18 April 2015

18. April, 2015  |  Torben Adelhardt & Tobi Mannhart @Torben41 @TobeyTen


Playoffs, yo! Nach dem längsten Vorspiel der Welt geht es ab diesem Samstag endlich ans Eingemachte. Sagt euren Familien 'Lebwohl', lasst euch krank schreiben, deckt euch mit Proviant ein und besorgt euch ein Sitzkissen... In den nächsten acht Wochen ist Basketball! Natürlich auch hier bei NBACHEF, wo wir euch mit Postseason-Content mästen. Zum Auftakt wie immer die acht Erstrundenserien im Schnellcheck - ohne großes Geschwafel, straight auf den Punkt!


Entrée
Wurde die Rose Garden Arena auf einem alten Indianerfriedhof errichtet? Anders lässt sich das unfassbare Verletzungspech in Portland kaum noch erklären. Schwerwiegende Verletzungen bei wichtigen Rotationsspielern gehörten in den letzten Jahren in Oregon zur Tagesordnung, und auch in dieser Saison durften die Mannschaftsärzte und Physiotherapeuten der Blazers die eine oder andere Sonderschicht eingelegt haben.

Auch Memphis wurde nach ähnlich fulminanten Start wie Portland von Verletzungen ausgebremst und spielte eine weitaus schwächere zweite Saisonhälfte. Dadurch sind die lange als Mitfavoriten gehandelten Grizzlies aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden. Der Gegner in Runde eins könnte ihnen nicht gelegener kommen.

Die Ausgangsposition: achtbeste Offense (Portland) gegen viertbeste Defense (Memphis). Mid- und Longrange Shooting gegen Post-Up Grit and Grind. Spacing gegen Post-Pässe. Es sind zwei absolut unterschiedliche Spielweisen, die die Konkurrenten pflegen, zwei absolut unterschiedliche Philosophien, die die Trainer verfolgen. Auch und gerade deswegen verspricht dieses Duell einiges an Unterhaltung.

Blickt man aber auf die letzten beiden Jahre, so wird eines schnell klar: Die Grizzlies geben in diesem Duell den Ton an. 4-0 hat das Team aus Tennessee in dieser Saison gewonnen, auch in der vergangenen Saison konnten die Trail Blazers nur ein Spiel für sich entscheiden.

Außerdem schafften die Blazers es in den vergangenen Jahren nie, ihr Herzstück, die Offensive, gegen Memphis zum Laufen zu bringen. Ihre höchste Quote aus dem Feld erzielten sie im März-Duell (43,4%), verloren aber trotzdem zweistellig, 97-86.



Warum Portland gewinnt
Wesley Matthews (Achillessehnenriss) und Dorell Wright (Handbruch) werden Portland in dieser Serie definitiv fehlen; bei Arron Afflalo, C.J. McCollum, Chris Kaman und Nicolas Batum besteht zumindest noch die Möglichkeit respektive Hoffnung, dass sie im Laufe der Playoffs wieder aktiv werden können.

Verletzungssorgen en masse also und ein damit einhergehender Einbruch der spielerischen Qualität, welcher sich vor allem am defensiven Ende bemerkbar gemacht hat, wo die individuelle Klasse des Wing-Defenders Matthews fehlt. Allen eigenen Problemen und Stärken der Memphis Grizzlies zum Trotz existieren noch Hoffnungsschimmer, die zumindest für ein Mindestmaß an Euphorie in Portland sorgen.

Auch noch der Verletzung von Matthews, der mit 2,9 Dreiern pro Partie zu den besten Schützen der Association zählte, genügt die Offensive der Blazers den allerhöchsten Ansprüchen. Im letzten Viertel der Regular Season (ohne Matthews) legte Portland den sechsthöchsten Wert beim Offensiv-Rating auf (108,4) und traf weiterhin sehr effizient aus dem Feld (True Shooting: 55,9%, Platz 6).


Head Coach Terry Stotts vertraut in seiner „Flow Offense“ auf die Fähigkeiten seiner Flügelspieler als Cutter und Distanzschützen, sowie der Stärke von Playmaker Damian Lillard, in Pick & Roll-Situationen für sich und seinen Mitspieler effektiv kreieren zu können.

Hinzu kommen noch die Scoringqualitäten von LaMarcus Alridge aus der Mitteldistanz. Der drückt als Jump-Shooter aus dem „Anti-Daryl-Morey-Land“ so oft ab wie kein anderer NBA Big Man. Wenn die Blazers den „Grit-and-Grind“-Grizzlies beikommen möchten, dann müssen sie den Kontrahenten aus Tennessee in der Verteidigung beschäftigen und in möglichst viele „off-ball“-Aktionen verwickeln, damit für die Offensiv-Starspieler Alridge und Lillard Freiräume entstehen.

In den letzten Partien kamen die Bankspieler Meyers Leonard, Joel Freeland, Allen Crabbe und Alonzo Gee gezwungermaßen zu mehr Einsatzzeit. Die Big Men Leonard und Freeland konnten streckenweiße mit guten Aktionen aus der Mitteldistanz (Freeland) und vom Perimeter (Leonard) überzeugen und lassen dadurch die Hoffnung aufkommen, dass sie auch in den Playoffs für etwas offensive Entlastung von der Bank sorgen und während ihrer Einsatzzeit das so wichtige Spacing der Blazers aufrechterhalten können.

Wir brauchen uns an dieser Stelle nichts vor machen. Die Portland Trail Blazers haben im Moment nicht mehr viel mit dem Team gemeinsam, dass sie noch in der ersten Saisonhälfte gewesen sind. Ihre Defensivstatistiken sind sukzessiv in den Tabellenkeller gerutscht. Besonders All-Star Lillard zeigt bei der Verteidigung am Perimeter gegen die gegnerischen Blöcke zumeist eine katastrophale Vorstellung.

Der Coaching Staff der Grizzlies wird versuchen, seinen Spielern die offenkundigen Schwachstellen in der Blazers-Defense darzulegen, weshalb Portland genau in diesem Bereich einen besseren Job machen muss als zuletzt. Es dürfte ihnen aber gelegen kommen, dass Memphis zu den ungefährlicheren Mannschaften aus der Distanz zählt (nur 33,9% Dreierquote) und der langsame Grizzlies-Spielstil die eigenen Unzulänglichkeiten in der Transition-Defense verschleiern könnte.

„LMA“ und Lillard müssen nicht ein, nicht zwei, nicht drei […], sondern vermutlich sieben Spiele lang ihr absolutes „A-Game“ auspacken. Die Schützen vom Flügel müssen jedes tiefe Absinken der Grizzlies-Spieler bestrafen und hochprozentig treffen (eine rechtzeitige Genesung von Batum, McCollum, Afflalo vorausgesetzt) und in der Verteidigung muss Robin Lopez gegen das zweiköpfige Zonenmonster Gasol/Randolph die beste Lowpost-Defense seines Leben spielen.

Wenn die Blazers es schaffen, sich gegen die traditionell starke Memphis-Defense gute Abschlüsse zu erspielen und in der Defense „overperformen“, dann ist ein Weiterkommen der Blazers, so unwahrscheinlich es auch aktuell aussehen mag, nicht ausgeschlossen. 



Warum Memphis gewinnt
Eins vorweg: Dieses Duell wäre viel spannender, wenn alle fit wären. Die Grizzlies sind zwar auch nicht bei 100%, allerdings sind die Trail Blazers stärker von Verletzungen gebeutelt. Die große Storyline dieses Duells ist also die Gesundheit. Mike Conley (Fuß), Courtney Lee (Hand), Tony Allen (Oberschenkel) und Marc Gasol (Sprunggelenk) spielen auf  Seiten der Bären verletzt.

Gegen die Grizzlies erzielte Damian Lillard diese Saison nur eine Dreierquote von 27% (8-30). Tony Allen wird mit seiner Defense dafür sorgen, dass diese Zahl nicht weiter nach oben geht. Die zweitgefährlichste Waffe der Blazers sollte damit einigermaßen entschärft sein.

Mike Conley kann sich derweil in der Defensive darauf konzentrieren, bei Afflalo in der Ecke zu stehen und muss Lillard nicht 40 Minuten pro Spiel verfolgen. Dafür hat Memphis ja glücklicherweise den "Grindfather" und für Conley ist es sehr wichtig, bald wieder zu seiner Form zurückzukehren und seine Fußverletzung hinter sich zu lassen. Da scheint es nur sinnvoll, die einfachere Defensivaufgabe zu übernehmen. Im Angriff muss Conley nur seine Dreier treffen und die Großen füttern.


Die Duelle unterm Korb sind für die Grizzlies wichtiger als alles andere. Zach Randolphs Aufgabe, nämlich zusammen mit Marc Gasol Aldridge zu verteidigen, ist der wichtigste Programmpunkt für die Bären. Aldridge ist hochgefährlich und muss bearbeitet werden. Man muss sich aber wohl wenig Sorgen machen, dass Zach ausgerechnet in dieser Serie zu soft an seinen Gegner rangeht. Gasol muss offensiv wieder zu der Form zurück finden, die er Anfang der Saison an den Tag legte. Geht er gegen Robin Lopez aggressiv zu Werke, sind die Bären fast unschlagbar.

Matthews' Ausfall (Blazers-Bilanz seitdem: weit unter 50%), die Key Matchups, die alle für die Grizzlies sprechen und die Tatsache, dass die Trail Blazers extreme Probleme hatten, in den letzten zwei Jahren auch mal etwas Zählbares gegen Memphis zu holen, sprechen klar für die Bären.

Die Trail Blazers hätten schon ohne Verletzungen genug Probleme gegen die Big Men der Grizzlies, ein Weiterkommen der Blazers würde mich schon in Bestbesetzung überraschen. Dazu kommt noch der Heimvorteil für Memphis trotz der Tatsache, dass Portland Vierter wurde (oh, dieser Divisions-Sch…) – die Grizzlies werden in dieser Serie keine großen Probleme bekommen.



Stat-Salat
Seit dem Allstar-Break stellen die Grizzlies nach den Jazz die zweitbeste Verteidigung aufs Parkett (Defensiv-Rating 99.4), obwohl ihr bester Flügelverteidiger Tony Allen elf von 29 Partien in diesem Zeitraum verpasst hat.

Wenig Freiwürfe? Portland hat die niedrigste Freiwurf-Rate und die zweitniedrigste gegnerische Freiwurf-Rate der Liga.

Portlands Defense ist ähnlich konservativ wie die von den Bulls. Die Blazers forcieren die wenigsten Turnover der Liga und lassen die wenigsten Dreier zu. Letzteres dürfte insbesondere die Grizzlies wenig interessieren, da sie ohnehin die zweitwenigsten Dreier nach Minnesota nehmen.

Old-school? Nur vier Spieler schlossen mehr als 500 Ballbesitze in der Saison mit einem Post-Up ab. Davon spielen drei in dieser Serie (Marc Gasol, Zach Randolph und LaMarcus Aldridge).


(Stat-Salat via @TwoWayGame)



Die Rechnung bitte!