17 April 2015

17. April, 2015  |  Philipp Landsgesell & Güven Taş @Phillyland @GuvenTas


Playoffs, yo! Nach dem längsten Vorspiel der Welt geht es ab diesem Samstag endlich ans Eingemachte. Sagt euren Familien 'Lebwohl', lasst euch krank schreiben, deckt euch mit Proviant ein und besorgt euch ein Sitzkissen... In den nächsten acht Wochen ist Basketball! Natürlich auch hier bei NBACHEF, wo wir euch mit Postseason-Content mästen. Zum Auftakt wie immer die acht Erstrundenserien im Schnellcheck - ohne großes Geschwafel, straight auf den Punkt!


Entrée
Die Mannen von Coach Jason Kidd gehören ohne Zweifel zu den großen Überraschungen dieser NBA-Saison. Mit tollem Team-Basketball und einer erstaunlich starken Defensive kamen die Milwaukee Bucks auf starke 41 Siege, nachdem sie im Jahr zuvor mit gerade einmal 15 Siegen die rote Laterne der NBA hielten. Damit beendeten Sie die Spielzeit sensationell auf Platz 6 der Eastern Conference und stehen in den Playoffs. Gegner dort sind die Chicago Bulls.

Auf dem Papier sind die Bucks natürlich krasser Außenseiter. Unschlagbar sind die Bulls jedoch nicht. Das haben die Washington Wizards im letzten Jahr bewiesen. Schafft die junge Mannschaft aus der Bierstadt Milwaukee die Überraschung oder setzen sich am Ende die erfahrenen Bullen durch?

Im direkten Duell führen die Chicago Bulls in dieser Saison mit 3:1 Siegen. Lediglich das letzte Duell am 1. April 2015 konnten die Bucks für sich entscheiden. Bis auf das dritte Spiel waren es enge Partien. Eine Prognose für dieses Playoff-Duell aufzustellen, gestaltet sich schwierig.

Auf der einen Seite steht eine blutjunge Mannschaft mit einem ebenso jungen Coach. Hungrig und motiviert bis an die Glatzenspitzen, aber bis auf Zaza Pachulia absolut Playoff-unerfahren. Auf der anderen Seite ein Dauerkandidat auf den Titel. Das größte Problem der Chicago Bulls ließ Sie jedoch auch in dieser Saison nicht in Frieden: Das Lazarett in der Windy City ist traditionell sehr frequentiert. Das medizinische Team muss da einfach bessere Arbeit leisten und – wenn alles nix hilft – die Voodoo-Geister um Milde bitten.

Bleiben die Bullen gesund, sind Sie natürlich klarer Favorit. Gegen die noch vollkommen unerfahrenen Bucks erwartet die NBA-Welt einen souveränen Erfolg. Der Druck liegt also bei Coach Thibs und Gefolge. Milwaukee kann hingegen völlig befreit aufstellen. Genau darin liegt ihre, wenn auch kleine Chance. Finden die Hirsche den wunden Punkt der Bulls, könnte es eine sehr interessante Serie werden.



Warum Chicago gewinnt
Die Bulls haben auf dem Papier einen der stärksten Kader der gesamten Liga, nur wie schon in den vergangenen Jahren, sind sie auf dem Parkett nicht so gut wie gedacht. Die Kaderzusammenstellung wirkt harmonisch und bereit für die NBA Finals, doch wie ein Titelanwärter spielte Chicago in dieser Saison nie.

Das hatte vor allem einen Hauptgrund: Nahezu die komplette Saison mussten die Bulls mit längerfristigen Verletzungen umgehen. Erst traf es Taj Gibson, dann mehrmals Derrick Rose und später dann auch noch Jimmy Butler. Alle fielen länger aus. Joakim Noah, bester Verteidiger des Vorjahres, wirkte nie wirklich fit und so verloren die Bulls ein bisschen von ihrer defensiven Identität.

Dafür sieht es auf der anderen Seite des Feldes viel besser aus: Mit Pau Gasol haben sie einen gefährlichen Big Man im Lowpost, der auch im fortgeschrittenen Alter immer noch zu den talentiertesten Spielern am Brett zählt.

Nikola Mirotic kann außerdem in kleinen Aufstellungen den Stretch-Vierer geben, den die Bulls davor nicht hatten. Mit Gasol, Mirotic, Noah und Gibson haben die Bulls einen der besten Frontcourts überhaupt und sind dazu noch sehr lang. Hier wird Milwaukee unglaubliche Probleme bekommen.

Most-Improved Player Anwärter Jimmy Butler hat im Angriff ebenfalls einen großen Schritt nach vorne gemacht. Wenn Butler wieder in seine alte Form zurückfinden und an beiden Enden des Feldes dem Spiel den Stempel aufdrücken kann, sind die Bulls eine Dimension besser.


Das gilt natürlich auch für das Sorgenkind Derrick Rose. Sein Zug zum Korb, sowie das Reißen von Lücken in der Defensive, sind weiterhin außerordentlich wichtig für die manchmal stagnierende Offensive. Doch Bulls-Fans müssen sich damit abfinden, dass hinter dem Namen Rose für die nächste Zeit immer ein Fragezeichen stehen wird.

Auch wenn der große Sprung in den letzten Jahren nicht gelang, Chicago ist eine Mannschaft voller erfahrener Spieler, die Playoff-erprobt sind. Auch hier hat das drittplatzierte Team im Osten einen klaren Vorteil gegenüber den jungen Bucks.

Die Bucks sind längst nicht mehr so stark wie vor der All-Star Pause und schafften den Playoff-Einzug am Ende mehr schlecht als recht. Die Bulls werden sich klar durchsetzen: Die Mannen aus Chicago sind das klar talentiertere und erfahrenere Team. 



Warum Milwaukee gewinnt
Zu den größten Stärken der Milwaukee Bucks gehört die mannschaftliche Geschlossenheit. Das gilt sowohl für die Defensive als auch für die Offensive. Dabei kommt ihnen ihre schiere Länge zugute.

Der kleinste Spieler der Starting Five ist Michael Carter-Williams, mit 1,98m ein riesiger Point Guard. Shooting Guard Khris Middleton misst 2,01m. Auf der Drei läuft die 2,11m lange Krake Giannis Antetokounmpo auf. Und unter den Brettern warten mit Power Forward Ersan Ilyasova (2,08 m) und Center Zaza Pachulia (2,11m) zwei weitere Hänflinge auf den Gegner.

Vor allem die Flügelspieler können durch diesen Längenvorteile enormen Druck auf den Ballführenden des Gegners ausüben. Dadurch erzwingen Sie viele Turnover. Diese können Sie aufgrund ihrer jugendlichen Athletik und Schnelligkeit häufig in Punkte ummünzen. Gegen die cleveren Bulls werden leichte Punkte im Fast Break besonders wichtig sein, da Sie gegen die relativ langsame Pace der Stiere nicht viele Gelegenheiten dazu bekommen werden. Hier sind vor allem Tante Kounmpo und MCW gefragt.

Die größte Stärke in der Offense ist die wunderbare Balance im Scoring. Außer Pachulia (8,3 PPG) punkten alle Starter zweistellig, bester Korbjäger ist Spielmacher MCW mit 14,6 Punkten im Schnitt. Was in der Regular Season gut funktioniert, kann jedoch in den Playoffs stottern. In engen KO-Spielen kann jede Mannschaft einen herausragenden Scorer und go-to Akteur brauchen, der den Unterschied macht.


Zum X-Faktor der Bucks könnte Khris Middleton werden. Dass der Shooting Guard die Nerven dazu hat, bewies er in den Spielen gegen Miami und Phoenix, die der Youngster mit eiskalten Buzzer Beatern zu Gunsten der Hirsche entschied - beides Schlüsselsiege für die Bucks im Kampf um Platz sechs.

Zonenspieler John Henson ist in dieser Hinsicht das defensive Äquivalent. Genau wie Middleton absolviert der 24-Jährige sein drittes Profijahr. Der Big Man von der University of North Carolina kann in dieser Spielzeit endlich Akzente setzen. 2,12 m groß und mit einer kranken Spannweite von 2,30 m bewaffnet, entwickelt sich Henson zum echten Rim Protector. In gerade einmal 18 Minuten Spielzeit lieferte das fröhliche Milchgesicht 2,0 Blocks pro Spiel und fischte sich knapp fünf Rebounds.



Stat-Salat
Michael Carter-Williams bringt es auf ein beachtliche on/off Net-Rating-Differenz von 17.8 Punkten seit er für die Bucks aufläuft. Ohne ihn bricht die Offense auf 89.6 Punkte pro 100 Ballbesitze ein.

Unterschiedliche Ansätze in der Defense: Die Bucks forcieren die meisten Turnover (17.7 Opp. TO Ratio) und die Bulls die zweitwenigsten (12.7 Opp. TO Ratio).

Die Bulls zwingen dagegen die Gegner zu ineffizienten Würfen aus der Mitteldistanz (1. in Opp. Mid-Range FGA/G) und verteidigen die effizienteren Spots umso besser (2. in Opp. 3P% und 1. in Opp. FG% am Ring).


Die Bulls sind im Front Court sehr tief besetzt. Doch wer soll zusammen auflaufen? Einzig das Duo Gibson/Noah hat mit -7.4 ein negatives Net-Rating und wurde folgerichtig mit 421 Minuten am wenigsten eingesetzt.


(Stat-Salat via @TwoWayGame)



Die Rechnung bitte!