09 April 2015

9. April, 2015  |  Axel Babst  @CoachBabst


Duke = Champ
68:63 vs. Wisconsin im Finale

Es war ein denkwürdiges Finale, das in der Nacht von Montag auf Dienstag zu deutscher Zeit zwischen Duke und Wisconsin ausgetragen wurde. In diesem einen Spiel wurden fast alle wichtigen Punkte, die College Basketball und den März Wahnsinn ausmachen, erfüllt. Am Ende waren es nämlich nicht die hoch gehandelten Draft Talente oder die ausgeklügelten Taktiken der Trainerlegenden, die den Unterschied ausmachten und die Partie bestimmten.

In der ersten Halbzeit wirkte Wisconsin leicht souveräner. Die Badgers erzielten in der Offense ihre Punkte sehr variabel und konnten ihre Schlüsselspieler in den richtigen Momenten finden. Zudem spielten sie mit einer gesunden Härte, die einerseits dafür sorgte, dass Duke nicht so leicht in die Zone vordrang und man selber am offensiven Brett viele zweite Chancen erhielt, andererseits aber verhinderte, dass man Duke an die Linie schickte.

Den Badgers gelang es geschickt, Jahlil Okafor in 1-1-Situationen mit Frank Kaminsky zu verstricken, in denen er sich meist nur mit Fouls zu helfen wusste. Daher saß er lange Zeit in der ersten Halbzeit mit zwei persönlichen Fouls auf der Bank und war zum Zuschauen verdammt. Nichtsdestotrotz verpasste es Wisconsin ein wenig, diesen Umstand zum eigenen Vorteil zu nutzen und mit einer Führung in die Kabine zu gehen. Beim Stand von 31:31 wurden die Seiten gewechselt.

Nach der Halbzeit veränderte sich die Partie auf mehreren Ebenen. Zunächst war auffällig, dass die Schiedsrichter auf beiden Seiten nun wesentlich kleinlicher in der Regelauslegung waren und mehr Fouls pfiffen. Per se nichts Schlimmes, doch die Badgers schienen ein wenig die Contenance zu verlieren. Speziell Bo Ryan und Bronson Koenig lamentierten sehr häufig nach Entscheidungen.

Letzteren schien der eine oder andere Pfiff gegen ihn aufzuwecken, da er plötzlich im Duett mit Frank Kaminsky Angriff um Angriff Punkte auf das Scoreboard zauberte und teils sehr schwierige Würfe versenkte. Schließlich war es Frank Kaminsky, der einen sehr geduldig ausgespielten Angriff der Badgers zum 48:39 bei 13 verbleibenden Spielminuten abschloss. Zu diesem Zeitpunkt sah es so aus, als würde Wisconsin alles im Griff haben. Die Badgers wirkten offensiv sicherer und auf Seiten der Blue Devils saßen die Schlüsselspieler Winslow und Okafor mit jeweils drei Fouls auf der Bank.

Die finalen 13 Minuten schrieben jedoch eine andere Geschichte. Zunächst war da Grayson Allen - ein Freshman, der in den ersten Monaten kaum Minuten sah und erst nach dem Rauswurfs Rasheed Sulaimons in die reguläre Rotation aufgenommen wurde. Dieser Youngster leitete die Aufholjagd ein, indem er selbstbewusst einen Dreier versenkte. Auf seinen Distanzwurf folgte ein Dreipunktespiel, das das gesamte Duke Team ausgiebig zelebrierte und so für den entscheidenden Umschwung der Partie sorgte.

An dieser Stelle übernahm dann Tyus Jones. Wie schon im ersten Aufeinandertreffen im Dezember versenkte er nun wichtige Würfe und sorgte in Kooperation mit Allen für den Führungswechsel. Zudem legte das gesamte Duke Team in der Defensive eine Schippe drauf und brachte es fertig, dass Wisconsin nicht mehr den gewohnten Systembasketball spielen konnte. In der Schlussphase war dann auch plötzlich Jahlil Okafor mit zwei wichtigen Körben zur Stelle. Den Schlussstrich zog Tyus Jones unter die Begegnung mit einem weiteren schwierigen Wurf.

Damit ist Duke also der NCAA Champ der Saison 2014/15. Insgesamt ist dies der verdiente Lohn einer sehr starken Saison. Abgesehen von einer zwei Spiele andauernden Schwächephase im Januar lieferten die Blue Devils beim Großteil der anderen Begegnungen sehr souveräne Leistungen ab und gewannen meist hochverdient.

Doch bevor ich weiter auf Dukes Schlüssel zur Meisterschaft eingehe, sollten an dieser Stelle auch noch ein paar lobende Worte für Wisconsin gefunden werden. Mit ihrer Spielweise zeigten sie in einer sich wandelnden Welt des College Basketballs, dass es immer noch lohnenswert sein kann, nicht den hochbegabtesten Talenten hinterher zu jagen und stattdessen die regionalen Youngster an sich zu binden und diese vorbildlich in allen elementaren Grundlagen des Sports zu unterweisen.

Denn man muss sich an dieser Stelle nochmal vor Augen führen, dass mit Ausnahme von Sam Dekker kein Spieler der Badgers von vielen Programmen umworben und von diesen als großes Talent eingestuft wurde. Daher sollte man die spielerische Leistung der Badgers gebührend anerkennen und das Bild auch nicht von Bo Ryans Kommentaren nach dem Spiel trüben lassen.

Duke hingegen konnte zurecht feiern, da das Team über die Saison hinweg einen sehr gefestigten Eindruck hinterließ. Zwei Dinge stachen dabei im Besonderen heraus:

Zum einen erbrachte Coach K eine buchstäblich meisterhafte Leistung. Trotz teilweise widriger Umstände und eines relativ unerfahrenen Kaders konnte er sein Team stets auf Erfolgskurs halten. Er setzte die Stärken seiner Spieler exzellent ein und brachte Okafor, Winslow und Kollegen in Situationen, in denen sie bloß glänzen konnten.

Gleichzeitig kaschierte er offensichtliche Schwächen, sowohl auf individueller, als auch auf kollektiver Ebene. Als das Team defensive Probleme hatte und deswegen zwei Spiele nacheinander verlor, hauchte er seinen Spielern mit taktischen Kniffen neues Leben ein und zog in den folgenden Trainingswochen die Intensität augenscheinlich an. Darin lag letztendlich die Meisterschaft begründet, denn dank der verbesserten Teams marschierten die Blue Devils durch das Turnier. Der fünfte Ring ist der verdiente Lohn einer weiteren ausgezeichneten Coaching Leistung Krzyzewskis und eröffnet Raum für Spekulationen darüber, ob er der beste College-Coach aller Zeiten ist oder nicht.

Auch wenn er Woodens zehn Titel wohl nicht erreichen wird, errang er seine Championships auf wesentlich härtere Weise und unter schwierigeren Voraussetzungen. Man darf nicht vernachlässigen, dass zu den Glanzzeiten UCLAs weniger Siege im Tournament notwendig waren, um Meister zu werden. Zudem war der Kampf um die größten Talente nicht derart verschärft, wie es heutzutage der Fall ist. Besonders Coach Ks Adaption an das One-and-Done-Business im College Basketball ist beeindruckend.

Als zweiter Punkt muss genannt werden, wie beeindruckend die Freshmen der Blue Devils die ganze Saison über mit ihrer Reife agierten. Immer schienen sie in der Lage, in den wichtigen Momenten der Saison die Kohlen aus dem Feuer zu holen.

Tyus Jones bestätigte seine starken Leistung zum richtigen Zeitpunkt mit seiner Galavorstellung im Finale. Justise Winslow überwand eine Schwächephase, während der er von Verletzungen geplagt wurde, und übernahm spielentscheidende Rollen in vielen Partien. Jahlil Okafor konnte sich trotz verschiedener Verteidigungsformen immer durchsetzen und seinem Team auf verschiedene Arten zum Sieg verhelfen. Im Finale kam dann auch noch Grayson Allen hinzu, der wie bereits beschrieben, aus dem Nichts zum X-Faktor im Championship Game mutierte.



Draft-Implikationen?

Im Zuge der March Madness und insbesondere der letzten Wochenenden, an denen meist nur noch mit NBA-Talent versorgte Teams teilnehmen, kommt es dann zwangsläufig dazu, dass sich viele Betrachter der Spiele fragen, welche Spieler sie demnächst in der NBA bewundern dürfen und welche dieser Spieler etwas für ihren Draftwert im Laufe des März tun konnten.

Bevor man die einzelnen Spieler näher betrachtet, muss man sich klar machen, dass man sich von einzelnen Spielen nicht blenden lassen darf. Allein aufgrund eines Spiels oder vielleicht zweier Wochenenden über einen Spieler und seine Möglichkeiten urteilen zu wollen, kann sich schnell als fatal erweisen.

Zwar lassen sich sicher bei erster Betrachtung eines Spielers schon gewisse Tendenzen erkennen, doch um gesicherte Erkenntnisse in die Draft-Nacht mitnehmen zu können, sollte man mehr als nur seine Beobachtungen aus einigen Spielen und die reine Betrachtung der Boxscores zu Rate ziehen.

An zwei Beispielen wird dies deutlich. Zum einen surfte Sam Dekker in den vergangenen zwei Wochen auf einer Hype-Welle, da er nacheinander drei Mal der Matchwinner in engen Schlussphasen war. Doch man muss ganz klar festhalten, dass er sich in diesen drei Partien auf einem Niveau befand, an dem er zuvor nicht einmal ansatzweise kratzen konnte. Das Finalspiel bildete daher einen guten Gegenpol, denn Dekker konnte nur durch Putbacks punkten und sein Dreier unterlag den gewohnten Schwankungen, die er seine Karriere über schon mit sich im Gepäck mitschleppte.

Auf Jahlil Okafor wurde hingegen sehr viel rumgehackt, da er nicht mehr so dominante Zahlen auflegen konnte wie noch während der Saison. Viele sprachen ihm daher die nötige "Clutchness" ab. Dabei wurde jedoch völlig außer Acht gelassen, dass Okafor nicht zwangsläufig 30 Punkte auflegen muss, um seinem Team zum Sieg zu verhelfen. Auch so beeinflusste er auch im Tournament viele Spiele entscheidend zugunsten seines Teams, da er mit seiner schieren Präsenz auf dem Feld schon unlösbare Probleme für Gegner wie Michigan State bereiten konnte.

Am ehesten ist es Justise Winslow gelungen, ein großes Publikum auf sich aufmerksam zu machen. Allerdings muss man hier betonen, dass er keineswegs anders auftrat als in den Monaten zuvor. Bereits im Februar und März konnte er als Schlüsselspieler in Erscheinung treten und seinem Team Spiele gewinnen, da er aufgrund seiner Vielseitigkeit in mehreren Hinsichten, die Gegner vor Probleme stellen kann.

Neben Winslow konnte auch Tyus Jones das Finalspiel nochmal nutzen, sich ins Gedächtnis vieler Beobachter zu spielen. Aber auch seine Performance kam nicht ohne Vorankündigung, sodass man eigentlich nicht davon sprechen kann, dass er durch ein starkes NCAA Turnier die Basketballwelt aufrüttelte.

Daher wird man im Laufe der nächsten Monate sehen, wer sich wirklich in die Notizbücher der NBA Späher spielen konnte. Bei manchen Akteuren könnte sich dieses Rätsel sogar erst in der Draft Nacht in Wohlgefallen auflösen. Bis dahin wird es in gewohnter Weise mit den NBAChef Draft Spotlights für Interessierte schon erste Inputs und Prognosen geben. Stay tuned.