10 April 2015

10. April, 2015  |  Dusan Veljkovic


In der letzten Ausgabe von 'Cali Kings' in dieser Spielzeit gibt es eine kleinen Saisonreport zum Kings-Roster und eine Einschätzung der Arbeit von George Karl. Wer bleibt, wer geht, was konnte George Karl in seiner kurzen Zeit schon bewirken? Los gehts...


See you next season!
DeMarcus Cousins: Boogie legte ein Career Year hin und wurde zurecht zum ersten mal All-Star. Seine 24.1 Punkte, 12.7 Rebounds, 3.6 Assists und 1.7 Blocks in dieser Saison sind neue Bestleistungen - genau wie die 4.3 Turnovers und 4.1 persönlichen Fouls pro Abend. Genau dort wird er in der Offseason den Hebel ansetzten müssen. Klar organisiert Cousins das Spiel aus dem Post und muss defensiv oft die Fehler seiner Vorderleute ausmerzen, aber er muss da lernen, geschickter und effektiver zu werden. Er ist aber auch erst 24 Jahre alt und seine Entwicklung zeigt jedes Jahr klar nach oben. Dank Karl dürften wir auch mehr Coast-to-Coast Dunks von Boogie nächste Saison sehen. Cousins bleibt der uneingeschränkte Franchise-Spieler und Mittelpunkt dieses Klubs.

Rudy Gay: An Rudy Carlton Gay Jr. haben sich lange die Geister geschieden. In Sac-Town hat er endlich ein zu Hause gefunden. Der Vertrag wurde um drei Jahre (Spieleroption im 3. Jahr) und 40 Millionen verlängert. Er zeigte, dass seine Leistungen nach dem Trade aus Kanada im Vorjahr keine Eintagsfliege waren, verbesserte sich bei den Punkten, Rebounds, Assists, Dreiern, Freiwürfen und verringerte seine Ballverluste. Gay hat sich als Co-Star neben Boogie etabliert und wird noch bis mindestens 2017 auch so bezahlt werden.

Ben McLemore: In der letzten Ausgabe von 'Cali Kings' hatte ich die Entwicklung von 'Big Ben' bereits genauer erläutert. Er hat einen Schritt nach vorne gemacht. In der letzten Saison startete er in 55 von 82 Spielen, in dieser Saison in jedem einzelnen. Er spielte sechs Minuten mehr im Schnitt und scorte 3.3 Punkte mehr im Schnitt (12.1 PPG). Seine Quoten stiegen auf 43% aus dem Feld (+6.0), 36% Dreier (+4.0) und 83% bei den Freiwürfen (+3.0). Der grösste Kritikpunkt ist seine Konstanz. Auf zwei, drei gute Spiele folgen immer ein paar, in denen gar nichts läuft. Wie aber viele im Kader ist er noch sehr jung und erst ein Sophmore... viele Spieler etablieren sich erst in ihrem dritten Profijahr als konstante Option in ihrem Team. Diesen Schritt wird McLemore vermutlich 2015/16 machen.

Nik Stauskas: Stauskas hat ein turbulentes Rookiejahr hinter sich. Mit grosser Hoffnung gekommen, Probleme bei der Anpassung an die NBA, nicht gut gespielt, zur Tradedeadline fast schon weg, dann ganz aus der Rotation raus und unter Karl wieder zurück mit konstanten Minuten und endlich der Andeutung, was er kann. Keine Frage: 4,3 Punkte und die für einen Shooter schwachen Quoten (36% FG, 31% von der Dreierlinie) sind eines Lotterie-Picks ingesamt nicht würdig. Nik hat in der Offseason also viel zu tun. Das Potenzial zum 6th Man hat er aber, und er erinnert ein wenig an den JJ Redick aus Magic Zeiten. Der hatte am Anfang auch grosse Schwierigkeiten in der NBA. Inzwischen hat er sich zu einem Schlüsselspieler bei einem Spitzenteam entwickelt. Den Titel für den coolsten Spitznamen hat Nik „Sauce Castillo“ Stauskas in diesem Jahr definitiv gewonnen.

Ray McCallum: Die Saison war ein kleines Deja-Vu für Ray. Auch in dieser Saison musste er für den verletzten Starter in die Bresche springen. Das passierte diesmal genau mit der Ankunft von George Karl. Seine Leistungen schwankten. Der 23-jährige Kraftwürfel geht nächste Saison in das letzte Vertragsjahr seines Rookiedeals. Karl mag ihn und will ihn als Back-Up sicherlich eine volle Saison ausprobieren, aber McCallum wird sich steigern müssen. Das Mentoring von Andre Miller über den Sommer könnte für ihn große Erträge abwerfen.



Die Fragezeichen
Darren Collison: Darren hatte sich bei den Kings von Chris Pauls Back-Up zum Starting Point Guard entwickelt. Die Verpflichtung sorgte im Sommer für viel Kopfschütteln, nachdem Sacramento Isaiah Thomas ziehen liess und Collison als Ersatz holte. Der 27-Jährige strafte die Kritiker mit einem Career Year (16.1 Punkte, 5.6 Assists) Lügen. Seine Saison war leider aufgrund einer Hüftverletzung nach nur 45 Spielen beendet - womit er auch unter dem neuen Coach leider nie zum Einsatz kam. Dass er im alten System ein guter Fit neben Cousins und Gay war, bewies Collison. Ob er Karls Uptempo-Philosophie umsetzen kann, muss er erst noch zeigen. Die Gerüchte, dass der Coach im Sommer einen "geeignetere" Einser verpflichten will, halten sich hartnäckig - und machen Collison samt seines günstigen Mehrjahresdeals eventuell verzichtbar.

Omri Casspi: Der "verlorene Sohn" kehrte nach drei Jahren zurück. Nach Abstechern in die von Joakim Noah höchst empfohlene Feriendestination Cleveland und nach Houston streifte sich Omri wieder das Kings-Jersey über. Der Israeli lieferte zuerst als Back-Up von Gay und unter Karl dann sogar als Starter auf der Vier solide Werte ab. Insgesamt kam der 26-Jährige auf 8.6 Punkte und 3.6 Rebounds im Schnitt - als Starter sogar auf starke 13.6 Punkte bei 53% aus dem Feld. Sein Vertrag läuft aus - dank seiner Vielseitigkeit und Effizienz dürfte er als Free Agent nicht bei den Kings begehrt sein.

Derrick Williams: Der ehemalige Nummer zwei Pick war eigentlich schon weg - nicht nur aus der Rotation, sondern aus Sacramento. George Karl brachte ihn zurück in die Rotation, und Williams profitiert wie kein anderer vom neuen System. Unter dem neuen Coach spielte er fast nur auf Power Forward, Karl hat ihn fast nur als Stretch Vierer eingesetzt. Das Problem: Williams trifft nur 31 Prozent seiner Dreier. Für ihn heisst das also: im Sommer am Wurf arbeiten, konstanter von Außen werden, und den mentalen Fokus schärfen. Karl kritisierte seinen neuen Schüler häufiger, auch über die Medien. Es wird sich zeigen, ob das Motivation oder ein Hinweis auf einen bevorstehenden Abschied war. Seine Qualifying Offer (8.7 Mio. $) ist Williams von den Leistungen her nicht wert - es gibt aber genügend Mannschaften, die dem erst 23-Jährigen einen längerfristigen Vertrag anbieten werden, falls dieser beschließt, den Free Agent Markt zu testen. In Karls System könnte er sein Können maximal einbringen - die Lineup mit ihm zwischen Cousins und Gay funktioniert offensiv ausgezeichnet. Wenn Williams konstanter wird, hat er die Möglichkeit, seinen Marktwert mit Blick auf den Free Agent Sommer 2016 zu steigern.


Eric Moreland: Der ungedraftete Power Forward von der Oregon State Universität überzeugte die Verantwortlichen der Kings nach nur sieben Spielen bei den Reno Bighorns in der D-League. Einige Teams waren hinter 'Eazy-E' her. Die Kings statteten ihn mit einem Dreijahresvertrag für 2.3 Mio. $ aus (Jahr zwei und drei sind Teamoptionen). Aufgrund einer Schulterverletzung mit anschliessender OP beschränkte sich seine NBA Karriere bisher auf nur drei Partien. Als seine Stärken werden das Rebounding und die Defense beschrieben. Vielleicht sehen wir in der nächsten Saison etwas davon - ob und wie er in Karls System passt, bleibt aber ungeklärt.

Andre Miller: Der „Professor“ kam zur Trading Deadline aus Washington in die kalifornische Hauptstadt. Karl wollte seinen Lieblingsspieler, mit der er bereits in Denver zusammengearbeitet hatte, und bekam ihn auch. Millers Vertrag läuft aus, aber er wird wohl als Mentor für die Jüngeren bleiben und Karl helfen, seine Philosophie zu vermitteln. Vielleicht macht Miller nach seiner aktiven Karriere sogar den Sprung zum Assistenztrainer, direkt unter Karl. Von seinem immensen Wissen und Basketball-IQ kann ein Klub wie Sacramento nur profitieren.

Bye!
Jason Thompson: Sieben Jahre spielt Jason schon in der NBA, alle in Sacramento. Der dienstälteste King verlor erst Minuten, dann den Startplatz im Laufe der Saison und forderte einen Trade zu Deadline. Sein Wunsch wird ihm im Sommer wohl erfüllt werden, er darf einen Neuanfang starten. Der 28-Jährige ist in seinen besten Jahren und kann jedem ambitionierten Playoff-Team helfen.

Ryan Hollins: Der professionelle Handtuchwedler wird die Handtücher nächste Saison für ein anderes Team wedeln.

Reggie Evans: Seine Minuten gingen kontinuierlich nach unten. Zuletzt wurde der Big Man gar nicht mehr berücksichtigt. Evans darf die Gläser nächste Saison für einen Contender putzen.

George Karl & Das System
Wie zu erwarten probierte George Karl viel aus. Er nahm Thompson den Starterjob als Power Forward weg und probierte Carl Landry und dann Omri Casspi als Stretch Vierer aus. Er startete mit einem Heimsieg gegen die Boston Celtics und hatte  im März einen 4-Game-Winningstreak, als die Kings zu Hause die Hornets, Wizards, 76ers und die Suns in Phoenix schlugen.

Drei der vier Gegner hielt Sacramento dabei unter 100 Punkten. Die Defense ist aber weiterhin die größte Baustelle der Kings. Zur nächsten Saison sollte sich Karl einen fähigen Assistenten holen, der die Verteidigung auf Vordermann bringt. Mike Malone fällt da leider aus.

In der Offensive änderte Karl noch nicht viel. Man sieht zwar mehr Tempo, aber dosiert mit Half Court Basketball, um die Stärken von Cousins und Gay ideal auszuspielen. Man sieht auch immer mehr, dass Cousins nach einem Rebound den Ball selbst nach vorne bringt. Boogie entdeckte den Russell Westbrook in sich und legte gegen die Rockets und Pelicans Back-to-Back Triple Doubles hin. Das Spiel ist, noch mehr als früher, auf den All-Star Big Man zugeschnitten.


Im Training-Camp wird Karl seinen Tempobasketball besser einpflanzen, die Kings dürften nächste Saison mehr aufs Gas drücken, aber nicht wie zu Karls Nuggets-Zeiten. Er hat andere Spieler im Kader als damals. Die Herausforderung wird sein, deren Stärken mit seiner Run & Gun Philosophie zu verbinden.

Der Coach hat aber auch mehr Möglichkeiten als bei den Klumpen, die Kings dürften schwerer auszurechnen sein in der Offensive. Auf George wartet viel Arbeit in der Offseason, aber er hat genug Zeit im Sommer und er kann zusammen mit Pete D'Alessandro den Kader nach seinen Wünschen zusammenstellen - viel besser, als das mitten in dieser Saison möglich war.