18 April 2015

18. April, 2015  |  Daniel Schlechtriem & Torben Siemer  @W14Pick @lifeoftorben


Playoffs, yo! Nach dem längsten Vorspiel der Welt geht es ab diesem Samstag endlich ans Eingemachte. Sagt euren Familien 'Lebwohl', lasst euch krank schreiben, deckt euch mit Proviant ein und besorgt euch ein Sitzkissen... In den nächsten acht Wochen ist Basketball! Natürlich auch hier bei NBACHEF, wo wir euch mit Postseason-Content mästen. Zum Auftakt wie immer die acht Erstrundenserien im Schnellcheck - ohne großes Geschwafel, straight auf den Punkt!


Entrée
„Texas-Derby in Runde eins, die Rivalität geht in die nächste Runde!“, liest man aktuell in vielen Medien über das Playoff-Matchup der zweitplatzierten Houston Rockets gegen den Siebten der Regular Season, die Dallas Mavericks. Aber ist es das überhaupt, eine Rivalität?

Zum letzten Mal trafen sich beide Franchises 2005 in den Playoffs, damals als Erstrundenmatchup des Vierten gegen den Fünften. In der Zwischenzeit spielten die Mavericks vier Serien gegen die Spurs aus San Antonio – wie also selbst Dirk Nowitzki sagt, von einer echten, intensiven Rivalität kann ob der jüngeren Historie nicht die Rede sein.

Und trotzdem ist Feuer drin – die auf Dreipunkt- und Freiwürfe ausgelegte Spielweise der Rockets um MVP-Kandidat James Harden ist vielen Fans ein Dorn im Auge, der Austausch von Nettigkeiten zwischen Daryl Morey und Mark Cuban schon beinahe regelmäßiges Popcorn-Kino. Wer setzt sich diesmal durch im innertexanischen Duell?

Viermal standen sich beide Teams in dieser Saison gegenüber, drei Siege fuhren dabei die Houston Rockets ein. Aber: Die Punktedifferenz in diesen Spielen lag bei drei, fünf, elf und sieben. Der deutlichste Sieg gelang den Mavericks am 20. Februar, kurz nach dem All-Star-Break, in eigener Halle. 



Warum Houston gewinnt
Dallas hat keinen dynamischen Aufbauspieler vom Format eines Curry, Lillard oder Parker hat, der die Rockets in Abwesenheit Beverleys vor Probleme stellen würde. Rondos Tendenz, das Spiel langsam zu machen, gepaart mit seiner eklatanten Wurfschwäche kommt den Rockets entgegen.

Die mit starken Shotblockern besetzte Zone bekommt zusätzliche Unterstützung, weil kein Team der Liga den Wurf Rondos respektiert und dessen direkter Gegenspieler mit gebührendem Abstand näher am Korb agieren kann. Die dadurch zugestellten Räume helfen Houstons aggressiver Verteidigung: In Harden (1,9 pro Spiel), Ariza (1,85) und Brewer (1,43) haben sie drei der besten Ballklauer der Liga in ihren Reihen, die – zusammen mit dem schnellen Umschaltspiel – durch die Saison hinweg für einfache Punkte sorgten. Die Mavericks haben in den vier direkten Duellen der regulären Saison beinahe 17 Turnover pro Spiel produziert.

Dwight Howard verpasste drei der vier Duelle und hatte im vierten nur limitierte Minuten, dennoch gewannen die Rockets die Serie 3-1. Dwight wird vielleicht nicht in der Topform erwartet, die er vergangenes Jahr gegen die Blazers aufs Parkett legte (26,0 PPG, 13,7 RPG, 2,8 BPG), dennoch genügt allein seine Athletik und defensive Präsenz, um zum echten Gamechanger zu werden und die Gegner von der Zone weg zu halten, ohnehin sind die Mavs ligaweit letzter in Rebound Percentage. Machen die Rockets nicht den Fehler, ihren All-Star Center zu oft im Low Post zu füttern, wird er auch offensiv keine Last sein.

James Harden ist legitimer MVP-Anwärter und hat von der WM in Spanien bis zum Gewinn der Southwest Division eine fabelhafte Runde mit Beinahe-Scoring Title, stark verbesserter Defense und neuer Führungskraft hinter sich. Wen hat Dallas als Antwort? Rajon Rondo? Noch nicht in Dallas, noch nicht mal in diesem Jahrzehnt angekommen. Al-Farouq Aminu? An guten Tagen vielleicht, dafür offensiv impotent. Monta Ellis und Devin Harris? Bleiben wir bitte ernst.

Dallas ist miserabel in der Perimeter Defense: Mit 36,4% haben sie den unter Playoff Teams schlechtesten Wert der gegnerischen Dreierquoten. Führender der Liga in dieser Kategorie? Richtig, Houston mit 32,2%. Das verdanken sie vor allem der Akquisition Trevor Ariza. Der 30-jährige kann bis zu vier Positionen verteidigen und nimmt es mit Anthony Davis ebenso auf wie mit Chris Paul, an der Dreierlinie darf man ihn nicht frei stehen lassen, für Houstons Tempogegenstöße ist er ebenfalls wie gemacht. Eine echte Verstärkung, die – man kann es einfach nicht unerwähnt lassen – für das halbe Gehalt des eher enttäuschenden Chandler Parsons spielt.

Das Hacken von Howard oder Smith kann McHale kontern und Rondo hacken lassen. Der ging nicht ganz zufällig im Trikot der Mavs nur sehr selten mehr als zwei Mal pro Spiel an die Linie. Beim letzten Mal ging das Hacken von Smith ohnehin schief, der blieb in der Nacht perfekt von der Linie (5-5).

Dirk ist alt geworden und defensiv ein Risiko. Nicht selten laufen gegnerische Teams das Pick'n'Roll über den Blonden, wohlwissend, dass dieser nicht mehr über die Geschwindigkeit und Beweglichkeit verfügt, entweder seinen direkten Gegenspieler, oder den Ballhandler vernünftig abzudecken. Ebendies werden die Rockets, egal ob mit Howard, Josh Smith oder Terrence Jones, bis zum Erbrechen für sich nutzen.

Die Rockets kommen nicht nur mit dem Rückenwind, zum ersten Mal seit 21 Jahren die Southwest Division gewonnen zu haben, sie entern die Playoffs mit 14 Siegen aus den letzten 20 Spielen. Bei Dallas lief es zuletzt mehr als unrund, sie haben nur 10 der letzten 20 gewonnen. 



Warum Dallas gewinnt
Was macht Hoffnung, dass das Team von Rick Carlisle in den nächsten Tagen vier Spiele gegen die Rockets für sich entscheiden kann? Hier bietet sich ein Blick auf die letzten Saisonwochen an. Ziel aller Playoff-Teams ist es, zum Playoff-Start in der bestmöglichen Form zu sein.

In den letzten sieben Spielen legt Dirk Nowitzki 19 Punkte pro Abend auf. Quoten von 49.5 Prozent aus dem Feld, 36% von Downtown und 87.2% von der Freiwurflinie bei einem Saisonbestwert von 5.6 versuchten Freiwürfen zeigen, dass das auf die Postseason ausgelegte Trainingsprogramm Wirkung zeigt.

Monta Ellis ist nach sehr wechselhaften Wochen mit einer Erfolgsquote von 45.5% aus dem Feld wieder auf dem Niveau der ersten Saisonmonate angekommen, die leichten Blessuren an Knie und Hüfte scheinen ausgestanden. Seine vielfachen Drives zum Korb sind elementar für das Spacing der Mavs – er will, muss und soll die erste Option sein.

Tyson Chandler überzeugt wie so oft mit offensiver Effizienz und einer überragenden Trefferquote von 75% aus dem Feld, dazu wirkte auch er mit 12.7 Rebounds pro Abend gesundheitlich wieder deutlich besser.

Amar’e Stoudemire ist offensiv zwar weiterhin ein schwarzes Loch, bei einer Trefferquote von knapp 64% und 13 Punkten in 18 Minuten im April ist er aber offensiv der am besten punktende Bankspieler. Interessant wird hier werden, wie viele Minuten pro Abend er auf dem Feld stehen kann, ohne dass seine Defensivschwäche zu offensichtlich wird. Das Mehr an Training sowie besonders an Regenerationspausen kommt dem Team sicher entgegen.

Die Sorgenkinder in der Dallas-Offensive sind aber aktuell Chandler Parsons und Rajon Rondo seit seiner Ankunft im Dezember. Parsons hat die letzten sechs Partien aufgrund von Knieproblemen verpasst, gibt sich aber immerhin zuversichtlich, zum Serienstart am Samstag wieder spielfähig zu sein. Seine Vielseitigkeit, sowohl sich selbst als auch seinen Mitspielern Würfe zu verschaffen und gleichzeitig auch im Catch-and-Shoot gefährlich zu sein, ist unverzichtbar für die Offensive der Mavericks. Dass er dazu defensiv sowohl individuell als auch im Team ein Plus darstellt, macht ihn gerade in Lineups mit Nowitzki und Stoudemire umso wichtiger und wertvoller.

Rondo dagegen bleibt weiterhin ein Rätsel (Gut, das ist die Person Rajon Rondo schon immer). Immerhin die Statistik spricht für ihn – Season Highs in Fieldgoal-Percentage und Dreierquote (bei nur 0.9 Versuchen) werden ergänzt von Post-Trade-Saisonbestwerten bei Rebounds und Assists. Dennoch wirkt der Point Guard in vielen Momenten immer noch wie ein Fremdkörper, das langsamere Spiel in den Playoffs dürfte ihm und seiner Vorliebe für die große Bühne jedoch zugutekommen. Ja, das ist viel Spekulation meinerseits. So ist das eben bei Vorhersagen. Ein zusätzlicher Faktor bei Nummer 9 ist seine Freiwurf-Abneigung und eklatante Schwäche. Was zuerst da war, ist unwichtig – trifft Rondo in den Playoffs von der Linie weiterhin so miserabel, kann er in entscheidenden Phasen kaum auf dem Feld stehen.

Entscheidend ist meines Erachtens, dass Dallas sich auf seine Stärken und Schwächen besinnt. Offensiv haben nur zwei Teams eine geringere Turnover-Rate, während die Rockets hier am Ende des Tableaus zu finden sind. Im Defensiv-Rebounding gehören beide Mannschaften zum Bodensatz der NBA, Dallas muss Dwight Howard und Co. dennoch im Auge behalten: Am offensiven Brett sammelt Houston prozentual die sechstmeisten Abpraller.

Wichtig wird zudem sein, James Harden den Zug zum Korb möglichst schwer zu machen. Was mir zudem Hoffnung macht – in den Playoffs sind die Referees oft etwas großzügiger, damit machten die Rockets bereits in den letztjährigen Playoffs schlechte Erfahrungen. Gleichermaßen könnte hier eine Chance für die Mavericks bestehen – neben Joey Dorsey und Clint Capela wirkt Dwight Howard wie ein sicherer Freiwurfschütze, auch Josh Smith, Donatas Motiejunas und Terrence Jones offenbaren hier immer Schwächen.

Der größte Vorteil für Dallas? Rick Carlisle und sein Trainerstab. Immer wieder zeigt er seinem Team Mittel und Wege gegen eigentlich stärkere Gegner auf. Der spätere Champion San Antonio Spurs brauchte im Vorjahr sieben Spiele, und LeBron James klingelt der Name JJ Barea wohl heute noch in den Ohren.

Allzu viel ist es nicht, worauf die Dallas Mavericks nach dieser durchwachsenen Saison bauen können. Aber nicht umsonst gilt ein Erfolg des Siebten über den Zweiten als Upset. Mit Chandler Parsons und Mark Cuban sind mindestens zwei Mavericks besonders motiviert, die Rockets vom Take-Off Richtung NBA-Titel abzuhalten.



Stat-Salat
Die Big Men, die den Rockets in den Playoffs noch zur Verfügung stehen, sind allesamt keine guten Freiwerfer. Terrence Jones ist mit 60% von der Linie mit Abstand der beste unter ihnen.

Die Mavs lassen die drittmeisten Dreier aller Teams zu und bei der Trefferquote sind auch nur drei Teams noch schlechter. Passend dazu sind die Rockets bekannt dafür, mit Abstand die meisten Dreier pro Spiel zu werfen.

8.9 Punkte schlechter im Net-Rating sind die Mavs nach dem Allstar-Break, im Vergleich zu davor. Das ist mit Abstand der höchste Wert in der Liga.

In Clutch-Situationen sind die Mavs das drittbeste Team der Liga. Wenn sie hinten liegen, sind die sogar das beste Team der Liga.


(Stat-Salat via @TwoWayGame)



Die Rechnung bitte!