21 April 2015

21. April, 2015  |  Chris Schmidt  @ChrisSchmidt27


Die NBA Playoffs sind im vollen Gange und werden jede Nacht um ein weiteres Kapitel reicher. In dem ganzen Trubel der Emotionen, Gamewinner und Flagrant Fouls wollen wir in kleinen Episoden in aller Ruhe nach den Gründen suchen, die über Sieg oder Niederlage entscheiden. Mit den erlesensten Zahlen der jeweiligen Games abgeschmeckt entsteht so der NBAchef-Statsalat…


• Eine Zahl, die die Raptors vor ihrem Spiel gegen die Wizards besonders interessiert haben sollte, ist die 167. Genau so viele Minuten stand Paul Pierce nämlich während der gesamten regulären Saison mit nur einem zusätzlichen Big Man auf dem Parkett. In dieser Zeit war das Offensiv-Rating der Zauberer mehr als fünf Punkte pro 100 Ballbesitze besser (108.4) als sonst (103.1). Dieser Umstand ging wohl auch an Coach Randy Wittman nicht spurlos vorbei. So spielte der 37-jährige Pierce am Samstag 17 Minuten auf der Power Foward-Position und trug einen großen Teil dazu bei, dass die Hauptstädter das Spiel drehen konnten. In der Overtime spielten die Wizards dann ebenfalls wieder klein und gewannen diese souverän mit 11-4. Somit ist zu erwarten, dass Pierce insbesondere in dieser Serie deutlich mehr auf der Vier spielen wird.




• Der Ausgang der ersten Partie zwischen den Warriors und den Pelicans überraschte sicherlich viele. Nach einem starken Beginn der Jungs von Steve Kerr musste man schon das Schlimmste für die Pelikane befürchten. Anthony Davis brachte aber sein Team in seinem ersten Playoffspiel seiner Karriere im letzten Viertel wieder in Reichweite. Besonders bemerkenswert sind seine 56 offensiven Touches in diesem Spiel. Denn Davis‘ Saison-Schnitt in dieser Kategorie ist 37 Ballberührungen. Zum Vergleich: John Wall hatte in Spiel Eins gegen die Raptors 98 Frontcourt-Touches, Davis' Teamkamerad Norris Cole hatte 58 Ballberührungen im vorderen Teil des Feldes. Der enorme Anstieg bei Davis ist sicherlich auch dem Ausfall von Tyreke Evans geschuldet. Denn dieser hält normalerweise den Ball in den Händen und kreiert. Auch wenn dieser in Game 2 wieder anwesend war: sicher ist, dass die Pels gegen die Warriors nur dann eine kleine Chance haben, wenn ihr Forward in All-Star Big Man so häufig wie möglich angespielt wird und das Team trägt.



• Eine andere Mannschaft, die in Spiel eins über weite Strecken überzeugt hat, sind die Boston Celtics. Während man vor der Saison noch fest mit einem weiteren Übergangsjahr rechnete, wird plötzlich im April Playoff-Basketball im TD Garden gespielt. Einen großen Anteil daran hat Isaiah Thomas, der zur Trade-Deadline nach Massachusetts kam. Mit 16.4 Punkten und 4.2 Assists pro Spiel führte er das junge Team an und verpasste nur knapp die Wahl zum „Sixth man of the Year“. Wie wichtig er ist, zeigen auch die mickrigen 29,6% aus dem Feld, die die Grünen am Sonntag gegen die Cavaliers warfen, wenn Thomas auf der Bank saß. Somit ist 'IT' nicht nur ein wichtiger Scorer, sondern auch als Spielgestalter für die Celtics enorm wichtig. Immerhin lieferte Thomas 22 Punkte und 10 Assists ab und hatte zudem noch den besten +/- Wert aller Celtics-Spieler (+5). Ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis er auch mal startet?



• Die „Defensive Player of the Year“-Diskussion ist in diesem Jahr wieder völlig offen. Egal ob Kawhi Leonard, Draymond Green oder Andrew Bogut, Kandidaten dafür gibt es zu genüge. Doc Rivers, Coach der LA Clippers, bringt immer wieder seinen Center DeAndre Jordan ins Spiel. Während viele ihn gerne aus der Diskussion um den Award raushalten, gab Jordan selbst in Game 1 gegen die Spurs einige Gegenargumente. So trafen die Jungs von Gregg Popovich nur 30% (3-10) ihrer Würfe direkt am Ring, wenn Jordan in der Nähe war. Dies ist deutlich besser als der Saison-Durchschnitt von Jordan. Denn während der regulären Spielzeit durften seine Gegenspieler mit 48,5% direkt am Ring abschließen. Sollte er diese Präsenz in der Zone beibehalten, könnte es ein entscheidender Faktor für den Gewinn der Serie werden. Und vielleicht doch noch ein letztes Argument für den DPOY-Award.





• Beim Spiel zwischen den arg geschwächten Blazers und den aufstrebenden Grizzlies wurde deutlich, wie schnell diese Serie vorbei sein könnte. LaMarcus Aldridge und Damian Lillard nahmen zusammen 55 Würfe, trafen allerdings nur 18. So kam Portland in Memphis unter die Räder und muss sich nun etwas einfallen lassen. Die Besonderheit bei den Grizzlies war allerdings, dass nicht Marc Gasol, Zach Randolph oder Mike Conley Topscorer waren, sondern Beno Udrih. Der Slowene kam von der Bank, um den angeschlagenen Conley zu ersetzen, und lieferte 20 Punkte, 7 Rebounds und 7 Assists in weniger als 25 Minuten. Dieses Kunststück gelang in den Playoffs bis jetzt erst einem anderen Spieler: Scottie Pippen. Der legte in den 1998er Playoffs 20/8/7 in 23 Minuten Einsatzzeit auf. Mit diesem Eintrag in die Geschichtsbücher erntete sich Udrih zudem noch weiteres Vertrauen von seinem Headcoach. Sollten Conleys Probleme mit seinem Fuß nicht verschwinden, können die Grizzlies in diesen Playoffs auf einen starken Point Guard Backup zurückgreifen.



• Eine Statistik, die den Milwaukee Bucks vor ihren Spielen gegen die Bulls zu denken gegeben haben sollte, ist folgende: Mit Derrick Rose auf dem Court vergrößert sich die durchschnittliche Distanz der Verteidiger bei den Würfen von Rose‘ Teamkameraden. So haben Butler, Gasol & Co. mit Rose auf dem Court einen Verteidiger im Umkreis von 1,2 Meter. Wenn Rose sitzt sind es nur noch 0,9 Meter - ein gigantischer Unterschied. Hieran kann man ablesen, dass Rose trotz seiner langen Verletzungspause immer noch eine enorme Anziehungskraft hat. Seine Stärke, der Drive, soll ihm so schwer wie möglich gemacht werden und so rücken alle Verteidiger etwas von ihren Gegenspielern weg, um notfalls Help-Defense zu spielen.




• In Game 2 zwischen den Bulls und Bucks war Jimmy Butler, Kandidat für den diesjährigen MIP-Award, Mann des Spiels. Der Guard verbuchte 31 Punkte und neun Rebounds beim 91:82-Erfolg. In ganzen 46 Minuten Spielzeit traf Butler zehn seiner 19 Würfe und drei von neun Dreiern. Interessant hierbei ist, dass er von seinen elf „Contested Field Goal Attempts“, also wenn ein Defender im Umkreis von 3,5 Fuß ist, ganze sieben traf, was eine von Quote von 72,7% ergibt. War er nicht so eng gedeckt, verwandelte Butler nur noch zwei von acht Würfen (25%). Hier muss man Butler trotzdem ein Kompliment aussprechen, da die eng verteidigten Würfe wirklich schwer waren und er sie trotz alledem traf - mehrmals sogar mit And-One.



Stats via nba.com/stats und basketball-reference.com