17 April 2015

17. April, 2015  |  Chris Schmidt  @ChrisSchmidt27


Playoffs, yo! Nach dem längsten Vorspiel der Welt geht es ab diesem Samstag endlich ans Eingemachte. Sagt euren Familien 'Lebwohl', lasst euch krank schreiben, deckt euch mit Proviant ein und besorgt euch ein Sitzkissen... In den nächsten acht Wochen ist Basketball! Natürlich auch hier bei NBACHEF, wo wir euch mit Postseason-Content mästen. Zum Auftakt wie immer die acht Erstrundenserien im Schnellcheck - ohne großes Geschwafel, straight auf den Punkt!


Entrée
Toronto gegen Washington ist das Duell zweier Teams, die zwar eine der besten Spielzeiten ihrer Franchise-Historie abgeliefert haben (Torontos 49 Siege sind neuer Rekord), aber trotzdem mittlerweile nur noch Platz vier und fünf im mäßigen Osten belegen. 

Toronto schloss das Jahr 2014 noch stark ab. Doch mit Beginn des neuen Jahres nahmen die Formschwankungen der Dinos zu, und so teilten sich die letzten 50 Spiele der aktuellen Saison in 25 Siege und 25 Niederlagen auf. Fast genauso erging es den Kollegen etwas südlicher. Die Wizards konnten in 2014 noch 22 ihrer 31 Spiele gewinnen, um dann in den letzten vier Monaten mehr Spiele zu verlieren (27) als zu gewinnen (24).  

Somit stehen sich zwei Teams gegenüber, die über ihre schwachen letzten Wochen Bescheid wissen und trotzdem die Chance haben, zumindest in Playoff-Runde zwei einzuziehen. In der regulären Saison fiel die Serie noch relativ eindeutig aus. Die Kanadier konnten alle drei Spiele für sich entscheiden, wenn auch zwei Spiele mit weniger als fünf Punkten Unterschied.

Bei der Klatsche im November und im letzten Aufeinandertreffen mussten die Wizards zudem noch auf Bradley Beal verzichten, der in dieser Playoff-Serie wohl wieder unter besonderer Beobachtung steht. In der letztjährigen Postseason hatte der junge Guard noch 19.2 Punkte und 5.0 Rebounds im Schnitt verbucht. 

Einen Akteur, den die Zauberer wahrscheinlich besonders auf dem Schirm haben werden, ist Lou Williams. Der Sixth-Man-of-the-Year-Kandidat erzielte in der Season Series im Schnitt 19.6 Punkte und 2.0 Assists pro Spiel. Mit Williams und Beal als Schlüsseln könnte sich das Spiel auf die Shooting Guards konzentrieren, doch das Duell auf der Aufbauposition sollte man auch nicht vernachlässigen. Denn mit John Wall und Kyle Lowry stehen sich zwei All-Stars gegenüber, die zwar seit dem Break schwächer performt haben, aber trotzdem noch über enorme Qualität verfügen und diese Serie auch alleine entscheiden können. 

Insgesamt erwartet uns eine sehr enge Serie zweier gleichwertiger Teams, die beide gewinnen können. Die Mittel scheinen extrem ausgeglichen, so dass insbesondere die Taktik der beiden Head Coaches und die jeweilige Reaktion darauf entscheidend sein wird. Insgesamt kann man sich auf viele interessante Matchups und - wahrscheinlich - auch viele Spiele freuen.



Warum Toronto gewinnt
Der Playoff-Wahnsinn in Toronto wird die Dinos in die nächste Runde tragen. Auch wenn der Heimvorteil nicht nachgewiesen werden kann, kann man hier trotzdem von einem Vorteil für Toronto ausgehen. Da die Serie sehr ausgeglichen ist, sind sieben Spiele denkbar, sodass sich dieser auch bemerkbar machen könnte.

Außerdem kommen die Raptors mit dem Selbstvertrauen aus drei gewonnen Spielen gegen die Wizards während der regulären Saison. Auch wenn es zuletzt nicht mehr so gut lief wie zu Beginn, stellen die „Drakes“ immer noch die drittbeste Offensive der kompletten Liga (ORtg von 112.1). Mit dieser Offensivkraft, zu der fast jeden Abend jemand anderes etwas beitragen kann (Lowry, Williams, DeMar DeRozan oder Jonas Valanciunas), werden sie Washington wieder vor enorm große Probleme stellen können.

Zudem können nicht nur die fünf Starter offensiv für Furore sorgen. So sind die Raptors in dieser Saison auf Rang fünf, wenn es um das Scoring von der Bank geht. Eine weitere interessante Statistik: Toronto hat in der Spielzeit 2014/15 mit Abstand die wenigsten Lineups benutzt (257). Dies könnte darauf hindeuten, dass die Raps enorm eingespielt sind, was ihnen in einer engen Serie ebenfalls zum Vorteil werden kann.


Ansonsten sollte Toronto auf die Stärke seiner Außenspieler vertrauen. Mit Lowry, Williams, Terrence Ross und sogar Patrick Patterson haben die Kanadier mehrere Spieler, die von außen heißlaufen und so schnell ein Spiel entscheiden können. Hier wird vor allem die Perimeter-Defense der Wizards gefragt sein.

Innen hat Center Valanciunas mit Marcin Gortat sicherlich kein leichtes Matchup vor der Brust. Außerdem ist es noch fraglich, inwieweit die Center hier eine Rolle spielen, da die Dinos gerne klein spielen und mit Patterson auch einen geeigneten Big Man dafür haben. Somit wird der Plan von Dwane Casey sicherlich auch sein, dass Matchup von Valanciunas zu vernachlässigen und Gortat so in unangenehme Mismatches zu schicken. 



Warum Washington gewinnt
Die Wizards haben mehr Erfahrung. Auch wenn das bei einem Starting-Backcourt mit einem Durchschnittsalter von 22.5 Jahren komisch klingt, so kann die Erfahrung wirklich als Vorteil für die Mannen von Randy Wittman genannt werden. Denn mit Spielern wie Nene, Marcin Gortat und insbesondere Paul Pierce haben die Zauberer einige Spieler im Kader, die Playoff-erfahren sind und die somit auch enge Spiele entscheiden können.

Nur zu gut erinnert man sich da an die Serie zwischen den Raptors und den Nets in den Playoffs vor einem Jahr, als ebendieser Paul Pierce mit einem Block kurz vor Schluss Spiel sieben entschied. Doch auch durch seine unzähligen Playoff-Auftritte mit den Boston Celtics kann er den jüngeren Spielern immer noch etwas mitgeben und könnte so zu einem der wichtigsten Faktoren für einen tiefen Playoff-Run werden.

Die beiden anderen Gründe, die für die Wizards sprechen, heißen John Wall und Bradley Beal. Mit Wall hat Washington auf jeden Fall den besten Spieler der Serie in seinen Reihen. Mit 17.6 Punkten und 10.0 Assists führte er die Wizards trotz kleinerer Schwächephase souverän in die Playoffs.

Zudem muss immer wieder erwähnt werden, dass sein kongenialer Partner im Backcourt, Bradley Beal, in dieser Spielzeit fast ein Viertel der Partien verpasst hat. Es bleibt somit außer Frage, dass die beiden Guards in Topform großen Einfluss auf diese Serie nehmen können.


Washington hat der Offensive der Raptors auch etwas entgegenzusetzen. Immerhin stellten sie in der regulären Saison die fünftbeste Defensive der Liga (DRtg von 103.73). Toronto hingegen rangiert in dieser Kategorie ligaweit nur auf Platz 26 (DRtg von 108.69). Somit sollte es der Plan von Randy Wittman sein, über diese starke Defense die Dinos zu knacken.

Sehr interessant wird sicherlich, auf welche Matchups sich die Zauberer einstellen müssen. Wie Pierce in einem Interview verkündete, geht er im Training auch häufiger auf die Power Foward Position. Damit will Wittman wohl auf eine Small-Ball-Formation der Raptors reagieren, falls diese wieder mit Patterson & Co. den Court in die Breite ziehen. Denn mit Nene und Gortat auf den großen Positionen wären die Wizards schlicht zu langsam, um das Spiel von außen verteidigen zu können. Mit Paul Pierce auf der Vier sähe dies allerdings schon ganz anders aus.

In der Offensive hängt wie bereits erwähnt viel vom selbst ernannten „besten Backcourt der NBA“ ab. Ansonsten wird auch von Marcin Gortat viel erwartet, der sicherlich seine Vorteile unter den Körben finden wird, wenn Valanciunas das Parkett verlässt.

Zu einem weiteren X-Faktor könnten Rasual Butler avancieren. Der überraschend starke Forward ist einer der wenigen Schützen in den Reihen der Wizards. Zwar nehmen diese allgemein sehr wenige Dreier, allerdings könnte eine gute Quote von „Downtown“ dem Spiel der Zauberer eine weitere Dimension verleihen und der Raptors-Defense noch größere Probleme bereiten.



Stat-Salat
Die Raptors stellen mit einem Offensiv-Rating von 108.1 die drittbeste Offensive der Saison. Allerdings hapert es auf der anderen Seite des Feldes. Ein Defensiv-Rating von 104.8 bedeutet Platz 23.

Die Wizards holten in allen drei Partien mehr Rebounds als die Raptors und verloren dennoch alle drei Begegnungen. Kein Wunder, die Wizards holen prozentual im Osten die meisten Rebounds.

John Wall traf nur 2 von 12 Dreiern gegen die Raptors und schoss deutlich häufiger von außen als sonst (4.0 Dreierversuche/Spiel gegenüber 2.7 Dreierversuche/Spiel)

Kein Playoff-Team zieht seltener zum Korb und erzielt dabei weniger Punkte als die Wizards.

Mit 63.7% und 7.5 Prozentpunkten mehr als der Zweitplatzierte Tony Parker schließt kein Spieler mit mehr als 200 Drives erfolgreicher den Drive ab als James Johnson.



(Stat-Salat via @TwoWayGame)



Die Rechnung bitte!