06 April 2015

6. April, 2015  |  Axel Babst  @CoachBabst


Die NCAA March Madness 2015 findet mit dem heutigen Finale in Indianapolis ihr glorreiches Ende. NBACHEF College-Experte Axel Babst checkt die Finalisten Duke und Wisconsin durch, analysiert die Matchups und gibt seine Prognose ab. Alle Angaben sind wie immer ohne Gewähr - dürften aber wie schon im Halbfinale voll ins Bullauge treffen. 


Wisconsin Badgers
71:64 vs. Kentucky im Halbfinale

Einen Blitzstart erwischten in dieser Partie die Kentucky Wildcats. Zunächst verwandelte Andrew Harrison mit großem Selbstbewusstsein einen Dreier und auf der anderen Seite führte ein Turnover von Frank Kaminsky zu einem Alley-Oop für Willie Cauley-Stein. Doch das erfahrene Wisconsin Team ließ sich von einem solch geringfügigen Fehlstart nicht aus der Bahn werfen konnte schnell den 5-5-Ausgleich erzielen.

In den folgenden Minuten lieferten sich beide Teams den ersehnten Schlagabtausch auf hohem Niveau. Wisconsin punktete variabel und blieb dabei im Fluss der Swing Offense, während bei Kentucky besonders Andrew Harrison einen guten Tag erwischt hatte und das gleich mal in der Anfangsphase kundtat. Mit 9:9 ging es in die erste Auszeit.

Nach einem ersten Antasten schien Wisconsin nun die Zügel in die Hand nehmen zu wollen und konnte durch einen Mitteldistanzwurf von Duje Dukan erstmals in Führung gehen. Nach fünf aufeinanderfolgenden erfolgreichen Angriffen für Wisconsin sah sich John Calipari gezwungen eine Auszeit zu nehmen. Wisconsin konnte bis dahin offensiv genau die Würfe nehmen, die die Badgers bevorzugen.

Gerade die Vielseitigkeit im Frontcourt schien Kentucky große Probleme zu bereiten, da in einem wechselnden Turnus entweder Dekker oder Kaminsky einen Korb ihrer Mannschaft selber erzielten oder vorbereiteten. Auch Nigel Hayes wusste sich geschickt einzubringen und nutzte die Freiräume, die ihm seine Gegenspieler gestatteten. Dekker konnte mit einem weiteren Erfolg auf 23:14 erhöhen und damit die höchste Wisconsin Führung der ersten Halbzeit aufstellen.

Gegen Ende der ersten 20 Minuten fand Kentucky offensiv einen Rhythmus, was daran lag, dass erst einige Schützen begannen, ihre Sprungwürfe zu treffen und damit den Platz für die Drives ihrer Nebenleute erschufen. Trey Lyles gehörten auf Seiten der Wildcats die letzten Aktionen der Halbzeit, als er das Spiel zunächst mit zwei Freiwürfen ausglich und im Anschluss einen Dunk im Fastbreak krachend einschlagen ließ und so die Führung eroberte. Bronson Koenig sorgte mit einem Buzzerbeater für einen ausgeglichenen Halbzeitstand, der den Spielverlauf exakt widerspiegelte.

Die zweite Halbzeit begann wie die erste: Beide Teams tauschten Punkte aus und keines der Teams fand zunächst eine Möglichkeit, seinen Kontrahenten auf Distanz zu halten. Auch hier ergab sich eine Parallele, da es erneut die Badgers waren, denen es gelang, Kentucky Offensivbemühungen einzudämmen, und selber weiterhin zu scoren.



Besonders beeindruckend daran war, wie gezielt sie dabei genau das Matchup attackierten, das sich am höchsten zu rentieren versprach. Einerseits verstanden es die Badgers nun besser das konsequente Switchen aller Blöcke zu ihren Gunsten zu nutzen. Gleich zwei Mal hintereinander konnte man so den defensiv anfälligen Freshman Devin Booker gegen die deutlich größeren und erfahrenen Dekker und Kaminsky isolieren, die ihrerseits das Optimum in Form eines Dreipunktespiels herausholten.

Als die Wildcats anschließend bei einem Postup von Nigel Hayes zu weit absanken, bestraften sie Hayes mit einem guten Pass auf die Weakside und Koenig mit einem erfolgreichen Dreier eiskalt. Kentucky hatte beim 52:44 erneute Redebedarf.

Im Anschluss an die Auszeit wurde die Schlagzahl im Spiel der Wildcats drastisch erhöhte, derweil sich Wisconsin zu sehr auf Sprungwürfe verließ. Towns erarbeitete sich nun erstmals Punkte durch zweite Wurfmöglichkeiten und Tyler Ulis traf einen wichtigen Dreier, um Kentucky wieder in Schlagdistanz zu bringen. Ein weiterer Zwischenspurt, der von den Harrison Zwillingen initiiert wurde, sorgte gar für einen weiteren Führungswechsel in dieser ausgeglichenen Partie (58:56).

Nun wirkte Wisconsin etwas ratlos, da sie in der Offensive teilweise keine guten Optionen mehr vorfanden und zeitgleich mit kuriosen Schiedsrichterentscheidungen haderten (leider nicht zu unrecht; in den letzten Minuten trafen die Unparteiischen auf beiden Seite viele klare Fehlentscheidungen). Immerhin sorgte die gute Defense dafür, dass Kentucky nicht auf mehr als 4 Punkte hinwegeilen konnte. Sie verstanden es gut, klare Anspiele auf Towns zu verhindern und zwangen andere Spieler Würfe zu nehmen.

Gerade die Harrisons Twins die bis dahin sehr ordentliche, teils unerwartet gute Leistungen gezeigt hatten, verfielen nun in alte Muster. Anstatt ihren Big Man in der Zone mit Anspielen zu versorgen, unternahmen sie gegen mehrere Verteidiger Wurfversuche auf eigene Faust. Das nutzte Wisconsin, um zwei Minuten vor dem Ende auf glückliche Art (Layup nach Ablauf der 35 Sekunden, der zählte) das Spiel auszugleichen (60:60). Alles war angerichtet für eine spannende Schlussphase.

Diese begann mit einem weiteren schlechten Angriff Kentuckys, der in einem Harrison Verzweiflungswurf endete. Auch Wisconsin gelang es im folgenden Angriff eigentlich nicht, einen guten Wurf zu erspielen. Wenn man aber einen Sam Dekker in der momentanen Verfassung hat, braucht man das auch gar nicht. Ganz lässig versenkte er einen schwierigen Stepback-Dreier zum 63:60. Anschließend setzte er einen Freiwurf obendrauf. Allerdings war Aaron Harrison auf der Gegenseite zur Stelle und wurde beim Korberfolg gefoult. Auch der Bonusfreiwurf fand sein Ziel bei noch 56 Sekunden.

Wisconsin nahm nun viel Zeit von der Uhr, machte das Spielfeld weit und brachte schließlich den Ball in die Hände Kaminskys. Dieser konnte nur per Fouls gestoppt werden und verwandelte beide Freiwürfe sicher. Auf der Gegenseite ließ Towns einen Freiwurf liegen, womit das Spiel entschieden war.


Es bleibt festzuhalten, dass Kentucky eine wahnsinnig gute Saison gespielt hat und nun nicht für diese Niederlage gescholten werden sollte. Auch wenn man sicher wieder einige Mängel in den letzten Minuten feststellen konnte, so darf man dennoch nicht vergessen, wie dominant Kentucky zuvor teilweise aufgetreten ist und nicht so tun, als wäre die vorherige 38-0-Bilanz bedeutungslos.

Angesichts dessen ist die Leistung der Badgers nochmals um eine Stufe höher anzusiedeln, als man es vielleicht im ersten Moment tun würde. Besonders Bo Ryan gebührt ein riesiges Lob für seine erbrachte Leistung an der Seitenlinie. Alle Schwächen, die einen Erfolg im Vorjahr noch verhindert hatten, waren gestern bestens behoben.

Kentucky erhielt keine Chance, das Spiel über die Bretter zu dominieren (die Reboundstatistik 34:22 ist zu schwach um das zu verdeutlichen). Außerdem konnte die Wildcats nur einen einzigen Alley-Oop in der allerersten Minute aus dem Fastbreak heraus verwandeln. Zudem ließ Wisconsin gezielt die Spieler, die Entscheidungen treffen und Würfe nehmen, die man als Gegner in dieser Rolle noch am ehesten sehen will.

Die größte Leistung war die Struktur in der Offensive. Einen Frontcourt aus drei so vielseitigen Spielern aufzustellen und diesem die Möglichkeit zu bieten, sich eine Saison einzuspielen, ist die eine Sache. Im entscheidenden Moment dann aber immer dem richtigen Spieler das Spielgerät auf den richtigen Spots anzuvertrauen eine andere.



Duke Blue Devils
81:61 vs. Michigan State im Halbfinale

Die Erfolgschancen für Michigan State wurden vor der Partie allgemein als sehr gering eingeschätzt. Zumindest in den 4 Minuten bis zur ersten Auszeit versetzten die Spartans die Arena und das Publikum an den heimischen Bildschirmen in kollektives Erstaunen. Vollkommen unbeschwert und bis in die Haarspitzen motiviert ließen die Spartans in den ersten Minuten einen Salve Dreier über den Blue Devils niederprasseln.

Insgesamt vier Mal netzten Denzel Valentine und Travis Trice von jenseits der Dreierlinie ein. Der 14:6-Start entsprach genau den Vorstellungen Tom Izzos, der seine Gruppe defensiv bei jeder Aktion weiter anstachelte.

So traumhaft die ersten Minuten aber begonnen hatten, so schwer wurde es in den folgenden Minuten für Michigan State, einen sauberen Abschluss zu erspielen. Die Guards hatten Probleme mit dem stärker werdenden Druck ihrer Kontrahenten. Die Blue Devils standen den Schützen nun auf den Füßen und erlaubten ihnen keinen Zentimeter Freiraum.

Mit diesem plötzlichen Anstieg des Druckpegels wussten die Spartans offensichtlich nicht umzugehen. Sie vertändelten entweder den Ball oder waren gezwungen Notwürfe zu nehmen. Duke hingegen zog nun offensiv ebenfalls das Tempo an. Mit unnachgiebiger Zielstrebigkeit konnten sich die Guards der Devils den Weg zum Korb bahnen. Daher konnte sich das Team aus Durham schnell wieder mit einem 5-0-Lauf bis zur zweiten Auszeit auf 14:11 heranpirschen.

Anschließend übernahm der Favorit endgültig die Kontrolle über die Partie. Jahlil Okafor wurde nun konsequent im Angriff gesucht und erwies sich erneut als nicht zu bändigendes Monster in der Zone. Gnadenlos effektiv und mit der gewohnten Autorität trieb er sein Unwesen und sorgte mit einem Dreipunktespiel zunächst für den Ausgleich und kurz darauf mit einem krachenden Putback Dunk für die Führung.

Nicht nur die üblichen Verdächtigen wie Okafor und Winslow sorgten für klare Verhältnisse. Coach K konnte auf alle 8 Spieler seiner Rotation setzen, keiner fiel leistungsmäßig ab. So war es nicht etwa Jahlil Okafor, der dafür sorgte, dass die beiden Big Men der Spartans mit 2 Fouls schnell Platz nehmen mussten, sondern sein Backup Marshall Plumlee. Auch Grayson Allen und Amile Jefferson wussten früh zu überzeugen und spielten den Basketball, den sie in den vergangenen Wochen angeboten hatten.



Nur noch vereinzelt konnten die Spartans gegen Ende der ersten Halbzeit Widerstand leisten und Tom Izzo musste mitansehen, wie seine Mannschaft Punkt um Punkt außer Reichweite gelangte. Besonders ärgerlich war in diesem Zusammenhang, dass seine Schützlinge viele gute Gelegenheiten ausließen, um in Schlagdistanz zu bleiben. Branden Dawson und Lourawls Nairn ließen einfache Punkte in Form von Korblegern liegen und auch offene Würfe fanden nicht mehr ihr Ziel. Daher konnten die Spartans mit dem 11-Punkte-Rückstand vor dem Seitenwechsel sicher gut leben.

Hatten die Spartans auf ein ähnliches Comeback wie gegen Louisville oder Oklahoma gehofft, als man ebenfalls nach der Halbzeit deutlich zulegen konnte, so beraubten die Blue Devils sie ihrer Illusion. Mit schnellen 6 Punkten, die auf ähnliche Art und Weise zustanden kamen, wie schon in der ersten Halbzeit vergrößerten die Guards des Champs aus 2010 den Vorsprung auf scheinbar uneinholbare 17 Punkte.

Tom Izzo verpasste es an dieser Stelle auch, die Notbremse zu ziehen und seine Spieler nochmal neu einzunorden. Nur durch Einzelaktionen konnten die Spartans zunächst noch verhindern, dass der Rückstand auf 20 Punkte oder mehr anwuchs. Auch der Zug war bald abgefahren. Immerhin wehrten sich Travis Trice und Denzel Valentine nach Leibeskräften und hielten das Ergebnis erträglich aus Sicht ihrer Mannschaft. Geringer als 13 Punkte wurde der Abstand bis zum Ende des Spiels nicht mehr.

Daher sah Izzo auch sehr früh davon ab, das Spiel durch absichtliches Foulen weiter in die Länge zu ziehen und ermöglichte stattdessen seinen Veteranen Trice und Dawson einen würdigen Abgang nach erfolgreichen College Karrieren.

Duke bestach in dieser Begegnung vor allen Dingen mit der Konsequenz in den eigenen Aktionen. Über die letzten 36 Minuten der Partie waren die Devils bestrebt, dem Schlachtplan von Krzyzewski willentlich zu folgen. Mit einer beängstigenden Sorgfalt und Durchschlagskraft zogen die Guards in jedem Angriff dem Konzept folgend zum Korb und waren dabei robust genug, Körperkontakt wegzustecken.

Selbst von einem ertönenden Pfiff ließen sich die Youngster nicht ablenken und versenkten den Wurf meist noch. Alle acht Spieler waren dabei involviert und agierten dabei wie eine Einheit. Besonders die defensive Intensität war beeindruckend und so boten die Studenten aus Durham die besten Defensivaktionen, die die Cameron Crazies in dieser Saison bewundern durften.



Final Preview, Duke vs. Wisconsin

Auch diese Partie gab es diese Saison bereits schon einmal. Anfang Dezember gastierten die Blue Devils erstmals in fremder Halle und siegten gegen Wisconsin mit 80:70. Damals überragten besonders die Guards Quinn Cook und Tyus Jones. Letzterer präsentierte sich damals in phänomenaler Form.

Matchups: Backcourt
Tyus Jones/Quinn Cook/Matt Jones vs. Bronson Koenig/Josh Gasser

Hier macht sich bereits ein wesentlicher Unterschied zwischen den beiden Titelaspiranten deutlich. Während Wisconsin eine sehr große Lineup ins Rennen schickt, setzt Duke aufgrund mangelnder Tiefe im Frontcourt auf dominantes Guardplay.

Die Kombination, die sich hier durchsetzt, könnte daher den Ausschlag über Sieg und Niederlage geben. Tyus Jones konnte bereits beim letzten Aufeinandertreffen dem Spiel seinen Stempel aufdrücken. Sowohl Jones als auch Cook sind sehr darauf bedacht, das Tempo einer Partie zu forcieren. Sie laufen 40 Minuten durch und setzen ihre Gegenspieler an beiden Enden des Feldes permanentem Druck aus.


In der Offensive ziehen sie bei der kleinsten sich ergebenden Lücke zum Korb und sind in der Lage trotz Kontakts zu vollstrecken. Hier müssen Koenig und Gasser hervorragende Arbeit leisten, um diese Durchbrüche zu verhindern. Das ist keine leichte Aufgabe für beide. Speziell Koenig könnte Probleme bekommen. Gasser fehlt zwar etwas die Schnelligkeit, macht diesen leichten Nachteil durch Erfahrung und Spielverständnis wett.

Andersherum muss gerade Koenig gegen die Presse der Blue Devils einen kühlen Kopf bewahren. Es kann durchaus passieren, dass er häufiger mal ein Problem haben wird, einen Einstiegspass in die Offense an den Mann zu bringen, da Duke sehr aggressiv in den Passwegen steht und versucht, hier schon jedweden Rhythmus zu unterbinden. Behält Koenig hier die Ruhe und unterlaufen ihm gewohnt wenige Fehler, ist Wisconsin der möglichen Meisterschaft schon einen gehörigen Schritt näher.

Jeder getroffene Wurf ist ein netter Extrabonus, den das Team mit Sicherheit ähnlich gerne mitnehmen würde wie gegen Kentucky. Zu guter Letzt darf man aber auch Matt Jones nicht vernachlässigen, da er ebenfalls eine Klette in der Verteidigung ist und in den letzten drei Spielen auch offensiv wichtige Impulse geben konnte.

Matchups: Frontcourt
Justise Winslow/Jahlil Okafor vs. Sam Dekker/Nigel Hayes/Frank Kaminsky

Nicht nur zahlenmäßig sind die Devils hier im Nachteil. Auch in Sachen Erfahrung und Größe haben sie das Nachsehen gegenüber den Badgers. Interessant wird sicherlich zu sehen sein, mit wem es Justise Winslow aufnehmen darf. An erster Stelle hat sich Sam Dekker in den Vordergund gespielt.

Beim ersten Aufeinandertreffen beider Teams standen sich die beiden bereits gegenüber, allerdings ging diese Begegnung mehr oder weniger an beiden vorbei, ohne dass sie wirklich Akzente setzen konnte. Winslow traf in der zweiten Halbzeit einen wichtigen Dreier, mehr konnten beide kaum aufweisen. Winslow wird sicherlich dafür sorgen können, dass Dekker nicht so leicht zum Korb vorstößt, andererseits fehlen ihm einige Zentimeter, um Dekker beim Wurf zu hindern.

Auf der anderen Seite des Feldes, kann Dekker hingegen Winslow vor Probleme stellen, da er ihn mit seiner Länge und seinem Einsatz beim Abschluss in der Zone entscheidend stören kann. Winslow dürfte es auch mit Hayes zu tun bekommen. Hayes sollte tendenziell derjenige sein, der am häufigsten von Missmatches profitieren wird. Angesichts seiner Form der vergangenen Wochen sollte Hayes in der Lage sein, daraus Kapital zu schlagen. Besonders seine Variabilität wird sich bezahlt machen.



Medial wird der Fokus ganz klar auf der Centerposition liegen. Frank Kaminsky und Jahlil Okafor lieferten sich bereits im Dezember ein packendes Duell. Beide nutzten damals ihre Stärken und zwangen dem Gegenüber das eigene Spiel auf. Speziell Okafor wirkte jedes Mal ein wenig verloren, wenn Kaminsky im Pick & Pop oder im Verlauf der Offense das Leder an der Dreierlinie erhielt und von dort aus einen Angriff startete.

Der Freshman konnte schlicht nicht mit der Schnelligkeit des Seniors mithalten und man merkte ihm deutlich an, dass er aus Highschool Tagen nicht wirklich gewohnt war, soweit außerhalb verteidigen zu müssen. Im Gegenzug konnte Okafor seine physische Überlegenheit unter dem Korb ausnutzen und zu vielen leichten Körben gelangen.

Keys to the Game: Duke
Die Blue Devils werden dieses Spiel nur gewinnen können, wenn sie den Frontcourt der Badgers einigermaßen im Griff haben. Im ersten Aufeinandertreffen überraschte Coach K Wisconsin damit, dass er alle Blöcke switchen ließ und Missmatches billigend in Kauf nahm. Diese Taktik wird, sofern sie Anwendung findet, nicht mehr so glatt aufgehen, wie noch im November.

Einerseits wird Wisconsin darauf nun vorbereitet sein. Gerade weil man Ähnliches jüngst von Kentucky präsentiert bekam und dieses Verteidigungsverhalten auf das Äußerste bestrafte. Zum anderen wissen die Badgers nun wesentlich besser, in welcher Konstellation man auf bestimmte Matchups achten sollte, da die große Aufstellung mittlerweile sehr aufeinander abgestimmt ist.

Andere Optionen für Duke sind daher die 2-2-1-Presse und das Ausprobieren einer 2-3-Zone. Die Presse funktioniert bereits im ersten Meeting stellenweise gut. Die Zone führte Duke erst später während der Saison ein.

Der Vorteil einer solchen Verteidigungsform ist sicherlich, dass Okafor in der Zone bleiben kann und Wisconsin sich darauf einstellen muss. Allerdings sollte Wisconsin relativ schnell den Kniff raushaben, wie man Duke hier knacken kann, weshalb die Ballraumverteidigung keine länger währende Lösung sein kann.

Jahlil Okafor muss offensiv richtig eingebunden und defensiv geschützt werden. Coach K liebt es, seinen Innenspieler nach Auszeiten gezielt in Szene zu setzen, allerdings müssen es die Guards noch öfter schaffen, ihren Center wirklich im Spielfluss zu finden.

Gegen Michigan State dauerte es teils lange, bis Okafor den Ball in den Händen hielt, obwohl die körperlichen Vorteile unübersehbar waren. Besonders durch Crossscreens können seine Mitspieler ihm gute Lowpostposition verschaffen. Fängt er den Ball erstmal an einem gewissen Spot, ist er im 1-1 nur schwer zu stoppen für Wisconsin.

Defensiv sollten die Blue Devils möglichst verhindern, dass er die Zone verlassen muss und Kaminsky in Pick & Roll/Pop verteidigt. Dort sind seine Nachteile einfach zu schwerwiegend und können schnell dafür sorgen, dass Okafor sich mit Foulproblemen auf der Bank wieder findet.



Wie bereits angesprochen waren Tyus Jones und Quinn Cook im ersten Match überragend. Ähnliches müssen sie auch im Finale leisten. Gerade Jones hatte immer eine Antwort parat, wenn Wisconsin versuchte, die Partie an sich zu reißen. Da Wisconsin nicht wirklich über einen Shotblocker verfügt, kann er trotz der Länge der Badgers sehr erfolgreich beim Zug zum Korb sein. Gleiches gilt natürlich auch für Quinn Cook.

Sollten die beiden zusätzlich in gewohnter Manier ihre Distanzwürfe durch die Reuse schicken, kann die Fangemeinde in Durham schon einigermaßen beruhigt das Geschehen verfolgen. Elementar wird neben den individuellen Trefferquoten sicherlich sein, dass die beiden das Tempo forcieren, wann immer es ihnen möglich ist, damit sie die Dachse aus der Wohlfühlzone vertreiben.

Steht die Partie Spitz auf Knopf, kann Justise Winslow das Zünglein an der Waage sein. Im ersten Spiel scorte er in der ersten Halbzeit überhaupt nicht und trat auch sonst nur sehr kurz in Erscheinung, als er einen Dreier traf.

Will Coach K morgen Ring Nummer fünf anlegen, muss Winslow eine dominantere Leistung aufbieten, da die Badgers deutlich effektiver agieren als noch zu Beginn der Saison. In Anbetracht der letzten Leistungen sollte Coach K auf seinen Allrounder zählen können.

Keys to the Game: Wisconsin

Es klingt so einfach, aber es ist dennoch eine so schwierige Aufgabe: Der Schlüssel für Wisconsin wird darin liegen, das eigene Spiel aufzuziehen und die eigenen Stärken auszuspielen. Das heißt in erster Linie muss Wisconsin das Tempo kontrollieren.

Offensiv dürfen sie sich nicht von den bissigen Blue Devils den Schneid abkaufen lassen. Gerade wenn die Big Men ins Dribbling gehen oder beim Ballvortrag helfen, müssen diese den Ball hüten wie ihren Augapfel. Denn die aggressive Verteidigung Dukes kann selbst Wisconsin dazu zwingen, ungewohnt viele Fehler zu begehen.

In dieser Hinsicht ist es sicher von Vorteil, dass jüngst Traevon Jackson in die Aufstellung zurückkehrte und gegen Kentucky bereits gute Aktionen vorweisen konnte. Im Dezember war er neben Kaminsky der überragende Dachs des Abends und konnte besonders Okafor im Pick & Roll attackieren.

Zu der angesprochenen Besinnung auf die eigenen Stärken gehört auch, dass die Badgers unabhängig von den Verteidigungsvarianten der Blue Devils ihre Stärken ausspielen. Damit hatten sie im Dezember noch Probleme und brauchten mehr als eine Halbzeit, um zu verstehen, wie sie das Switchen des Gegners ausnutzen konnten.

Hier sollte sich beruhigend auf alle Wisconsin Anhänger auswirken, dass genau das gleiche von Kentucky versucht wurde und die Badgers die Defense aufgrund dessen filetierten.  Daher sollten die Badgers dieses Mal schneller auf ungewöhnliche Verteidigungsformen reagieren können.

Prinzipiell haben die Badgers ohnehin immer ein Missmatch, das sie attackieren können, da Kaminsky gegenüber Okafor deutliche Vorteile hat und wahlweise Hayes oder Dekker von einem deutlich kleineren Gegenspieler verteidigt werden. Sollten alle Stricke reißen, wäre ein Pick & Pop zwischen Jackson und Kaminsky sicher eine lohnenswerte Überlegung, da dies bereits im Dezember gut funktionierte.

Ein letzter, aber sehr wichtiger Teil der Tempokontrolle, besteht in einer guten Transition Defense. Selbst aus eigenen Körben kann es gegen Duke schnell passieren, dass man ebenso früh wieder einen Korb der Blue Devils hinnehmen muss. Um möglichst viele solcher einfachen Korberfolge, die zu einer Tempoverschärfung beitragen würden, verhindern zu können, müssen alle 5 Akteure auf dem Feld schnell umschalten und miteinander kommunizieren, damit im Notfall Hilfen gegeben werden können.

Hier nochmal ein Video, das die angesprochenen Punkten mit Spielszenen unterstützt und in Kürze zusammenfasst:


Prognose: Wisconsin
Wisconsin hat die Chance auf den ersten Titel der Universitätsgeschichte in der Ära des modernen College Basketballs. Sollte dies gelingen, würde man einen der eindrucksvollsten Turnierruns der Geschichte perfektionieren. Nacheinander North Carolina, Arizona, Kentucky und Duke in teils sehr engen Spielen zu schlagen, wäre eine absolute Hausnummer.

Soweit sind wir aber noch nicht. Bei allem Respekt vor Wisconsins Talent, Spielweise und dem jüngsten Erfolg über Primus Kentucky darf man nicht vergessen, dass auch Duke ein sehr talentiertes Team beisammen hat und über den erfahrensten Coach der NCAA verfügt.


Dennoch scheint es momentan ziemlich unvorstellbar zu sein, dass Wisconsin sich den Titel noch nehmen ließe. Zu gut war der Auftritt gegen Kentucky. Zudem gewann Duke das erste Spiel, sofern man dieses als Referenz hinzuziehen will, aufgrund einer taktischen Meisterleistung Krzyzewskis.

Darauf scheint Wisconsin nun besser eingestellt zu sein. Zudem ist Wisconsin etwas tiefer und ausgeglichener besetzt und kann im Frontcourt deutliche Vorteile aufweisen ohne dafür im Backcourt einem entscheidenden Nachteil zu erliegen.