11 März 2015

11. März, 2015  |  nbachefsquad  @nbachefkoch


Die reguläre Saison geht bei noch fünf ausstehenden Wochen in ihre letzte Stadionrunde. Im Westen bewegt sich das Playoff-Rennen auf seinen Siedepunkt zu. Anno Haak, Tiago Pereira, Jan Wiesinger, Roman Schmidt und Seb Dumitru messen bei fünf Möchtegern-Contendern Temperatur. 


1. Die Memphis Grizzlies nach dem All-Star Break sind...

Anno Haak @kemperboyd: ... wieder die Grizzlies. Pace runter, Quoten runter, Offense meh! Defense unverändert elitär. Und irgendwo in Brooklyn bekommt der Nachlassverwalter von Lionel H. feuchte Augen. Contender bleiben sie trotzdem.

Tiago Pereira @24Sekunden: ... die Reinkarnation der Bad Boy Pistons. Blake Griffin hat Angst vorm schwarzen Mann und der schwarze Mann vor Zach Randolph. Ab April sind die Spiele der Grizzlies sowieso erst ab 18 freigegeben, denn dann wird das Grind House wieder zum Slaughterhouse.

Jan Wiesinger @WiesiG: ... stark wie eh und je. Und obendrein bis zum Beginn der Playoffs das beliebteste Team der Liga. Die Grizzlies und beliebt? Richtig. Jedes West-Team wird sich starke Leistungen der Grizzlies im letzten Saisonviertel wünschen und dabei versuchen, aus den Spielen gegen die Jungs aus Memphis möglichst viel zu lernen. Denn wenn erst mal die Playoffs beginnen, wird keiner mehr gegen diese Truppe spielen wollen.

Roman Schmidt @sch_rom: ... noch nicht auf Betriebstemperatur. In den letzten drei Jahren stehen die Grizzlies nach dem All Star Break summiert bei 66-27. Im Moment steht’s 6-4, was gar nicht sooo übel ist, aber es könnte eben schöner aussehen, wenn sie nicht gegen Utah oder Sacramento verloren hätten. Ihr könnt euch gerne euren eigenen All-Star Break/Winterschlaf - Witz bauen.

Seb Dumitru @nbachefkoch: ... in Cruise Control. Durch einen monströsen 14-3 Run vor dem All-Star Break haben sich's die Bären auf einem semi-komfortablen zweiten Platz gemütlich gemacht - was auch immer das im Westen wert ist. Kein Team hat mehr Siege auf dem Konto gegen die direkte Playoff-Konkurrenz in der Bestern Conference (die Warriors sind auch bei 14). Nur die Offense hat Schluckauf: Conley und Green treffen seit der Pause unter 40% aus dem Feld.


2. Die San Antonio Spurs im März sind...

Anno Haak: ... wieder die Spurs. Die Storyline ist dermaßen retroaktiv, dass man meint, der grau-schwarze Delorean kreiselt. Einsteigen: Ausgelacht, Motor an: abgeschrieben (diese Saison aber!). Gang rein: Kawhi fit. Playoffs: das Team, gegen das keiner spielen will.

Tiago Pereira: ... knackig wie Gemüse aus der Tiefkühltruhe. Der Alamo wird pünktlich zu den Playoffs zum Jungfernbrunnen. The Champs are here!

Jan Wiesinger: ... mit 6 Siegen in Folge das beste Team der Liga - zusammen mit den Pacers. Nach März kommt April und nach der Regular Season kommen die Playoffs. Und da werden die Spurs auch in diesem Jahr wieder ihren Senf dazu geben.

Roman Schmidt: ... super Französisch. Die Spurs fänden es sicher ganz angenehm, wenn die Monsieurs Parker und Diaw langsam in die Gänge kommen könnten. Es ist an der Zeit, dass vor allem Parker in die Gänge kommt. Im März und frühen April wird man erst sehen, wie stark oder schwach die Spurs wirklich sind und ob es für ein Repeat reichen kann.

Seb Dumitru: ... am aufwärmen. Sechs Siege in Folge dank eines aus seinem Flop-Jahr erwachten Tony Parker (24.5 PPG in den letzten vier) und Kawhi Leonard in Kawhi-Leonard-Finals-Form (22.4 PPG & 3.0 SPG in den letzten fünf) sind gleichbedeutend mit der zweitlängsten Erfolgsserie der Saison. Einfach. Langweilig. 

3. Die Portland Trail Blazers ohne Wesley Matthews sind...

Anno Haak: ... wieder die Blazers. Afflalo hatte sie für mich zum dunklen Pferd gemacht, jetzt sind sie wieder das Pony mit den goldigen Augen, das jeder lieb hat und in Runde zwei die Sporen kriegt (*Wortspielschulterklopf*). Es ist wohl die unzeitigste Verletzung seit dem Draft day 2007.

Tiago Pereira: ... ein Duplikat der Dallas Mavericks 2011. Arron Afflalo wird einen guten Backup für die Verletzung von Matthews geben, Lillard bleibt unfehlbar in den letzten zwei Minuten, und LaMarcus Aldridge lässt die blonden Haare wachsen.

Jan Wiesinger: ... dem Erstrundenaus geweiht. Matthews ist gegenüber Afflalo nicht nur der bessere Verteidiger, sondern konnte wie kaum ein anderer Blazer das Doppeln gegen Aldridge oder Lillard bestrafen. Rip City wird ihn schmerzlich vermissen.

Roman Schmidt: ... kein Contender. Das ist sehr traurig. Wes ist vielleicht nicht der auffälligste Spieler in der Rip City, doch ist mit seinem Ausfall nun der einzig verlässliche Bankspieler in Gestalt von Arron Afflalo gezwungen, in die Starting Five zu rücken. Sie werden absolut keine Produktion von ihrer Bank bekommen. Sobald in den Playoffs der erste Starter umknickt, sieht es komplett düster aus.

Seb Dumitru: ... kein Contender mehr. Afflalo kann zwar als Starter ein bisschen von dem erledigen, was Matthews so gut wie kaum ein anderer 'glue' Spieler konnte. Betonung aber explizit auf "ein bisschen"... und das auch nur offensiv. In der D ist 'Triple-A' nicht einmal Durchschnitt. Die etablierte Blazers-Fünf hatte die zweitmeisten Minuten der NBA absolviert und Teamchemie satt. Eine gut eingespielte Lineup ist wie eine Hand: funktioniert zwar auch noch, nachdem du dir aus Versehen den Mittelfinger abgehackt hast... aber eben nicht mehr ganz so schmoof!



4. Die Dallas Mavericks mit Rajon Rondo sind...

Anno Haak: ... blau wie der Enzian, grau wie der Durchschnitt. Verbesserungen beim Rebounding und in der Defense gehen Hand in Hand mit einer sagenumwobenen Bilanz von 14-14 seit der Ankunft von Nummer 9. Dallas mit Rondo ist das Team, das sich Golden State für Runde eins wünscht.

Tiago Pereira: ... ein Team, welches den letztjährigen Status Quo beibehalten wird: Nach Runde eins in den Playoffs ist Schluss! Erfreuen wir uns daher an den zwei, drei Prime Time Playoffspielen, in denen wir „Magic Playoff Rondo“ zum letzten (ersten) Mal im Dress der Mavs sehen werden.

Jan Wiesinger: ... unfertig. Cuban, Carlisle & Co. mussten schmerzlich feststellen, dass man einen Rondo nicht mal eben im Vorbeigehen in ein funktionierendes Teamgefüge einbinden kann. Ein Verbleib Rondos über den Sommer hinaus halte ich persönlich dennoch für denkbar.

Roman Schmidt: ... super lustig. Einmal live mitzuerleben, wie Rondo sich mit dem Coach anlegt, ist genau so toll, wie ich es mir immer vorgestellt habe. Außerdem sind sie super nicht fertig. Wenn du einen wie Rondo in deine Offensive integrieren möchtest, ohne dass er der primäre Spielmacher ist, hast du eine Aufgabe, die ganze Sommer füllen kann.

Seb Dumitru: ... Toast. Verbranntes Toast. Ohne Butter und den Morgenaufstrich eurer Wahl. Interner Beef mal außen vor: Dallas hat fünf von sieben verloren - mit 19 Punkten im Schnitt. Offense (25.), Defense (20.) und Assist-Rate (29.) nach dem Break sind katastrophal. Der Spielplan kommt jetzt knüppeldick, und OKC/New Orleans schnaufen bereits in den Pferdenacken. Das Schlimmste: die Mavs haben ihre Identität eingebüßt und das, was sie stark gemacht hat. Mal davon ab, dass "Playoff-Rondo" ein Mythos ist: was bringt der überhaupt, wenn die Playoffs verpasst werden?

5. Die Oklahoma City Thunder und Russell Westbrook sind...

Anno Haak: ... die Thunder vermutlich der Team gewordene Fluch der guten Tat von Oakland. Machen Sie mit: Gewinnen Sie 60 plus x Spiele und erhalten Sie als Preis mindestens zwei Heimspiele gegen das einzige Team mit personenverschiedenen Back to Back MVPs (schon gut). RW0 ist einfach Weltherrschaft auf zwei Beinen.

Tiago Pereira: ... wie Michael Jordan und Baseball. Eine nette Story, die talentmäßig für die Minor League Teams reicht (Philadelphia), aber für den ganz großen Wurf fehlt es an Durchschlagskraft.

Jan Wiesinger: ... ein gutes Team ohne Titelchancen. Westbrook kann sich schon mal für die sichere Postseason warm schießen, aber der Basketball der Thunder mit Kevin Durant ist ein komplett anderer: Derzeit läuft nur Russ Iso-Plays – bald darf auch KD wieder.

Roman Schmidt: ... SUPER HIGHLIGHT TV. Ein mit „Playoffs“ klar formuliertes und schwieriges Ziel, eine Offensive, in der Russell tun kann, was er möchte und Scott Brooks, der Russell tun lässt, was er möchte (als hätte er eine Wahl) ist das beste - das aller aller beste - das der Basketball Community passieren konnte. Ich wünschte Westbrook hätte sein eigenes Team

Seb Dumitru: ... das Team, gegen das in den Playoffs kein Schwein antreten will. Nicht nur wegen der radioaktiven Genmutation aus Hulk, Tasmanischer Teufel und dem hier. Oder dem plötzlich viel tieferen und kompetenteren Unterbau. Oder weil die Thunder 12 von 16 gewonnen haben und damit das de facto heißeste Team der Liga sind (Übrigens: die vier Niederlagen? Zwei Buzzer Beater, ein Overtime-L in Phoenix und back-to-back in Portland mit drei). Die News des Tages: Kevin Durant ist in knapp einer Woche wieder zurück!