08 April 2015

8. April, 2015  |  Mattis Nothacker


Als James Harden noch zur Mannschaft der Oklahoma City Thunder gehört, da gibt es immer mal wieder diese Momente. Es sind einzelne Angriffe, Spiele oder Phasen, in denen der Shooting Guard der Welt die Augen öffnet und ihr beweist, wie gut er eigentlich Basketball spielen kann.

Als Rookie in der NBA explodiert Harden gegen die Orlando Magic mit 24 Punkten, nachdem er in den zwölf Spielen zuvor noch nicht einmal zweistellig gepunktet hat. Als Jeff Green von Oklahoma City weggeschickt wird, verbessert Harden seinen Punkteschnitt in den folgenden 15 Spielen von 10,3 auf 17,7.

In der ersten Playoffrunde 2012 fängt Harden Feuer und führt die Thunder mit 15 Punkten im vierten Viertel zum Sweep gegen die Dallas Mavericks. Und im sechsten Spiel des späteren Conference-Finals gegen die San Antonio Spurs erzielt er per Step-Back-Dreier den Game-Winner und stößt so die Tür für den späteren Finals-Einzug weit auf.

In Hardens drittem und letztem Jahr bei den Thunder häufen sich diese Momente, und doch bleiben sie immer nur das: Momente. Gerade der Game-Winner veranschaulicht Hardens Rang im Team. Als er die Schuss-Uhr hinunter laufen lässt und sich auf ein Eins-gegen-Eins-Duell mit Kawhi Leonard einzulassen scheint, da wirken seine Mitspieler nicht wirklich entspannt.

Kevin Durant fuchtelt mit den Händen herum, auch Russell Westbrook scheint zu erwarten, dass Harden den Ball eher nochmal weiterpasst. Denn so talentiert er sein mag: James Harden ist nur die dritte Option bei den Thunder. Das liegt zum einen an den großartigen Fähigkeiten seiner Mitspieler Durant und Westbrook. Zum anderen ist es aber auch Hardens Mentalität, die seine Entwicklung wohl ein bisschen hemmt.

„Ich mag es, in meiner eigenen Welt zu sein“, erklärt Harden. „Sobald ich mich wohlfühle, sobald ich weiß, was um mich herum passiert, kann ich angreifen“. Harden mag es nicht, die Sachen auf dem Spielfeld zu erzwingen. Er lässt das Spiel zu sich kommen. Doch als Bankspieler und dritte Scoring-Option ist es nicht immer der richtige Ansatz, abzuwarten. Harden will seiner Mannschaft nicht schaden, er will die Harmonie im Team bewahren, doch damit schädigt er sich selber: es ist ein Balanceakt.

Schon als Kind hat er mit diesem Problem zu kämpfen. Als seine High-School-Mannschaft Artesia in seinem vorletzten Schuljahr ihre erste Niederlage der Saison kassiert, bittet ihn sein Trainer Scott Pera, mehr zu werfen. „Er sagte mir: ‚Coach, ich will nicht als eigensinnig angesehen werden’“, blickt Pera zurück. „Ich sagte ihm: ‚James, wenn du nicht triffst oder schlechte Würfe nimmst, dann sag ich dir, dass du stoppen sollst und dich ändern musst. Aber das tust du ja nie.’ Von diesem Punkt an war James nicht zu stoppen“.

Dieses Gefühl, einfach sein Ding machen zu können, hat Harden bei den Thunder nicht. Trotzdem ist es keinesfalls so, dass er sich in seiner Rolle unwohl fühlt. Er verträgt sich gut mit seinen Co-Stars Westbrook und Durant und bildet mit ihnen ein junges Trio, das auf dem Weg zu einer Super-Mannschaft zu sein scheint.



In einem Alter, in denen die drei noch auf dem College sein könnten, führen sie ihr Team 2011 ins Conference-Finale und 2012 ins Finale. Im Endspiel gegen die Miami Heat findet Harden jedoch nie zu seinem Rhythmus, taucht unter und kann seinem Team kaum helfen. Es sind seine letzten Spiele im Trikot von Oklahoma City.

Das Thunder-Management hat bis dahin alles richtig gemacht. In drei aufeinanderfolgenden Jahren hat Manager Sam Presti in Kevin Durant einen unglaublichen Scorer, in Russell Westbrook den vielleicht explosivsten Point Guard aller Zeiten, in Serge Ibaka einen ligaweit gefürchteten Shotblocker und in Harden einen kreativen und abgezockten Shooting Guard gedraftet.

Doch nach den lukrativen Vertragsverlängerungen von Durant, Westbrook und Ibaka kann es sich OKC nicht leisten, Harden einen Max-Contract anzubieten. Nach Informationen der Sports Illustrated bekommt er schließlich eine Stunde, um sich für oder gegen einen 54-Millionen-Vertrag über vier Jahre zu entscheiden. „Ich bin nicht der Typ, der schnelle Entscheidungen trifft“, erklärt er. „Ich musste zu schnell gehen, viel zu schnell gehen“.

Die Geschichte ist bekannt. Harden entscheidet sich gegen eine Unterschrift und sitzt bereits am nächsten Tag im Flugzeug nach Houston. Die Rockets können ihr Glück kaum fassen: im Tausch für Kevin Martin, Jeremy Lamb, zwei Erstrundenpicks und einen Zweitrundenpick bekommen sie neben Cole Aldrich, Daequan Cook und Lazar Hayward den amtierenden Sixth-Man-of-the-Year. Harden soll in Houston zum Franchise-Player werden.

„Bis zum Schluss dachte ich, dass OKC ihm den Max anbieten würde“, sagt Rockets-Manager Daryl Morey. „Ich hätte nicht gedacht, dass sie ihn gehen lassen würden“. Morey hat Hardens Werdegang über Jahre hinweg intensiv verfolgt. Der Rockets-Architekt gilt wie kein anderer in der NBA als Statistik-Narr. Und jene Dinge, die Moreys Analysen entsprechend zum größten Erfolg in der Liga führen – Pick & Rolls, Layups, Freiwürfe und Pässe auf die Dreierecke – sind genau Hardens Stärken.

Dass der neue Mann jedoch so einschlägt, wie er es anschließend tut, hat nicht einmal Morey erwartet. Nur knapp eine Stunde nach seiner Unterschrift unter einem 80-Millionen-Vertrag über fünf Jahre steht Harden in seinem ersten Spiel gegen die Detroit Pistons auf dem Feld. Immer wieder schlängelt er sich durch zum Korb, bedient seine Mitspieler hervorragend, netzt Dreier ein, schüttelt per Step-Back seine Gegenspieler ab und führt sein neues Team per Aufholjagd im vierten Viertel zum ersten Saisonsieg.

Das Ergebnis seines Abends: 37 Punkte, 12 Assists und 4 Steals. Gleich in seinem nächsten Spiel gegen die Atlanta Hawks legt er 45 Punkte auf, bei einer irrwitzigen Quote von 74 Prozent. Alle Zweifel, ob Harden ein Team als Franchise Player tragen kann, sind schon erstickt, bevor der Ligabetrieb überhaupt richtig begonnen hat.

Die Aufmerksamkeit, die ihm fortan entgegengebracht wird, ist nicht mit irgendetwas in James Hardens bisheriger Karriere vergleichbar. Dass Harden All-Star ist, steht plötzlich nicht mehr zur Debatte. Viel eher ist er ein Superstar, ein All-NBA-Team-, vielleicht sogar MVP-Kandidat. Denn die Fähigkeiten, die er bei den Thunder angedeutet hat, bekommt die Welt nun nicht mehr nur sporadisch, sondern jeden Abend serviert. Harden hält sich nicht mehr zurück, muss sich keine Sorgen machen, ähnlich talentierten Mitspielern eventuell Würfe zu nehmen. Er ruft alles ab, was in ihm steckt. Und was in ihm steckt, ist vor allem ein natürliches Gefühl für das Spiel.

In seinem ersten Jahr an der Artesia High School ist James Harden ein kleiner, unathletischer Junge, der ein Asthma-Inhalator benötigt. „Ein bisschen soft“, sagt sein High-School-Coach Pera. „Er wird wütend, wenn ich pummelig sage“. Das einzige, was Harden wirklich kann, ist werfen. „Ich stand nur in der Ecke“, erzählt er selber. „Ich dribbelte nicht. Ich bewegte mich nicht. Ich machte überhaupt nichts. Ich war sehr, sehr faul“.

Trotzdem ist es kein Zufall, dass Harden für Artesia spielen darf. Der Präsident seiner Jugendmannschaft L.A. City Wildcats, Derrick Cooper, hat ihn der High School empfohlen. Cooper lernt Harden kennen, als er als Fünfjähriger für eine Mannschaft aus 12- und 13-Jährigen vorspielt. „Er war natürlich klein und nicht so schnell“, erklärt Cooper. „Aber als die großen Kinder versuchten, ihn zu doppeln und den Ball zu klauen, da verstand er es, den Ball rauszuspielen und einen freien Schuss zu kreieren“.

Auch Pera erkennt sehr bald diese ungewöhnliche Reife in Hardens Spiel. „Erst in seinen Auftaktpartien als Freshman fiel mir sein natürlicher Instinkt auf“, sagt der Artesia-Trainer. „Er hatte ein Verständnis für das Spiel, das ich vorher bei keinem Spieler seines Alters gesehen habe. Tolle Athleten lernen es, in der Luft zu spielen. James lernte es, auf dem Boden zu spielen. Er wusste, wie er einen Doppel-Stop, einen Pump-Fake macht, er konnte Zeit und Raum sehen“.

Genau diese Attribute machen Harden für Houston unverzichtbar. Auch wenn er nominell auf der Zwei spielt, befindet sich der Ball meistens in seinen Händen. Wenn Harden auf dem Feld steht, scheint er nie etwas zu erzwingen, wie es so viele andere Spieler seiner Klasse tun. Seine Vielseitigkeit macht ihn schwer zu berechnen. Harden findet meistens die richtigen Lösungen, er schaut einfach, was die Defense mit ihm macht. „Er hat nicht wirklich viele Schwächen“, erklärt Arron Afflalo, Shooting Guard bei den Portland Trail Blazers. „Er ist sehr stark und schnell mit dem Ball. Eine der Sachen die er wirklich weiß, ist wie man gefoult wird“.

Tatsächlich ist das Ziehen von Fouls schon seit über zehn Jahren eine von Hardens größten Spezialitäten. Als High-School-Spieler wettet er stets gegen seinen Trainer Pera: Wenn er mehr als sechs Freiwürfe zieht, schuldet ihm Pera einen Hamburger, sind es weniger als sechs, schuldet er seinem Coach Sprints. Harden findet Wege, seine Glieder so durch Verteidiger zu verdrehen, dass den Schiedsrichtern nichts anderes übrig bleibt, als zu pfeifen. „Er spielte, als wäre er 30“, erzählt Frank Burlison, der damals für den Press Telegram aus Long Beach über Artesia berichtet.

In der NBA zieht zurzeit keiner so viele Fouls wie James Harden. Mit 777 Freiwürfen stand er in dieser Saison ganze 163 Mal öfter an der Linie als der Zweitplatzierte in dieser Kategorie, Russell Westbrook. Die ständigen Tempoveränderungen sowie der tödliche Eurostep erwischen seine Gegenspieler oft auf dem falschen Fuß.

Gerade den Eurostep hat Harden so sehr perfektioniert, dass er sogar den Meister dieses Fachs, Manu Ginobili, in den Schatten stellt. „Als Manu Ginobili damit anfing, dachte ich mir – das muss doch ein Schrittfehler sein“, sagt Kevin McHale, Hardens Trainer bei den Rockets. „Wenn du es dir in der Zeitlupe ansiehst, ist es aber kein Schrittfehler. Harden ist einfach clever. Ginobili ist der einzige, den du mit ihm vergleichen kannst, aber Ginobili versucht nicht so oft, den Ball unter die Arme seines Gegenspielers hindurch zu stecken und so Fouls zu ziehen“.

Diese ungewöhnliche Methode, dem Gegenspieler den Ball fast anzubieten, eignet sich Harden während seiner Zeit bei den Thunder an. „Oklahoma City brachte uns bei, den Ball zu beschützen, damit niemand ihn wegschlagen kann“, sagt er. „Ich machte das eine Zeit lang, aber bei mir funktionierte es nicht, also ließ ich den Ball stattdessen frei baumeln. Die Leute streckten sich immer nach dem Ball und hauten dabei auf meinen Arm. Es fühlte sich so an, als hätte ich einen Schatz oder Gold gefunden. Alle denken, dass ich Kontakt suche, aber das tue ich nicht. Es ist ein Köder am Haken. Du hast die Möglichkeit, dich nach dem Ball zu strecken. Aber wenn du mein Arm erwischst, ist es ein Foul“. „Spieler sind daran gewöhnt, zum Ball zu gehen“, sagt Kevin McHale. Sobald du zum Ball gehst, ist James zu schlau, zu schnell. Er wird das Foul ziehen“.



Neben den Fouls führt Harden die NBA in einer weiteren Kategorie an: Assists, die zu Dreier führen. Durch die große Aufmerksamkeit, die ihm die gegnerische Defensivreihen inzwischen Schenken, muss sich Harden zunehmend durch klüge Pässe befreien. Zum Teil wird bei seinen Vorlagen erst während der Flugkurve klar, welcher seiner Mitspieler auf der Weakside frei wird. Harden hat das Timing bei seinen Pässen perfektioniert, er kalkuliert die Strecke des Balles, die gestellten Blocks und die Dauer der Laufwege außergewöhnlich gut ein.

Die Fouls und die Dreier-Assists machen Harden zum essentiellen Baustein für die Philosophie von Houston-Manager Morey. Was die Herzen der NBA-Fans höher schlagen lässt, ist aber sein Step-Back-Jumper. Durch Hardens Fähigkeit, sowohl Dreier sicher zu treffen, als auch erfolgreich zum Korb zu ziehen, kämpfen seine Gegenspieler ständig damit, ihre Balance zu halten.

Am liebsten täuscht Harden per Jabstep einen Drive auf die linke Seite an, wobei sein Gegenspieler zwangsweise einen Schritt nach hinten machen muss. Dann zieht der 25-Jährige aber nach rechts, und während der Kontrahent eilig versucht, seinen Stand zu korrigieren, stoppt Harden ab, macht zwei Schritte nach hinten, und hat ausreichend Platz, um hoch zum Jumper zu gehen.

Mit 176 Step-Back-Versuchen greift keiner so oft auf diesen Abschluss zurück wie Harden. Stephen Curry, der ihm in dieser Statistik folgt, kommt nicht einmal auf die Hälfte. Von seinen Würfen trifft Harden 48,3 Prozent, von der Dreierlinie sogar unglaubliche 58,0 Prozent. Sein Mitspieler Jason Terry taufte Hardens Move „Step-Back des Todes“.

Seit neuestem verwendet Harden eine spezielle Geste, wenn ihm ein besonders schwerer Wurf gelingt: sein linker Zeigefinger und Daumen kreisen dabei um seine rechte Handfläche. „Es bedeutet, dass etwas kocht“, erklärt sein Mitbewohner und früherer High-School-Mitspieler Greg Howell. „Es kam irgendwie einfach so“, erklärt Harden, wie er zu der Idee kam. „Es bedeutet, dass ich meinen Rhythmus finde. Man kann unterscheiden, wenn es bei mir läuft und wenn nicht, aber wenn man die Bewegung bei mir sieht, dann weiß man, dass es läuft“.

Was das „kochen“ vor allem veranschaulicht, ist wie viel selbstbewusster Harden in seinen drei Jahren bei den Rockets geworden ist. Eine derartige Geste hätte man in seiner Zeit bei Oklahoma City nicht gesehen. Es hat etwas gedauert, um sich an seinen neuen Status als Franchise Player und Superstar zu gewöhnen, doch heute hat Harden die Einstellung eines Superstars: „Wenn ich es am laufen habe, kann keiner mich stoppen“. Harden gilt zusammen mit Stephen Curry und Russell Westbrook als größter Favorit auf den MVP-Titel.

„Für mich ist James der MVP“, sagt Hardens prominentester Mitspieler Dwight Howard, „wenn man in Betracht zieht, dass ich im Grunde die ganze Saison verpasst habe und wir Dritter im Westen sind. Ich habe James gesagt, dass er sich den MVP holen soll. Ich will, dass er raus geht und dominiert und jeden Abend hart spielt und sein Team führt. Ich sagte ihm, er solle jeden Gegner zerstören, der ihm gegenübersteht.“

Dass ein Spieler vom Kaliber Howard einen Schritt zurückgeht und Harden als Anführer seiner Mannschaft bezeichnet, spricht Bände über die neue Aura, die den Shooting Guard umgibt. Howard hat registriert, wie erfolgreich Harden das Team während seiner langen Verletzungspause getragen hat, und will sich nun hinten anstellen. „Ich werde tun, was ich immer ich tun muss: Scoren, rebounden, was auch immer. Ich will nichts verändern“.



Dass Harden in dieser Saison mehr Respekt entgegenflößt als je zuvor, ist jedoch vor allem seiner verbesserten Defense zu verdanken. In der vergangenen Saison wurde Harden massiv für seine Arbeit an der eigenen Seite des Feldes kritisiert. Ein Youtube-Video mit der Überschrift „James Harden: The Worst Perimeter Defender in the NBA“ zeigte einen Zusammenschnitt aus seinen unglaublig unengagierten und phlegmatischen Abwehraktionen und hat heute über 120.000 Klicks erreicht.

Dabei war er bei Oklahoma City noch als überdurchschnittlich guter Verteidiger aufgefallen. „Ich sage nicht, dass er nicht Defense spielen kann“, erklärt Stephen A. Smith von ESPN im Sommer vergangenen Jahres. „Ich sage, dass er es nicht tut. Klar, in der Nationalmannschaft bei Mike Krzyzewski und in den wirklich wichtigen Minuten, wenn es zählt: da spielt er Defense. Aber im Allgemeinen, über 82 Spiele? Ich weiß nicht, ob ich schon einmal jemand schlechter verteidigen gesehen habe als James Harden in den letzten beiden Jahren“:

Am Anfang der neuen Spielzeit spricht Harden überraschend ehrlich über das Thema. „Ich weiß, dass ich ein wirklich guter Verteidiger sein kann“, sagt er. „Natürlich ist meine Defense in einigen Phasen ziemlich schlecht. Ich weiß, dass ich in dieser Kategorie besser werden muss. Es ist etwas, dass ich auf die Reihe kriegen muss, damit wir unser Potenzial erreichen“. Harden betont dabei, dass es sich bei dem Problem nicht um seine Verteidigungsfähigkeiten an sich handelt, sondern um seine Konzentration. „Ich muss einfach fokussierter sein“, erklärt er. „Es geht eher um kleine Sachen, wie dass ich zum Beispiel meinen Mann aus den Augen verliere. Das kann leicht korrigiert werden. Ich muss in dieser Hinsicht besser sein und das werde ich auch sein“.

Harden hält sich an sein Versprechen. Auch wenn er nach wie vor kein Elite-Stopper ist, sind seine totalen Aussetzer drastisch gesunken. „Man sieht nicht mehr so oft, dass er sich in der Verteidigung einfach eine Pause nimmt“, sagt ein Assistenz-Coach in der Western Conference. Nicht zuletzt Hardens 1,92 Steals pro Spiel, der fünfbeste Wert der Liga, stehen für die verbesserte Leistung. „Es ist die Umstellung, zu einem Superstar zu werden“, findet Harden. „Du musst scoren und Offense spielen und gleichzeitig auch verteidigen“.

Ein Superstar zu werden: es ist der Traum aus Hardens Kindheit. Seine Mutter Monja Willis besitzt immer noch einen Zettel, den er ihr in der neunten Klasse hinterließ. Darin bittet er ihr um ein paar Dollar, um sich nach der Schule etwas essen kaufen zu können. Darunter schreibt er: „P.S.: Ich werde ein Star sein“.

Es hat länger gedauert als bei seinen Kollegen, doch nach drei Jahren bei den Rockets hat James Harden diesen Status endgültig erreicht. Lange Zeit ist er sich unsicher, ob es wirklich gut gehen wird in Houston, er trauert den Thunder hinterher. Noch ein Jahr nach seinem Wechsel fällt es ihm schwer, nicht wehmütig an sein früheres Team zurückzublicken. „Habe ich die richtige Entscheidung getroffen? War es meine Schuld?“, solche Sachen geistern durch Hardens Kopf. In seiner ersten Saison bei den Rockets verliert er in der ersten Playoffrunde gegen den alten Arbeitgeber. „Sie gewannen immer noch“, sagt Harden. „Es fühlte sich so an, als bräuchten sie mich nicht mehr“.

Das Blatt hat sich gewendet. Während Oklahoma City um einen Playoffplatz kämpft, stehen die Houston Rockets auf den vordersten Rängen. „Alles was ich brauchte, war Zeit“, beschreibt Harden das neue Kapitel in Texas. „Ich musste nur wissen, was ich um mich herum hatte. Und weil ich das jetzt weiß, fühle ich mich wohl damit und kann ein guter Leader sein“.

„Ich sehe eine Möglichkeit, einer der besten Spieler der Welt zu werden“, sagt Harden. „Ich könnte der beste Spieler der Welt sein“.