popovich den entgegengesetzten Weg: Jordan hatte seine Ruhe, musste kein einziges Mal an die Linie. Den Clippers half’s nichts, sie verloren trotzdem mit 27 Punkten Unterschied. Popovich hat früher schon sehr erfolgreich „Hack-a-Shaq“ angewendet und weiss genau, wie er mit dieser Taktik seine Gegenüber frustriert.



• Dass das Experiment mit Rajon Rondo und den Dallas Mavericks spätestens nach dessen angeblicher „Rückenverletzung“ gescheitert ist, gilt als sicher. Doch wie schlecht der Point Guard in den Playoffs wirklich war, zeigt folgenden Statistik: Wenn Rajon Rondo auf dem Feld stand, haben die Mavs unglaubliche 41.8 Punkte pro 100 Ballbesitze weniger erzielt, als wenn er auf der Bank saß. Dies, gepaart mit den anhaltenden Diskussionen mit Coach Rick Carlisle, hat nie wirklich Playoff-Atmosphäre in Dallas erzeugt. Der Gewinn der Serie wäre ein echtes Wunder..




• Viel wurde vor den Playoffs über den mittlerweile schon legendären „Playoff-Rondo“ gesprochen. Den gibt es nicht mehr. Dafür aber einen „Playoff-Rose“. Der athletische Point Guard der Chicago Bulls spielt endlich wieder seine größte Stärke aus: den Drive. Waren es in der regulären Saison „nur“ 7.3 Drives pro Spiel, so zieht Derrick Rose in den Playoffs jetzt fast zehnmal pro Spiel aus dem Halbfeldangriff zum Korb. Besonders bemerkenswert ist dabei auch, wie hochprozentig er abschließt. Seine Wurfquote bei Drives beträgt 60% FG. Auch der Dreipunktewurf fällt in den bisherigen Playoff-Partien beeindruckend gut. Mehr als 46 Prozent trifft Rose von Downtown, und das bei über sechs Versuchen pro Spiel.



• Die Washington Wizards haben bisher - etwas überraschend - alle drei Partien ihrer Erstrundenserie gegen Toronto gewonnen. Während die bislang schwach gecoachten Raptors weiter fröhlich Backsteine ballern, dürfen sich die Zauberer wieder mal bei Routinier Paul Pierce bedanken. Egal ob produktiv auf dem Parkett (16 PPG) oder auf mentaler Ebene wie in Spiel zwei: sein Impact ist gigantisch. Der junge Otto Porter, für den Pierce ein wichtiger Mentor ist, erzielt bisher starke 10.3 Punkte pro Spiel bei 63% aus dem Feld. Washington ist 32.8 Punkte pro 100 Angriffe besser mit Porter auf dem Parkett. Der 21-Jährige war in seiner bisherigen NBA-Zeit eine große Enttäuschung, doch vielleicht gelingt dem Forward ja gerade mit Pierces Hilfe der Sprung zum wichtigen Baustein in Randy Wittmans Team.




• Brooklyn ist nach dem Sieg gestern wieder in der Serie gegen Atlanta drin. Einer der Hauptgründe, neben der kollektiv schwachen Leistung der Hawks: Brook Lopez. Je mehr die Nets ihren Center tief unter dem Korb suchen, desto erfolgreicher scheinen sie zu sein. Bekam Lopez in Spiel eins nur 3 “close touches” in Ringnähe, waren es in Spiel zwei schon 7 und in Spiel drei sogar 11. Die Nets haben insgesamt 12 von 17 Partien gewonnen, wenn Lopez 18 oder mehr Versuche aus dem Feld bekommt. Seine 22 Punkte gestern waren seine bisher beste Ausbeute in diesen Playoffs und geben Brooklyn neue Hoffnung im Kampf gegen das bilanzbeste Team der Eastern Conference.   



Stats via nba.com/stats und basketball-reference.com