18 April 2015

18. April, 2015  |  Anno Haak & Pascal Gietler @kemperboyd @PascalCTB


Playoffs, yo! Nach dem längsten Vorspiel der Welt geht es ab diesem Samstag endlich ans Eingemachte. Sagt euren Familien 'Lebwohl', lasst euch krank schreiben, deckt euch mit Proviant ein und besorgt euch ein Sitzkissen... In den nächsten acht Wochen ist Basketball! Natürlich auch hier bei NBACHEF, wo wir euch mit Postseason-Content mästen. Zum Auftakt wie immer die acht Erstrundenserien im Schnellcheck - ohne großes Geschwafel, straight auf den Punkt!


Entrée
Eigentlich haben die Brooklyn Nets hier überhaupt nichts verloren. Sie sind nicht nur die bilanzschlechteste aller 16 Playoff-Mannschaften und diejenige mit dem miesesten Net-Rating, sondern sind offensiv (Rang 18) wie defensiv (24) unterdurchschnittlich schlecht.

Atlanta hingegen sicherte sich souverän Platz eins in der Eastern Conference, war das einzige Ost-Team, das defensiv und offensiv unter den besten zehn rangierte und schickte gleich vier Spieler und seinen Coach zum All-Star Spiel. Die Hawks blieben nicht nur mehr als einen kompletten Monat unbesiegt, sondern verbuchten gleich sechs separate Siegesserien von vier oder mehr. Brooklyn? Eine einzige - die, zum Leidwesen aller Basketballfans, zum Einzug in die Playoffs reichte.

Die direkten Duelle dieser beiden Teams während der regulären Saison verliefen aus Nets-Sicht übrigens genauso erbärmlich wie ein Großteil des Jahres: Atlanta "sweepte" Brooklyn mit 4-0 Siegen und mehr als 17 Punkten Vorsprung pro Partie. Wer nach einer möglichen Überraschung in Runde eins Ausschau hält, der wird sie hier definitiv nicht finden.



Warum Atlanta gewinnt
Ich nehme an, „Weil ich Hawks-Fanboy bin“ zählt nicht als Antwort. Dann eben so: Weil die Brooklyn Nets ein horribles Team sind (Courtesy of Paul Pierce). Spaß muss sein.

Man guckt sich das Ranking der zugelassenen Dreier pro Spiel und der zugelassenen Dreierquote pro Spiel an und sieht die Brooklyn Nets unter allen Playoffteams zwei Mal auf dem drittletzten Platz. Dann guckt man auf die Lineup der Atlanta Hawks und sieht den Namen Kyle Korver. Warum ist das nicht das Ende der Konversation über den Sieger dieser Serie?

Weil noch Zeichen fehlen. Also weiter. Hatte ich schon Korver erwähnt? Dreierquote gegen die Nets in der abgelaufenen Saison: 61,9%. Season Series zwischen beiden Mannschaften in dieser Saison: 4-0. Net Rating in diesen vier Spielen: plus-18,5 Atlanta.


Zuletzt schenkten die Hawks den Nets am Vierten im Vierten 131 Punkte ein. 131? Gab’s Verlängerung? Gut, dass Ihr fragt. Äh, nein?! Niemand in schwarz-weiß verteidigt Al Horford. Wie die sterblichen Überreste von Deron Williams Jeff Teague oder Dennis Schröder oder sonst irgendjemanden im Drive von der Birne an abwärts vor sich halten wollen, ist mir ein Rätsel.

Ich habe 163 Seiten mit Basketballstatistiken durchgewühlt, nochmal zwei komplette Spiele Hawks Nets aus der Saison angeguckt (brrrrrr!) und Witze über getauschte Draft Picks, den Joe-Johnson-Trade erfunden und wieder verworfen. Dann bin ich nach Canossa gegangen und habe Thaddeus Young um Entschuldigung gebeten.

Aber auch da habe ich nichts gefunden, was für Brooklyn spricht. Außer „Verletzungen“ und „Erfahrung“. Aber mal ehrlich: „Erfahrung“ ist das „Playoff-Rondo“ unter den Argumenten für die Nets. Kendrick Perkins sammelt dieses Jahr mehr Playofferfahrung als Russell Westbrook. Ich würde beim eins gegen eins auf dem Freiplatz trotzdem 20 Cent auf Russ setzen.

Ich kreierte noch irgendwas mit „Momentum“ wegen des Playoffeinzugs im letzten Moment, aber ich sehe 5W zu 4L im April für Brooklyn. Die Nets sind auf der Felge in die Playoffs rerumpelt. Ich geb’s auf. Wenn Atlanta diese Serie nicht gewinnt, frühstücke ich einen Besen (Wortspielquote: check!). 



Warum Brooklyn gewinnt
Man muss kein Prophet sein, um das Projekt „Meisterschaft nach Brooklyn“ für komplett gescheitert zu erklären - wobei, im fünften Jahr der Ära Prokhorov besteht zumindest noch die Chance, einen Ring in den Borough zu holen.

Die Chancen sind in etwas genau so hoch wie mit sechs Richtigen plus Zusatzzahl im Lotto abzuräumen oder ein Dinner-Date mit Scarlett Johansson im feinsten Pariser Restaurant abzusahnen (natürlich würde sie in diesem Szenario auch die Rechnung für den Hummer und den 18 Jahre alten Single Malt Scotch übernehmen), aber hey - immerhin sind die Chancen nicht genau „null“.

Ein Trost? Immerhin ein schwacher für die gebeutelten Brooklyn Nets-Anhänger, die ihr Team durch eine absolut verkorkste Saison unterstützt haben. Zwar äußerte sich dieser Support häufig durch schweigendes Popcorn-Futtern im heimischen Barclays Center, doch am Ende des Tages wollte natürlich jeder Fan, dass die Nets die Playoffs erreichen.


Welche Wahl hätte man auch sonst gehabt? Wie der Stadtrivale aus Manhattan „tanken“ um im kommenden Draft ein Top-Talent abzustauben? Das ging wegen einer kleinen Klausel aus dem Joe Johnson-Trade aus dem Jahre 2012 leider nicht - denn die Nets werden ihren Pick abgeben müssen und zwar an keinen geringeren als den Gegner in der kommenden ersten Playoff-Runde: Die Atlanta Hawks.

Die beiden Teams haben sich in der Regular Season bereits vier Mal beschnuppern dürfen - Atlanta hat alle vier Spiele gegen die Nets gewonnen, drei davon äußerst souverän. Einziger Hoffnungsschimmer aus Nets-Sicht: Ein wiedererstarkter Brook Lopez, der auf dem Papier zumindest offensiv gegen den recht kleinen Frontcourt der Hawks für Furore sorgen konnte.

Der erste Schlüssel zum Erfolg ist daher: Feed the Brookie Monster - Brook muss Dreh- und Angelpunkt der Offensive sein. In den vier Spielen gegen die Hawks erzielte er rund 19 Punkte bei 52% aus dem Feld. Einige seiner Punkte resultierten aus guter Arbeit an den offensiven Brettern, was uns direkt zum zweiten Erfolgsschlüssel führt: Control the boards!

Wenn die Hawks in dieser Saison so etwas wie eine Schwäche haben, dann sind es wohl die Rebounds (48,8 Reb%). Die Nets müssten vom Small Ball der Hawks zumindest an den Brettern profitieren, um keine 2nd-Chance-Points zuzulassen und im Gegenzug selbst so viele wie möglich zu erzielen.

Der dritte und zugleich größte Schlüssel zum Erfolg lautet: Learn from your mistakes - dies betrifft sowohl die Spieler, als auch Nets-Coach Lionel Hollins. Der Schlipsträger auf der Bank hat auch nach 82 Spielen noch immer nicht erkannt, dass man Deron Williams und Jarrett Jack (NetRtg: minus 9,7) nicht gleichzeitig auf die Platte stellt und generell scheint er noch nicht bemerkt zu haben, dass Jarrett Jack die komplette Offensive seines Teams durch fehlendes Playmaking und Ego-Gezocke killt. Die Nets haben ein durchschnittliches Net-Rating von minus 10,1 im zweiten Viertel, wenn Jack den Zeremonienmeister der zweiten Garde spielt. Notiz an Coach Hollins: Wenig Jarrett Jack, noch weniger D-Will und Jarrett Jack zusammen.

In den vier Aufeinandertreffen sollten die Nets außerdem zwei Dinge gelernt haben: Atlanta bestraft Turnover eiskalt und die Falken können wirklich - ja wirklich - gut schießen. Satte 41% haben die Hawks in den vier Spielen von Downtown getroffen - bei durchschnittlich 32 Versuchen pro Spiel ist das eine ganze Menge Holz, welches der Welt auf dem Scoreboard präsentiert wird.

Sollten sich die Nets an diese drei „Schlüssel zum Erfolg“ halten, könnte immerhin ein Sweep verhindert und der Zeitpunkt, an dem ich mich in voller Nets-Montur betrinke, vom 27.04.2015 auf den 29.04.2015 verschoben werden. Donnerstags habe ich nämlich keine Vorlesungen und das würde mir echt besser in den Plan passen.



Stat-Salat
Die Hawks erlauben ligaweit die meisten Dreipunktwürfe, aber der Gegner trifft im Schnitt nur 34.1% von diesen.

33.7 Punkte pro Spiel aus dem Catch-and-Shoot sind Ligabestwert der Hawks. Der Vorsprung von ganzen 4 Punkten ist jedoch nur teilweise durch die 42.1% Trefferquote bei diesen Würfen zu erklären, ebenfalls Ligabestwert.

Die Nets sind das schlechteste Playoff-Team in all diesen Kategorien: Defensiv-Rating, Net-Rating, Opp eFG%, Fast Break Points, Above the Break 3P% und in zahlreichen weiteren in den Flop 5.

Hier sind die einzigen zwei Stats, die ich finden konnte, in denen die Nets zu den Top 10 der Liga gehören: gegnerische Freiwurf-Rate von 25,3% bedeutet Platz 9. Und Platz 5 bei den Points in the Paint pro Spiel mit 45.1 PPG.

(Stat-Salat via @TwoWayGame)



Die Rechnung bitte!